Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Article
- III. Kongreß der italienischen Zionisten
- Date
- 1914-02-06
- Page
- 145 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 6 145 D!E3§KELT [lllllllUllIfUlIUIlIllfillllllltliillilfillilltiil ucuicn III. Kongreß der italienischen Zionisten Wir berichteten voriges Jahr in diesen Spalten ausführlich über die Jugendbewegung in Italien und über die Bestrebungen der jüdischen Jugend, wie sie auf dem zweiten Kongreß in T u r i n zutage getreten. Laut Beschluß des zweiten Kongresses wird die dritte Tagung dieses Jahr in Rom stattfinden. Dieser Tage ist das römische Komitee, das den Kongreß vorzubereiten hat, bereits gebildet worden. Es besteht aus folgenden Herren und Damen: Vorsitzender: Oberrabbiner Dr. Angelo Sacerdoti, Prof. Noemi Mortara- Le vi, Dr. Giuseppe Levi, Dr. David Krinkin, Adv. Umberto Deila S e t a , Umberto Cohen, Lotte Apelbäum, Angelo Aristide AI a t r i. Das Komitee hat diese Woche ein Flugblatt versandt, in dem es kundgibt, daß der dritte Kongreß der italienischen Jugend endgültig auf den 22. bis 24. Februar festgesetzt worden ist. Die Direktion der italienischen Staatsbahn hat den Teilnehmern am Kongresse eine bedeutende Ermäßigung der Fahrkarten bewilligt. Amerika Die Burnett-Bill Der Vorsitzende der Einwanderungskommission im amerikanischen Repräsentantenhause, Repräsentant B u r n e 11, hat im Dezember v. J. die nach ihm benannte Einwanderungsvorlage wieder eingebracht. Die Burnettbill wurde, wie erinnerlich, vom vorigen Kongreß angenommen, aber vom Präsidenten Taft abgelehnt, und die Bemühungen Burnetts und seiner Freunde, das Veto Tafts zu „überstimmen“ — wozu es einer Zweidrittelmehrheit beider Häuser bedurft hätte — schlugen fehl. In dem jetzigen Kongreß, wo die demokratische Mehrheit noch größer ist, dürfte der reaktionäre, einwanderungsfeindliche Entwurf mehr Glück haben. Schon in der Kommission wurde die Bill mit einer geradezu unanständigen Eile durchgepeitscht. Der Form wegen wurden einige „Termine“ abgehalten, damit es den Anschein habe, als hätte man den Entwurf gründlich geprüft. Dann hielt der Ausschuß vier Tage lang Dauersitzungen ab, und an einem Tage wurden die Mitglieder gezwungen, 16 Stunden lang zu „tagen“. Schließlich wurde das, was man im Kongreß die „Dampfwalze“ nennt, in Bewegung gesetzt, um der Opposition gegen die Bill ein Ende zu machen. Am 31. Januar hat nun, nach einem Kabeltelegramm aus Washington, im Plenum des Repräsentantenhauses die Debatte über die Burnett-Bill begonnen. Eine Abstimmung über die Geschäftsordnung, die als eine Art Vorschau gelten kann, hat deutlich gezeigt, daß die Vorlage auf eine Zweidrittelmehrheit rechnen kann. Die neue Bill enthält die gleiche Bestimmung, wie die frühere, nämlich, daß die Zulassung aller Einwanderer von einem Bildungsnachweis abhängig sein soll. Wenn der Einwanderer nicht lesen und schreiben kann, soll die Einwanderungsbehörde ihm die Landung versagen. Die Forderung der Einwanderungsbeschränkungen geht hauptsächlich von den Arbeiter-Gewerkschaften aus, die niemand einlassen wollen, von dem zu erwarten steht, daß er zu wenig Lohn verlangen werde. Das sind in der Hauptsache die slawischen, italienischen und jüdischen Arbeiter. Die jüdischen Abgeordneten erklären sich gegen die ganze Bill und treten auch für die freie Einwanderung der Slawen und Italiener ein. Der Abgeordnete G o 1 d f o g I e führte aus, der Bildungsnachweis widerspreche dem Geist der amerikanischen Institutionen. Manche der besten Bürger des Landes hätten weder lesen noch schreiben können, als sie nach Amerika kamen. Die Einwanderung habe in außerordentlicher Weise dazu beigetragen, die Vereinigten Staaten zu entwickeln. Die wirtschaftliche Entwicklung des amerikanischen Volkes habe aber dazu geführt, daß die Amerikaner die niedrigsten Arbeiten nicht mehr tun wollen, und da müßten die Einwanderer aushelfen. Der Wert der von