Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Article
- Triest [Nachricht]
- Date
- 1914-02-13
- Page
- 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 DIEXXELT Nr. 1 jungjüdischen Bewegung sich bisher nur schwer erschließen wollte, wachsen, blühen und gedeihen! Prijedor. Unser bewährter Gesinnungsgenosse, Herr Gustav Seidemann in Prijedor, hat einen schweren Verlust erlitten. Am 5. Februar starb sein Sohn Gideon im 15. Lebensjahre. Wir sprechen Herrn Seidemann unser herzlichstes Beileid aus. Galizien Reise des Herrn Sokolow in Galizien Herr Nahum Sokolow, Mitglied des Engeren Actions- Comites, setzt seine Tournee durch Galizien fort. Am 1. Februar sprach er in Tarnow bei einem Festbankett, an dem mehrere hundert Personen teilnahmen, über den Sprachenkampf in Palästina. Seine glänzenden Ausführungen machten auf alle Anwesenden, auch auf die Gegner der zionistischen Bewegung, großen Eindruck, so daß die eingeleitete Sammlung voraussichtlich den Betrag von 3000—4000 K. ergeben dürfte. Am 2. Februar sprach Herr Sokolow in Przemysl in einer großen Volksversammlung, an der auch eine größere Anzahl polnischer Zuhörer teilnahmen. Sokolow sprach zuerst polnisch, dann jüdisch über die Entwicklung des Kampfes um die hebräische Sprache in den palästinensischen Schulen. Eine sogleich eingeleitete Sammlung ergab den Betrag von 500 K. Vom 3. Februar an weilte Herr Sokolow einige Tage in Lemberg, um mit der Leitung der galizischen Zionisten wichtige Besprechungen zu pflegen. Er besuchte verschiedene jüdische Schulen, darunter das hebräische Lehrerseminar, und mehrere Vereine. Die Eröffnung der galizischen Nationalfonds-Sammelstelle (Von unserem galizischen Berichterstatter.) Die XL Landeskonferenz der Zionisten Galiziens hat das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds zur Errichtung einer galizischen Nationalfonds-Sammelstelle aufgefordert, ln Erfüllung dieses Wunsches hat das Direktorium beschlossen, in Lemberg ein Bureau des J. N.-F. unter Leitung der von der XL Landeskonferenz eingesetzten J. N.-F.-Landeskommission zu schaffen. — Am 1. Februar hat die feierliche Eröffnung in den Bureauräumen, Podlewskiego-Gasse 3, stattgefunden. Das Actions-Gomite war durch Dr. Georg H a 1 - pern vertreten. Es sprachen Rabbiner Dr. Samuel Guttmann Präsident Adolf Stand, Vorsitzender der galizischen N.-F.-Konunission Dr. Gerschon Zipper, Präsident der galizischen Palästinakommission Dr. Leon Reich und Dr. Georg Halpern. Zum Bureau-Sekretär wurde Dr. Anselm Landau ernannt, dem zwei Beamte beistehen. Als Revisoren sind berufen worden : Dr. Georg Halpern vom Direktorium des J. N.-F. und Salomon Dukor vom Zentralkomitee. Die Sammelstelle hat die erste Nummer der wöchentlichen Beilage zum „Tagblatt“ — „Far Erez I sroel“ herausgegeben, die Tätigkeitsweise der Ortskommissionen festgesetzt und die eigentlichen Arbeiten begonnen. Hermann Struck in Lemberg Der bekannte jüdische Maler Hermann Struck, der auf einer Studienreise durch Galizien jetzt in Lemberg weilt, hielt am 1. Februar vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen Vortrag über jüdische Kunst. Der Gast wurde vom Vorsitzenden der Lemberger Misrachigruppe, Dr. Samuel R a p p aport, begrüßt. Bezalel-Ausstellungen Die galizische Vertretung des Bezalel in Lemberg hat in den letzten Wochen gelungene Bezalel-Ausstellungen in Tarnopol und S t r y j veranstaltet. Zloczow. Die Organisation der Zionisten Galiziens hat einen schweren Verlust erlitten. Gg. Leon G r u b e r weilt nicht mehr unter den Lebenden. Noch am 23. Januar hat er an den Gemeinderatswahlen in unserer Stadt regen Anteil genommen, und dank seiner eifrigen Arbeit ist der Sieg der zionistischen Kandidaten verkündet worden. Sonntag, den 25. v. M., ist er, 53 Jahre alt, plötzlich verschieden. Vom ersten Momente an stand er als treuer Mitkämpfer in unseren Reihen. Seine vorzüglichen Charaktereigenschaften, eine unvergleichliche Energie und Arbeitsfreudigkeit für die Popularisierung unserer Idee, haben ihm die Achtung und Liebe aller Bürger unserer Stadt gewonnen. Um so härter traf uns die Nachricht von seinem plötzlichen Hinscheiden. Die ganze Bürgerschaft der Stadt nahm am Leichenbegängnisse AnteiL Die Gg. Dr. Landesberg, Dr. Werfel