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Die Welt · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · p. 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Article
Die Sanierung Palästinas
Date
1914-02-06
Page
140 (sequence 2)
Language
German
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140 Nr. 6 DIE3§KELT Die Malaria-Abteilung begründet außerdem eine arabische Fürsorgestelle in der inneren Stadt, das Jewish Health Office eine .Station zur Bekämpfung der Augenkrankheiten (Leiter Dr. (Feigenbaum). Herr .Dr. Beham konnte von April bis Ende November vorigen Jahres 125 Tollwutimpfungen vornehmen (etwa 1/3 der Fälle Araber, etwa 2/3 Juden). Er hielt auch vor der Bevölkerung Jerusalems und Jaffas in hebräischer Sprache aufklärende Vorträge über diese Krankheit und ließ ein von ihm verfaßtes .hebräisches Schriftchen zur Aufklärung über die Hundswut in Palästina verbreiten. Er hielt auch populäre hebräische Vorträge in Chedera über die Malaria und das Schwarzwasserfieber. In der jüdischen medizinischen Gesellschaft sprach er über Dysenterie, über die Vereinfachung der Wassermannschen Reaktion und über einen von ihm festgestellten .Fall von Rhinosklerose. In der serologischen Abteilung konnte Herr Dr. Beham zahlreiche Untersuchungen auf Typhus, Paratyphus, Maltafieber und Syphilis anstellen. Während bisher eine Sicherung der Typhusdiagnose nicht möglich war, ja zuweilen das Vorkommen des Typhus in Palästina überhaupt geleugnet wurde, gelang es Dr. Beham mehrfach, den Nachweis der vorhandenen Typhusinfektion zu erbringen, ja sogar kleinere Epidemieen nachzuweisen. Der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler usw. gehören bis jetzt 650 Mitglieder in Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland, Frankreich, England, Italien, Holland, Belgien, Schweiz, Skandinavien, Griechenland, Türkei und Amerika an. Sie nimmt auch Mitglieder auf, die keine Aerzte und Naturwissenschaftler sind. Die Adresse der Gesellschaft lautet: Dr. Sandler, Charlottenburg, Droysenstr. 6. DIE LANDARBEITERFRAGE PALÄSTINAS Von Leo Rosenberg Unsere palästinensische Landarbeiterfrage ist weniger eine Frage der Erhaltung eines bestehenden, in ökonomischer und gesellschaftlicher Sonderstellung befindlichen Landarbeiterstandes durch Aufbesserung seiner sozialen und wirtschaftlichen Lebensverhältnisse, als vielmehr der Notwendigkeit und Möglichkeit einer systematischen Heranbildung leistungsfähiger festwurzelnder jüdischer Lohnarbeiter in unseren palästinensischen Kolonien. Von einer jüdischen Landarbeiterfrage, wie sie gegenwärtig in fast allen europäischen Kulturländern besteht und alle sozialpolitisch in theoretischer oder praktischer Hinsicht interessierten Kreise fortwährend in ihrem Bann hält, kann bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Palästina kaum die Rede sein. Denn einerseits ist die Zahl der in den Kolonien beschäftigten jüdischen Lohnarbeiter vorläufig zu gering und unbedeutend — sie dürfte 500—600 nicht überschreiten!) - — um ein Gegenstand ernster Besorgnisse und Erwägungen sein zu können. Andererseits aber sind auch diese wenigen Lohnarbeiter gegenwärtig weit davon entfernt, sich zu einem einheitlichen, festgefügten sozialen Sonderorganismus zu kristallisieren. Die jüdische Lohnarbeitermasse in Palästina ist bis heute ein fluktuierendes Element geblieben, das eher einen Zustand als einen Stand dartstelft. Daß nun die Schaffung eines jüdischen Landarbeiterstandes in unseren Kolonien eine wirtschaftliche und nationale Notwendigkeit sei — das braucht wohl nicht mehr erörtert zu werden. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in einem Agrarstaat lebt nicht vom Land besitz, sondern von der Landarbeit. Zielen nun alle unsere Bestrebungen dahin, in Palästina eine jüdische Landbevölkerung zu schaffen, so wird eine solche nicht durch das jüdische Kapital, sondern durch die jüdische Arbeit geschaffen werden. Es ist dies eine Erkenntnis, die in den letzten Jahren in unseren Reihen mehr und mehr an Raum gewinnt, und zu einer allmählichen Verschiebung des Schwerpunktes in unserer nationalen Agrarpolitik vom Gebiete rein kapitalistischer Unternehmungen nach dem bislang ganz vernachlässigten Felde jüdischer Arbeit führte. Es ist in der letzten Zeit viel zur Schaffung günstiger Verhältnisse für jüdische Landarbeiter getan worden, wenn auch das Geleistete natürlich in gar keinem Verhältnis zu dem noch Erforderlichen steht. Wie gesagt, einen jüdischen Landarbeiterstand gibt es in!) Das bezieht sich selbstverständlich aut die aus Europa eingewanderten jüdischen Arbeiter und zwar nach einer aus dem Jahre 5672 (1912) datierenden Statistik. Inzwischen werden sich wohl die Zahlenverhältnisse um ein geringes verschoben haben. — Das erheblich zahlreichere Element der Jemeniten ist von einem so völlig verschiedenartigen wirtschaftlichen und kulturellen Charakter, daß es durchaus ein Problem für sich darstellt Vgl. übrigens unten. unseren palästinensichen Kolonien bis jetzt nicht; die bereits im Lande lebenden jüdischen Lohnarbeiter verdienen diesen Namen weder in rein zahlenmäßiger, noch in qualitativer Hinsicht. Es gilt also, einen solchen in der nächsten Zukunft erst zu schaffen. Nun ist es gerade die Frage der Möglichkeit, die den eigentlichen Schwerpunkt der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina ausmacht. Die Frage ist, ob die einmal in nationalem und wirtschaftlichem Interesse als unumgängliche Notwendigkeit erkannte Forderung jüdischer Arbeit sich innerhalb der gegebenen wirtschaftlichen Verhältnisse durchzusetzen vermag. Ob nicht vielmehr diese gegebenen Verhältnisse der von außen in sie hineingetragenen Forderung gar zuwiderlaufen. Wenn man nun einmal diese vielumstrittene, besonders in Palästina im Mittelpunkt alles sozial- und nationalpolitischen Interesses stehende Frage einer endgültigen Lösung — in der Theorie mindestens — näher zu bringen entschlossen ist, — dann tut man gut, von allen frommen Wünschen gänzlich abzusehen und sich gewissenhaft an die Tatsachen zu halten. Eine feststehende Tatsache ist es, daß einerseits die Zahl der in den privatwirtschaftlichen Kolonien2) beschäftigten jüdischen Landarbeiter in steter Abnahme begriffen ist, in schroffem Gegensatz zur dauernden Vermehrungstendenz aller anderen Berufe und Stände. Anderseits aber haben es überhaupt die dreißig Jahre kolonialwirtschaftlichen Lebens nicht vermocht, den Typus eines jüdisch-landwirtschaftlichen Lohnarbeiters zu schaffen. Unter den erwähnten, gegenwärtig in unseren Kolonien beschäftigten 5—600 jüdischen Tagelöhnern und Monatsarbeitem dürften sich kaum einige finden, die ein Jahrzehnt hindurch in ihrem Berufe ausgeharrt haben, und fast kein einziger, der die Absicht hätte, diesen Beruf zur Grundlage seiner Zukunft zu machen. Dieser Umstand tritt schon auffällig genug in der Tatsache des so gut wie alleinherrschenden Junggesellentums unter den Arbeitern zutage. Wodurch lassen sich nun diese Tatsachen erklären? Es sind meines Erachtens zwei Umstände oder Tendenzen hier 2) Der Ausdruck „privatwirtschaftlich“ bedeutet hier in Privatbesitz befindliche bloßen Erwerbszwecken dienende Betriebe, wie sie in allen jüdischen Kolonien vorherrschend sind. Ausgeschlossen sind also einerseits die nationalen Farmen, in denen die jüdische Arbeit selbstverständlich zum unverbrüchlichen Prinzip erhoben ist, andererseits aber auch Privateigentümern gehörende Siedlungen, wie z. B. M i g d a 1 und Poria, deren Gründung durch vornehmlich ideale Faktoren bedingt war und die keineswegs reinen Erwerbs zwecken dienen. — Ueberhaupt ist das Entscheidende für die Benutzung jüdischer oder arabischer Arbeit nicht Privatinitiative oder Kolonisationsesellschaft, sondern die Erwerbsmäßigkeit oder ichterwerbsmäßigkeit des Betriebes,

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