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Die Welt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Article
Äußerungen eines griechischen Beamten
Date
1914-02-13
Page
163 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 7 blEXXELT 163 sehen Zeitschriften folgende sehr interessante und originelle Erklärungen über die Schaffung eines jüdischen Lehrstuhls an der Universität Athen abgegeben: „Ein jüdischer Lehrstuhl an der Universität Athen würde für Griechenland sicherlich wertvoll sein. Unsere Religion ist wie alle großen Religionen eine Tochter des Judentums, welches allein die Ehre beanspruchen kann, den Monotheismus geschaffen zu haben. Wenn die geographischen historischen und klimatischen Verhältnisse es Griechenland erlaubt haben, seine Kultur zu entwickeln und in aller Welt den Ruhm seines Gedankens und seiner Kunst zu verbreiten so darf man nicht übersehen, daß Griechenland dabei das Erbe angetreten hat, das das Judentum hinterließ; es ist sein Nachfolger. Ich glaube, daß Sokrates selbst, welcher lange vor Jesus lebte, aus der großen jüdischen Wissenschaft geschöpft hat. Es hat eine Zeit gegeben, da die beiden Nationen, die griechische und die jüdische, sich freundlich gegenüberstanden und sich vollständig vermischten. Sie fordern einen jüdischen Lehrstuhl an der Universität Athen, aber ich gehe noch weiter. Ich spreche, in diesem Augenblick als Mensch und als Grieche aufrichtig zu Ihnen: Ich wünschte^ daß die jüdische und die christliche Religion sich offen und ehrlich die Hand reichen würden. Das Judentum darf nicht mehr allein dastehen, denn es ist die erste Aeußerung des Monotheismus und alle anderen siegreichen Religionen haben diesen Gedanken aufgenommen. Ich selbst bin überzeugt, daß bald ein Vergleich zwischen beiden Religionen Zustandekommen wird. Die einzige Bedingung, die nach meiner Ansicht noch fehlt, und welche die letzten Schwierigkeiten beseitigen kann, ist für die Juden der Besitz einer nationalen Heimat, ein Zusammenschluß der Juden, eine jüdische Freiheit, eine jüdische Unabhängigkeit. Unci ich bin überzeugt: diese jüdische Heimat, diese Freiheit, diese Unabhängigkeit werden Sie erreichen! Wenn der jüdische Staat erst einmal wiederhergestellt ist, so wird das Christentum! ihm die Hand reichen. Wenn es bisher noch viele Vorurteile gibt, so werden sie später alle schwinden. Ich - sage Ihnen aus Ueberzeugung: Vor einigen Monaten war ich selbst in Palästina. Ich war in Jerusalem, ich habe ganz nahe die enorme Arbeit gesehen, welche die Juden dort geleistet haben, und ich bin überzeugt, daß in Ihrem Volk ein nationaler und fester Wille steckt. Sie werden siegen, Ihr Ehrgeiz ist berechtigt, und von diesem Tage ab wird es keine Judenfrage mehr geben, weil es auch keine christlichen Vorurteile mehr geben wird." iiüiiiiiiniiüiiiiiiiiiiiiiiitiiüiiiiiinifi Bulgarien Blutmärchen in Bulgarien Folgendes hat sich dieser Tage in Plevna in Bulgarien zugetragen: Ein jüdischer Bürger ging am 29. v. M. nach Hause, als ein junger Bulgare sich ihm näherte und ihm anbot, er wolle ihm ein Christenkind verkaufen, damit er dessen Blut für seine religiösen Zwecke benutzen könne. Der Angesprochene bewahrte seine Geistesgegenwart und ließ sich das Anerbieten wiederholen, während sich ein Polizist hinter einer Tür verborgen hielt und alles mit' anhörte. Der junge Bulgare forderte als Preis nur einen Franc. Nun kam der Polizist aus seinem Versteck, und der Bulgare wurde verhaftet und fortgeführt. Die jüdische Bevölkerung von Plevna wurde durch diesen Vorgang sehr erschreckt, da man nicht weiß, ob es sich hierbei nur um die Tat eines Phantasten oder um ein antisemitisches Komplott handelt, um Unruhen gegen die Juden hervorzurufen. Der Großrabbiner von Bulgarien hat