Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Article
- Vater und Sohn
- Date
- 1914-03-06
- Page
- 239 (sequence 1)
- Language
- German
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liililiilliilllll PALÄSTINA - RUND SCHAU lllllllllllil! | ---1 .. .. . ..- -- l»»»«»i»»»»u»»»»»n»»»»m»i? Vater und Sohn _ Z Ein denkwürdiger Brief Vor einiger Zeit wurde der jüdische Landarbeiter Mosche Barsky in Daganja von unbekannten Arabern überfallen und meuchlings getötet. Seine Kameraden von der Arbeitergenossenschaft Daganja richteten an seinen Vater, der in einer kleinen Stadt des Kievver Gouvernements lebt, einen Brief, in welchem sie ihm ihr Beileid zu seinem großen Verluste aussprechen. Darauf erhielten sie folgende Antwort: „Sehr geehrte Freunde, Arbeiter von Daga n j a! Ich habe Euren mit Blut und Tränen geschriebenen Brief erhalten. Ich fand darin echte Worte aus der Tiefe liebender Herzen, die in einem ewigen und unzerreißbaren Bunde stehen. Teure Brüder! Unerwartetes Unglück ist über uns gekommen, wir haben einen großen Verlust erlitten — aber ich glaube, daß Ihr nicht den Mut verlieren werdet. Ich hoffe im Gegenteil, daß Euch das Andenken meines verstorbenen Sohnes Kraft einflößen wird, den heiligen Kampf zu Ende zu führen und die große Idee zu verwirklichen, für die mein Sohn in Eurer Mitte sein Blut und sein Leben geopfert hat. Gesinnungsbrüder! Ich will Euch nicht nur für die Worte Eures Beileides danken, sondern auch selbst Euch mein Beileid aussprechen; denn mein Schmerz ist auch Euer Schmerz. Wir wollen miteinander hoffen, daß das Blutopfer meines Sohnes und Eures Bruders Mosche in Gnaden aufgenommen und daß es vielleicht das letzte Opfer auf dem Altar unserer heiligen Idee sein wird. Mit Zionsgruß und herzlichem Beileid Euer Euch schätzender Hirz Barsky.“ Der trauernde Vater hat sichs an diesem Brief nicht genügen lassen, sondern gleichzeitig seinen jüngeren Sohn nach Daganja geschickt, einen sympathischen Jüngling, der ebenso fleißig und hingebungsvoll bei der Arbeit ist, wie sein älterer Bruder. Die vierte Konferenz der judäischen Landarbeiter Von J. Feldmann, Jaffa In den Chanukahtagen fand in Rischon Le-Zion die vierte Konferenz der jüdischen Landarbeiter in Judäa statt. Heute liegen bereits die Referate, die Verhandlungsberichte sowie die Resolutionen dieser Konferenz, die drei Tage und vier Abende dauerte, vollständig vor. Liest man all dies mit Aufmerksamkeit, so gewinnt man den Eindruck, daß diese Tagung eine denkwürdige war. Sie zeigt uns die palästinensische Arbeiterbewegung auf neuen Bahnen. Die kolonisatorischen Gedanken, die hier entwickelt wurden, werden vielleicht das Programm unserer Kolonisationsarbeit für die nächsten Jahre bilden. Dieser Umstand hebt diese Konferenz aus dem Rahmen ähnlicher Beratungen heraus und verleiht ihr eine ganz besondere Bedeutung. Die Organisation der landwirtschaftlichen Arbeiter ist erst vor 21/2 Jahren ins Leben gerufen worden. Bis dahin gab es namentlich in Judäa nur die zwei bekannten Arbeiterorganisationen: „Hapoel Hazair“ mit mehr nationaler Tendenz und „Poale Zion" mit anfänglich stärkerer Betonung des sozialistischen Gedankens — was aber in letzter Zeit durch die Einwirkung der örtlichen Verhältnisse immer weniger geschieht. Diese Zerklüftung der Arbeiterschaft in zwei rivalisierende Parteien hat lange Zeit schädliche Folgen gezeitigt. Und als man endlich zur Gründung einer dritten unparteiischen Organisation schritt, wo sich Arbeiter beider Parteien sowie unorganisierte Arbeiter zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden sollten, da war sie zunächst den beiden bestehenden Organisationen wenig erwünscht. Aus diesem Grunde, sowie überhaupt wegen der allgemein schwierigen Existenzbedingungen des jüdischen Landarbeiters in- Palästina entwickelte sich anfangs die neue Organisation