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Die Welt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. 242

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Article
Die Ausländerfrage an der Pariser Universität
Date
1914-03-06
Page
242 (sequence 2)
Language
German
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242 DIEXfcELT Nr. 1Ö Konkurs teilnehmen können. Aui dem Umweye dieser Maßregel, mit welcher man die Form wahren will, erstrebt man eingestandenermaßen, die Ausländer von dem Internat auszuschiießen, die sich im allgemeinen mit dem hier vom Staatsdiplom verschiedenen Universitätsdiplom begnügen, da für das erste re das französische Abiturientenexamen erforderlich ist. Damit wäre der erste Wunsch der Antisemiten berücksichtigt, die ihren , Lesern nicht genug über die Ueberfüllung der Spitäler mit Fremden erzählen können. Diese natürlich ganz unbegründete und vexatorische Maßregel hat im Gegensatz zu anderen Ländern den Widerspruch des gesamten Lehrkörpers gefunden. Eine von den Abteilungsleitern sämtlicher Kliniken gewählte Abordnung von Professoren, unter denen sich u. a. die Herren Landouzy, L a b b e und Hartmann befanden, sprach dieser Tage beim Minister des Innern vor, um gegen die neue Verordnung zu protestieren. Sie wies auf den schikanösen Charakter der Reform hin, für die praktisch gar keine Begründung vorliege, da von den in den letzten drei Jahren aufgenommenen 267 Internen nur drei (!) dadurch betroffen würden, und die ihre wirklichen Motive in der gemachten Fremdenfeindschaft habe, welche dem wohlverstandenen Interesse Trankreichs in materieller und moralischer Hinsicht zuwiderlaufe. Der Minister, auf den diese Argumentation sichtlich Eindruck gemacht hatte, versprach eine neue Prüfung der Frage vorzunehmen, bevor er die Verordnung bestätige. iiiliilillllililliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Italien Zur Richtigstellung Wir erhalten von Herr A. Heilbrunn in Rom folgende Mitteilung: Im Aufträge des Komitees „Convegno Giovane Ebraico", Rom, gestatte ich mir zu der Notiz in Nr. 6 der „Welt" folgendes zu berichtigen: Der 111. Kongreß der jüdischen Jugend Italiens, welcher am 22.—24. Februar in Rom stattfindet, ist kein zionistischer Kongreß, sondern will nichts anderes, als die Vereinigung der Juden aller Tendenzen, die an dem Wiederaufblühen des Judentums Interesse haben. Zwar sind viele Mitglieder des Komitees überzeugte Anhänger des Zionismus, jedoch verhalten sie sich in ihrer Funktion absolut neutral. Dieses erfreuliche Zusammenarbeiten der verschiedensten Richtungen erklärt sich daraus, daß hier in Italien der Kampf zwischen den verschiedensten Tendenzen nicht so erbittert ist wie in Deutschland. Deshalb ist es uns möglich, gemeinsam für das Aufblühen des Judentums zu arbeiten. Türkei Die Nationalversammlung der türkischen Juden (Von unserem Konstantinopeler Berichterstatter.) Am Sonntag, den 22. Februar, fand in Konstantinopel eine Sitzung des Medschliss umumi, der Nationalversammlung des türkischen Judentums, statt. Vom Medschliss umumi wird der Medschliss dschisman i gewählt, eine Körperschaft von neun Personen, welche gemeinsam mit dem Großrabbiner die Verwaltung der Konstantinopeler jüdischen Gemeinde und die Vertretung der Interessen des türkischen Judentums besorgt. Der Einfluß des nationaljüdischen Elements ist in diesen Körperschaften von Jahr zu Jahr gewachsen. Auch die am 22. Februar abgehaltene, sehr stark beschickte Tagung des Medschliss umumi bewies, daß die Bedeutung des nationaljüdischen Elements hier weit größer ist als in irgendeiner anderen jüdischen Gemeinde der Welt. Insbesondere zeigte sich dies bei den Wahlen, welche infolge des Rücktritts des Medschliss dschismani vorgenommen wurden. Es wurden folgende Herren gewählt: Mentech Pascha Galim i d i, Z e k i bey A I b a 1 a, M. Abramowitsch, Aron Barzilai, Haim Asseo, S. Arouete, Vitali Coenca, H. R e i s n e r, Meir Coenca. Die beiden erstgenannten Herren sind neutrale Persönlichkeiten, die übrigen sieben ausgesprochene Nationaljuden, zum Teil Zionisten. — Das neugewählte Präsidium des Medschliss umumi besteht aus