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Die Welt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Article
Ein interessantes Testament
Date
1914-02-13
Page
161 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 DIE32KELT 161 Ein interessantes Testament Der jüngst verstorbene Präsident der Anglo-Oesterreichischen Bank, Herr Karl Ritter von Moravvitz, hat ein Testament hinterlassen, das ihm nicht nur den Ehrentitel eines echt jüdischen Wohltäters sichert, sondern auch sein tiefes Verständnis für jüdische Not zeigt. Er vermachte der Wiener Kultusgemeinde 250 000 K. zur Errichtung einer Stiftung, aus der unverzinsbare Darlehen im Höchstbetrage von 1000 K. an jüdische Kleinkaufleute zu gewähren sind, die seit mindestens 3 Jahren in Wien domizilieren. Wer die furchtbaren Wirkungen des antijüdischen Boykotts und die Dornenwege der vor dem Ruin stehenden kleinen jüdischen Kaufmannswelt kennt, wird diese letztwillige Anordnung vollauf würdigen. Auch sonst zeigt sich in den reichen Legaten des Verblichenen die Klugheit eines Mannes, der die antisemitische Gegenwart gut kannte. Der christlichsozialen Kommune überwies er eine stattliche Summe für die Armen Wiens. Weil er aber wußte, welcher Unfug mit der Klausel „ohne Unterschied der Konfession" getrieben wird, ließ er sie weg und schrieb dem judenfeindlichen Bürgermeister ausdrücklich vor, daß er einen bestimmten Teil des Betrages jüdischen Armen zuzuwenden hat. Der segensreich wirkenden „barmherzigen Brüder" gedenkt er ebenso, wie der Wiener jüdischen Hausierer, allgemein wohltätige Institute, wie Volksbildungsvereine und Feuerwehren vergißt er nicht, aber auch nicht die Wiener jüdischen Waisen. Ein edler, welterfahrener Jude, der das allgemeine Wohl im Auge hat, aber deutlich zeigt, daß er besondere Pflichten seinem Volke gegenüber erfüllen muß. Sein Andenken sei geehrt. Eine jüdische Deputation im galizischen Landtag (Von unserem galizischen Berichterstatter.) Um der beabsichtigten unerhörten Entrechtung der Juden im neuen Wahlgesetze für den galizischen Landtag entgegenzutreten, veranlaßte das Zentralkomitee der Zionisten Galiziens eine gemeinschaftliche Stellungnahme der Juden aller Richtungen. Es ist dies im jüdisch-politischen Leben Galiziens das erstemal, daß in jüdischen Angelegenheiten Zionisten und Assimilanten den Polen gegenüber zusammen auftreten. Der Emst der Lage bewirkte dieses Wunder. Am 2. Februar d. Js. erschienen im Landtagsgebäude als Abordnung des galizischen Judentums Präsident Adolf Stand, die Vizepräsidenten Dr. Leon Reich, Dr. Michael Ringel. Reichsratsabgeordneter Heinrich Reitzes, die assimilatorischen Landtagsabgeordneten Präsident der Lemberger Advokatenkammer Dr. Tobiasz Aschkenasy und der Brodyer Bürgermeister Dr. Stanislaw Ritte!. Die Deputation wurde zuerst vom Landmarschall Grafen Goluchowski empfangen. Abg. Aschkenasy erklärte, die Deputation komme, um gegen die Verbindung von städtischen Wahlkreisen mit Landgemeinden, die den Juden jede Vertretung nähme, zu protestieren. Präsident Stand führte aus, daß die Sachlage den Juden keine Hoffnung auf entsprechende Vertretung lasse. Zum mindesten müsse aber in den sechs städtischen Wahlkreisen des Landes und, nach Ansicht der Zionisten, auch in den Hauptstädten Lemberg und Krakau die Schaffung von Wahlkreisen mit entschiedener jüdischer Mehrheit gesichert werden. Der Landmarschall versicherte, daß den Juden das Recht auf eine gesicherte Vertretung zustehe, und daß ihnen dieses Recht nicht verkümmert werden solle. Hierauf sprach die Deputation beim Statthalter Korytowsky vor. Abg. Aschkenasy und Präsident Stand legten die jüdischen Forderungen dar. Abg. Reitzes bezeichnete das Vorgehen der Polen als Provokation. Der Statthalter erklärte, daß die Erfüllung der jüdischen Wünsche nicht ausgeschlossen sei, er nehme die Forderungen zur Kenntnis und werde sie den entsprechenden Stellen übermitteln. Später erschien das Präsidium des Zentralkomitees mit dem Abg. Reitzes beim Präsidenten des Polenklubs und der Wahlrechtskommission, Abg. Dr. Juliusz Leo, und beim Vizepräsidenten des ukrainischen Klubs, Abg. Dr. Eugenyj Petruszewicz, um ihnen den Standpunkt der Juden darzulegen. Vor den Führern beider