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Die Welt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. 173

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Article
An die Freunde und Vertrauensmänner des jüdischen Nationalfonds!
Date
1914-02-13
Page
173 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 DIEXfcELT 173 Der Jüdische Nationalfonds ist daxu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes xu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Höhe ron circa 4 Millionen Mark erreicht. Briefe und sonstige Sendungen sind zu adressieren: Hauptbureau des Jüdischen 'Nationalfonds [z, H. des Herrn Justizrat Br. M. / Bodenheimer, Cöln, Neumarkt 33 MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN An die Freunde und Vertrauensmänner des Jüdischen Nationalfonds! Ein Jahr erfolgreicher Arbeit liegt hinter uns. Trotzdem die Opferwilligkeit unserer Freunde in der ganzen Welt auch für viele andere Zwecke .in Anspruch genommen wurde, ist es durch unermüdliche Arbeit im Dienste unserer Sache gelungen, zum ersten Male die Jahreseinnahme von einer Million Francs zu erzielen. Hierfür sagen wir Euch im Namen der Leitung unseres Fonds herzlichen Dank. Diese Arbeit ist um so mehr anzuerkennen, als viele unserer Mitarbeiter besonders in den östlichen Ländern unter wirtschaftlich und politisch schwierigen Verhältnissen und unter großen persönlichen Opfern ihre Pflicht erfüllt haben. Das ist ein glänzender Beweis für das Vertrauen zum Jüdischen Nationalfonds und das Verständnis seiner Bedeutung für die Besiedlung unseres Landes mit jüdischen Bauern. Unsere Hauptaufgabe besteht nach wie vor in dem Erwerb von Grund und Boden in Palästina. Es genügt aber keineswegs, den Boden zu kaufen; er muß erst durch jüdische Arbeit zum dauernden Besitz des Volkes gemacht werden. Deshalb soll der Erwerb von Boden Hand in Hand gehen mit der Heranbildung des jüdischen Städters zu der ihm fremd gewordenen Landarbeit und mit der Erprobung und Ausgestaltung derjenigen Arbeits- und Wirtschaftsmethoden, die eine rationelle Bewirtschaftung durch selbst arbeitende jüdische Bauern gewährleistet und in weiterer Folge die ersehnte Massensiedlung ermöglicht. Im Sinne dieses unverrückbaren Zieles hat der Nationalfonds bisher auf den wichtigsten Gebieten grundlegende Arbeit geleistet: Durch die Baumspende ist der Nationalfonds am Werke, das für Pflanzungen besonders geeignete Land aufzuforsten. Damit hat der Nationalfonds eine Kulturaufgabe übernommen, die in vorgeschrittenen Ländern der Staat erfüllt. Noch bedeutsamer ist es, daß die Pflanzungsbetriebe der Baumspende es dem jüdischen Arbeiter ermöglichen, sich in allen Zweigen der Landwirtschaft auszubilden. Durch den Arbeiterheimstättenfonds wird der jüdische Arbeiter instand gesetzt, auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds Besitzer eines kleinen Anwesens zu werden, das ihm zur Gründung einer Familie verhilft. Hierdurch sollen aber nicht nur die Daseinsbedingungen der Lohnarbeiter in den bestehenden Kolonien erleichtert werden. Nach den von der Nationalfonds-Verwaltung jüngst getroffenen Maßnahmen soll nunmehr der Arbeiterheimstättenfonds auch geschlossene Siedlungen von Erbpächtern schaffen, welche die Besitzungen des Nationalfonds genossenschaftlich oder individuell bewirtschaften können. Die vom Nationalfonds begründeten und geförderten Okkupations- und Siedlungsgenossenschaften ermöglichen die Besitzergreifung von Neuland, die Ausnützung moderner Arbeitsmethoden, welche die Vorteile des Groß- und Kleinbetriebes vereinigen und die Arbeiter zur Selbstverwaltung und zur Landwirtschaft erziehen. Von der großen Bedeutung und der Durchführbarkeit dieser modernen Siedlungsmethode zeugt die großartige Entwicklung der Arbeits- und Pachtgenossenschaften in Italien, einem Lande mit ähnlichen klimatischen und Bodenverhältnissen wie Palästina, wo auf diesem Wege hunderttausende Dunam Landes im Laufe von kaum zwei Jahrzehnten mit unbestrittenem Erfolge urbar gemacht und besiedelt wurden. Gelingt es dem Jüdischen Nationalfonds, auf diese Weise die Vorbedingungen nationaler Kolonisation zu schaffen, so ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, wo große Strecken unbebauten Landes erschlossen und die notwendige Beschleunigung in der Entwicklung des arbeitenden jüdischen Palästina herbeigeführt werden kann. In der Zuversicht, daß wir dieses Ziel erreichen werden, werden wir durch die Tatsache bestärkt, daß das arbeitende Palästina, das die Mißerfolge der früheren Siedlungsmethoden entmutigt hatten, nunmehr im Vertrauen zu den Grundsätzen des Jüdischen Nationalfonds aus seiner Entwicklung und zielbewußten Arbeit neue Kraft und Hoffnung schöpft. Darum ergeht bei Beginn des Jahres an die Freunde und Vertrauensmänner des Nationalfonds in der ganzen Welt unser Ruf: Seid eingedenk der überragenden Aufgaben unseres Fonds, setzt eure ganze Kraft und Begeisterung, wie sie uns die Liebe zu unserem Volke und unserem Lande erweckt, für die Werbearbeit des Jüdischen Nationalfonds ein! Gedenket der Land- und Baumspende, der Arbeiterheimstätten und des Genossenschaftsfonds! Scheuet keine Kleinarbeit, die durch das hohe Ziel geheiligt werd. Wer in der kleinen Arbeit des Tages sich bewährt hat, beweist, daß er zu höheren Aufgaben der Organisation befähigt und berufen ist. Wir sprechen die sichere Hoffnung aus, daß all die Tausende, die diese mühselige Arbeit mit Geduld und Liebe bisher geleistet haben, auch in der Folge ihre Pflicht treu erfüllen werden, und daß wir auf die Ergebnisse dieses Jahres mit erhöhter Befriedigung zurückblicken werden. Der Eifer unserer Freunde soll der Welt zeigen, mit welchem Ernst und welchem unbeugsamen Willen wir an der Aufrichtung unseres Volkes in Erez Israel arbeiten. Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds gez. Justizrat Dr. M. I. Bodenheimer Vorsitzender des Direktoriums

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