den Einwanderern geleisteten Arbeit wird am besten durch folgende Statistik illustriert: Sie tun sieben Zehntel der Arbeit in den Kohlenbergwerken, sieben Achtel der Arbeit in den Wollspinnereien, sie verfertigen neun Zwanzigstel der in Amerika hergestellten Kleidungsstücke, die Hälfte der Schuhe, vier Fünftel der Möbel, mehr als die Hälfte der Hemden, Kragen und Manschetten, vier Fünftel der Lederartikel und die Hälfte der Handschuhe, ja sogar neunzehn Zwanzigstel der Produkte in den Zuckerfabriken. Die Einwanderer leisten SO Prozent der Arbeit, die in den Schlachthäusern und den Fleischpackereien geleistet wird, und mehr als die Hälfte der Arbeit in den Tabak- und Zigarrenfabriken. Auch der Deutsch amerikanische Nationalbund, welcher zwei Millionen Mitglieder zählt, hat durch seinen Vorsitzenden Dr. H e x a m e r dem Repräsentantenhause einen Protest gegen den Einwanderungsgesetzentwurf zugehen lassen. Bei den einwanderungsfeindlichen Anschauungen der herrschenden demokratischen Partei ist aber leider kaum daran zu zweifeln, daß die Burnett-Bill diesmal — vielleicht mit einigen unwesentlichen Amendements — Gesetzeskraft erlangen wird. Aus 'New York wird ferner unter dem 2. Februar telegraphisch gemeldet: Das Repräsentantenhaus setzte die Schlußdebatte über die Burnettsche Ein wanderungs Vorlage fort. Nach den vom Präsidenten Wilson gemachten Mitteilungen ist man allgemein darin einig, daß gewisse Beschränkungen erfolgen sollten, um die sogenannte unterstützte Einwanderung zu verhüten. Bezüglich des in der Vorlage geforderten Bildungsnachweises hat Wilson angeblich noch keine positive Stellung genommen. Da Wilson vielen Leuten, die an dieser Bestimmung Anstoß nahmen, Gehör schenkte, wird angenommen, daß er eine gewisse Milderung hinsichtlich der Bildungsprobe Vorschlägen werde. Wilson deutete an, daß er hierüber mit Kongreßführern beratschlagen werde, ehe er eine feste Meinungäußere. iiiiiiiwiMiiiniiij Kleine Nachrichten jiiiiiiiiiimiii Serbien Wie uns unser Korrespondent in Saloniki berichtet, hat in der vorigen Woche die serbische Regierung alle aus U e s k u e b stammenden Juden aufgefordert, sich zum Militärdienst zu melden. Alle jungen Leute im militärpflichtigen Alter sind dieser Aufforderung nachgekommen. Griechenland Aus Saloniki wird uns berichtet: Der Großrabbiner Jacob Meir hat sich zur Regelung von Gemeindeangelegenheiten nach Athen begeben; unter andern! will er sich an die griechische Regierung mit der Bitte wenden, die Aushebung der militärpflichtigen Juden in den neu eroberten Gebieten um einige Jahre zu verschieben, da die.Juden der betreffenden Gebiete infolge mangelnder Vorbereitung und ihrer Unkenntnis der griechischen Sprache dem Militärdienst noch nicht gewachsen sind. In einem Artikel im „Echo d’Athenes“ schlägt Rabbi Meir der griechischen, Regierung vor, neue Schulen für die jüdische Jugend zu eröffnen oder in den bestehenden Schulen griechische Lehrer anzustellen, damit die jungen Leute sich an Sprache und Sitten des Landes gewöhnen und dadurch dem Lande besser dienen können. Bezalel-Teppiche Wir machen unsere Freunde darauf aufmerksam, daß es uns durch zweckmäßige Organisation des Betriebes gelungen ist, die Herstellungskosten derart zu reduzieren, daß unsere künstlerisch hochwertigen Teppiche dank der Ausschaltung des Zwischenhandels obendrein bereits billiger sind, als gleichwertige Erzeugnisse anderer Herkunft. Die Qualität ist unübertrefflich. Ein bekannter Fachmann der Branche äußerte sich hierüber neulich: „Ihre Teppiche sind ja für Jahrhunderte berechnet, so arbeiten wir heute gar nicht mehr.** In keinem gut jüdischen Hause sollte ein Bezalel-Teppich fehlen. Erhältlich in allen Größen. Bei Aufträgen uns unbekannter Besteller erbitten wir eine angemessene Anzahlung. Adressen: Werkstätten „Bezalel“ G. m. b. H., Jerusalem oder Verein Bezalel (E. V.) Berlin W. 15, Bleibtreustraße 34-35. 01010123010100480100000100