bereits die nötigen Schritte getan, um die Sache aufzuklären. Vor einiger Zeit hat König Ferdinand den Großrabbiner von Bulgarien in einer längeren Audienz empfangen, in deren Verlauf der Monarch erklärte, daß er den Verlauf des Prozesses in Kiew genau verfolgt habe, welcher, wie er sagt, eine Schande für das zwanzigste Jahrhundert sei. Der König fügte hinzu, daß das Blutmärchen in seinem Reiche niemals aufkommen könne. , Serbien iiiiliiiiiiiililiiilllilllliilllilililllllllllil Ein Jude — Stadtrat in Belgrad Unter den Resultaten der städtischen Wahlen in Serbien muß man die Wahl des Herrn Schalom Rousso, des Kandidaten der Regierungspartei, zum Stadtrat in Belgrad hervorneben. Die Wahl des Herrn Rousso ist um so interessanter, als es das erste Mal ist, daß ein Jude in die städtische Verwaltung Belgrads kommt und weil von allen Kandidaten Rousso die größte Stimmenzahl erhalten hat. iiiiiiiiiiMMBiiniiiluiiii Amerika |ii Das neue Einwanderungsgesetz Nach fünftägiger Debatte wurde am 5. Februar im Repräsentantenhaus die Burnettsche Einwanderungsvorlage mit 240 gegen 125 Stimmen angenommen. Den von jüdischer Seite geäußerten Wünschen wurde insofern Rechnung getragen, als der B i 1 d u n g s n a c h w e i s , den die Vorlage für die Einwanderer vorsieht, auf die Fähigkeit, irgendeine Sprache einschl. Hebräisch und Jiddisch lesen (nicht schreiben) zu können, beschränkt wird. Nach einem Kabeltelegramm aus New York vom 10. Febr. hat Präsident Wilson gegenüber dem Einwanderungskomitee des Senates sich energisch dahin ausgesprochen, daß er die Ausschließung von Analphabeten, wie sie in der im Repräsentantenhause angenommenen Burnettschen Einwanderungsbill vorgesehen ist, nicht billige. Diese Bestimmung wird also zu sehr eingehenden Debatten im Ausschuß und im Plenum des Senats führen. Wenn der Senat die Burnett-Bill mit dem Bildungsnachweis annehmen sollte, so wäre sicher, daß Präsident Wilson von seinem Vetorecht gegenüber dem Gesetz Gebrauch machen würde, wie es auch Präsident Taft mit der gegen Schluß seiner Amtszeit angenommenen Bill getan hat. ~j Patina |uinuuii!uiiiniiiiiiiiiiiuuuniüi| Die Sanierung Palästinas Zu den drei Gesellschaften, die das Internationale Gesundheitsamt in Jerusalem begründet haben, gehört bekanntlich auch die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem, die am 13. und 14. Februar im Abgeordnetenhause und Herrenhause zu Berlin W., Leipziger Str. 4, ihre Jahresversammlung abhalten wird. Am Freitag, 13. Februar, werden um 8 Uhr abends im Abgeordnetenhause öffentliche Vorträge mit Lichtbildern gehalten werden von Dr. P. Engelbert Huber- München, Professor Dr. M ü h 1 e n s - Hamburg (Jerusalem) und Oberarzt Dr. Much- Hamburg. ln der am Sonnabend, 14. Februar, 11 Uhr vormittags, im Plenarsitzungssaal des Herrenhauses stattfindenden Mitgliederversammlung werden folgende Vorträge gehalten werden: „Jerusalem, die heilige Stadt", Universitätsdirektor Dr. Adolf Deißmann - Berlin; „Deutsche Interessen im Orient", Kaiserlicher Gesandter z. D. Raschdau - Berlin; „Wohlfahrtspflege in Jerusalem", Oberhofmeister Freiherr von Mirbach- Potsdam; „Die bisherigen Ergebnisse der Arbeiten des Internationalen Gesundheitsamtes in Jerusalem", Professor Dr. Mühlens - Hamburg (Jerusalem). Beiträge für das Hebräische Schulwerk in Palästina (Jahresbeiträge und einmalige Spenden) nimmt das Zionistische Zentralbureau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, entgegen. Aus Deutschland erfolgt die Ueberweisung am besten und gänzlich kostenlos auf das Postscheckkonto des Zionistischen Zentralbureaus: Berlin 11619. Aus Oesterreich und Ungarn uberweise man vorläufig auf die Postscheckkonten der „Welt“: Wien 39 913a, resp. 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