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Die Welt · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · p. 219

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Article
Zur Lage der rumänischen Juden
Date
1914-02-27
Page
219 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 9 219 DtE^ELT der Journalismus. Die meisten rumänischen Journalisten sind Juden. Es klingt fast als eine Selbstverständlichkeit, daß die von Juden geleitete Presse viel chauvinistischer ist als die echt rumänische Presse. Eines Tages kamen die jüdischen Journalisten in Bukarest auf den Gedanken, einen Pensionsfonds zu begründen. Die Idee fand auch bei den Rumänen gute Aufnahme. Ambitiöse Politiker und Professoren stellten sich in den Dienst der Sache. Endlich war der nötige Fonds gesammelt und es wurde ein Statut entworfen. Und was war die erste Bestimmung? Juden können nicht Mitglieder des Pensionsinstitutes sein. Die Politiker, die Professoren und andere repräsentative Persönlichkeiten, also Nichtjournalisten, wurden Mitglieder des Pensionsinstitutes, die Berufsjournalisten fanden jedoch, weil sie Juden sind, keine Aufnahme. Soweit der Spezialberichterstatter des „Az Est". Obwohl es nur zu begrüßen ist, daß sich dieses in Ungarn weitverbreitete Blatt der rumänischen Juden annimmt, können wir es nicht verschweigen, daß dies eingestandenermaßen in der Absicht geschieht, um zu beweisen, daß in Rumänien die fremden Nationalitäten unter solch schwerer Bedrückung zu leiden haben, die Rumänen also kein moralisches Recht haben, sich über die Unterdrückung ihrer Stammesgenossen in Ungarn zu be- Griechenland |n lilllliilliiiiiiiiiiiliiiiiiiliiiiii Die Saloniker Juden militärfrei In dieser Woche beginnt in Saloniki die Aushebung der jungen Leute im Alter von 21 und 22 Jahren zum Militärdienst; die Regierung in Athen hat jedoch beschlossen, die Juden vom Militärdienst zu entbinden. Da sie weder mit der griechischen Sprache noch den Sitten des Landes vertraut sind, wären sonst wahrscheinlich viele junge Juden samt ihren Eltern ausgewandert, um dem Militärdienst zu entgehen, was für die wirtschaftliche Lage des Landes verhängnisvoll gewesen wäre. Die Regierung hat dies eingesehen und sich entschlossen, den Juden Zeit zu lassen, sich mit der griechischen Sprache und den Landessitten vertraut zu machen, bevor sie sie zum Militärdienst zwingt. Auf Anraten des Direktors der Talmud Thora Hagadol, Herrn Isaac Epstein, und mit Unterstützung seitens einiger jüdischen Gesellschaften in Saloniki ist eine Gruppe von sieben jungen Leuten nach Palästina ausgewandert; einer der jungen Leute will sich in der Kunstschule Bezalel im Zeichnen ausbilden, während die anderen ihre Studien im hebräischen Gymnasium vollenden wollen. Dies ist das erstemal, daß junge Männer aus Saloniki zur Vervollständigung ihrer Kenntnisse nach Palästina gegangen sind. Kleine Nachrichten lllllllilllllllllllllllillll Das Dumakomitee hat neuerdings beschlossen, Juden von dem Dienst auf den Schiffen, die zwischen Rußland und den Balkanstaaten verkehren, auszuschließen. Die Bestimmung wurde angenommen, obwohl zahlreiche Gutachten Vorlagen, in denen die Befähigung der Juden für den Seemannsberuf bestätigt war. In Minsk haben die Behörden die seit einiger Zeit bestehenden englischen Sprachkurse für Juden, die auswandern wollen, geschlossen. Diese Kurse waren von der Ica eingerichtet worden. liiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiimiiiiiumiiiiiiiiiimiiiimiiimiiiiim PALÄSTINA-RUNDSCHAU lllllllilllllllllllllllillll iiiitiiitiiiuiiiiiiiiiiuiiiiiuiiuiiiiuiiiiiiiiiiiiiuiiiitiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiuitniuiiiiiiiiiiiiiutiiiiiiiuiiiiiiiiiitiiiiiiimiuiiiiiiiiimuiiiiiiimiiuiitiiiittiiuiniiiimiiiiuiiimiii Baron Rothschild in Palästina (Von unserem Berichterstatter) Die letzten Tage waren für die Bevölkerung