Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Article
- Rede des Präsidenten der kanadischen Federation Herrn Clarence I. de Sola
- Date
- 1914-02-20
- Page
- 199 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 8 199 t)!E^ELT Ich kann nicht behaupten, daß ich offiziell im Namen aller Zionisten spreche, wenn ich diese Idee vertrete. Aber ich glaube, daß wenigstens eine große Anzahl unserer Gesinnungsgenossen sie günstig aufnehmen wird. Ich weiß, daß viele den Zionismus nur als eine politische oder nationale Bewegung ansehen und behaupten, daß religiöse Probleme abseits von ihrer Sphäre liegen. Obgleich allerdings unsere Bewegung in erster Linie eine politische oder nationale ist und jedem Juden, der sich zum Basler Programm bekennt, Raum gewährt, so müssen wir uns doch klar machen, daß der Zionismus durch die Neuschaffung eines Zentrums jüdischnationalen Lebens zweifellos unsere geistlichen Kräfte und unser religiöses Bewußtsein neu wecken und Bedingungen schaffen wird, die fast von selbst zu jener Organisation religiöser Kräfte führen werden, von der ich spreche. Es ist unmöglich, politischen Zionismus und Judentum voneinander zu trennen, denn dieselben Einflüsse, die dem Zionismus seine Lebenskraft verleihen, sind aus dem Judentum entstanden. Andererseits muß der Zionismus auf die Zukunft des Judentums einen großen Einfluß nehmen, da er das jüdische Bewußtsein erweckt. Eines wirkt auf das andere. Die Erhaltung der jüdischen Rasse ist nur gerechtfertigt dadurch, daß diese notwendig zur Erhaltung des Judentums ist, daß wir nur durch die Bewahrung unserer nationalen Selbständigkeit die großen geistigen Schätze, deren Hüter wir zum Segen der Menschheit sind, bewahren können. Aus keinem anderen Grunde könnten Zionisten ihre Bestrebungen zur Wahrung ihrer Selbständigkeit rechtfertigen. Ich plädiere für die Wiedererrichtung des Synhedrions! Es wird dem Zionismus zum ewigen Ruhm gereichen, wenn er uns zu diesem Ziele führt, und dies sollte eine der vornehmsten Bestrebungen des Zionismus sein. Es gibt für uns Juden große vitale Fragen religiöser Natur, die gelöst werden müssen, Probleme, welche für die Bewahrung des jüdischen Geistes in unseren Häusern, für unseren Einfluß auf die Massen bedeutungsvoll sind. Diese Probleme müssen in mutiger, wirksamer Weise gelöst werden. Bisher hat sich jeder Mensch selbst sein Gesetz gegeben oder sich überhaupt von ernstlichen Konflikten zurückgezogen. Beides ist gleich verwerflich, beides hat gleichmäßig das Wohl des Judentums gefährdet und chaotische Verhältnisse geschaffen. Wie lange noch sollen wir unser religiöses Leben ohne eine eigentliche Führerschaft fortsetzen, wie lange noch Uneinigkeit und Verwirrung unter uns walten lassen? Ich plädiere für die Wiedererrichtung des Synhedrions! Meine Forderung mag manchem als ein unerfüllbarer Traum erscheinen. Ich aber glaube sicher, daß der Tag seiner Erfüllung kommen wird. Wer anders denkt, muß den Glauben an die religiöse Kraft des jüdischen Volkes verloren haben, und die ewigen Hoffnungen, die uns erfüllen, nicht verstehen. Ich glaube, daß der Zionismus, der die Kräfte hervorgebracht hat, die unsere politischen Probleme lösen und die hebräische Kultur neu beleben, auch diejenigen Kräfte schaffen wird, die eine Vereinigung aller unserer religiösen Gaben herbeiführen wird. Ich glaube, daß die Stärke des Zionismus, der Enthusiasmus und Idealismus seiner Anhänger, ihn immer weiter und höher tragen werden. Die Quellen, aus denen der Zionismus seine Stärke zieht, sind unversieglich und unvernichtbar. Seine Ziele und Ideale sind so groß, daß die Bewegung schließlich alle ihre Unternehmungen durchführen wird. Wir beginnen eben erst, die Möglichkeiten unserer Bewegung ganz zu erfassen, das Anbrechen einer neuen Epoche in der jüdischen Geschichte zu erkennen, die durch den goldenen Schein herrlicher Leistungen erleuchtet sein wird. Und der Zionismus wird dies alles bewirkt haben. Der Zionismus wird die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in Palästina schaffen, die unserem Volke ein glückliches Leben verbürgen werden; der Zionismus wird die hebräische Kultur neu beleben; und der Zionismus wird schließlich den Weg zur Errichtung eines Synhedrions ebnen. Dieses