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Die Welt · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · p. 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Article
Das Schicksal der Lämelschule
Date
1914-02-27
Page
215 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 9 215 DIES^ELT Das Schicksal der Lämelschule m einem bemerkenswerten Artikel unseres Wiener Bruderorgaiis „Jüdische Zeitung" tritt das zionistische Mitglied des Wiener Kultusvorstandes, Herr Dr. Jakob Ehrlich, dafür ein, daß die Wiener Kultusgemeinde die Lämelschule in Jerusalem wieder in eigene Verwaltung übernimmt. Der Artikel skizziert die Geschichte dieser Schule, führt den Nachweis, daß diese österreichische Stiftung vom Hilfsverein der Deutschen Juden ohne Spur eines Rechtstitels als Eigentum dieser Vereinigung usurpiert worden ist, verweist auf den im Herbste 1912 an den Wiener Kultusvorstand erstatteten Bericht Dr. G r u n w a 1 d s , der die unhaltbaren Zustände in der Schule schilderte, und behandelt dann den bekannten Beschluß der Wiener Repräsentanz, die Auszahlung der Subvention und der Stiftungszinsen vorläufig zu sistieren. Herr Präsident Dr. Stern habe sich einen Bericht des österreichischen Konsuls in Jerusalem kommen lassen, der ihm offenbar die Handhabe bieten solle, diesen Beschluß umzustoßen. Dr. Ehrlich kritisiert dieses Elaborat folgendermaßen : „Sein Bericht strotzt von Unrichtigkeiten. Der österreichische Konsul weiß nicht einmal, auf wessen Namen das Gebäude der Lämelschule eingetragen ist! Er berichtet: auf den Namen des deutschen Kanzlers. Tatsächlich jedoch ist die Schule auf den Namen des Herrn James Simon vom Hilfsverein eingetragen. Er gibt auch die Zahl der aus der Lämelschule ausgetretenen Schüler falsch an; nicht 70 sind es, sondern 103. Bei der Aufzählung der ausgetretenen Lehrer vergißt er folgende Namen: J el 1 i n jun., Dr. Sonne und Dr. Braver; er begnügt sich mit der Aufzählung von drei anderen Namen. Er vergißt auch zu erwähnen, daß bloß vier Lehrer von Hauptfächern an der Anstalt zurückgeblieben sind (Preß, Rokach, Misrachi, Rabbino witsch), und außer diesen nur der Turnlehrer und der Lehrer für Arabisch; daß also die Zahl der Ausgeschiedenen die Zahl der Zurückgebliebenen übersteigt; er verschweigt weiter, daß an Stelle der ausgeschiedenen, vorzüglich qualifizierten Lehrer (darunter ein David J e 11 i n), Seminaristen ohne Lehrerexamen bestellt wurden! Aber dies alles hindert ihn nicht zu erzählen, daß der Schulbetrieb durchaus nicht gelitten hat. Den Bericht des Herrn Konsuls werden wir also noch gründlich revidieren müssen. Vor allem bringt aber der Konsularbericht keine Aufklärung über die Frage, ob das Hebräische an den Hilfsvereinsschulen zurückgedrängt wurde und ob der Direktor der Lämelschule, Ephraim Cohn, dem Lehrkörper dieser Schule gelegentlich mehrerer Lehrerkonferenzen die Erklärung abgegeben hat, daß' das Hebräische zugunsten des Deutschen im Unterricht zurücktreten wird." Wie sehr die vom Hilfsverein inaugurierte „nationaldeutsche Erziehung" in dieser Anstalt am Platze sei, gehe daraus hervor, daß S5,5 °/o aller Schüler geborene Palästinenser seien und nur ein einziger Frequentant aus Mitteleuropa stamme. Wie wir hören beschäftigt sich der Kultusvorstand ernsthaft mit der Frage der Uebernahme der Lämelschule in eigene Verwaltung. Es liegen bereits mehrere Vorschläge vor, die einer eingehenden Prüfung unterzogen werden iiiminiii!::iii::iiimwimmmn;ni REVUE DER PRESSE Der Warschauer „Moment“ schreibt in seiner Nummer vom Dienstag, den 24. Februar, unter der Ueberschrift „Die jüdische Ehre gerettet" u. a. folgendes: „Wenn wir das jüdische Leben der letzten 30 Jahre betrachten, dann muß selbst der Nichtzionist anerkennen, daß nur in Palästina wirklich produktive Erfolge in der Arbeit für die jüdische Gesamtheit erzielt worden sind. Nur dort sind ländliche jüdische Siedlungen auf historischem Boden geschaffen worden. Die jüdischen Kolonisten haben dort die Bedeutung