Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Article
- Baron Edmund Rothschild in Palästina
- Date
- 1914-03-06
- Page
- 241 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 10 241 DIE^ELT Sammlungen. Er wohnte auch dem Tum- und Sportunterrichte bei, sowie den Arbeiten der Schüler im Garten des Gymnasiums. Baron Rothschild erkundigte sich nach den Baukosten der Anstalt und weiteren Details und wünschte ein schriftliches Memorandum über die Lage des Gymnasiums, was ihm bereitwillig versprochen wurde. Zum Schluß ging er noch in die erste Vorbereitungsklasse und verabschiedete sich in herzlichen Worten von den Lehrern, denen er für ihre treue und hingebungsvolle Arbeit Anerkennung aussprach. Er empfing noch die Besuche von Dr. Ruppin, Rosenwald (mit dem er sich ebenfalls über die große Bedeutung der Neubelebung der hebräischen Sprache unterhielt), Lewont i n und H o o f i e n. Mit den beiden Direktoren der A. P. C. unterhielt er sich lange über unsere Bank und ließ sich eingehend über die einzelnen Posten der letzten Bilanz informieren. Nachmittag fuhr er nach Jerusalem. Die „Hacheruth“ hat aus diesem Anlaß eine besondere „Baron-Rothschild-Nummer“ herausgegeben. iiiiiiiiniiiiiiiiiiiinmiiiiiiiiiinii:iniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiimiiiniiiiiiiiiiiii:iiiiinniiiiMiiii niiiniiMiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiimiiiiiiiitiiiii! WELTCHRONIK 1111! tiiiiuiiiiiiiiitiiiiiiiiiimiitiimiiiiiiiiiiiiititiuiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiufiiiiniiiuiiiimiiitiiiiiiiiiiiiiiitiiitiiiiimiiiiiiiiiiimiitiii Lilien-Ausstellung in Lemberg Vor einigen Tagen wurde in Lemberg im Saale des polnischen Vereines der schönen Künste eine Ausstellung der Werke des bekannten jüdischen Malers Ephraim Mosche Lilien eröffnet. Das Interesse für die Ausstellung ist um so größer, als der Künstler aus Drohobycz in Galizien stammt, dort in seiner Jugend in der zionistischen Partei tätig war und in Lemberg das Gymnasium besuchte. Schon am ersten Tage wurde die Ausstellung von 1000 Personen besichtigt. Es ist für Galizien bezeichnend, daß auch bei einer solchen Gelegenheit politische Fragen aufgerollt werden. Ein Teil der polnischen, allem Jüdischen so feindlichen Presse, ließ es sich nicht nehmen, Lilien, dessen jüdisch-nationale Gesinnung so bekannt ist, einen Polen zu nennen. Dies schien sogar dem „Stowo Pölskie", dem Blatte der Allpolen, zu plump. In einer sehr rühmenden Besprechung stellt es fest, daß Liliens Kunst durchaus nationaljüdischen Chaarakter habe, und dieser müsse, so wie er sei, geschätzt werden. Allerdings hätte die Ausstellung nicht unter der Flagge eines Vereins für schöne Künste segeln sollen, dessen Aufgabe es doch ist, nur polnische und nicht zionistische Kunst zu stützen. iillliiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilllllil Rußland IllllllllllllllillllllllllilOlllllllllllillll Die Wendung» in der Fastower Ritualmordaffäre In der Fastower Affäre ist eine Wendung eingetreten. Die des Ritualmords verdächtigen und verhafteten Ephraim Paschkow und sein Geselle Gutharz sind gegen Stellung einer größeren Kaution freigelassen worden. Offenbar hat der Justizminister Stscheglowitow während seines Kiewer Aufenthaltes, als er die ganze Materie näher kennen lernte, eingesehen, daß die russischen Machthaber sich durch den zweiten Ritualmordprozeß noch mehr als durch den Fall Beilis blamieren würden. Die Kiewer Justizbehörden fanden allerdings nicht den Mut, ihren Irrtum einzugestehen und die Sache ohne weitere Klauseln fallen zu lassen. Paschkow und Gutharz mußten also noch eine Kaution stellen. Daß die Anklagebehörden sich damit lächerlich machen, ist klar. Wenn der Verdacht des Ritualmordes auch nur einen Schatten der Berechtigung hätte, wie hätte man dann solch fürchterlichen Verbrechern die Freiheit gewähren können? Jedenfalls ist man allgemein überzeugt, daß