und jur. Neubauer nahmen im Namen der Partei und .der Freunde mit warmen Worten am offenen Grabe Abschied von dem Toten. — Unsere Organisation beschloß, ihn ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen und sein Bild im Verein „Zion“ dessen mehrjähriger Präsident er war, anzubringen. — Ehre seinem Andenken! Zboröw (Galizien). Am 18. Januar veranstaltete die hiesige jüdische akademische Jugend einen feierlichen Makkabäer-Abend mit sehr reichhaltigem Programm. Ueber das Thema „Der XI. Zionistenkongreß und der Sprachenkampf in Palästina“ sprach Herr Dr. Schwager aus Tamopol. Ungarn Misrachi-Versammlung In Budapest Die ungarländische Zweigföderation des Misrachi hielt am 8. d. M. ihre erste öffentliche Versammlung seit ihrer Loslösung von der Landesorganisation und ihrer selbständigen Konstituierung ab. Die Versammlung wurde vom Präsidenten P. L. Lindenbaum eröffnet, der sodann dem Mitglied des Zentralkomitees des Misrachi, Herrn Hermann Struck, das Wort erteilte. Herr Struck skizzierte zuerst die Geschichte des Misrachi seit seiner Begründung und kam sodann auf die Schöpfungen dieser Föderation, auf die Tachkemoni-Schule und die geplante Gartenbaukolonie zu sprechen, die er eingehend würdigte, um dann die theoretischen Grundlagen der misrachistischen Auffassung zu erörtern. Er schloß mit einem warmherzigen Appell, dem Misrachi beizutreten, da nur dieser die Basis zu einem national-religiösen und harmonischen Volljudentum biete. Die interessanten Ausführungen wurden von der gutbesuchten Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Es sprach noch Herr Lebovitsch, worauf Herr Dr. Alt die Versammlung schloß. Rußland Odessa. Ueber die Persönlichkeit und die Lebensschicksale des kürzlich verstorbenen Gesinnungsgenossen Jakob Konstantinowsky (vgl. Nr. 4 der „Welt“) schreibt uns Herr Dr. J. Sapir: Erzogen im Geiste seines Vaters, des bekannten Palästinafreundes Abraham Konstantinowsky, der in grenzenloser Liebe seinem Volke ergeben war, zog Jakob Konstantinowsky mit der ersten Gruppe der Bilu-Pioniere nach Palästina. Er war Zeuge des ungeheuren Elends, das die ersten Schritte der Bilu- Gruppe begleitete, und reiste nach Paris, um bei Baron Rothschild Hilfe für die Kolonisten zu erwirken. Hierauf kehrte er nadh Palästina zurück, richtete die Mutlosen auf und teilte seine Erfahrungen und Kenntnisse mit ihnen. (Er war ein Agronom vom Fach.) Dann ging er nach Rußland zurück, um seinen einzigen Sohn von dort nach Palästina zu führen und ihn in der Schule Mikweh Israel erziehen zu lassen. Die langsamen Fortschritte der Kolonisation in Palästina konnten jedoch seine stürmische Ungeduld nicht befriedigen. Man konnte voraussehen, daß H e r z 1 mit seinem großartigen „Judenstaat“ in der Person des Dahingeschiedenen einen begeisterten Adepten finden würde. Und in der Tat: beim ersten Erscheinen des politischen Zionismus sehen wir Konstantinowsky in den vordersten Reihen seiner Kämpfer. Als Agitator war er ohnegleichen. Sein tiefer Glaube begeisterte alle um ihn her und selbst die eingefleischtesten Assimilanten konnten ihm nicht widerstehen. Beiläufig bemerkt, war er infolge seiner Familienverbindungen geeignet, zahlreiche Anhänger gerade in diesen Kreisen zu werben. Zur Zeit der Gründung unserer Bank, des I. C. T., entwickelte er eine ungeheure Propagandatätigkeit, und ihm ist es zum Teil zu verdanken, daß bloß die Stadt Odessa 20 000 Aktien der Jüdischen Kolonialbank erwarb. Ein einziger Gesinnungsgenosse, Leon Rabinowitsch, kaufte auf seine Veranlassung 1000 Aktien. Als Organisator entwickelte der Verstorbene eine ungewöhnliche Schaffenskraft. Dank seiner Initiative und Energie wurde im Jahre 1899 die Gruppe „Abodath Hakodesch“ gegründet, der sich gegen 100 Intellektuelle anschlossen: Aerzte, Juristen, Publizisten, Künstler usw. Im Geldeinsammeln für zionistische Zwecke hat der Verewigte immer alle Rekorde geschlagen. Er setzte die größte Zahl 'der Schekel ab, verbreitete die meisten Sammelbüchsen des Jüdischen Nationalfonds und war in Odessa auch mit großem Erfolg für die Verbreitung der „Welt“ tätig. Nur einmal entfernte sich J. Konstantinowsky von der zionistischen Arbeit, angelockt von dem Territorialismus Z a n g w i 11 s,