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Die Welt · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · p. 216

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Article
[Kommentar]
Date
1914-02-27
Page
216 (sequence 2)
Language
German
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216 Nr. 9 DIE3^ELT Spruch entgegensetzte, sei zu befürchten, daß das neue Ministerium, das sich ja auch in der Frage des Branntweinmonopols über die finanziellen Gesichtspunkte hinwegsetzen will, die Rücksicht auf die Korobkasteuer preisgeben und sich den Entwurf zu eigen machen werde. Auf die Opposition könne die jüdische Bevölkerung nicht rechnen; es sei sehr wohl möglich, daß nicht nur einzelne Abgeordnete der Linken, sondern ganze Fraktionen für das Schächtverbot stimmen werden. Nur die Partei der Nationalisten — so sonderbar dies klingt — dürfte im Interesse der Landwirtschaft und Viehzucht geschlossen gegen die Vorlage stimmen. Von großem Interesse ist der eigenartige Aufsatz des Jaffaer Oberrabbiners A. J. Kuk über „Jerusalem“, der in der gleichen Nummer des „Haolam“ enthalten ist. In überaus reizvoller, rhythmisch beschwingter Sprache würdigt Rabbiner Kuk vom religiösen Gesichtspunkte die in den Kreisen der Palästinafreunde neuerdings zutage tretenden Bestrebungen zur Hebung Jerusalems. — Dr. M. Glücksohn setzt seine Besprechung der Nathanschen Broschüre fort. — B. Goldberg erwidert auf die Angriffe, die in einer früheren Nummer gegen die zionistischen Teilnehmer der russisch-jüdischen Bildungskonferenz gerichtet worden waren. — Von den übrigen Beiträgen des Heftes ist noch der sehr anregende linguistische Aufsatz von Dr. A. Sarsowsky über „Die Entwicklungsgesetze der hebräischen Sprache“ hervorzuheben. Der Londoner „Jewish Chronicle“ schreibt am 20. Februar: Wie man auch über den Streit zwischen Zionisten und Nichtzionisten in Deutschland denken mag, der als Resultat des hebräischen Sprachenkampfes in Palästina entstand: über die Art, in der dieser Kampf geführt wird, kann es keine Meinungsverschiedenheiten geben. Die Gegner des Zionismus haben es für richtig gehalten, diese Differenzen in die allgemeine Presse zu tragen. Sie haben in bedeutenden Zeitungen Erklärungen veröffentlicht, in denen die Zionisten denunziert werden und eine förmliche und endgültige Trennung von ihnen proklamiert wird. Die ganze Welt wird zum Zeugen dieses „Risses“ in der Judenheit gemacht. Wir müssen gestehen, daß wir dies für ein schmähliches, skandalöses und abscheuliches Vorgehen halten, das die deutsche Judenheit lächerlich machen und die höchsten Interessen unserer Brüder in Deutschland und anderswo gefährden muß. Es gibt ja in Deutschland jüdische Zeitungen. Wenn Nichtzionisten sich in ihren Rechten beeinträchtigt fühlen, warum konnten sie dann ihr Leid nicht in den Spalten dieser Blätter klagen? Zu wem sollte ein auffälliges Inserat z. B. in der „Kölnischen Zeitung“ dringen? Die jüdischen Leser solcher Blätter, welche die Gemeindeblätter nicht lesen, können schwerlich ein ernstliches Interesse an dem ganzen Konflikt nehmen. Die christlichen Leser der „Kölnischen Zeitung“ dagegen können höchstens ein wenig freundschaftliches Interesse dafür haben. Vom praktischen Standpunkt aus war also das Resultat des von den Antizionisten unternommenen Schrittes gleich Null, während er andererseits möglicherweise der jüdischen Sache ernstlich geschadet hat. Diese Methode, das ganze Volk „aufzuklären“ und eine interne Angelegenheit öffentlich zur Schau zu stellen, ist eine Informationsmethode, wie sie mehr als einmal die Seiten des jüdischen Buches der Geschichte mit Blut und Tränen gefüllt hat und die uns heute mit Scham erfüllt. Daß man auch heute noch zu solchen Methoden Zuflucht nimmt, und zwar in dem Lande, in dem der Antisemitismus geboren ward und noch heute blüht, ist traurig und enttäuschend. Der „Hasman“ unterzieht die bekannte antizionistische „Erklärung“ einer äußerst scharfen Kritik. Diese Erklärung, so heißt es in dem betreffenden Artikel u. a., überrascht uns nicht. Wir kennen die Gedankenrichtung der Unterzeichneten Professoren und „Räte“ aller Art. Die Unterschrift des Herrn Prof. Ludwig Geiger genügt uns, um zu erkennen, mit wem wir es hier zu tun haben. Allerdings befinden sich unter den Unterzeichnern auch verdienstvolle Persönlichkeiten, von denen man sich fragen muß, wie sie