Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1914-02-20 · 8 (20.2.1914) · p. 193

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
8 (20.2.1914)
Article
Die Palästinareise des Barons Edmund Rothschild
Date
1914-02-20
Page
193 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316625-3316633-3352170--59302-3352254
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 8 193 blE^ELT Schon in der ersten Woche entdeckte man einen Kanal, der älter ist als der Kanal des Königs Hiskia, und der ein von dem letzteren verschiedenes Niveau hat. Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Frage der Wasserversorgung des antiken Palästinas. Unlängst hat man auch einen Stein mit griechischer Inschrift zutage gefördert, der aus der Zeit /.wischen der Zerstörung des zweiten Tempels und der Regierung des Kaisers Hadrian stammt. Die Bedeutung dieses Fundes ist klar. Rührt er doch aus der am wenigsten bekannten Epoche der Geschichte des jüdischen Palästinas, aus der Zeit, als sich die jüdische Kolonie in Jerusalem gegen die neue römische Unterdrückung wehrte, die ihre Existenz bedrohte. Mit Genugtuung sind diese ersten Resultate der jüdischen Forschungen auf einem Gebiete zu begrüßen, auf dem fast alle zivilisierten Völker wetteifern, während gerade wir Jude i bisher abseits standen. Vom Hospital Bikur Cholim in Jerusalem Das Krankenhaus „Bikur Cholim“ in Jerusalem, welches vor etwa 70 Jahren errichtet wurde und vorzugsweise von dem ärmeren Teil der Bevölkerung aufgesucht wird, hat sich längst als zu klein erwiesen; auch entsprechen die hygienischen und medizinischen Einrichtungen bei weitem nicht mehr den modernen Ansprüchen. Wegen Platz- und Geldmangels müssen täglich unzählige Kranke abgewiesen werdent. Aus diesen Gründen bemühen sich seit vielen Jahren die Jerusalemer Gemeinde-Institutionen, das Hospital zu erweitern und einen Neubau aufzuführen. Die Bewohner Jerusalems selbst haben ansehnliche Beträge hierfür gezeichnet. Aus Amerika und Rußland sind gleichfalls größere Summen bewilligt und versprochen worden, so daß die Jerusalemer Verwaltung den Neubau in Angriff nehmen ließ. Die für den Bauplatz und die bisherigen Bauten verausgabten Kosten von 90 000 M. wurden durch Sammlungen aufgebracht. Zur Vollendung des Krankenhauses, welches nach seiner Fertigstellung 112 Betten enthalten wird, fehlen jedoch noch 160 000 M. Da eine ganze Anzahl von Zeichnern größerer Beträge die Bedingung stellte, daß die Verwaltung der Gelder von einem europäischen Komitee geschähe, hat sich nach langwierigen Verhandlungen mit der bisherigen Jerusalemer Verwaltung ein Zentral-Komitee mit dem Sitz in Hamburg gebildet, welchem die Zentralisierung der Geldsammlungen und ihre Verwaltung und die Kontrolle über den fortzuführenden Neubau übertragen wurde. Den Vorsitz hat Herr Oberrabbiner Dr. S. Spitzer übernommen, das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden Herr W. Wreschner, das des Schatzmeisters Herr Moritz S. W o 1 f f, des Schriftführers Herr Leopold Landau. Ferner gehören 'dem Zentralkomitee die Herren Rechtsanwalt Dr. Cäsar Heckscher, Siegfried Levy, Dr. med. S. Möller und Dr. S. Soskin an. Das Bureau des Zentralkomitees befindet sich Hamburg, Große Bleichen 67 I. iiiiiii[imiiiiiiiiiimiiiiiiiiiniiiii[iiinmii;iii;iiiiiiiiii;i:i;:i:;;i;!iiii;;iiiii:i:;ii;-;:::iiiii[:[i;::i;i;i;;iii;i!ii;iii[[iiiiiiimmiiiimiiiimimiiiii WELTCHRONIK ■iiiiuniiiimiiiiimimuiiiimimimmmuimiimmimiiimiiii Ein neuer hebräisch-wissenschaftlicher Verlag In Moskau ist mit einem Kapital von 50 000 Rbl. der Verlag „Mado" begründet worden, der sich zur Aufgabe gestellt hat, als Vorbereitung für die hebräische Universität in Jerusalem naturwissenschaftliche und medizinische Lehrbücher in hebräischer Sprache herauszugeben. Der Verlag will Uebersetzungen der hervorragendsten wissenschaftlichen Werke dieser Disziplinen herausbringen. Bedeutende Mediziner, unter ihnen Dr. L. Rosenthal und Dr. W. Münz, die beide Privatdozenten an der Moskauer Universität sind, sind an diesem Unternehmen