Völker legte Präsident Stand entschiedene Verwahrung gegen den geplanten Raub der politischen Rechte des galizischen Judentums ein. Dr. Leo wies auf den Kampf der polnischen Demokratie gegen die Verbindung von Dörfern mit Städtebezirken hin. Dr. Petruszewicz anerkannte die vollständige Berechtigung des Verlangten. Die Polen wünschen kein Eingreifen der Ruthenen in die Angelegenheit der jüdischen Wahlkreise. Das jüdische Wahlreformkommissionsmitglied Dr. Loewenstein hat nie die jüdischen Wünsche vertreten. Sein Klub werde im Landtage für die zionistischen Forderungen stimmen. Die Deputation machte im Landtage großen Eindruck, was auch an den Berichten der polnischen Blätter zu erkennen war. Als Folge des Einspruches der Vertretung der gesamten Judenheit ist ein gewisses Schwanken im polnischen Lager in dieser Frage wahrzunehmen. Der bereits fast endgültig erledigte Entwirf wird nochmals in Beratung gezogen. Es wird doch nicht möglich sein, nach dem Wunsche der Allpolen eine Million Juden ganz ohne Rücksicht ihrer Rechte zu berauben. Die Juden einer Reihe von Städten, darunter Drohobycz, KoIomea, Zloczövv, legten telegraphisch massenhaft Unterzeichnete Proteste gegen die Entrechtung ein. Die Poale Zion beriefen in Lemberg für den 7. d. M. ein Protestmeeting ein, bei dem nach den Referaten von Dr. M. Rosenfeldj Dr. J. Sternberg und J. Kon d e 1 die Abgeordneten Ernest Breiter und Heinrich Reitzes das Wort nahmen. Kurz vor Schluß der Redaktion erfahren wir, daß am 8. Februar in der Subkommission die Frage der Zusammenschließung von Stadt- und Landgemeinden nach einem Vermittlungsantrage des Statthalters Korytowski so erledigt wurde, daß einige der geplanten Zusammenlegungen entfielen. In einem gewissen Grade wurde also den. jüdischen Wünschen Rechnung getragen. Lemberg. Der Verein „Hilfe", der jüdische Emigranten unterstützt, sendet uns einen Aufruf, worin er alle jüdisch Fühlenden, insbesondere die Wohlhabenden, bittet, ihm durch Geldbeträge in seinem schwierigen und dankenswerten Werke beizustehen. Die Adresse für Geldsendungen ist: Ingenieur Isidor D o r n e r, Lemberg, Rapaportgasse 7; für Korrespondenzen und sonstiges: Schewach S i r a t e , Lemberg, Batoregogasse 38, II. Ungarn Eine Struck-Ausstellung in Budapest Aus Budapest schreibt uns unser Berichterstatter: Vor li/s Jahren hatte die von der Zeitschrift für jüdische Kunst und Literatur „M ult es J ö vö" veranstaltete, außerordentlich gelungene Lilien-Ausstellung zum erstenmal das ungarische Publikum, Juden wie Nichtjuden, mit den Leistungen der modernen, bewußt-jüdischen Kirnst bekannt gemacht. Kurze Zeit darauf folgte eine B e z a 1 e 1 - Ausstellung, welche Erzeugnisse des palästinensischjüdischen Gewerbefleißes und Kunstgeschmackes brachte und gleichfalls eine hohe Entwicklungsstufe bekundete. Diesen beiden Ausstellungen schloß sich nun jetzt die Ausstellung unseres lieben Meisters Hermann Struck an, den wir auch die Ehre hatten, in unserer Mitte begrüßen zu können. Die Ausstellung in den Räumen des Kunstsalons der Gesellschaft „Könyves Kalman" enthält eine überaus große Anzahl Radierungen und bietet das Lebenswerk, nahezu das gesamte bisherige künstlerische Schaffen Strucks. Neben den hervorragenden künstlerischen Qualitäten, welche in den maßgebenden Kreisen gerechte Würdigung fanden, konnte auch seine bewußt-jüdische Eigenart sich die Anerkennung selbst des antisemitischen Organes „Alkotraäny“ erkämpfen. Die bekannten Herzl-Bildnisse, die Judenköpfe und palästinensischen Landschaften legen eben Zeugnis ab, daß die schöpferische Kraft eines Sohnes des um seine Lebens- Informationsmaterial zum Sprachenkampf Eine Entgegnung auf Dr. Nathans Broschüre Als vorläufige Entgegnung auf die Broschüre Dr. Nathans haben wir einen Separatabdruck der Nr. 5 der „Welt“ hersteilen lassen, der die hauptsächlichsten Artikel dieser Nummer enthält und sich infolge seines reichen Tatsachenmaterials sehr gut zur Widerlegung der tendenziösen Darstellung der Nathanschen Broschüre eignet. Von diesem Separatabdruck sowie von allem anderen Informations- und Sammelmaterial stellen wir beliebig viele Exemplare gratis und franko zur Verfügung.

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