Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Article
- Mährisch-schlesischer Distriktstag
- Date
- 1914-02-13
- Page
- 165 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 165 MESqEELT das nach kurzer Debatte mit einigen Amendements angenommen wurde. Bei der Budgetberatung wurde der Posten von 1300 K. für das Westösterreichische Z. K. einer eingehenden Kritik unterzogen und der Antrag Richard Weibenstein, Iglau, das D. K. möge nur denselben Betrag wie die anderen Distrikte zur Auszahlung bringen, einstimmig zum Beschlüsse erhoben. — Der Distriktsobmann Gustav F i n z i erstattete Bericht über den derzeitigen Stand der Pressefrage. Die mitgeteilten Grundlagen der Verhandlungen fanden die Zustimmung des D. T. Die Wahl des neuen D. K. ergab unter großem Beifalle der Delegierten die Wiederwahl des früheren D. K. mit seinem verdienten Obmanne Gustav Finzi und die Neuwahl des Rabbiners Dr. Friedmann, Troppau, der mit dem Kulturreferate betraut Vor einem zahlreichen Publikum hielten nun Dr. S. Werner, Iglau, und Rabbiner Dr. Friedmann, Troppau, ihre Referate. Dr. S. Werner referierte über Jugenderziehung. Sein tiefdurchdachtes, glänzendes Referat hatte nachstehende Thesen zur Grundlage: „Wenngleich wir überzeugt sind, daß eine vollkommene, bewußt jüdische Erziehung unserer Jugend nur in Palästina möglich ist, in dem Hebräisch als Mutter- und Verkehrssprache herrscht, so zwingt uns doch die Lage des jüdischen Volkes, dem in der Diaspora nicht einmal die Möglichkeit gegeben ist, seine Kinder jüdisch zu erziehen, auch hier für eine annähernd vollkommene jüdische Erziehung zu Eine solche Erziehung ist erreichbar durch: 1. Errichtung jüdischer Kindergärten, 2. Errichtung jüdischer Volks- und Bürgerschulen, sowie einer jüdischen Mittelschule in Wien oder Prag, in denen die jüdischen Kinder zu bewußten Juden und treuen Staatsbürgern erzogen werden sollen, 3. jüdische Internate (Konvikte), welche, wenn möglich, an diese Schulen angegliedert werden sollen, 4. Gründung eines allgemeinen jüdischen Schulvereins (nach dem Muster des deutschen Schulvereins) behufs Errichtung und Erhaltung der genannten jüdischen Schulen, 5. Gründung von jüdischen Elternvereinigungen, die sich aus den organisierten Zionisten des betreffenden Ortes unter Beiziehung geeigneter jüdischer Fachleute zum Zwecke der Durchführung der oben genannten Institutionen zu konstituieren haben, 6. Gewinnung der Kultusgemeinden zur Pflege jüdischgeistiger Interessen durch Hebräisch-, Geschichts- und Literaturkurse. 7. Gründung von Turn-, Sport- und Wandervereinen, die jeder organisierte Zionist aktiv und finanziell zu unterstützen verpflichtet ist.“ Auf Antrag des Distriktsobmannes, Gustav Finzi wurde einstimmig beschlossen, das Referat Dr. Werners in Druck zu legen. Außerdem wurde im Anschlüsse an Rieses Referat der Resolution des cand. ing. Hein, Brünn (Veritas): „Der Mährisch-schlesische D. T. erklärt, daß es in Westösterreich keine Zentralstelle für Jugenderziehung gibt“, zugestimmt. Das Referat Dr. Friedmanns über j ü d i s c he Kulturarbeit in Palästina fand begeisterte Aufnahme auf dem D. T., das dem Referenten warmen und herzlichen Beifall zollte. Die Thesen, welche der Referent logisch entwickelte, sind folgende: „Die Hebraisierung des gesamten jüdischen Schulwesens in Palästina ist Lebensbedingung für den Zionismus, der Zentralfonds daher das jetzt wichtigste Instrument unserer Bewegung. Die Zionisten müssen demzufolge einen Teil ihres Einkommens gleich den notwendigsten Lebensbedürfnissen auch dem Zentralfonds — als Jahresbeitrag — widmen und sollen alljährlich für das hebräische Schulwesen in Palästina Sammlungen veranstalten.“ Nach dem Danke an die Iglauer Freunde für die gute Vorbereitung des D. T. und dem Danke an das Bureau konnte Dr. Werner unter den Klängen der „Hatikwah“ den D. T. schließen. K. L. Reise Dr. Lev ins in Mähren Brünn. Am 27. Januar wurde von der „Zionistischen Gruppe der Vereinigung der östlichen jüdischen Hochschüler in Brünn“ ein gemütlicher Abend veranstaltet, an dem unser Gesinnungsgenosse Kollege Rokach vom Studentenverband , Hechower“ aus Berlin einen Vortrag über „Die gegenwärtigen Strömungen in der jüdischen Studentenschaft“ hielt. Nach einer privaten Besprechung mit Kollegen Rokach wurde seitens der zionistischen Gruppe beschlossen, mit Beginn des Sommersemesters dem Verbände „Hechower“ beizutreten. Am 4. Februar, vormittags, traf Dr. L