den Herren Nahmias bey, Nessim Effendi Rousso und J. Barzilai. Ein Jude im türkischen Staatsrat Bisher gehörte dem türkischen Staatsnu, der höchsten Verwaltungsbehörde des osmanischen Reiches, kein Jude an. Nunmehr steht die Ernennung eines jüdischen Richters, Z e k i bey A l b a I a, zum Mitglied des Staatsrats bevor. Er gehört auch dem neu gewählten Medschliss dschismani an. Seine Haltung in innerjüdischen Angelegenheiten kann als neutral bezeichnet werden, doch steht er dem Nationaljudentum freundlich gegenüber, hat Verständnis für die moderne jüdische Entwicklung und gilt als sympathischer Charakter, der sicherlich die jüdischen Interessen in seinem neuen ehrenvollen Amt nicht vernachlässigen wird. Rumänien Die rumänische Regierung und die Gleichberechtigung der Juden (Von unserem Berichterstatter) Die Parlamentswahlen sind zu Ende und die Lage ist geklärt: die Regierung wird ihre wiederholten Zusagen, wenigstens den Juden, die an dem letzten Feldzug teilgenommen haben, die Gleichberechtigung zu gewähren, nicht erfüllen. Während des Wahlkampfes erklärten die Führer sämtlicher Parteien, daß sie gar nicht daran denken, den famosen § 7 der Verfassung zugunsten der Juden zu ändern, wie jede Partei wechselseitig von der Gegenseite „beschuldigt" worden war. Herr C. Stere, Führer der Nationalliberalen, sagte in einer Wählerversammlung in Jassy: „Vor allem müßte, damit es überhaupt zu dieser Aenderung kommen kann, über die Leiche des rumänischen Volkes geschritten werden; unser Volk will von gleichen Rechten für die jüdischen Fremdlinge nichts wissen und würde sich wie e i n Mann dagegen auflehnen." Die Regierung selbst hat für ihre „redliche“ Gesinnung in bezug auf die Judenfrage einen tatsächlichen Beweis geliefert, der alle Beteuerungen überflüssig macht. Die beiden Führer der nationalistisch-antisemitischen Partei, dije Professoren J o r g a und Cuza, wurden mit ihrer Hilfe gewählt. Jorga hat wenigstens als Schriftsteller und Geschichtsforscher einige Bedeutung und war bereits in der letzten Session Mitglied des Parlaments. Hingegen zählt Cuza als Gelehrter überhaupt nicht und ist als Mensch und Politiker selbst im Kreise seiner judenfeindlichen Gesinnungsgenossen verrufen. Er hetzt das Volk in blutrünstiger Weise zu Pogromen „nach russischem Muster" auf. Und dieser Hooligan wurde wider alles Erwarten, ja vielleicht zu seiner eigenen Ueberraschung mit Hilfe der „liberalen" Regierung ins Parlament gewählt! Das Komitee der „Vereinigung der eingeborenen Juden" setzt unter solchen Auspizien den völlig aussichtslosen Kampf um die Gleichberechtigung fort. Kürzlich überreichte es dem Ministerpräsidenten, J. J. Bratianu, eine Denkschrift, die sich auf die vom Minister des Aeußern V. Boerescu im Jahre 1S79 in einer Note an die Mächte gegebene Versicherung beruft, wonach die im Lande geborenen Juden nicht als Fremde, sondern als rumänische Staatsangehörige behandelt werden sollen. Entgegen den von ausländischen Zeitungen verbreiteten Nachrichten hat dem Komitee weder der Ministerpräsident noch König C a r o 1 irgendwelche Zusicherung zugunsten der Juden gegeben. HlllillllllilllllilllllllllllllHIlilllllllllil!!lllliil]l)llllll!ll!ll]|l!l!)ll!!llillll!ll]l! jcmiganeii Für die bulgarischen Kriegswaisen Folgender Aufruf an die jüdische Oeffentlichk e i t wurde uns zugesandt: Die Juden, welche in den Lagern aller kriegführenden Staaten mitgekämpft haben, haben unter den Folgen der Balkankriege gegenwärtig schwer zu leiden. Im kleinen Bulgarien, dessen jüdische Einwohnerschaft ungefähr 40000 Seelen beträgt, zählen die im Kriege gefallenen jüdischen. Soldaten nach vielen Hunderten. Mehr als BO hilflose Waisenkinder, Knaben und Mädchen, bilden die traurigen Hinterlassenschaft der jüdischen Blutzeugen auf bulgarischer Seite. Für diese den ärmsten Ständen angehörenden jüdischen Kriegswaisen soll nun gesorgt werden. Unter denn Vorsitz des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis wurde in Sofia ein Komitee für Waisenfürsorge gebildet, welches in der Haupt- 6999999999999990 91010201000101000102020102

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