Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1914-03-06
- Page
- 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 Nr. 10 DIE^ELT das Galuth gesiegt. Je zahlreicher seine positiven Schöpfungen, desto vollständiger werden seine Siege sein." In Nr. 37 der „Hazephira“ schreibt N. S.: Wir wollen keine Siegesfanfaren ertönen lassen und schadenfroh über den Mißerfolg der Männer jubeln, die die natürlichen Rechte unserer nationalen Sprache am Haifaer Technikum antasten wollten. Wir wollen die unerquickliche Polemik nunmehr, da der Weg zur Geberwindung der Krise gefunden worden ist, nicht länger fortsetzen. Unser Kampf war ja von vornherein kein Angriffskampf; sehr wider unseren Willen mußten wir einen Teil der gegen uns gerichteten Verdächtigungen und Angriffe zurückweisen. Alles was wir gesagt, geschrieben oder sonst unternommen haben und was wir fernerhin in dieser Angelegenheit unternehmen werden, enthält keinen Schatten von persönlicher Animosität, von Mißgunst, von irgendwelcher Ehrsucht oder von Kampflust um des Kampfes willen. Wir sammeln unsere Kräfte, um (uns zu schützen, um die Erziehung unserer palästinensischen Jugend im nationalen, im hebräischen Geiste sicherzustellen. Dieses; Arbeitsgebiet hat sich in letzter Zeit sehr ausgedehnt, wir besitzen nunmehr ein neues hebräisches Schulsystem und es ist unsere Pflicht, die Propaganda und alle unsere Anstrengungen auf die Konsolidierung und den Ausbau dieser wichtigen Kulturposition im Lande der Väter zu konzentrieren. Die Not der Stunde hat diese Aufgabe in den Vordergrund unserer Arbeit gerückt; allein auf Grund ihrer Bedeutung wäre ihr dieser Vorrang schon früher zugekommen, „Der Stein, den die Bauleute mißachteten, ist zum Eckstein geworden" — und die gesamte zionistische Arbeit hat damit neuen Schwung erhalten. Die materielle Förderung und die Organisation unseres Schulwerks in Palästina ist ein sehr vielfältiger Aufgabenkreis, und die Werbearbeit in dieser Angelegenheit erfordert große Ausdauer und Hingabe. Wir müssen uns vor der Verquickung dieser Sache mit der Frage des Technikums hüten und dürfen beileibe nicht denken, die Beilegung des Technikumstreites bedeute zugleich die Lösung dieses hochwichtigen Problems. Wenn es uns jetzt gelungen ist, eine Aenderung des ursprünglichen Kuratoriumsbeschlusses herbeizuführen und die Anerkennung der hebräischen Forderungen durchzusetzen, so haben wir dies erreicht, weil wir mit einer bedeutenden moralischen Kraft und auch mit einigen materiellen Hilfsmitteln ausgerüstet waren. Daraus ergibt sich nun, daß wir unsere inneren Kräfte vermehren, unsere Organisation festigen, unseren Zusammenschluß vervollständigen, unseren Zusammenhang mit Palästina inniger gestalten müssen, daß wir an unserer hebräischen Anschauung unverbrüchlich festhalten, uns von allem bänglichen Schwanken, aller Halbheit und „Vielseitigkeit" schwächlicher Zwitternaturen femhalten müssen. Wäre unsere Organisation kraft- und tatlos den Ratschlägen dieser Liebhaber der Ruhe gefolgt und hätte den Anschlag auf die Rechte unserer nationalen Sprache gleichmütig hingenommen, so wäre ja an den ursprünglichen Beschlüssen des Kuratoriums ganz gewiß kein Jota geändert worden. Jetzt charakterisiert sich das Ergebnis des Kampfes immerhin in negativer Beziehung: Das Technikum wird keine fremdnationale, sondern eine hebräische Anstalt sein, nicht alle Unterrichtsfächer werden in fremder Sprache gelehrt werden; der Zustand, daß einzelne Fächer in anderer als hebräischer Sprache vorgetragen werden sollen, wird kein dauernder sein und schließlich: dieses Werk wird nicht ohne die Mitwirkung der Zionisten geschaffen werden. . . . Als erste ließen wir den Ruf ertönen: Wer für Hebräisch ist, schließe sich uns an. Das war kein Ruf des Predigers in der Wüste. Die jüdische (-Öffentlichkeit erwachte und pflanzte den Ruf allenthalben fort. Aus dem Komplex der Angelegenheiten, um die wir kämpfen, ist jetzt das Technikum ausgeschieden. Nunmehr gilt es, neue Kräfte zu sammeln, um die Organisation ujjd den Fortbestand des neuen hebräischen Schulwerkes in Palästina zu sichern." Im Leitartikel der Nr. 37 des „Hasman“ wird u. a. ausgefüht: „Unsere