Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Article
- Die neue Broschüre zum Sprachenkampf
- Date
- 1914-02-13
- Page
- 158 (sequence 1)
- Language
- German
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158 die^elt Die neue Broschüre zum Sprachenkampf Das Actions-Comite gibt soeben eine neue Broschüre heraus, die geeignet ist, überall, wo man die Entwicklung des Kampfes um die hebräische Sprache in Palästina verfolgt hat, das größte Interesse zu finden. Die Broschüre „Im Kampf um die hebräische Sprache“ betont die Bedeutung der Wiedergeburt der hebräischen Sprache für das Gesamtjudentum, stellt das Schulwesen Palästinas und die Rolle der Schulen des Hilfsvereins dar und orientiert dann an der Hand von Tatsachenmaterial über den Verlauf des ganzen Kampfes. Der Broschüre von Paul Nathan wird eine ebenso sachliche und vornehme, als gründliche Abwehr zuteil. Die Broschüre ist vom Zionistischen Zentralbureau (Berlin W. 15, Sächsischestr. 8) in jeder gewünschten Zahl kostenlos zu beziehen. Purimfeiern für das hebräische Sch ul werk Das Actions-Comite hat an die zionistischen Organisationen und Vereine folgenden Aufruf versandt: Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Das neue hebräische Schulwerk in Palästina ist gegründet. In einer großen nationalen Erhebung haben unsere Brüder in Palästina unserer Jugend Stätten geschaffen, in denen sie im hebräischen Geist zu vollen Juden, zu tüchtigen Menschen herangebildet werden. Der Versuch, diesen Befreiungskampf zu stören, ist mißlungen. Die Zionistische Organisation hat die Pflicht auf sich genommen, für die Sicherung des Schulwerks so weit zu sorgen, als es die palästinensische Judenheit noch nicht aus eigener Kraft vermag. Die Erkenntnis der unschätzbaren Bedeutung dieser Arbeit ist in unserer gesamten Organisation durchgedrungen. Die Einrichtung der hebräischen Schulen verlangt große Summen. Wir fordern die zionistischen Organisationen auf, die Purim- Nr. 7 tage zu Veranstaltungen von großen Volksfesten zugunsten unseres Schulwerks zu benutzen. Immer war es üblich, das Purimfest zum Anlaß gegenseitiger Geschenke zu nehmen. In der Erinnerung an die Zeit der Befreiung des jüdischen Volkes aus schwerer Gefahr freut sich jeder einzelne Jude und ist bestrebt, jedem seiner Freunde Freude zu machen. Benutzet das Purimfest, um den Kindern unserer Brüder in Palästina Freude zu bereiten! Keine größere Freude kann ihnen gemacht werden, als wenn Purim, das jüdische Volksfest, ihnen ihre hebräischen Schulen sichert. Und nun bitten wir Sie, durch Ihre Organisation die Veranstaltung von Purimfesten für das hebräische Schulwerk in Palästina durchzuführen. Wir erwarten von der Erfüllung unseres Wunsches bedeutende Ergebnisse, da wir überzeugt sind, daß jede einzelne Organisation sich an der Durchführung unseres Wunsches beteiligen wird, und so werden die Purimfeste, die alle unsere Organisationen durchführen, sicherlich bedeutende materielle Ergebnisse für das Schulwerk zu liefern imstande sein. Der Zweck, für den die Veranstaltung dieser in der ganzen Welt stattfindenden Feste bestimmt sein soll, wird auch den Eifer und die Begeisterung der veranstaltenden zionistischen Organisationen wecken und erhöhen. Wir bitten Sie, uns mitzuteilen, wann und mit welchem Programm Sie das Fest durchführen werden. Das Actions-Comite der Zionistischen Organisa t ion gez. Warburg. Der Verein Jüdischer Studenten „M a k k a b a e a“ an der Universität Berlin hat seinen Fuxen Baruchin wegen seines Verhaltens im Sprachenkampf, insbesondere weil er, wie in Nr. 2 der „Welt“ mitgeteilt war, an Stelle der ausgetretenen Lehrer des Hilfsvereins ein Lehramt in den