Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Article
- Worte Mosis [Rezension]
- Date
- 1914-02-13
- Page
- 172 (sequence 2)
- Language
- German
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172 DIEXXELT Nr. 7 der Liebe, welche die Religion verlangt, zusammengekoppelt, wo Liebe soviel heißt wie Duldsamkeit, verständnisvolles Verzeihen, Ausgleich, ,goldene' Mitte. Diese Lehre von der goldenen Mitte macht es wohl allein dem heutigen Menschen möglich, ein Leben zu ertragen, das immer wieder in Gegensatz tritt zu dem, was man ihn lehrt und gelehrt hat und — nicht aufhört, als angeblich verbindliche Lehre zu verkünden. Aber diese angeblich bindende Lehre wird sofort zur ,grauen Theorie', wenn man zu handeln beginnt. Man hat bestenfalls ein mitleidiges Lächeln für den ,Narren', der verlangt, daß man im Leben das wahr mache, was man in der Lehre für wahr hält. Dieser Gegensatz von Theorie und Praxis, das Eifern mit Worten und das Lässigsein mit der Tat, diese ,Fassadengenügsamkeit' — das schöne Wort stammt von Nathan Birnbaum — war freilich dem eifernden Gotte Israels und seinen Propheten fremd. Sehr schön und richtig bemerkt der Philosoph L o t z e, daß dem Judentum seine lebendige Ueberzeugung von der Realität des Göttlichen nicht — wie unserer Zeit — ,als poetische Randverzierung einer völlig weltlichen Lebensansicht galt, sondern als der tiefe Ernst der Wirklichkeit'. Die süße, verzeihende Güte, die man heute als die Gebärde des Religiösen zu betrachten pflegt, war daher den israelitischen Propheten fremd. Und sie wird wahrhaft religiösen Menschen immer fremd sein. Das hat in Deutschland vielleicht niemand so tief und eindringlich begriffen und gepredigt, wie derjenige Philosoph, den man am ehesten neben die israelitischen Propheten stellen kann: Johann Gottlieb Fichte. Jene möchten sich gern vertragen' — hat Fichte einmal von seinen Zeitgenossen gesagt —, ,wir aber wollen weder, noch können wir uns vertragen; denn diese beiden Dinge sind schlechterdings unvereinbar, und wer das eine will, muß das andere lassen'.'' Das ist aktuell, und das ist eine ursprünglich jüdische Betrachtung, nicht Betrachtung, sondern Verurteilung, nicht Verurteilung, sondern Unterweisung der Gegenwart. Und wir freuen uns, daß die große Zeit des jüdischen Volkes für unsere Gegenwart wieder fruchtbar gemacht wird. Lange genug war die Bibel -ein ausschließliches Objekt fremder Forscher, die aus ihr herauslasen, was ihnen paßte, und sie in jedem Falle mit dem kühlen Blicke des uninteressierten Gelehrten ansahen. Wir haben oft gewünscht, es möchten auch jüdische Forscher kommen; und nun sehen wir zu unserer Freude, daß der jüdische Forscher nicht in der Bibel forscht, sondern lebt. Daß er nicht herausliest, was uns paßt, sondern was uns nottut, soll uns recht sein. Möchte jeder Jude, der sich nach einer Fruchtbarmachung der jüdischen Antike für uns sehnt, den vorzüglichen Essay Bergmanns lesen. Hugo Herrmann. Jüdische Weihestunden. Von Leon Kellner. Erschienen im Verlage der „Emunah", Czemowitz. Der Mangel an Weihe ist es, woran unser gegenwärtiges Leben in der Diaspora krankt. In den Ghettohäusem war sie noch zu Hause — aber jetzt? Kein Sabbath mehr, kein jüdischer Feiertag! Unsere Seele dürstet nach jüdischen Weihestunden. Wir folgen dem Autor in die Millionenstadt London. Wir sehnen uns mit ihm nach dem Sabbath, begeben uns in die Synagoge, doch sie ist fast leer, außer dem Kantor und seinem Chor sind fast keine Beter erschienen. Gedrückt kehrt der Autor heim. Die Sabbathstimmung, die er vergeblich suchte, befällt ihn doch, aber — am Sonntag. Unter dem Eindrücke der heiligen Ruhe, der festlich geputzten Menschen, des verheißungsvollen Glockenspieles begibt er sich in eine kleine Methodistenkirche. Der Raum ist bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, die Anwesenden, Vertreter aller Klassen und Berufe, singen andächtig einen Psalm, unser Lechu Nerannenu. Die Juden haben nicht bloß ihre Heimat, sie haben auch ihren Gott fremden Völkern überlassen. Als der Autor noch ein Knabe war, hatte er wohl seinen Gott, dafür aber empfand er in seinem kindlich naiven Ungestüm den Mangel einer Heimat doppelt schwer. Rührend schön schildert der Autor, wie seine Mutter am Sabbathausgange die Ankunft des Meschiach in ihrem Gebete erwähnt, wie dann der Knabe verzückt die Frage stammelt: Wann wird er kommen? Heute weiß er die Antwort, die damals die Mutter noch nicht geben konnte. Er wird kommen, wenn wir wollen. Die jüdischen Feste, wie sie von der Tradition geheiligt sind, erscheinen in diesen Aufsätzen in neuem Lichte Nicht mehr die Festesstimmung ist es, die mit ihnen geboren wurde, welche aus diesen Betrachtungen quillt, Zionisten, die jüdische Seele, ihren