Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Article
- Propaganda-Tournee Dr. Krinkins
- Date
- 1914-02-20
- Page
- 198 (sequence 2)
- Language
- German
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198 Nr 8 D!E3(aEELT gemacht und der jüdischen Kolonisation neue Freunde erworben. Dr. K r i n k i n hat jetzt bereits in Mailand, Verona, Livorno und Casal-Monferrata, mit Erfolg gesprochen. — In Livorno hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde dem Redner besondere Ehren zuteil werden Das „Komitee der III. Tagung der jüdischen Jugend in Italic n“, die vom 22. bis 24. Februar in Rom stattfindet, hat nunmehr die Tagesordnung veröffentlicht. Es werden u. a. referieren, von unseren Gesinnungsgenossen: Rabb. Dr. Elia Artern über „Die Gefahren der Assim i I a t i o n", Dr. David K r i n k i n über die „A k t u e 11 e jüdische Frage n“, Avv. Alfonso P a c i f i c i über eine „Organisation der jüdischen Jugend“ u. a. Frankreich Paris. C.- Am 31. Januar veranstaltete das „Echo Zionist e“ im Carlton-Hotel ein gemütliches Beisammensein seiner Mitarbeiter anläßlich des zweiten Jahrestages seines Wiedererscheinens. Etwa 30 Personen wohnten der Feier bei. Herr Dr. Nordau hielt eine humorvolle Ansprache, die, wenn auch improvisiert, doch ein kleines Meisterstück war. Es brachten ferner Toaste aus die Gesinnungsgenossen Prof. Basch, Baumgarten und Harari. Zum Schluß trug Frau A 1 v i n a A 1 v i von der Oper in St. Petersburg mit großer Kunst und tiefem Gefühl einige jüdische Lieder vor. Canada Rede des Präsidenten der kanadischen Federation Herrn Clarence I. de Sola, gehalten auf der 13. Jahreskonferenz der Federation of Zionist Societies of Canada Dies ist das dreizehntemal, daß wir unsere Versammlung abhalten, und wir kanadischen Zionisten wollen heute beweisen, daß wir unsere Pflichten und Aufgaben ganz verstehen. Den Beweis wollen wir dadurch liefern, daß wir ein Programm praktischer, wirksamer zionistischer Arbeit aufstellen und durchführen. Daß unsere kanadische Federation schon ein beträchtliches Maß von Arbeit geleistet hat, das geht aus unseren früheren Versammlungsberichten hervor, und erfreulicherweise beweist unser diesmaliger Bericht, daß wir im vergangenen Jahre mehr geleistet haben als jemals zuvor. Der beste Beweis für unseren Fortschritt ist das Wachsen unserer Einnahmen, das es uns ermöglicht, zu den wichtigsten Finanzinstrumenten unserer Organisation in verstärktem Maße beizusteuern. Unsere Einnahmen in der letzten Convention-Periode waren um 50 »» höher als in der vorhergehenden, und besonders die freiwilligen Spenden haben sich wesentlich erhöht. Auf praktischem Gebiet haben wir vor allem für unseren kanadischen Fonds zum Ankauf von Land in Palästina gearbeitet. Die Bareingänge für diesen Fonds sind heute doppelt so groß wie zur Zeit der vorigen Convention. Hierzu kommen noch die großen Subskriptionssummen und die uns zugesagten Beträge für privaten Landankauf, ferner die von uns dem Nationalfonds zum Zwecke von Landankäufen übermittelten Beträge. Eine Mitteilung, die ich Ihnen bezüglich unseres Landankauf-Fonds machen kann, wird Sie sicherlich erfreuen. Unser Plan zum Ankauf und zur Kolonisation von Ländereien in Palästina ist zur Ausführung gelangt: wir haben in Palästina eine kanadische Zionistenkolonie geschaffen. Wir haben ein Terrain samt den darauf befindlichen Gebäuden und Pflanzungen, fertig zur Besiedlung durch jüdische Familien, käuflich erworben, und die Siedler werden jüdische Arbeiter sein, die getrennte Hauswirtschaft und gemeinsame Feldwirtschaft betreiben werden. Dieses Besitztum soll den Namen der Federation of Zionist Societies of Canada führen. Damit können wir auf einen praktischen Erfolg der Bemühungen der kanadischen Zionisten hinweisen. Daß wir den Plan zur vorgeschriebenen Frist ausführen konnten, soll uns ermutigen, eine ganze Reihe weiterer Siedulngen in Palästina zu schaffen. Auch auf anderen Gebieten hat unsere Federation gute Erfolge erzielt. Unsere Propaganda für den Zentralfonds hat gute Resultate gezeitigt, ebenso für viele andere Unternehmungen. Bezüglich unserer lokalen Gesellschaften haben wir einen Rekord erzielt. Nie zuvor haben wir in so kurzer Zeit so viele neue Zweige der Bewegung einrichten können. Seit unserer letzten Versammlung haben wir in Kanada IS neue zionistische Gesellschaften gegründet und weitere sechs werden in kurzer Zeit hinzukommen. Ferner sind zwei private Achusah- Gesellschaften gegründet worden. Die neuen Gesellschaften folgen eifrig dem Beispiel der älteren. Natürlich war die Exekutive, besonders das Bureau- Komitee, mit Arbeit überbürdet, die sie in opferwilligster Weise ausgeführt haben. Seit unserer letzten Convention war das für unsere Bewegung