interessiert. Die Werke des neuen Verlages werden epochemachend sein für die hebräisch-wissenschaftliche Terminologie auf medizinischem und naturwissenschaftlichem Gebiete. Für die Schaffung dieser Terminologie werden in erster Linie die Herren S. Tschernichowsky und Dr. N. Katzenelson (Buki ben Jogli) tätig sein. Der Verlag wird in engster Fühlung mit dem Waad-Halaschon in Jerusalem stehen. Es ist zweifellos, daß es dem neuen Unternehmen gelingen wird, Werke herauszubringen, die wissenschaftlich in jeder Hinsicht einwandfrei sein werden. Der Verlag bietet auch die Garantie, daß seine Publikationen den größten Ansprüchen an die äußere Ausstattung genügen werden. In wenigen Jahren werden so für die naturwissenschaftliche Fakultät und für die ersten vier Studiensemester unserer jungen Mediziner wissenschaftlich einwandfreie Lehrbücher in hebräischer Sprache vorliegen. Die Gründung des Verlages „Mado" ist eine notwendige Voraussetzung für unsere Universität. ..., Oesterreich |liinlllniinilillHlllllllillllHBiiili Das Waidhofener Prinzip vor Gericht Seit den vorjährigen eindrucksvollen Demonstrationen der jüdischen Studentenschaft gegen die Duldung des sattsam bekannten „Waidhofener Prinzips", welches die Juden von Geburt aus für ehrlos und vogelfrei erklärt, erscheinen immer häufiger ehrenfeste „Waidhofener" vor den Gerichtsschranken und wurden bisher selbstverständlich in allen Fällen verurteilt. Dieser Tage gab es nun einen ganz merkwürdigen Freispruch, über dessen spaßhafte Begründung man herzlich lachen dürfte, würde es sich nicht um eine unerhörte Verunglimpfung der jüdischen Volksehre handeln und würde nicht der famose Urteilsspruch dem feigen Verhalten der antisemitischen „Intelligenz" willkommenen Vorschub leisten. Der Richter des Bezirksgerichtes Favoriten, Dr. Estl, fand nämlich anläßlich eines bestimmten Falles in der Erklärung des Beleidigers, daß er sich aus Prinzip mit einem Jude nicht schlage, lediglich die Willenskundgebung — sich gegen das Strafgesetz nicht vergehen zu In der Urteilsbegründung heißt es nämlich: „Bezüglich der Aeußerung des Angeklagten, daß er sich mit einem Juden nicht schlage, war der Richter der Ansicht, daß diese von dem Angeklagten simpel abgegebene Erklärung (!) nicht den Tatbestand einer Ehrenbeleidigung involviere, denn der Angeklagte habe mit dieser Aeußerung, mit der er allerdings auf das Waidhofener Prinzip angespielt habe, nicht die Ehre des Klägers oder einer Nation herabsetzen, sondern nur die Willenserklärung abgeben wollen, daß er keine strafbare Handlung auch gegenüber einem Juden nicht, begehen wolle. Der Angeklagte habe mit dieser Erklärung kein Werturteil über die Ehre des Gegners abgegeben." Wäre der Richter dieser Ansicht auch gewesen, wenn der Angeklagte geäußert hätte, daß er sich mit einem Tschechen, Ruthenen oder Italiener nicht schlage? Wir sind auf die Entscheidung des Berufungsgerichtes neugierig. Die galizische Wahlreform (Von unserem Berichterstatter) Ueber eine Reform des Wahlrechts für den galizischen Landtag sind durch viele Jahre Verhandlungen gepflogen worden. Vor kurzer Zeit ist es gelungen, die beiden Parteien, nämlich Polen und Ruthenen, die beiden, das Land bewohnenden Nationen, auf ein Programm zu einigen, das der ruthenische Metropolit, Graf Szeptycky, ausgearbeitet hatte. Der Ausgleich bedeutet keinen endgültigen Frieden zwischen den beiden Völkern, da die Vorherrschaft der Polen, die zu ihrer Zahl in keinem Verhältnis steht, noch nicht beseitigt ist, aber doch eine größere Etappe auf dem Wege dazu. Die Kosten dieses „Ausgleichs" tragen, wie das in Galizien üblich ist, die Juden. Wir haben bereits mehrmals zu den einzelnen Versuchen Stellung genommen, die auf eine Entrechtung der Juden hinzielten. Wir haben insbesondere mehrmals auf die überaus traurige Rolle hingewiesen, die der einzige Mann spielte, der die Rechte der Juden hätte verteidigen können. Der Abgeordnete Dr. Löwenstein, das 727802151962881^0914^9^0870^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.