Leser wissen, was sich in den letzten Monaten in Palästina zugetragen hat. Eine ungeheuere Erregung hatte den ganzen neuen Jischub ergriffen. Eltern und Kinder, Lehrer und Schüler und alle Männer des öffentlichen Lebens fühlten ihr Heiligstes bedroht und erhoben sich wie ein Mann zum Schutze ihrer geistigen Besitztümer. Ueber Nacht vollzogen sich tiefgreifende Wandlungen, wie sie sich sonst in Wochen und Monaten nicht zu ereignen pflegen. Schulen wurden vernichtet und andere an ihrer Stelle neu auf gerichtet, auf den Trümimerstätten der fremden, von außenher aufgezwungenen Daseinsformen erblühte neues, eigenes, zukunftsfrohes Leben. Hinterher haben sich in unserer Mitte einzelne Neunmalweise gefunden, die da meinten, der ganze Kampf und alle die Aufregung sei herzlich überflüssig gewesen: man hätte das gewünschte Ziel auch ohne erbitterte Kämpfe erreichen können. Diese zartbesaiteten Gemüter vergessen jedoch, daß man in so ernster Stunde mit Ruhe und „Mäßigung“ nicht weiter gekommen wäre. Ohne jenes „ Kampfgetöse", das unseren Friedensaposteln so sehr auf die Nerven geht, hätte sich die öffentliche Meinung schließlich mit der vollzogenen Tatsache abgefunden und die hebräische Sprache wäre tatsächlich aus dem höheren Schulwesen Palästinas verdrängt worden. Ohne jenen Lärm würden die Herren Paul Nathan und James Simon noch heute nicht nachgegeben haben, in Amerika hätte sich kein Widerspruch geregt und das Kuratorium hätte eine Revision seiner Beschlüsse durchaus abgelehnt. Nur dem entschiedenen Kampf ist der Sieg zu verdanken, den die hebräische Sprache in der neuen Kuratoriumssitzung errungen hat. Und dieser Sieg darf nicht unterschätzt werden. Mathematik und Physik, die Grundlagen aller technischen Wissenschaft, werden gleich bei Eröffnung des Technikums hebräisch gelehrt werden. Dies allein ist schon ein bedeutender Erfolg. Nach vier Jahren wird das Kuratorium' von neuem über die Möglichkeit der Einführung der hebräischen Unterrichtssprache für die übrigen technischen Fächer beraten müssen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß diese Möglichkeit bald vorhanden sein wird, denn die hebräische Sprache entwickelt sich in Palästina von Tag zu Tag. Viel wird zur baldigen, völligen Hebraisierung der Anstalt auch der Umstand beitragen, daß die Beamten und Lehrer des Technikums verpflichtet worden sind, sich innerhalb einiger Jahre die Kenntnis der hebräischen Sprache anzu- . . . Der letzte Sieg, den die Zionisten und Hebraisten errungen haben, legi ihnen neue, sehr bedeutsame Pflichten auf. Bekanntlich wird es nunmehr in Haifa nur eine Mittelschule geben: die hebräische, deren materielle und moralische Erhaltung eine Ehrenpflicht der zionistischen Organisation sein wird. Die Förderung des hebräischen Schulwerks in Palästina ist aber nicht allein die Aufgabe der Zionisten, sondern aller derer, die die Wiederbelebung und das Aufblühen der hebräischen Sprache wünschen. Die Anhänger des Hebräischen haben im Kuratorium gesiegt, aber damit dieser Sieg vollständig sei, müssen sie durch die Tat beweisen, daß die Neubelebung der hebräischen Sprache eine Angelegenheit der nationalen Gesamtheit ist, die nicht etwa von dem guten Willen und von der Gnade des Begüterten abhängt." Im Kampf um die hebräische Sprache Soeben ist die Broschüre „Im Kampf um die hebräische Sprache" vom Zionistischen Actions-Comite herausgegeben worden. Viele tausend Exemplare der Broschüre sind kurz nach dem Erscheinen der Schrift verlangt worden, so daß neue Auflagen nötig geworden sind. Jetzt sind in dieser sachlichen Schrift, die vieles Tatsachenmaterial über den Sprachenkampf in Palästina enthält, nicht nur Darstellungen über die Bedeutung der hebräischen Sprache für das Gesamtjudentum, über das Schulwerk in Palästina, den Kampf der letzten Monate und die Broschüre Paul Nathans enthalten, sondern sie orientiert auch über den Verlauf der Sitzung des Kuratoriums am 22. Februar, in der die Hebraisierung des Technikums' in Haifa beschlossen wurde. Die Broschüre ist kostenlos beim Zionistischen Zentralbureau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, zu erhalten. Bestellungen mögen sofort aufgegeben werden.