bedeutsamste Ereignis der Balkankrieg, der noch gewaltige Veränderungen zur Folge haben wird. Die türkischen Staatsmänner haben die dringende Notwendigkeit erkannt, auf den verschiedensten Gebieten Reformen einzuführen, und die Einwanderung von Juden in Palästina liefert ihnen gerade dasjenige Bevölkerungselement, das ihnen hierbei von wesentlichem Nutzen sein wird. Die Ergebenheit, welche die Juden gelegentlich des letzten Krieges der türkischen Regierung bewiesen haben, muß diese clavon überzeugt haben, daß die Juden nicht nur wegen ihres Fleißes, sondern auch wegen ihrer von der jüdischen Religion vorgeschriebenen Treue für ihr Aufenthaltsland wünschenswerte Bürger sind. In Anerkennung dieser Tatsache hat man auch den roten Zettel abgeschafft. Einflußreiche Juden können nichts Besseres tun, als gute Beziehungen zwischen der türkischen Regierung und uns "herzustellen. Ein anderes für unsere Bewegung wichtiges Ereignis war der XI. Zionistenkongreß. Zwölf Mitglieder unserer kanadischen Federation brachten das Opfer, die lange Reise nach Wien zu unternehmen, um für uns als Delegierte zu wirken. Ferner hatten wir mehrere Bevollmächtigte, wodurch die Anzahl unserer Delegierten wesentlich erhöht wurde. Die Vorgänge auf dem Kongreß sind noch frisch in Ihrer aller Gedächtnis, und ich möchte nur hervorheben, daß, obwohl selbstverständ- . lieh Meinungsverschiedenheiten bestanden über die Notwendigkeit einer mehr politischen resp. einer mehr praktischen Arbeit, sich diese Meinungsverschiedenheiten doch nur auf die Arbeitsmethoden und niemals auf unsere eigentlichen Ziele bezogen. In allen Parlamenten findet man Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Politik. Wir wissen aber, daß die verschiedenen Parteien alle gleichmäßig von den vornehmsten Motiven getragen sind. Dasselbe zeigt sich natürlich auch auf unseren Kongressen. Die Hauptsache ist die Erreichung unseres Zieles; die "Frage nach der Methode zu seiner Erreichung kommt erst in zweiter Linie. Der Kongreßbericht bewies, daß unsere Bewegung fortgesetzt bedeutende Fortschritte macht. Natürlich hat man Fehler gemacht, und unsere Organisation verträgt noch bedeutende Besserungen. Doch sollte die Tatsache, daß trotz aller Schwierigkeiten unsere Bewegung fortschreitet, und beständig an Stärke und Bedeutung zunimmt, uns mit Mut und den höchsten Hoffnungen erfüllen. Außer der politischen Organisation des jüdischen Volkes hat der Zionismus aber zurzeit noch etwas anderes unternommen. Er ergreift wirksame Maßregeln zur Organisierung unserer geistigen Kräfte, zur Neuschaffung eines Zentrums hebräischer Kultur, indem er daran geht, eine große jüdische Universität in Jerusalem einzurichten. Hierdurch wird Palästina das große Zentrum jüdischer Kultur werden, denn wir hoffen dort eine Schule zu errichten, die an Ruhm hinter Jabneh, Sephoris, Lydda und Tiberias nicht zurückstehen wird. Und doch gibt es etwas noch Größeres und Höheres, wozu der Zionismus uns führen muß, nämlich die Organisation unserer religiösen Kräfte. Ich meine die Schaffung einer Organisation, die Einheit in unsere religiösen Körperschaften bringen und unsere religiösen Verhältnisse verbessern soll. Auf unserer letzten Jahresversammlung sprach ich Ihnen von dem Verlust, den das jüdische Volk durch die Assimilation und andere gefährliche Einflüsse erleidet, die Gleichgültigkeit gegenüber den jüdischen Riten in so vielen Familien mit sich bringen, Einflüsse, welche so viele Häuser ihrer jüdischen Atmosphäre berauben, ohne die das Judentum nicht existieren kann. Ich sprach vom Materialismus und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, gegen die wir ständig anzukämpfen haben, um im Einklang mit unserer jüdischen Lehre zu leben, und ich sprach die Hoffnung aus, daß der Zionismus diese Fragen durch die Schaffung eines großen jüdischen Zentrums in Palästina lösen würde, eines Zentrums, das die Juden aller Länder zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten bringen und die Mächte der Assimilation unschädlich machen würde. _ Ich sagte Ihnen, daß der Zionismus Verhältnisse schaffen würde, die uns eine Organisation geben müßten, die sowohl unsere religiösen wie alle anderen Probleme lösen würde. Damals sagte ich Ihnen noch nicht, in welcher Form ich mir diese Organisation unserer religiösen Kräfte vorstellte; jetzt aber will ich es Ihnen sagen: Ich verlange die Wiederaufrichtung unseres religiösen Synhedrions in Jerusalem. Unser Synhedrion muß wieder erstehen! Es muß wieder zu der großen Macht werden, die unser geistiges Leben leitet, vereint und mit neuer Kraft erfüllt. Erst wenn es wieder aufgerichtet ist, werden wir eine Körperschaft haben, die mit genügender Macht und Autorität unsere religiösen Probleme lösen wird.