Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Article
- Für die bulgarischen Kriegswaisen
- Date
- 1914-03-06
- Page
- 243 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 10 243 DIE^ELT stadt des Landes ein jüdisches Waisenheim errichten will. Eine entsprechende Anzahl von Kindern soll außerdem nach Tunlichkeit in jüdischen Waisenhäusern und Asylen des Auslandes, hauptsächlich in Palästina, untergebracht werden. Einen Anfang hat man damit in London bereits gemacht: die Portugiesisch-Spanische Gemeinde dieser Stadt hat zwei jüdische Waisenknaben aus Bulgarien in ihrem Waisenasyl untergebracht und die Aufnahme von weiteren zwei in Aussicht gestellt. Zur Ehre der bulgarischen Judenschaft muß gesagt werden, daß sie sich einmütig bereit findet, für das Hilfswerk zugunsten ihrer Kriegswaisen außerordentlich große Opfer auf sich zu nehmen. Aber die Aufgabe ist zu groß, sie steht in keinem Verhältnis zu den vorhandenen Mitteln. Ohne werktätige Unterstützung seitens der Glaubensgenossen im Auslande wird das Hilfswerk kaum erfolgreich durchzuführen sein. Das gefertigte Komitee richtet an die jüdischen Gemeinden und Korporationen, sowie an die gesamte jüdische Öffentlichkeit die ergebene Bitte, dieser armen Kinderwaisen, deren Väter als Blutzeugen für jüdische Ehre und Pflichttreue auf dem Kriegsschauplatz in Thrazien und Mazedonien gefallen sind, zu gedenken und durch gütige Unterstützung des Hlifswerks die Fürsorge für diese bedauernswerten Kinder und ihre Erziehung möglich zu machen. Gefl. Zuweisungen wolle man wie folgt adressieren: Maison de Banque Juda B. Israel & Co. '(Compte Orph & Sinat), Sofia. Für schriftliche Mitteilungen aller Art wende man sich an das Secretariat General des Ouvres juives de Charite 4S, Bd. Doudoukoff, Sofia. |iiiiiiiiiilliiiiiiiiiiiiiiiii| Griechenland |iiiiiiiii*ii!iiiiiiii!ii!iiiiii Die Juden in Saloniki Die Saloniker Presse veröffentlicht eine Depesche, derzufolge sich eine Delegation jüdischer Bürger von Saloniki zu Herrn Caillaux, dem französischen Finanzminister, begehen hat. um die Unterstützung der republikanischen Regierung für die Verleihung autonomer Rechte an die Stadt Saloniki zu erbitten, worauf der Finanzminister der Delegation empfohlen haben soll, nichts zu unternehmen, da die griechische Verwaltung durchaus befriedigend sei. Der Minister soll hinzugefügt haben, daß, wenn die Stadt Saloniki autonome Rechte erhielte, Bulgarien sich ihrer bemächtigen würde, worunter die Juden schwer zu leiden haben würden. Auf diese Nachricht hin hat die jüdische Bevölkerung der Stadt der ganzen Lokalpresse und den Zeitungen in Athen das folgende Dementi übersandt: „Wir haben mit Ueberraschung in der Lokalpresse eine Depesche gelesen, wonach eine Delegation von Juden aus Saloniki sich zu dem französischen Finanzminister Caillaux begeben haben soll, um von ihm die Unterstützung der republikanischen Regierung für die Verleihung autonomer Rechte an die Stadt Saloniki zu erbitten. Diese augenscheinlich tendenziöse Nachricht ist das Werk unserer Feinde. Wir weisen sie hiermit ebenso ausdrücklich wie entschieden zurück." -u-»um-1-.^iiiiiiiiiiii .. ■■IHinilHlDI AUS DER BEWEGUNG: fifii|rJiiiiilliillll!!!lif! Die nächsten Aufgaben des Jüdischen Nationalfonds Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Köln versendet an seine Vertrauensmänner ein Rundschreiben, dem wir folgende Darstellung der Aufgaben des „J. N.