wahrer Kulturpioniere. Ungeahnte, achtunggebietende Fortschritte hat dort die zu neuem Leben erwachte hebräische Sprache gemacht. Die jüdische Kunst erlebt in der Kunstgewerbeschule „Bezalel" ihre Renaissance. Schließlich waren wir in der Entwicklung des jüdischen Kolonisationswerkes so weit gekommen, daß wir an die Eröffnung einer jüdischen technischen Hochschule herantreten konnten." Das Blatt entwickelt dann den gewaltigen praktischen und ideellen Nutzen einer solchen Anstalt für die Judenheit Palästinas sowohl wie der Diaspora. Die Anstalt wird zweifellos zur Hebung des jüdischen Ansehens im ottomanischen Reiche und in Europa wesentlich beitragen. Sie wird die Beziehungen zwischen Arabern und Juden in Palästina herzlicher gestalten und die Autorität des jüdischen Elements im Lande bedeutend stärken. Die Vorarbeiten für die Errichtung des Technikums hatten denn auch anfangs einen sehr glücklichen Fortgang genommen, die Sammlungen und Stiftungen in den verschiedensten Ländern gingen glänzend vonstatten, auch die politischen Schwierigkeiten wurden überwunden. Die ottomanische Regierung erteilte die Konzession für den Bau der Anstalt, die deutsche Regierung nahm sie in ihren Schutz, die jüdische studierende Jugend aller Länder wandte sich der ersten jüdischen Hochschule in Palästina begeistert zu, und so eröffneten sich dem Technikum die besten Zukunftsaussichten, — als plötzlich der unselige Sprachenkonflikt ausbrach und alles wieder in Frage stellte. Die jüdische Oeffentlichkeit erfuhr mit einem Male zu ihrem Erstaunen und zu ihrem tiefen Schmerze, daß die leitenden Kreise des Hilfsvereins aus dem Haifaer Technikum, an das sich so viele Hoffnungen geknüpft hatten, eine im wesentlichen deutsche Lehranstalt in Palästina machen wollten. Diese Absicht entfesselte unter den Juden der ganzen Welt einen Sturm der Entrüstung. Und da die Hilfsvereinskreise der einmütigen Kundgebung der jüdischen öffentlichen Meinung nicht nachzugeben schien, befürchtete man schon, daß ein Ausgleich nicht zustande kommen und der Konflikt sich immer mehr verschärfen würde. Doch da geschah etwas Unerwartetes. Die amerikanischen Kuratoren, die in ihrer Mehrzahl als Gegner des jüdisch-nationalen Gedankens galten, sprachen sich entschieden für das Hebräische als Unterrichtssprache am Technikum aus. Diese Stellungnahme hat es bewirkt, daß die leidige Streitfrage friedlich gelöst werden konnte. Das Blatt schließt seine Betrachtungen folgendermaßen: „Der jüngste Sonntag wird ein historischer Gedenktag in unserer neueren Geschichte bleiben. An diesem Tage versammelten sich die Kuratoren des Technikums zum zweiten Male, und die leitenden Kreise des Hilfsvereins willigten in die hauptsächlichsten Forderungen der Jüdischnationalen. Die eingestellten Arbeiten am Haifaer Technikum werden also wieder aufgenommen werden, und diese erste jüdische Hochschule Palästinas wird wieder die Stellung einnehmen, die ihr gemäß ihrer Bedeutung für das Land überhaupt und speziell für die jüdische Bevölkerung zukommt. Dieses hocherfreuliche Ereignis, daß ein innerjüdischer Konflikt von dieser Ausdehnung auf friedlichem Wege beigelegt und damit eine Zerstörung zahlreicher schaffender jüdischer Kräfte vermieden werden konnte, begrüßen wir aus vollem Herzen.“ In der jüngsten Nummer des „Haolam“ (Odessa) vom 19. d. Mts. widmet die Redaktion an erster Stelle der neuen Kuratoriumssitzung — die inzwischen stattgefunden hat — Worte ernster Erwartung. Insbesondere spricht die Redaktion ihre Zuversicht aus, daß die führenden Kreise der zionistischen Organisation sich in dieser Lebensfrage unserer Nation auf keinerlei schwächliche Kompromisse einlassen würden. Dieselbe Nummer bringt eine interessante Besprechung der parlamentarischen Aussichten des russischen Gesetzentwurfs über das Schächtverbot. Während der Finanzminister im Kabinett K o k o w z e w der Vorlage entschiedenen Wider- ^82^^^143852239984502366

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