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Die Welt · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · p. 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Article
Die Ankunft von Mendel Beilis
Date
1914-02-27
Page
220 (sequence 2)
Language
German
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220 DIEX&ELT Nr. 9 wenigen Monaten beteten die Juden der ganzen Welt für seine Rettung. Wer konnte damals ahnen, daß er bald ein Bürger von Tel-Awiw sein würde? Der Empfang in Tel-Awiw ließ an Herzlichkeit nichts zu wünschen übrig. Bereits am Hafen erwarteten ihn Vertreter verschiedener Körperschaften. Vom Hafen wurde er im Wagen des Herrn Krendinoff, eines reichen bucharischen Juden, abgeholt. In Tel-Awiw angelangt, wurde er von großen Menschenmengen feierlich begrüßt. Auch die Schuljugend begrüßte ihn durch ihre Deputationen, worüber sich Beilis besonders freute. Im Namen des Publikums sprach Herr M. S c h e i n k i n , worauf Beilis mit den Worten dankte: „Gott sei Dank, daß ich jetzt meinen Feinden entronnen bin. Ich hoffe, in Erez Israel im Verein mit allen Juden in Ruhe leben zu können." Auch in Alexandrien und in Port-Said wurde Beilis von Juden und Nichtjuden geehrt. Seine Kinder werden jetzt in Jaffa das Hebräische Gymnasium besuchen. Dieser Tage traf in Jaffa Herr Rosenwald aus Chicago, Kuratoriumsmitglied des Technikums, ein und stattete u. a. dem Hebräischen Gymnasium einen einstündigen Besuch ab. — Ferner ist hier der bekannte jiddische Dichter Jehoasch mit seiner Familie aus Amerika eingetroffen, um sich in Palästina dauernd niederzulassen. Die Eröffnung der hebräischen Bürgerschule in Jaffa „Die da mit Tränen säen — sie werden mit Jubel ernten." Unwillkürlich mußte man am Mittwoch, den 15. Schebat, bei der Eröffnung der neuen hebräischen Bürgerschule an dieses halb wehmütige, halb jauchzende Psalmwort denken. Eröffnung ist eigentlich nicht das passende Wort, denn es handelte sich um die Schule, die bald nach dem Beginne des Schulstreites gegründet wurde. Allein mehr als alle anderen nationalen Schulen hatte diese Jaffaer Schule von der Verfolgung seitens der Hilfsvereinskreise zu leiden. Es wurde bei allen Konsuln, bei allen Behörden angeklopft und besonders bemühte man sich, ihr das provisorische Schullokal zu entziehen, ein Bestreben, welches am Ende auch gelang. So mußte denn die Schule für einige Wochen in der Synagoge untergebracht werden. Am 15. Schebat zog sie nun in eigens für ihre Zwecke eingerichtete Räume ein, die noch dazu den Vorteil haben, daß sie sich zwischen Tel-Awiw und den anderen jüdischen Vierteln befinden. Die aus diesem Anlaß veranstaltete Feier, der Vertreter sämtlicher Schulen von Jaffa sowie der landwirtschaftlichen Mittelschule von Pethach-Tikwah beiwohnten, wurde mit dem Segensspruch „Schehechejanu“ von A. S. R a b i n o w i t z eröffnet. In wenigen markanten Worten zeichnete er die Bedeutung der neuen Schule, wo die hebräische Sprache d i e Unterrichtssprache sein und nicht auf die Gnade volksfremder „Führer" angewiesen sein werde. Weitere Ansprachen hielten Bogratschow, Sch. Benzion und J. S p r i n z a k. J. Feldmann überbrachte die Grüße der Jerusalemer Freunde. Die Feier des 15. Schebat in Jerusalem Die Jerusalemer Filiale des Hebräischen Lehrerverbandes veranstaltete am 15. Schebat eine öffentliche Feier mit Umzügen, woran sich die Lehrerkollegien und die Schüler der folgenden nationalen Schulen beteiligten: Hebräisches Gymnasium, hebräische Mädchenschule, Kindergärtnerinnenschule, Abendschule für Mädchen, Spitzenschule, hebräische Knabenschule, Talmud-Thora der Sephardim, hebräisches Lehrerseminar samt Handelsschule und Kunstgewerbeschule Bezalel. Die Feier nahm einen glänzenden Verlauf. Die fast unübersehbare Schar der Schüler und Schülerinnen durchzog die ganze Stadt unter Vorantragung der Schulfahnen und ottomanischer Nationalfahnen. Den Schluß des Zuges bildeten die Makkabisten in ihrer schmucken Turnertracht. Der Zug umkreiste das Gebäude der Munizipalität und wurde auch von der nichtjüdischen Bevölkerung lebhaft begrüßt. Der Gouverneur besichtigte den Zug, an dem nahezu 1000 Schüler teilnahmen, mit großem Interesse und gab seinem Beifall deutlich Ausdruck. Der übliche Ausflug nach der Kolonie Moza mußte des