Hilfsvereinsschulen übernommen hat, i. p. d i m i 11 i e r t. REVUE DER PRESSE In dem offiziellen Organ der Föderation Misrachi, dem in Berlin erscheinenden „Haibri‘% beleuchtet Ch. J. M o n e r in trefflicher Weise die Broschüre von Paul Nathan. Der Artikelschreiber führt u. a. aus: „Dr. Nathan gibt (auf S. 5 seiner Broschüre) ohne weiteres zu, daß die Konzessionen, zu denen sich die zionistischen Kuratoriumsmitglieder in bezug auf den deutschen Sprachunterricht am Technikum bereit erklärt hatten, derart waren, daß auch deutsche Chauvinisten „diesen Ausgleich unbedenklich hätten annehmen können“. Auf derselben Seite sagt er aber, die zionistischen Kuratoren hätten „alles oder nichts“ verlangt. Wie reimt sich das zusammen? Zwei Seiten vorher erzählt uns Paul Nathan, worin dieses „Alles“ der Zionisten bestand: sie schlugen vor, daß Hebräisch die Unterrichtssprache an der Mittelschule sei, während am Technikum eine oder einige obligatorische Unterrichtsgegenstände hebräisch gelehrt werden sollten, die meisten 'Fächer also eventuell deutsch hätten vorgetragen werden können! Dr. Nathan versichert wiederholt, daß die Gründe, die ihm und seine Freunde zur Ablehnung dieses Kompromißvorschlages bewogen haben, rein pädagogischer und nicht etwa politischer Natur waren. Sein einziges „Argument“, womit er der letztgenannten Annahme entgegenzutreten sucht, ist dieses: „Diese Behauptung ist eine irreführende; da sie häufig genug widerlegt worden ist, darf man heute behaupten, daß sie eine absichtlich irreführende sei.“ — Leider hat Dr. Nathan vergessen, anzugeben, wann und wo diese Behauptung widerlegt worden ist. In ähnlich bequemer Weise polemisiert Nathan gegen die wohlbegründete Behauptung, daß der deutsche Charakter des Technikums den Juden in Palästina die Antipathie derjenigen Großmächte zuziehen würde, deren Sprache nicht so ausgiebig auf dem Technikum berücksichtigt wird wie die deutsche. Er beruft sich auf das Beispiel der Alliance-Schulen und der Evelina Rothschild-Schule und folgert daraus, daß es eine „lächerliche Fiktion“ sei, in einem deutschsprachigen jüdischen Technikum eine politische Gefahr für die palästinensischen Juden zu sehen. Allein es kann doch schlechterdings gar nicht zweifelhaft sein, daß eine derartige Bevorzugung der deutschen Sprache die französischen und englischen Chauvinisten, die selbst in den Zionisten politische Agenten der deutschen Regierung sehen, gegen die palästinensischen Juden aufreizen müßte. Daran kann doch die ebenfalls verfehlte Schulpolitik der französischen und englischen Assimilanten nichts ändern. Der Artikelschreiber charakterisiert hierauf sehr glücklich die einseitige, durch und durch tendenziöse Darstellung des Schulkampfes in Palästina und den unwürdigen, unsachlichen Ton, zu dem sich Paul Nathan in seinem Aerger über die Niederlage des Hilfsvereins in Palästina hinreißen ließ. Der interessante Aufsatz schließt folgendermaßen: „Auch die Palästinenser kennen das Buch Koheleth und wissen: ,Es gibt eine Zeit fürs Pflanzen und eine Zeit fürs Entwurzeln des Gepflanzten/ Und wenn sie die Nathansche Broschüre lesen, werden sie mit Koheleth ausrufen: „Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist eitel!“ Wie „Dos Jiddische Folk“ (New York) berichtet, hat die Federation of American Zionists ungefähr 400 Proteste gegen die bekannten Kuratoriumsbeschlüsse und den Hilfsverein der deutschen Juden aus allen Teilen der Vereinigten Staaten erhalten, die sie den amerikanischen Kuratoren des Haifaer Technikums übermittelt hat. Außerdem erhielten die amerikanischen Kuratoren vor ihrer Sitzung vom 18. Januar Hunderte von telegraphischen 99999999999999999999