Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 9 (27.2.1914)
- Article
- Eine Versammlung jüdischer Frauen in Lemberg
- Date
- 1914-02-27
- Page
- 224 (sequence 2)
- Language
- German
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224 Nr. 9 DIE^ELT Programm festgesetzt. Die vom Vereine herausgegebene Monatsschrift für Kinder „Haschachar“ soll jetrf alle zwei Wochen mit einer hebräischen Beilage erscheinen. Vom Zentralkomitee der Zionisten Galiziens Das im Januar d. J. gewählte Zentralkomitee der Zionisten Galiziens hat das Zentralbureau eingerichtet. Da die Distriktkomitees abgeschafft wurden, werden im ganzen Lande auf Grund der neuen Parteisteuer Ortskomitees organisiert, denen die Kreiseinteilung folgen wird. Präsident Adolf Stand hat in den letzten Wochen mehrere Propagandaversammlungen im Lande abgehalten. Er sprach unter anderen in Z I o c z ö w , J a r o s 1 a u und Tarnöw. Der Palästinareferent Dr. Leon Reich hat über die nächsten Aufgaben der Palästinaarbeit in Przemyslawy und K a t u s z gesprochen. Die Arbeit ist der Werbung für den Schulfonds gewidmet. Ein Palästina-Informationsbureau in Galizien Das Palästina-Ressort des zionistischen Zentralkomitees für Galizien hat ein Palästina-Informationsbureau begründet, das über alle Fragen der jüdischen Kolonisation in Palästina Bescheid erteilen und eventuell auch Ratschläge geben soll. Die Palästinakommission ist zu diesem Zwecke mit dem zionistischen Palästinaamte in Jaffa und anderen Korporationen, die sich mit der jüdischen Kolonisation in Palästina beschäftigen, in Verbindung getreten und wird sich bemühen, stets genau über die Kolonisationsverhältnisse in Palästina und insbesondere über die dort freien Erwerbspositionen unterrichtet zu sein. Auf diese Weise wird unser Bureau für die galizische Judenheit, die jetzt infolge der allgemeinen ökonomischen Krisis immer mehr aus ihren jetzigen Erwerbspositionen verdrängt wird und zum Wanderstabe greifen muß, von großer Bedeutung sein. Die Leitung des Informationsbureaus hat der Vorsitzende der Palästinakommission Dr. Leon Reich übernommen. Mit Anfragen wende man sich schriftlich an die Adresse des Obgenannten, Lemberg, Kraszewskigasse 1, oder mündlich an die akad. Verbindung „Jude a", Bernsteingasse, täglich zwischen 12—1 Uhr nachmittags. Die Antwort erfolgt in der Sonntagsausgabe des jüdischen Tagblatts in Lemberg oder auf spezielles Verlangen, je nach der Wichtigkeit der Anfrage, auch brieflich. Bukowina Ein jüdischer Bürgermeister in Czernowitz Dr. Salo Weißeiberger, Mitglied des jüdischen Landtagsklubs, wurde zum Bürgermeister von Czernowitz gewählt. Bei der feierlichen Installation hielt der Landespräsident der Bukowina, Graf v. Meran, eine Ansprache an denselben, worauf der neue Bürgermeister ein ausführliches Programm entwarf. Bezalelausstellung in Czernowitz Der jüdischnationale Frauen- und Mädchenverein „Deborah“ wird in Kürze eine große Bezalelausstellung eröffnen. Für den Ausstellungsfonds laufen zahlreiche Spenden ein. Schweiz Zürich. Am Sonntag, den 15. Februar, sprach im großen Saale des Volkshauses vor etwa 400 Personen, Herr Dr. Jelsky-Genf, über das Thema: „Was uns nottut." Der Redner behandelte in seinen Ausführungen auch die aktuellen Fragen zionistischer Politik, den Sprachenstreit in Palästina und die antizionistische Erklärung. Seine musterhafte Rede fand außergewöhnlichen Beifall. Italien Florenz. Ein bekannter Pariser Kunstfreund, ein Freund unseres verstorbenen Gesinnungsgenossen, des Bildhauers Friedrich Beer, hat nunmehr einen großen Teil der nachgelassenen Skulpturen von Friedrich Beer für sein Palais in Paris erworben. Auf Anregung unseres Gesinnungsgenossen, des Herrn Tobias Markus hat er eine Eva-Statue dem Actions- Comite der Zionistischen Organisation für das jüdische National-Museum in Jerusalem gespendet. England Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation (Von unserem Berichterstatter.) Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation, die am 15. Februar in Leeds stattgefunden hat, war zahlreich besucht und bezeichnete einen erfreulichen Aufschwung der englischen Organisation. Die Tatsache, daß während des vorigen Kongreßjahres, in einem räumlich so begrenzten Lande mit zwei zionistischen Organisationen, die English Zionist Federation 4000 Schekelzahler hatte, ist ein Beweis, daß der Zionismus auch hier tiefe Wurzeln geschlagen hat. Seit der vorigen Konferenz im Juni, die sich durch die gleichzeitige Anwesenheit von drei Herren des E. A. C. auszeichnete, hat die innere Organisation der E. Z. F. sich vielfach gefestigt und ausgebreitet. So sind letztens in London allein drei Jugendgesellschaften gebildet worden, und ein guter Anfang zur Verbreitung des Zionismus unter den wohlhabenden Juden des Nord-Westens von London ist eben gemacht worden. Mr. M. P e a r c e , der Vorsitzende der Leedser Zionistischen Vereinigung, eröffnete die Konferenz und Rev. M. Abrahams begrüßte die Konferenz im Namen der Leedser [Gemeinde. Nach Verlesung von Schreiben vom E. A. C., Dr. I Max N o r d a u , Herrn Dr. Wolffsohn, u. a., sprach Mr. [Joseph Co wen, Präsident der English Zionist Federation, seine Befriedigung darüber aus, daß die englische Organisation endlich in normale Bahnen gekommen ist. Er lenkte die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die Situation, wie sie vor einem halben Jahre war und wie sie jetzt ist. Diese erfolgreiche Arbeit konnte nur dank dem Eifer der Exekutive und der Unterstützung des E. A. C. geleistet werden. Wie wichtig die Tätigkeit der English Zionist Federation in dieser kurzen Zeit gewesen ist, ist durch die große Beilis- Protestversammlung, die durch die E. Z. F. in London veranstaltet wurde, bewiesen worden. Es war dieser Protest, der die ganze zivilisierte Welt auf die Schandtat in Kiew aufmerksam machte, und es sind Anhaltspunkte dafür vorhanden, daß dadurch Pogrome in Rußland verhindert worden sind. Die späteren Redner begrüßten die Erfolge, die die Exekutive, mit Mr. Joseph Co wen an der Spitze, während der letzten Berichtsperiode erzielt hat. Der Sprachenkonf 1 ikt in Palästina rief eine längere Debatte hervor, und die Konferenz ließ keinen Zweifel darüber, daß die Frage der hebräischen Sprache auch den englischen Zionisten nahe am Herzen liegt. Dr. Ch. Weitzmann, der auf Wunsch des Vorsitzenden der Konferenz eine kurze Uebersicht über dieses Thema erstattete, erklärte, daß das ganze nationale Judentum auf die palästinensischen Lehrer als Kämpfer für die hebräische Sprache stolz sein könne. Es kann eine Verschiedenheit der Meinung geben, ob die zionistische Leitung in diesem oder jenem Punkte hätte anders handeln können, aber auch wenn man den Konflikt vordem bedauern sollte, muß es jedem Eingeweihten klar sein, daß die zionistische Organisation vor der Entscheidung stand, entweder ein Freund des Hilfsvereins in Berlin oder ein Feind der nationalen Bestrebungen in Palästina zu sein. Zu bedauern ist nur, daß ein rein jüdischer Kampf zu einem internationalen Streit aufgebauscht worden ist. Es waren aber nicht die Zionisten, die sich das zuschulden kommen ließen. Brausender Beifall folgte dem Referate. Auf eine Aufforderung von Mr. Cowen, den Applaus in Taten umzusetzen, ergab eine Sammlung der Konferenzmitglieder ca. £ 50.—. Auf Vorschlag von Dr. M e 1 a m e d' der von Rabbiner Dr. J. Strauß befürwortet wurde, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die die E. Z. F. verpflichtet, dem E. A. C. in der. hebräischen Schulfrage alle Unterstützung zu gewähren. Auf Vorschlag von Dr. M e 1 a m e d, unterstützt von Mr. L. Eisen, wurden die Vereine aufgefordert, jedes Jahr wenigstens 5 Shares des Jewish Colonial Trust zu erwerben, und es wurde beschlossen, die früheren Share - Clubs des J. C. T. wieder ins Leben zu rufen. Es wurden weitere Beschlüsse betreffend die Schaffung von Turner-Klubs und nationale Arbeit in den Jugend vereinen angenommen. Nach Erledigung einer Anzahl von Resolutionen und Anregungen erstattete Rev. J. K. Goldbloom einen Bericht über die Arbeit der englischen Nationalfonds-Kommission während des verflossenen Jahres. Die Sammlung ergab die stattliche Summe von beinahe £ 1.100.—, aber noch höher als der materielle ist der moralische Erfolg anzuschlagen.