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Die Welt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. 240

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Article
Die vierte Konferenz der judäischen Landarbeiter
Date
1914-03-06
Page
240 (sequence 2)
Language
German
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240 Nr.^IO die^kelt mit bedeutenden Defiziten Nichtjuden beschäftigt- Jetzt endlich ist es gelungen, diese Pflanzung zu einem Zentrum! jüdischer Arbeit zu machen. Zum erstenmal erhielten jüdische Arbeiter die Möglichkeit, Plantagenarbeit auf eigene Verantwortung zu übernehmen. Möglich, daß dies auch Privatbesitzer von Plantagen von der Rentabilität der jüdischen Arbeit überzeugen wird. Wichtig ist das Verhältnis der Gruppe zum Nationalfonds. Wenn wir der Ansicht sind, daß eine gesunde Kolonisation nur vom National fonds zu leisten ist, so muß doch vor allem unser Verhältnis zum Jüdischen Nationalfonds klar sein und wenn wir von ihm eine Arbeit übernehmen, müssen wir auch alles daran setzen, um sie gut aus zu führen. (Ich halte diese Aeußerung für symptomatisch. Sie ist eine Konsequenz der W i t k i n - sehen Auffassung des Nationalfonds, wie sie seinerzeit in der „Welt" mitgeteilt wurde. J. F.) Wir haben uns deshalb bemüht, im Gan-Schmuel, der Besitz des Nationalfonds ist, eine geeignete Gruppe zusammenzustellen und hoffen auf Erfolg. Was Daganja für die Ausbildung der jüdischen Arbeiter im Getreidebau in Galiläa bedeutet, das wird wahrscheinlich der Gan-Schmuel für den Pflanzungsbau in S a m a r i a werden." Der Bericht erwähnt ferner die neuen Siedlungen A i n - C h a i bei Pethach-Tikwah, Ruchamah bei Gaza, Kirjat-Mosche bei Sijed und Kerkur bei Chederah. Der Referent konstatiert, daß man an diesen Orten jüdische Arbeiter beschäftigt, daß man aber keine Gewähr habe, ob dies auch auf die Dauer der Fall sein wird. Ein zweistündiges Referat hielt Agronom J. W i 1 k a n s k i. Als Grundlage seines Referates diente ihm das Buch „D i e Arbeits - und Pachtgenossenschaften Italiens“ von W. D. Preyer, das im vorigen Jahre erschienen ist. Auf die Bedeutung dieser italienischen Genossenschaften für die Oppenheimersche Lehre von der „Siedlungsgenossenschaft" hat Herr Dr. Lothar Meyer, Redakteur des Landlexikons, noch vor vier Jahren den Schreiber dieser Zeilen aufmerksam gemacht. Den Ausführungen Wilkanskis kam es besonders zustatten, daß er kürzlich Gelegenheit hatte, diese Genossenschaften an Ort und Stelle kennen zu lernen. Seine Darstellung hatte daher den Reiz des Unmittelbaren. Daß auch Wilkanski seine ganze Hoffnung bezüglich der Kolonisation Palästinas auf den Jüdischen Nationalfonds und nicht auf die Privatinitiative setzt, wird den Kenner seiner Aufsätze nicht weiter wundernehmen. Seine Schlußworte verdienen hier erwähnt zu werden. „Denken Sie also an den Nationalfonds und suchen Sie den Schlüssel zum Herzen der Nation, auf daß sie verstehen lernt, was aus diesem Fonds für sie werden kann. Die Besten und Edelst en unter uns müssen sich klein dünken in Anbetracht der Größe des Gedankens, der dem Nationalfonds zugrunde liegt, und sollten daher die Arbeit für den Nationalfonds zu ihrem Lebensinhalt machen: von der Realisierung dieses Gedankens hängt unsere Erlösung ab." O quae mutatio rerum! Als ich vor Jahren als Erster im „Hapoel Hazair" diese Gedanken auseinandersetzte, wurde ich ausgelacht. . , . Freilich ist auch jetzt noch viel ehrliche Arbeit zu leisten, um diese Erkenntnis in lebendige Tat umzusetzen. Immerhin ist dadurch eine Wegweisung für die nächsten Jahre gewonnen. Viel Zeit nahm die Frage in Anspruch, ob die jüdischen Arbeiter ihre Bemühungen um die Einbürgerung der jüdischen Arbeit in den bestehenden Kolonien fortsetzen oder, angesichts der geringen bisherigen Erfolge, diese Bemühungen aufgeben und sich ausschließlich den neuen Siedlungen zuwenden sollten. Ein längeres Referat von Katzeneisohn behandelte die Frage von weiteren Gesichtspunkten. Die Konferenz pflichtete seinen Ausführungen bei und nahm folgende Resolution an: „Gleichzeitig mit der Arbeit für die Schaffung eines arbeitenden Jischub, der sich selbst und dem Volke verantwortlich fühlt, setzen wir auch unausgesetzt die Bemühungen in den alten Kolonien fort und suchen den Umkreis der jüdischen Arbeit zu erweitern. Die Konferenz verpflichtet daher die Komitees und die bereits heimischen