Programm ist schwierig genug, aber es wird ausgeführt werden. Wir müssen nur Vertrauen und Energie haben, denn wenn wir diese nicht besitzen, so wird die Erfüllung sich verzögern, bis eine weitere Generation ersteht und sie herbeiführt. Wir Kinder Israels haben nicht Jahrhunderte des Sturms und Drangs hindurch gelebt, um schließlich angesichts von Schwierigkeiten zu kapitulieren. Eine Rasse mit unserer stolzen Geschichte, unseren herrlichen Traditionen wird niemals ihre Ideale, Ziele und Hoffnungen aufgeben. Gewiß haben wir unter uns Abtrünnige, die sich willig den Mächten der Assimilation überlassen. Wir aber sind keine verweichlichte oder dekadente Rasse; wir sind noch immer fähig, uns selbst ein Schicksal zu schaffen, das unserer großen Vergangenheit würdig ist. Alles, was wir verlangen, ist Organisation und tüchtige Führerschaft, und wir werden zeigen, daß wir die Kraft und Fähigkeit haben, alle unsere Pläne auszuführen. Der Zionismus baut diese notwendige Organisation auf; der Zionismus wird uns auch die notwendige Leitung Unsere Vergangenheit war durch Verfolgungen getrübt, unsere Gegenwart ist durch die Mächte der Assimilation bedroht, aber unsere Zukunft wird durch die Glorie der Wiedergeburt erhellt werden. Wenn diese Wiedergeburt vollendet ist, werden wir wiederum das Volk des ESuches sein, werden wir wiederum den Nationen der Erde die jüdische Lehre überbringen, daß nicht Macht, nicht Gewalt, sondern göttlicher Geist ihnen die Herrschaft verschafft. Montreal. Am 11. Januar fand in Montreal eine Sitzung des Executive Council der kanadischen Federation statt, bei der Mr. Carence I. de Sola den Vorsitz führte. Es wurde beschlossen, daß für die einzelnen Zweige der zionistischen Tätigkeit in Kanada, nämlich für das Bureau, den Schekelfonds und Zentralfonds, für Propaganda und Kulturarbeit je ein besonderer Vorsitzender gewählt werden solle. Ferner beschloß man, Beamte zur Verteilung und Leerung der Nationalfonds-Büchsen anzustellen, wofür man einen Etat von 1150,— S auswarf. Ferner wurde eine Resolution gefaßt, daß sich das Bureau mit Organisatoren und Rednern zwecks Ausdehnung der Propagandatätigkeit und Gründung neuer Vereine in Verbindung setzen solle. Hierfür wurde ein Betrag von 1500.— S bewilligt. Auf eine Anfrage der amerikanischen Federation beschloß man, Herrn Professor Boris Schatz zu einem Besuch in Kanada einzuladen. Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration „Die Welt“ sind eingegangen: Für die Tachkemonischule in Jaffa: per Max Wollsteiner, Berlin.J£. Y.— Für das Jüdische Museum, Jerusalem: Ing. H. Brande, München.U. 2.— B. Orloff, München... 10.— Für das Mikrobiologische Institut: Jüd. nat. akad. Verein „Emunah", Czemowitz ■ ■ M. 84.— „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut" Siegmtmd Eppler, Wien K. 2— Jt 1.68; Pani Diamant, Wien K. 2.— --- Jt l 68; Prof. Kellner, Wien K. 1-— — Jt -.84; Johann Kremenezky, Wien K 10— — Jt 8.40; Ing. Josef Seidener, Wien EL. —.50 — .42; Heinrich Lederer, Wien EL. —.50 — Jt —42; Leo Weis*, Wien EL. 1.— Jt —.84; Oswald Weiss, Wien EL.2.— — Jt 1.H8; Julias Weise, Wien K. 1— JC —.84; Dr. Elkan Weiss, Wien K.2.— — Jt 1.68; Emanuel Lockspeiser, Boryslaw K. 1.— — Jt —.84; Kais. Bat Emil Broch, Tarnow K.—.50 — Jt —.42; Kais. Kat C. Hirsch, Wien K. 5 — — Jt 4.20; Heinrich Bard, Lemberg K. 6.— — Jt 5.04; Fischet Engelstein, Metz Jt —.50; Simon Gerstenhaber Jt —30; Josef Frankel Jt —30; Jona Holdner Jt —.20; Isak Großmann Jt —.25 Simon Thau, Metz Jt —,25; Akadexn. Verein jüdischer Mediziner, Wien Jt 4.20 Die Münchener medizinische Wochenschrift schreibt in ihrer Nummer vom 3. Februar über das Koni g Ludwig-Bad in Fürth, dessen Eröffnung am 7. Januar stattgefunden hat, folgendes: „Da die Bäderpreise trotz, der vorzüglichen Ausstattung der Räume sehr mäßig gehalten sind, so bietet diese neue Badeanlage eine äußerst wertvolle gesundheitliche Einrichtung für die zwei Nachbarstädte Nürnberg und Fürth nebst näherer und entfernterer Umgebung und wird zweifellos bei der Anerkennung, die ihr wegen der Vortrefflichkeit ihrer Ausgestaltung von allen sie besuchenden Aerzten gespendet wird, auch aus entfernteren Gebieten alsbald Badegäste anziehen.“ SToliWERCK 7 Fabriken. Über6000 Beschäftigte