Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 9 (27.2.1914)
- Article
- Das Jubiläum des "Jüdischen Arbeiters"
- Date
- 1914-02-27
- Page
- 222 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316625-3316634-3352331--59434-3352436- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
222 Nr. 9 - DIE^ELT, „Jüdischen Arbeiter“ Dank und Anerkennung gezollt Seite dem , wurde. Und noch eines sei hervorgehoben: Der „Jüdische Arbeiter“ hat sich große Verdienste um die Hebung des literarischen Geschmackes erworben. Nicht nur, daß den meisten jungen Arbeitern Galiziens von diesem Blatte Förderung und Ermunterung zuteil wurde. Der „Arbeiter“ ist das erste Blatt in Galizien das auch der Sprache, in welcher es erscheint, Liebe und Achtung entgegenbringt. „Gegen die Verhunzung des jüdischen Stil hat der „Jüdische Arbeiter“ ebenso gekämpft, wie gegen die Demoralisierung der jüdischen Massen, in der richtigen Erkenntnis, daß hier ein deutlicher Zusammenhang besteht. Alles in allem, der „Jüdische Arbeiter“ hat seine Pflicht ehrlich erfüllt. Die Reorganisierung des Verbandsbureaus f In B. Borochow in England In Ausführung eines Konferenzbeschlusses haben die englischen Poale Zion das Mitglied des Verbandsbureaus, Herrn B. Borochow für eine Propagandatour eingeladen. Herr Borochow ist bereits nach England abgereist und wird in den nächsten Tagen in mehreren Städten referieren. „Der neue Weg“ So nennt sich eine in deutscher Sprache erscheinende Monatsschrift, die von dem Wiener Zoale Zion herausgegeben wird. Von dieser Zeitschrift liegen bereits zwei Hefte vor. Der Inhalt ist recht interessant, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die Redaktion sich über ihre Arbeitsmethode noch nicht ganz klar ist. Die Agitation im Westen und die Informierung der nichtjüdischen Welt: da hat der „Neue Weg“ ein breites Arbeitsfeld vor sich. Das von der IV. Weltkonferenz eingesetzte neue Verbandsbureau kann bereits auf bedeutsame Erfolge seiner bisherigen Tätigkeit hinweisen. Durch das regelmäßige Funktionieren des Bureaus ist ein ständiger Kontakt zwischen Bureau und Landesparteien hergestellt, der seine wohltuende Wirkung auf die Arbeiten der einzelnen Landesparteien ausübt. Besonders wichtig ist aber die Vermittlung zwischen den Landesparteien, was sich z. B. bei der von der Weltkonferenz beschlossenen Hilfsaktion für die rußländische Partei zeigt. Der rößere Teil der von den Bruderorganisationen gezeichneten ummen ist dank der Energie bereits eingezahlt und wird recht bald seinem Zweck zugeführt werden. Von ganz hervorragender Bedeutung ist ferner die Gründung des Verlages „N e u e Welt“ in Wien, der dem großen Bedürfnis nach guter Propagandaliteratur in allen Landesparteien abhelfen soll. Der Verlag hat aber eine weit größere Aufgabe: Oesterreich besitzt bis heute keinen modernen jüdischen Verlag und keine europäische jüdische Buchhandlung, trotzdem der Konsum jüdischer Literatur in stetem Wachsen begriffen ist. Da es gerade die poale-zionistischen Organisationen sind, die sich am meisten um die Verbreitung von jüdischen Büchern bemühen, so ist der poalezionistische, Verlag dazu berufen, dem erwähnten Mangel abzuhelfen. Die ersten Versuche des Verlages lassen auf eine gedeihliche Entwicklung hoffen. Aus Rußland Wie die gesamte rußländische Arbeiterbewegung, haben auch die Poale Zion die kontrerevolutionäre Krise bereits überwunden. Ueberall ist ein großer Aufschwung zu verzeichnen. Die Partei spielt eine bedeutende Rolle in der gewerkschaftlichen und politischen Bewegung und wird schon in den nächsten Tagen zur Herausgabe eines politischen und einiger gewerkschaftlicher Blätter schreiten. Konvention der amerikanischen Partei Im November 1913 fand in Pitsburg die VII. Konvention der amerikanischen Poale Zion statt. Bezüglich des Tätigkeitsberichtes des Zentralkomitees sei auf den Bericht über die Weltkonferenz in der „Welt“ verwiesen. Hier seien