es nie zu einem Ritualmordprozeß wegen des Fastower Falles kommen wird. lIlilllllllllllHIlIlillllllülülüilli! Frankreich Vom jüdischen Ghetto in Paris Unser Pariser Berichterstatter schreibt uns: Die allgemein beobachtete Tendenz der jüdischen Einwanderer, sich in den neuen Ländern möglichst in kompakten Massen zusammenzuschließen, hat in Paris zu einer eigenartigen politischen Situation geführt, ln Frankreich ist nämlich die Zahl der Abgeordneten nicht konstant, sondern sie hängt von der Bevölkerungszahl — nicht Wählerzahl — der einzelnen Verwaltungskreise ab. Unter den Kreisen nun, die bei den nächsten Wahlen einen zweiten Abgeordneten erhalten, figuriert auch der vierte Pariser, das Zentrum des hiesigen Ghettos. Während seit Jahren eine ständige Verschiebung der Bevölkerung von den zentralen Kreisen nach der Peripherie und den Vororten wahrzunehmen ist, erscheint hier plötzlich in diesen alten, tengen Stadtteilen ein Bevölkerungszuwachs, der ausschließlich auf das Konto der ausländischen Juden zu setzen ist. Da die Naturalisation hier sehr erschwert ist, hat die übergroße Mehrzahl derselben kein Wahlrecht. So konnte es kommen, daß das Pariser Juden viertel durch einen waschechten Antisemiten, Herrn F a i 11 i o t, vertreten ist. Dieser Politiker, eine sonst unbekannte Größe, macht von Zeit zu Zeit von sich reden als Führer von Deputationen von Ladenbesitzern, die im Bestreben, sich der geschäftlichen Konkurrenz der Juden zu erwehren, allerlei Beschwerden gegen die Fremden bei den Behörden anbringen. Bald ist es der traurige hygienische Zustand, in dem die eng zusammengedrängte Masse lebt und der eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit bedeute, bald die phantastische Idee, daß die große Zahl fremder Juden Emissäre einer feindlichen Nation seien und in einem kritischen Augenblick über ihre Nachbarn herfallen könnten! Zur Abwehr schlug Herr Failliot Maßregeln gegen die Einwanderung, Erschwerung der Naturalisation und — besondere Steuern für ausländische Gewerbetreibende vor. Wie die Sache liegt, werden die beiden neuen Wahlkreise, die nach der Teilung wohl die wenigsten Wähler von ganz Frankreich zählen, wahrscheinlich auch wieder Abgeordnete von derselben Färbung ins Parlament senden. Und so werden wir erleben, daß die Antisemiten, welche gegen die jüdische Einwanderung hetzen, aus derselben eine direkte Stärkung ihrer Partei ziehen. Es wäre an der Zeit, daß diesem beschämenden Zustande ein Ende gemacht würde. Es ist nicht zweifelhaft, daß ein energisches Vorgehen Erfolg hätte. Die paar Hundert Haus- und Ladenbesitzer, die sich auf Kosten der Juden bereichern, könnten gewiß auf den Luxus verzichten, einen Antisemiten zu wählen. Die Franzosen zeigen für ökonomische Fragen genug Verständnis, um einer nachdrücklichen Forderung der als Konsumenten für sie sehr wertvollen jüdischen Masse nachzugeben. Natürlich können die Ausländer selbst den Kampf nicht führen, die französischen Juden müßten sich in die ersten Reihen stellen. Wir glauben, die einfache Selbstachtung müßte ihnen gebieten, mit aller Energie gegen diese beispiellose Verhöhnung anzukämpfen. Die Ausländerfrage an der Pariser Universität Die in Frankreich nach bewährtem Muster unternommene Agitation gegen die „ausländischen" Studenten hat nun auch einen offiziellen Erfolg zu verzeichnen. Die erste Behörde, welche der Hetze der antisemitischen Presse Rechnung trägt, ist der Aufsichtsrat der Assistance Publique des Seine-Departements, deren Vizepräsident der Senator Paul Strauß ist. Diese Behörde, der sämtliche Pariser Hospitäler unterstellt sind, hat den in Versammlungen und Zeitungen gestellten Forderungen gemäß die Zulassung der Studierenden resp. diplomierten Aerzte als Interne (Assistenten) neu geregelt und dabei die neue Bestimmung getroffen, daß fortab nur Bewerber mit dem Staatsdiplom am 020023230002020102012348000148530000000101 B-302...::.81C