-F." in Palästina entnehmen: „Unsere Hauptaufgabe besteht nach wie vor in dem Erwerb von Grund und Boden in Palästina. Es genügt aber keineswegs, den Boden zu kaufen; er muß erst durch jüdische Arbeit zum dauernden Besitz des Volkes gemacht werden. Deshalb soll der Erwerb von Boden Hand in Hand gehen mit der Heranbildung des jüdischen Städters zu der ihm fremdgewordenen Landarbeit und mit der Erprobung und Ausgestaltung derjenigen Arbeits- und Wirtschaftsmethoden, die eine rationelle .Bewirtschaftung durch selbst arbeitende jüdische Bauern gewährleistet und in weiterer Folge die ersehnte Massensiedlung ermöglicht. Im Sinne dieses unverrückbaren Zieles hat der Nationalfonds bisher auf den wichtigsten Gebieten grundlegende Arbeit geleistet: Durch die Baumspende ist der Nationalfonds am Werke, das für Pflanzungen besonders geeignete Land aufzuforsten. Damit hat der Nationalfonds eine Kulturaufgabe übernommen, die in vorgeschrittenen Ländern der Staat erfüllt. Noch bedeutsamer ist es, daß die Pflanzungsbetriebe der Baumspende es dem jüdischen Arbeiter ermöglichen, sich in allen Zweigen der Landwirtschaft auszubilden. Durch den Arbeiterheimstättenfonds wird der jüdische Arbeiter instandgesetzt, auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds Besitzer eines kleinen Anwesens zu werden, das ihm zur Gründung einer Familie verhilft. Hierdurch sollen aber nicht nur die Daseinsbedingungen der Lohnarbeit in den bestehenden Kolonien erleichtert werden. Nach den von der Nationalfonds-Verwaltung jüngst getroffenen Maßnahmen soll nunmehr der Arbeiterheimstättenfonds auch geschlossene Siedlungen von Erbpächtern schaffen, welche die Besitzungen des Nationalfonds genossenschaftlich oder individuell bewirtschaften können. Die vom Nationalfonds begründeten und geförderten Okkupations- und Siedlungsgenossenschaften ermöglichen die Besitzergreifung von Neuland, die Ausnützung moderner Arbeitsmethoden, welche die Vorteile des Groß- und Kleinbetriebes vereinigen und die Arbeiter zur Selbstverwaltung und zur Landwirtschaft erziehen. Von der großen Bedeutung und der Durchführbarkeit dieser modernen Siedlungsmethode zeugt die großartige Entwicklung der Arbeits- und Pachtgenossenschaften in Italien, einem Lande mit ähnlichen klimatischen und Bodenverhältnissen wie Palästina, wo auf diesem Wege hunderttausende Hektar Landes im Laufe von kaum zwei Jahrzehnten mit unbestrittenem Erfolge urbar gemacht und besiedelt wurden. Gelingt es dem Jüdischen Nationalfonds, auf diese Weise die Vorbedingungen nationaler Kolonisation zu schaffen, so ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, wo große Strecken unbebauten Landes erschlossen und die notwendige Beschleunigung in der Entwicklung des arbeitenden jüdischen Palästina herbeigeführt werden kann. Darum ergeht bei Beginn des Jahres an die Freunde und Vertrauensmänner des Nationalfonds in der ganzen Welt unser Ruf: Seid eingedenk der überragenden Aufgaben unseres Fonds, setzt Eure ganze Kraft und Begeisterung, wie sie uns die Liebe zu unserem Volke und unserem Lande erweckt, für die Werbearbeit des Jüdischen Nationalfonds ein! Der Eifer unserer Freunde soll der Welt zeigen, mit welchem Emst und welchem unbeugsamen Willen wir an der Aufrichtung unseres Volkes in Erez Israel arbeiten. Vom Jüdischen Verlag Im Anschluß an unsere Notiz in der letzten Nummer unseres Blattes teilt uns der Jüdische Verlag mit, daß es im letzten Augenblick gelungen ist, noch zwei wertvolle Beiträge für das Buch „Chad Gadja" zu bekommen. In einer schönen Abhandlung stellt Theodor Z 1 o c i s t i das historische und künstlerische Werden der Peßach-Hagadah dar. Julius Heilbrunn schildert die „Chagigah", die olympischen Spiele der Palästinenser, die jedes Jahr während des Peßachfestes in der Kolonie Rechoboth stattfinden und die der Verfasser als Teilnehmer der vorjährigen Palästinafahrt mitgemacht hat. Das Peßachbuch erscheint zu Purim. — Ungefähr gleichzeitig mit dem Chad Gadja werden auch die schon lange erwarteten „Kleinen Geschichten aus der Bibel" von Schalom Asch herauskommen. Das Buch wird sehr vornehm ausgestattet sein und ist als der Typus