blos einige interessante Ziffern wiedergegeben. Im Laufe eines Jahres — vom September 1912 bis September 1913 — wurden über 5000 Dollar für die verschiedenen Fonds gesammelt, davon ca. 1900 für den „Haachduth“, 1700 für den Palästinaarbeiterfonds, 1300 für den J. N. F., 200 für Shares der Jüd. Kolonialbank, der Rest für den „Haschomer“. Von den Beschlüssen seien erwähnt: Die Herausgabe englischer Propagandaliteratur, die Verpflichtung der Vereine zur Einsetzung spezieller Palästinakommissionen, die tatkräftige Unterstützung der „Achwah“-Bewegung, endlich die Weiterführung und Ausbauung des nationalen Schulwerkes. Konferenz der englischen „Poale Zion“ Auch in England schreiten die Poale Zion an den Wiederaufbau ihrer Organisation. Ende Dezember fand in Glasgow die afhte^ Parteikonferenz statt. Die Berichte der Vereine waren zufriedenstellend. Die Konferenz hat ein neues arbeitsfähiges Zentralkomitee eingesetzt und demselben eine Reihe von aktuellen Aufgaben zugewiesen. So beschloß die Konferenz die Gründung von Schulen nach dem Muster der amerikanischen Genossen, es wurde dem Zentralkomitee eine spezielle Kommission für Palästinaarbeft zur Seite gestellt, eine größere Aktion für den „freien Arbeit erring" (eine Art Versicherungsinstitut der jüdischen Arbeiter) und die Gewerkschaften beschlossen. Zum Zwecke der Propaganda wurde die Herausgabe von Parteischriften und die Organisierung von Vortragstoumeen ausländischer Genossen in Aussicht genommen. Erwähnt sei zum Schlüsse noch die scharfe Protestresolution gegen den „Hilfsverein“ und die Sympathiekundgebung für die kämpfende Jugend Palästinas. Vom Jüdischen Verlag In etwa acht Tagen erscheint: Chad Gadja, Das Peßachbuch Herausgegeben von Hugo Herrmann im Jüdischen Verlag. Etwa 200 Seiten. Preis: steif broschiert 3 M., schön gebunden 4 M. Der Herausgeber will ein jüdisches Hausbuch schaffen, indem er Erzählungen, Schilderungen, Berichte sammelt, in denen der Geist unseres Freiheitsfestes lebt. Zwei Momente bilden die Peßachstimmung: Die Rettung des Volkes aus Sklaverei in Freiheit, aus Bedrückung in Erlösung, und das Erwachen des Frühlings. Darum verknüpft sich die Feier des Auszugs aus Mizrajim mit dem Schwung und der Seligkeit des Hohenliedes. Daß Peßachbuch wird von dieser doppelten Stimmung erfüllt sein. Es bringt nach einer knappen Anführung aus der Bibel und einer etwas ausführlicheren aus der Peßach-Hagadah (die durch reichen Bilderschmuck auch selbständigen Wert erhält) Sagen aus der Midraschliteratur, Erzählungen (Agnon, Mendele Mocher Sforim, Ben-Zion, Perez, Heine, Buber u. a.), Beschreibungen der Peßachfeier in Palästina in alter und neuer Zeit, bei den Samaritanern, den Kaukasiern, den Verneinten und auch bei den deutschen und russischen Juden, endlich eine Anzahl von Gedichten und Betrachtungen. Zahlreiche Illustrationen sind eingefügt, die meist den alten schönen Drucken der Peßach-Hagadah entnommen sind. Wie im Texte, so spricht auch hier der unverwüstliche Humor unseres Volkes. Es ist überall darauf Bedacht genommen, daß alles auch für Kinder zugänglich und verständlich bleibt; wenn das Peßachbuch zu einem echten jüdischen Kinder- und Volksbuch wird, ist die Absicht des Herausgebers erfüllt. Beiträge für das Hebräische Schulwerk in Palästina (Jahresbeiträge und einmalige Spenden) nimmt das Zionistische Zentralbureau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, entgegen. Aus Deutschland erfolgt die Ueberweisung am besten und gänzlich kostenlos auf das Postscheckkonto des Zionistischen Zentralbureaus: Berlin 11619. Aus Oesterreich und Ungarn überweise man vorläufig auf die Postscheckkonten der „Welt“: Wien 39 913 a, resp. Budapest 15 655, gleichfalls ohne Kosten für den Absender. Abgesehen davon empfiehlt sich die Einzahlung auf unser Konto bei der Nationalbank für Deutschland, Berlin W, Depositenkasse Kurfürstendamm 211, resp. bei den Zahlstellen des Jewish Colonial Trust.