e v i n aus Brünn in Proßnitz ein und wurde von den Mitgliedern des Parteirates der Proßnitzer jüdischnationalen Vereine empfangen. Um 12 Uhr vormittags fand der Empfang und die Begrüßung des Herrn Dr. Levin im jüdischen Kasino statt, wobei der Obmann des Parteirates, Herr Dr. Zweig, den verehrten Gast begrüßte. Für i/ä5 Uhr nachmittags war von der israelitischen Kultusgemeinde eine Begrüßung angesetzt, an der sich die Kultusräte der Kultusgemeinde, die Gemeinderäte der politischen Judengemeinde, ferner die Mitglieder der Brünn er Moravia-Loge, die Vorstände der jüdischen Vereine von Proßnitz, insgesamt etwa 40 Personen, beteiligten. Der Kultusvorsteher, Herr Kais. Rat Mayer, hielt an Herrn Dr. Levin eine Ansprache, worauf dieser in einstündiger Rede seine Gedanken über unsere Aufgaben in Palästina entwickelte. Die Rede Herrn Dr. Levins war von dem allerstärksten Eindruck auf alle Anwesenden; sie erklärten sich bereit, für das Schulwerk Beiträge zu leisten; auf Anregung des Kais. Rates Mayer, der sich selbst mit einem erheblichen Betrage beteiligt, wird eine Sammlung organisiert. Am Abend fand im großen Saale des Deutschen Hauses eine Versammlung statt, in der Herr Dr. Levin einen Vortrag über die Tragödie der Heimatlosigkeit hielt. Es waren über 500 Personen erschienen, die durch die Worte des Vortragenden zu tiefer Begeisterung hingerissen wurden. Eine ganze Anzahl von Teilnehmern trat nach dem Vortrage der zionistischen Organisation bei. Die Stunden der Anwesenheit des Herrn Dr. Levin waren für die Juden von Proßnitz ein Festtag, den sie lange nicht vergessen werden. Der Eindruck der Versammlung war so stark, daß zahlreiche Zionisten und Nichtzionisten aus Proßnitz am Abend des folgenden Tages nach Olmütz fuhren, woselbst Herr Dr. Levin sprach. Am 8. Februar traf Herr Dr. Levin nachmittags in Mährisch-Ostrau ein und hielt mit den dortigen Zionisten eine Besprechung ab über den gegenwärtigen Stand der Bewegung und im besonderen der Schulsache. An dieser vertraulichen Besprechung nahmen auch sämtliche Mitglieder des Mährisch-schlesischen Distriktskomitees, sowie noch einige Gesinnungsgenossen aus Troppau teil. Am Abend fand in dem prachtvollen Saale des Deutschen Hauses eine Versammlung statt, die von mehr als 1000 Personen besucht war, ein Erfolg, der für Mährisch-Ostrau geradezu beispiellos ist. Der Vortrag des Herrn Dr. Levin über die „Tragödie des Judentums“ übte auf die Zuhörer eine tiefe Wirkung, die sich in rauschenden Ovationen für den Redner kundgab. Die Stimmung der Ostrauer Zionisten ist durch die Anwesenheit von Herrn Dr. Levin eine vorzügliche und die mit verdoppeltem Eifer geleistete Arbeit findet jetzt eine bereitwillige Aufnahme bei der gesamten Judenschaft. Die zugunsten des hebräischen Schulwerkes eingeleitete Sammlung wird voraussichtlich 5000 K. für das Jahr 1014 ergeben, wovon die erste Rate von 1000 K. bereits abgesandt wurde. Nach dem Vortrage des Herrn Dr. Levin hielt noch das Mitglied des Mährisch-schlesischen Distriktskomitees, Herr Dr. Friedmann aus Troppau, eine Ansprache an die Zuhörerschaft. Nach der Versammlung bildete sich noch ein engerer Kreis der angesehensten jüdischen Bürger mit der vollständigen Vertretung der Kultusgemeinde an der Spitze vereint mit unseren Gesinnungsgenossen und den Troppauer Gästen, um den geschätzten Gast, der noch einige Stunden in anregender Unterhaltung verbrachte. Weitere Berichte über die so überaus erfolgreiche Reise des Herrn Dr. Schmarja Levin folgen in der nächsten Nummer. Triest. Am 3. Februar fand die konstituierende Generalversammlung des Jüdischen Turnvereins Maccabi Triest (Societä ebraica di ginnastica Maccabi-Trieste) statt, jenes jungen Vereines, der, trotzdem er den Tumbetrieb noch nicht hat auf nehmen können, bereits 120 Herren zu seinen aktiven und unterstützenden Mitgliedern zählt. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Obmann Dr. David Grünspecht, Stellvertretender Josef L i e b s t e i n , Sekretär Isaak Komik, Kassierer Eduard Taussig, 1. Turn wart Josef Ball, 2. Turn wart Egon Heller, Zeugwart Franz Sander, Beisitzer S. Abend, G. Goldberger, R. Zweien t h a I. In der Wahl zum Präsidenten hat der Verein eine ankesschuld gegenüber Herrn Dr. Grünspecht abgestattet, welchem das unbestreitbare Verdienst zukommt, in jahrelanger unermüdlicher Arbeit den Verein geschaffen zu haben. Möge der junge Verein, der auf einem Boden arbeitet, welcher der