nur kümmerlich. Im letzten Jahre jedoch trat ein merklicher Fortschritt zutage. Einerseits haben sich die zwei politischen Arbeiterorganisationen mit den Bestrebungen der dritten unpolitischen allmählich abgefunden. Ja, sie erkannten auch den Vorteil, der darin besteht, daß verschiedene praktische Arbeiten der neuen Organisation zugewiesen werden können. Andererseits hat der Vorstand des letzten Jahres, vor allem der Arbeiter B. Katzeneisohn, der eigentliche Leiter der unparteiischen Arbeiterbewegung, es verstanden, die Organisation auszugestalten und ihr Ansehen bei den maßgebenden kolonisatorischen Faktoren zu erhöhen. Der vierten Konferenz wohnten 58 Delegierte und ca. 200 Arbeiter aus den benachbarten Kolonien als Gäste bei. Sie wurde von B. Katzeneisohn eröffnet, der zuerst den im letzten Jahre gefallenen Arbeitern und Wächtern einige Worte treuen Gedenkens widmete und dann über die jetzigen Arbeiterverhältnisse referierte. Nach dem vorliegenden statistischen Material beträgt jetzt die Zahl der jüdischen Landarbeiter in Judäa ca. 1000. Somit hat sich die Zahl der Landarbeiter im letzten Jahre .um ca. 20 fl/o vergrößert, und zwar durch Einwanderung von Aschkenasim, da im letzten Jahre in der Einwanderung der Jemeniten ein Stillstand eingetreten ist und die Sephardim in Judäa sich noch immer der Landarbeit nicht zuwenden. Besonders bemerkenswert ist die Zahl der Arbeiterinnen, die von 27 im vorigen Jahre auf ca. SO in diesem Jahre gestiegen ist. Ferner kennzeichnet die neue Einwanderung, daß sie zum Teil aus Arbeiterfamilien besteht. Auf die einzelnen Kolonien übergehend, schätzt der Referent die Zahl aller landwirtschaftlichen Arbeiter in Pethach- Tikwah auf ca. 5000, wovon die jüdischen Arbeiter ca. 10 »;« ausmachen. A i n - G a n i m , die Arbeitersiedlung in der nächsten Nachbarschaft von Pethach-Tikwah, beschäftigt außer den eigenen Arbeitskräften noch eine Anzahl Arbeiter. Da dort sämtliche Arbeiten von Juden verrichtet werden, so erhalten dort jüdische Landarbeiter die Möglichkeit, sämtliche Arbeitszweige zu erlernen. „Ain-Ganim ist die beste Lehrfarm", betonte der Referent mit Stolz. In Rechoboth kommt in erster Reihe die „Agudath N e t a i m“ in Betracht. Sie beschäftigt wohl jüdische Arbeiter, aber nach Ansicht des Referenten sind ihre Arbeitsbedingungen derart schlecht, daß die Arbeiter bei ihr nicht bleiben können. In letzter Zeit hat die kleine Kolonie „N e s s - Z i o n a h" (Wadi-il- Chanin), die beträchtliche Orangenpflanzungen besitzt, eine größere Anzahl jüdischer Arbeiter beschäftigt. In Rischon Le-Zion ist mit der Begründung der benachbarten Arbeitersiedlung „N achlath Jehudah“ durch das Odessaer Komitee eine merkliche Wandlung zum Besseren zu verzeichnen. Kfar-Saba stellt nach Ansicht des Referenten eine verschlechterte Auflage von Pethach-Tikwah dar. Der jüdische Arbeiter habe dort keine Stätte. In Chedera ist wieder die „Agudath Netaim" ausschlaggebend,, sie soll aber hier dem jüdischen Arbeiter gegenüber noch rigoroser als in Rechoboth sein. Hingegen bietet der Gan-Schmuel den jüdischen Arbeitern Arbeit unter günstigen Bedingungen. Ben- Schemen und Hulda beschäftigen 114 Arbeiter. Im Laufe dieses Jahres waren die nationalen Farmen die einzigen Stätten in Judäa, wo die Arbeiter sich auf sämtlichen' Gebieten der Arbeit und des Betriebes betätigten, vom Getreide- und Pflanzungsbau, der Milchwirtschaft, dem Gemüsebau angefangen, bis zum Pferdebeschlagen und allen Bauarbeiten. Neu war in diesem Jahre in Ben-Schemen der Gemüsebau, der durch eine Gruppe von Arbeiterinnen besorgt wird. Zwei andere Arbeitergruppen hat das Palästina-Amt in K a s t i n i e und im „Gan- Schmuel" (wie oben erwähnt) geschaffen. Der Referent ist der Ansicht, daß der letztgenannten Arbeitergruppe eine besondere Bedeutung zukomtne: „Bis dahin wurden im „Gan-Schmuel"