Palästinas sehr ereignisreich. Die Eröffnung der Jaffaer Bürgerschule, die Ankunft des Mendel B e i 1 i s , des Barons Edmund Rothschild, des amerikanischen Philanthropen Rosenwald, des Dichters Jehoasch usw. — all dies trug sich in einigen wenigen Tagen zu. Es ist nicht bloß das Gefühl der Verehrung für den Nestor der Chibbath Zion, den hochsinnigen Förderer der Palästinakolonisation, wenn wir zuerst über den Besuch des Barons Edmund Rothschild berichten, denn sein Besuch hat das lebhafteste Interesse der gesamten palästinensischen Judenh e i t und darüber hinaus auch der Nichtjuden hervorgerufen. Es ist charakteristisch, daß die maßgebenden Institutionen und Organisationen beschlossen haben, mit keinerlei Petition an den greisen Philanthropen und Palästinafreund heranzutreten. Es sollte ihm bei seinem vierten Palästinabesuch vergönnt sein, auf geweihtem Boden unbehelligt von Bittgesuchen zu wandeln. Am Freitag, den 13. Februar, landeten Baron Rothschild und seine Gemahlin in Jaffa. Zu ihrer Begrüßung hatten sich am Hafen außer Deputationen von Jaffa auch Vertreter aus Jerusalem und Hebron eingefunden. Es wurde vom Lokal des „Pardes", das sich direkt am Meere befindet, eine besondere Landungsbrücke erbaut. Bald aber erfuhr man, daß Baron Rothschild aus Gesundheitsrücksichten bis Sonntag auf dem Schiffe bleiben würde. Am Sonntag, den 15. Februar, verließ er dann das Schiff und reiste zunächst nach Pethach- Tikwah, wo er ca. 3 Stunden verweilte. Der Baron und die Baronin waren über die Fortschritte dieser Kolonie außerordentlich erfreut. Die Bewohnerschaft der Kolonie bereitete den hohen Gästen einen überaus herzlichen Empfang. Von Pethach- Tikwah kehrte Baron Rothschild nach Jaffa zurück, begleitet von der berittenen Jugend dieser Kolonie. Zunächst fuhr er nach Tel-Awiw, wo tausende Juden und viele Nichtjuden ihn erwarteten. Für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgte der Turnverein „Makkabi". Der Waad von Tel-Awiw hatte in gedruckten Bekanntmachungen das Publikum aufgefordert, sich den Anweisungen der Ordner zu fügen. An den Gärten der Rothschildstraße wurden zwei Ehrenpforten errichtet, die mit Blumenschmuck dekoriert waren. Auch Privatwohnungen legten Blumenschmuck an. Als der Wagen des Barons in die Herzlstraße bog, da erscholl aus dem Munde aller der brausende Ruf „Jechi Habaron Rothschild" (Es lebe der Baron Rothschild). Als der Wagen in die Nähe des Hebräischen Gymnasiums kam, spielte das Orchester der Schüler. Die Gründer und die Leiter des Gymnasiums traten dann an den Wagen heran und unterhielten sich eine Weile mit dem Baron. Dieser setzte die Fahrt durch Tel-Awiw fort und kehrte dann zu dem Schiffe zurück, wo er wieder die Nacht zubrachte. Heute, am Montag, reiste er nach Rischon Le-Zion und Rechoboth. Morgen geht die Reise nach Jerusalem, wo der Baron zwei Tage zu verweilen und unter anderem die von ihm unternommenen Ausgrabungen zu besichtigen gedenkt. Dann fährt er nach C ä s a r ä a, von wo aus er Chedera und Sichron-J akob besuchen will. Für den Aufenthalt des Barons Rothschild in Palästina sind nur zwei Wochen vorgesehen. Herr Dr. A. R u p p i n , der Leiter des Palästina-Amtes, hatte bereits Gelegenheit, ihn zu sprechen. In einer Unterredung mit Herrn Agr. Krause, dem neuen Leiter von Mikweh-Israel, drückte Baron Rothschild seinen Wunsch aus, daß man in dieser landwirtschaftlichen Schule die hebräische Sprache mehr als bisher berücksichtigen möge. Die Ankunft von Mendel Beilis Die Palästinareise des Barons Rothschild hat das Interesse für einen anderen Gast, den armen Mendel Beilis, ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Nur am Donnerstag, den 12. Februar, am Tage seiner Ankunft, stand er im Mittelpunkte der allgemeinen Aufmerksamkeit. Der arme Beilis! Noch vor 4095345 50689655

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