Arbeiter in den Kolonien, für die neuen Arbeiter Arbeitsgelegenheit zu verschaffen, ihnen auch materielle Hilfe zu leisten, eine Arbeiterküche oder wenigstens einen Arbeiterklub, wo das öffentliche und kulturelle Leben der Arbeiter sich konzentrieren soll, zu schaffen. Die übrigen neun Resolutionen seien hier noch kurz skizziert. Die vierte Konferenz betonte nochmals die große Bedeutung der Arbeitersiedlungen, namentlich in der Nähe der erst im Entstehen begriffenen Kolonien. Diese Arbeitersiedlungen dürfen kein allzu kleines Areal haben. Im Gegenteil: es müsse von vornherein genügend Boden für eine spätere Ausdehnung der Arbeitersiedlung reserviert werden. Die Schaffung eines arbeitenden Jischubs sei die Hauptaufgabe des Nationalfonds, und zwar müßte er den Siedlern den Boden in Erbpacht übergeben, während der nötige Agrarkredit für die Installation durch die anderen Kolonisationsgesellschaften geschaffen werden soll. Die Besitznahme eines neuen Bodens durch jüdische Arbeiter, bei dem man nicht sicher ist, daß die Arbeit dauernd von Juden verrichtet werden wird, sei bedeutungslos. Die Konferenz erkennt die große Bedeutung der nationalen Farmen an und ermächtigt den Vorstand, mit der Verwaltung über die notwendigen Reformen zu verhandeln. Arbeiterhäuser sollen von nun an nicht vom Nationalfonds, dessen Mittel nur für Geulath H a a r e z verwendet werden sollen, sondern von anderen Kolonisationsgesellschaften erbaut werden. Die Jemeniten sind bezüglich des Arbeitslohnes den aschkenasischen Arbeitern gleichzustellen. Der Arbeitsnachweis sei weiter auszugestalten. Eine genaue Arbeiterstatistik sei im Laufe des nächsten Jahres gleichzeitig in Judäa und Galiläa durchzuführen. Für die Aufnahme in die Arbeiterorganisation sei es erforderlich, daß man zumindest drei Monate in Palästina gearbeitet hat. Jedes Mitglied ist verpflichtet, der Krankenkasse beizutreten. Es wird ein allgemeiner Arbeitervorstand gewählt, der sich aus Mitgliedern der judäischen und der galiläischen Organisationen sowie das „Haschomer" zusammensetzt. Baron Edmund Rotschiid In Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Wie bereits mitgeteilt, besuchte Baron Rothschild Sonntag, den 15. Februar, die Kolonie Pethach-Tikwah. Er weilte dort zirka 5 Stunden und war über die großen Fortschritte der Kolonie außerordentlich erfreut. Er besuchte auch A i n - G a n i m und die Jemenitensiedlung des National- Von Pethach-Tikwah kehrte er, wie bereits gemeldet, über T e 1 - A w i w zum Schiffe zurück. Am Montag, den 16. Februar, besuchte er Mikweh- Israel und die Kolonien Rischon le-Zion, Ness-Zionah, Rechoboth und Ekron. In Mikweh-Israel unterhielt er sich mit dem neuen Verwalter, Herrn Agr. Krause, der früher die Farm der J. C. A. in S e j e r a leitete. Den Schülern sagte der Baron, daß die Schule jetzt ausgestaltet werden würde, und daß ihr Bestreben sein müsse, im Lande zu bleiben. Diesen Gedanken sprach er auch in Rischon le-Zion aus und bedauerte es, daß der dortige Nachwuchs vielfach die Kolonie verlassen hat. Vor der Arbeitersiedlung Nachlath Jehudah (Gründung des Odessaer Komitees in der Nähe von Rischon le-Zion) wurde er von den Vertretern der Chewowe Zion: Dr. Chissin, Scheinkin und Barsilai (Eisenstadt) sowie von Gluskin u. a. erwartet. Barsilai hielt eine kurze Ansprache in hebräischer Sprache. Im Namen der Arbeiter dieser Siedlung sprach Zitowsky. Der Baron drückte seine Freude über die -jüdischen Arbeitersiedlungen aus und ersuchte, dem Odessaer Komitee mitzuteilen, daß er diese Kolonisationsmethode sehr hoch einschätzte. — Da er noch am selben Abend zum Schiffe zurückkehren mußte, war der Besuch in den drei anderen Kolonien sehr kurz bemessen. Dienstag früh besuchte er und die Baronin in Begleitung der Herren Frank und Brüll unerwartet das Jaffaer Hebräische Gymnasium. Im Direktionszimmer erkannte er die Bilder H e r z 1 s und Pinskers und fragte nach den Bildern von Herrn und Frau Moser, die dort ebenfalls hängen. Herr Direktor Dr. Mossinsohn gab Bescheid und geleitete die Besucher in die Klassen. Der Baron wohnte abwechselnd dem Unterricht in der hebräischen Sprache, Physik und Geographie bei. Besonders beim letzten Gegenstand zeigte Baron Rothschild besonderes Interesse, erkundigte sich nach den Ausflügen der Schule und besichtigte die mineralogischen

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