in diese Gemeinschaft hineingeraten sind. So z. B. Prof. Hermann Cohen, den man keinesfalls zu den Assimilanten schlechthin zählen kann. Allein manche von den Unterzeichnern sollen ja den Wortlaut der Kundgebung gar nicht gekannt haben, für die ihre Unterschrift erbeten wurde. Sicher ist, daß auch dieser neueste Pfeil der Antizionisten sein Ziel verfehlen wird. Der ohnmächtige Zorn der Assimilanten kann nicht verhindern, daß der Zionismus in Deutschland eine Position nach der anderen erobert. Der nationaljüdische Gedanke dringt immer weiter vor und wird schließlich, ungeachtet der mannigfachen Widerstände, die ihm entgegengesetzt werden, den vollen Sieg erringen. Als Antwort auf den Brief des „O u t s i d e r“ in „The Egyptian Gazette“ enthielt das gleiche Blatt in seiner Ausgabe vom 17. Februar einen Artikel von Herrn Mosseri, einem der angesehensten Männer der jüdischen Gemeinde in Kairo, der ein besonderer Fachmann für Schulwesen ist und einen bedeutenden Teil seines großen Vermögens für Schulzwecke geopfert hat. In dem Artikel heißt es: Der Brief in der Nummer vom 6. d. M., der unter der Ueberschrift „The Zionist Crisis“ erschien, ist so voll von gewissenlosen und augenfälligen Entstellungen, daß er sowohl im Interesse der Wahrheit wie der darin angegriffenen Personen eine Antwort erfordert. Der Schreiber bezeichnet sich mit Recht als „Outsider“, denn mit einer völligen Unkenntnis der Tatsachen verbindet er Nichtachtung aller Regeln eines anständigen Kampfes. Es wird am besten sein, die Ereignisse anzuführen, die zu der jetzigen Krisis geführt haben. Die bewundernswerteste Leistung der neuen jüdischen Siedlung in Palästina ist die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Hebräisch ist heute die Umgangssprache nicht von 6000 Juden, wie „Outsider“ behauptet, sondern von fast allen den 100 000 in Palästina lebenden Juden. Baron Rothschild erklärte erst neulich, daß die Ersetzung des Jargons durch das Hebräische ihm die größte Freude mache. Der größte Teil des von den Russen und Amerikanern gespendeten Geldes war in der Erwartung gegeben worden, daß das Technikum ein hebräisches Institut sein würde. Von der Zulassung von Nichtjuden war überhaupt keine Rede, doch würde die einheimische Bevölkerung natürlich leichter Hebräisch als Deutsch lernen. Der Schreiber des Briefes wagt zu behaupten, daß die ganze Bewegung auf die Agitation eines Einzelnen zurückzuführen sei. Mit völliger Unwissenheit oder Unverfrorenheit behauptet er, daß der ganze Sturm von David J e 11 i n künstlich entfacht sei, der aber nicht, wie er sagt, ein russischer Jude ist, sondern der in Palästina geborene Sohn eines palästinensischen Vaters, türkischer Untertan, ein sehr geachtetes Mitglied der Jerusalemer Gemeinde und der Vertreter des Sir Moses Montefiore-Fonds. Natürlich hat David Jellin, einer der Pioniere der hebräischen Renaissance, mit zu denen gehört, die lieber ihren Posten aufgaben als gegen ihr Gewissen handelten. Wer ihn kennt, weiß aber, daß er der liebenswürdigste, friedlichste und bescheidenste Mensch ist, der nur durch die Stärke seiner Ueberzeugung zum Kampfe getrieben wurde, was ihn seines Anrechts auf eine Pension nach 2öjähriger Tätigkeit beraubte. Es ist also vergebens, die Bewegung auf persönliche Eifersucht oder anarchistische Gelüste zurückzuführen. Ebenso falsch ist die Behauptung, daß die hebräische Bewegung nur von den russischen Juden erregt sei. Die meisten der ausgetretenen Lehrer und Schüler sind gar keine Russen. Die Hauptunterstützung der Schulen kommt von den westeuropäischen Juden, und vor allem haben die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder sich zugunsten des Hebräischen entschieden. Ferner ist die Beschuldigung unwahr, daß die Leiter der hebräischen Partei auf die nationalen Gefühle der ausländischen Judenheit spekulieren und sie gegen die Deutschen aufzuhetzen suchen. Sie wollen nichts weiter, als die jüdische Bevölkerung zu einer hebräischen machen und der gefährlichen politischen Tendenz des Hilfsvereins entgegen arbeiten, um jegliche Eifersucht zwischen den Großmächten zu verhüten. Zur gefl. Beachtung! Das Inhaltsverzeichnis für den Jahrgang 1913 ist erschienen und wird auf Wunsch jedem Abonnenten gratis und franko zugestellt. Den Bestellern von Einbanddecken geht es direkt zu.

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