Gefühlsreichtiim und ihre Gefühlsinnigkeit im eigenen Lande ausreifen zu lassen; es spricht aus jeder Zeile das glühende Verlangen, den alten Festen zu neuem Glanze zu verhelfen. Das Neujahrsfest und besonders das Kol Nidre geben Anlaß zu sinnigen Betrachtungen und erhebenden Jugenderinnerungen, dergleichen das Ghanukah- und Passahfest. Wie uns andere sehen, die nicht von Haß geleitet sind, weiß Kellner an zwei Beispielen schön zu erläutern. Besonders interessant ist die zionistische Prophezeiung des bedeutenden englischen Erzählers Charles Re ade, der in den Verheißungen der jüdischen Propheten und den Zeichen der Zeit untrügliche Beweise dafür sieht, daß Judäa auf sein Volk warte und dieses in Kürze dahin zurückkehren werde. Das Dasein Israels unter den Völkern vergleicht der Autor mit den segenspendenden Wolken, welche das Wasser aus dem Meere entführen, um es freigebig auf fremden Boden auszuschütten. „Was ich von der Erde nehme, gebe ich tausendfach der Erde zurück", könnte zum Motto der emanzipierten Judenheit werden. Den Abschluß der Sammlung bilden nachdenkliche Aphorismen, die den Unterschied zwischen Einst und Jetzt, dem jüdischen Großvater und seinem entarteten Enkel, aufs Köstlichste beleuchten, endlich der bekannte Psalm „Ein Hauch weht durch die Lande . . ." Kellners Weihestunden sind ein Buch, das der jüdischen Jugend ganz besonders zu empfehlen ist. Die Schrift eignet sich namentlich als Geschenk für unsere reiferen Kinder. Czemowitz. Dr. H. Sternberg. Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration „Die Welt" sind eingegangen: Für das Mikrobiologische Institut: Jüd.-Akad. Verbindung „Emunah", Czemowitz . . M. 0.84 „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut" Siegmund Eppler. Wien K. 2.— — Je 1.68; Paul Diamant, Wien K. 2.— JfC 168; Prof. Kellner, Wien K. 1.— — Jt —.81; Johann Kremenezky, Wien K 10— — Mt 8.40; Ing. Josef Seidener, Wien K. —.60 — JfC—.42; Heinrich Lederer, Wien K. —.60 Jt —.42; Leo Weise, Wien K. 1.— — M —.84; Oswald Weiss, Wien K.2.— — JC 1.68; Julius Weiss. Wien. K. 1.- JfC— 84; Dr- Elkan Weise, Wien K.2.— — Jt L68; Emanuel Lockspeiser, BorysI&w K. 1.— — Mt —.84; Kais. Bat Emil Broch, Tamow K. — 50 Jt —.42; Kais. Bat C. Hirsch, Wien K.5.— — JfC 4.20; Heinrich Sard, Lemberg K. 6.— — JfC 5.04; Fischei Fngelstein, Hetz JfC —.50; Simon Gerstenhaber M—.£0; Josef Frankel JfC—30; Jona Holdner.^> — .20; Isak Großmann .Ä —.25; Simon Than, Metz Jt —,25; Akadem. Verein jüdischer Mediziner, Wien Jt 4.20. Original Patent Hildebrand Milcherhitzer and Vorwärmer, sowie Hildebrand Mflchrelnlgnngs-Maschinen. Diese seit vie’en Jahren im Markt bekannten und ständig verbesserten Apparate dienen bei direkter Unterfeaerung oder für direkte Dampfzuleitung eingerichtet, zum Erwärmen der Milch resp. Pasteurisieren derselben. In dem Erhitzer wird die Milch zur Pasteurisierung auf 85 bis 100 Grad gebracht, je nach den Erfordernissen und zwar nicht durch direktes Feuer sondern durch heiSes Wasser und Dampf, letzterer wird dem heißen Wasserbade entnommen und in den Verdränger, den inneren Einsatz des Blechhehälters, geführt, so daß ein Anbrennon der Milch ausgeschlossen ist, und dieselbe auch keinen Eocbgesrhmack erhalten kann. In Verbindung mit dem Erhitzer wird auch eia Rückkühler gebaut, der direkt am Erhitzer befestigt ist, und die den Erhitzer verlassende Milch mit ihrer hohen Erhitzung aufnimmt. Dadurch, daß die in den Erhitzer fließende zu bearbo:tende Milch diesen Kühler zunächst passieren muß, wird die ausfließende heiße Milch zurück gekühlt. Dieser kombinierte Apparat verarbeitet anch gleichzeitig sowohl za erhitzende Magermilch wie anf 35 Grad vor zu ärmende Vollmilch. Hierbei entsteht im Rückkühler der also gleichzeitig Spsrvorwärmer ist, denn er benötigt keine eigene Feuerung, da der Dampf aus dem Erhitzer hinüber geleitet wird, einen Wärmeaustausch, eo daß die zufliellende kalte Vollmilch auf 35 Grad gebracht und die abfließende heiße Magermilch auf ca. 40 Grad zurückgekühlt wird. Die Vorwärmer zum Erwärmen der Milch anf 85 Grad zwecks besserer Separierung sind sehr ähnlich konstruiert, nur den Verhältnissen entsprechend einfacher gehalten. Bei beiden Sorten von Apparaten ist der Milchzulauf mittels Hebels gnau auf Stundenliterzahl einzustellen. Die Milchreinigungs-Maschinen reisigen mittels Zentrifugalkraft hei 500 Minutentouren die Milch von allem Schmutz indem die Milch gezwungen wird, durch ein kupferverzinntes Sieb zu treten, der Schmutz aber auf dem entgegengesetzten Wege herausgeworfen wird. Die Maschine wird i i verschiedenen Größen von 100 L. Stundenleistung an gebaut. Ausführliches'Angebot gratis und franko erteilt die herstellende Firma Otto'Hildebrand G. m. b. H. Dresden-A, Flemnaingstraße.