regnerischen Wetters wegen unterbleiben. Rosa Jofe "] Fräulein Rosa Jofe in J e m m a ist gestorben und mit tiefer Trauer erfüllt diese Nachricht alle jene, die die Verschiedene gekannt haben. Sie war eine vom reinsten Idealismus und von glühender Liebe zu ihrem Volk beseelte Zionistin, ein in sich gefestigter Charakter, ein Mensch, der seine ganze Kraft, sein ganzes Leben in den Dienst des zionistischen Ideals stellte. Ihre Lebensgeschichte ist eng verbunden mit der Geschichte der Pioniere, die Palästina dem jüdischen Volke wiedergewonnen haben. Ihre Klugheit und ihr Scharfsinn, epaart mit unermüdlicher Arbeitskraft und einer Entschlossenem, die jeden Mann geehrt und ausgezeichnet hätte, machten sie zu einer jener Gestalten, die die Geschichte der palästinensischen Kolonisation mit dem unvergänglichen Ruhm heroischer Aufopferung schmückt. Fräulein Rosa Jofe war die Schwester Dr. H i 11 e 1 J o f e s aus Simferopol in der Krim. Sie studierte in Genf; hierauf wurde sie Lehrerin in ihrer Heimatstadt. Als sich ihr Bruder Anfang der neunziger Jahre entschloß, nach Palästina zu gehen, folgte sie ihm. Ihr Zionismus erschöpfte sich nicht im Interesse an der jüdischen Pionierarbeit in Palästina, sie wollte wie ihr Bruder ihr eignes Können in den Dienst der Erneuerung unseres Volkes stellen. Zunächst lebte sie mit ihrem Bruder in Tiber ia s. Eine schwere Zeit waren für sie die Tage in Tiberias. inmitten einer städtischen Bevölkerung, die von der Chalukah lebte und der Arbeit der neuen Pioniere des nationalen Judentums wenig Verständnis entgegenbrachte. Als Dr. H i 11 e 1 Jofe von Tiberias nach Sichron Jacob ging, folgte sie ihm in diese Kolonie und nahm an der nationalen Arbeit dieser Kolonie tätigen Anteil. Ihr Bruder Dr. Hillel Jofe wurde Vorsteher des Waad der Chowewe Zion in Jaffa. Rosa Jofe wurde dort Schulleiterin an dem Beth Sefer Leb a n o t h. Hier hatte sie Gelegenheit zur vollen Entfaltung ihrer Tatkraft und ihrer organisatorischen Begabung. Es gelang ihr, die besten Lehrer, Grasowski, Beikind, Gordon, für diese Anstalt zu gewinnen und sie zu einer von hebräischem Geist erfüllten Erziehungsstätte zu gestalten. Es war eine der ersten hebräischen Schulen in Palästina und gerade jetzt, wo der hebräische Geist sich reger zeigt, darf man sich ihres Wirkens mit besonderer Dankbarkeit erinnern. Allgemeine Anerkennung ward ihrem Wirken. Als sie ihr Amt an dieser Anstalt niederlegte, wurde sie Kolonistin in J e m m a. Wahrhaft bewundernswert ist es, wie diese hochgebildete Frau nun in ihrem Beruf aufging. Sie hatte das Bewußtsein, daß sie als Kolonistin auf einem verantwortungsvollen Vorposten stehe. Als einfache Bäuerin tat sie ihre Pflicht und arbeitete auf dem Boden Erez Israels mit an der Erlösung unseres Volkes. Auch hier hoffte sie mit ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit den pädagogischen Beruf zu verbinden und vor allem Mädchen in den landwirtschaftlichen Beruf einzuführen. Von manchen Freunden, die sie in Jemma besucht haben, hörten wir Worte der Bewunderung über das Wirken dieser tapferen Frau. Nun hat sie der Tod dahingerafft. Sie starb an einer Krankheit, die sie sich in der Ausübung des landwirtschaftlichen Berufes zugezogen hat. Immer werden wir ihrer gedenken. Ihr Name gehört zu unseren besten. Im Kampf um die hebräische Sprache Soeben ist die Broschüre „Im Kampf um die hebräische Sprache" vom Zionistischen Actions-Comite herausgegeben worden. Viele tausend Exemplare der Broschüre sind kurz nach dem Erscheinen der Schrift verlangt worden, so daß neue Auflagen nötig geworden sind. Jetzt sind in dieser sachlichen Schrift, die vieles Tatsachenmaterial über den Sprachenkampf in Palästina enthält, nicht nur Darstellungen über die Bedeutung der hebräischen Sprache für das Qesamtjudentum, über das Schulwerk in Palästina, den Kampf der letzten Monate und die Broschüre Paul Nathans enthalten, sondern sie orientiert auch über den Verlauf der Sitzung des Kuratoriums am 22. Februar, in der die Hebraisierung des Technikums in Haifa beschlossen wurde. Die Broschüre ist kostenlos beim Zionistischen Zentralbureau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, zu erhalten. Bestellungen mögen sofort aufgegeben werden.

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