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Die Welt · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · p. 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Article
Die Lage in Haifa
Date
1914-02-06
Page
137 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 Am 15. Schebat soll die Umwandlung in eine Realschule offiziell stattfinden. Die bisherigen Lehrer des Hilfsvereins, die Herren Neumann, Miranski und Naphcha, sowie zwei neuengagierte, die Herren Tachauer und Maimon erteilen den Unterricht in den fünf Klassen. Bis zur Eröffnung erwartet man Herrn Dr. Biram als Direktor. Man hat die feste Zuversicht, daß bei der ruhigen, aber entschlossenen Haltung der Bevölkerung der Sieg über alle Intrigen uns schließlich zufallen wird. Einstellung der Arbeiten am jüdischemTectinikuin in Haifa Der ,,N. J. K." wird aus Haifa unter dem 1. Februar telegraphisch gemeldet: Auf telegraphische Anordnung des geschäftsführenden Ausschusses aus Berlin wurden die Arbeiten am jüdischen Technikum in Haifa eingestellt. Bisher sind bereits 63 jüdische Arbeiter entlassen worden. Kundgebung des Wiener jüdischen Volksvereines für die Leopoldstadt In einer Plenarversammlung des jüdischen Volksvereines für die Leopoldstadt referierte Ob.-Ing. Stricker über den gegenwärtigen Kulturkampf in Palästina und seine Ursachen und kam insbesondere auf die Lämelschule zu sprechen. Es sei traurig, daß die Wiener Judenschaft sich um diese auf ihre Initiative gegründete älteste jüdische Schule in Palästina nicht gekümmert habe, so daß der Lehrbetrieb fast eingestellt werden mußte. Als reichsdeutsche Juden auf den kläglichen Zustand dieses Schulwerkes hinwiesen, hätten sich die Wiener kompetenten Faktoren nicht geschämt, die Schulverwaltung dem Hilfsvereine deutscher Juden zu überantworten. Es müsse der Kultusvorstand durch energische Kundgebungen der Wiener jüdischen Bevölkerung aufgefordert werden, die Lämelschule wieder in eigene Verwaltung zu übernehmen. Der Referent besprach den erfreulichen Beschluß des Kultusvorstandes, die Subvention der Lämelschule bis zur Klärung der durch den antihebräischen Beschluß des deutschen Hilfsvereines geschaffenen Situation zu sistieren, bedauerte aber, daß sich der Präsident Herr Dr. Stern über die Ursachen des Streites nur einseitig unterrichten lasse. Die Versammlung gestaltete sich zu einer begeisterten Kundgebung für das hebräische Schulwerk in Palästina. Protest des Verbandes ostjüdischer Studenten vereine in West-Europa Im Namen des Verbandes ostjüdischer Studentenvereine in Westeuropa sehen wir uns gezwungen, folgenden Protest gegen den „Hilfsverein der deutschen Juden" zu erheben: Der „Hilfsverein der deutschen Juden" hat im Zusammenhänge mit dem Sprachenkampfe in Palästina einen Aufruf verschickt, der vorher als Artikel in Nr. 51 (1913) des „Hamburger Israelitischen Familienblattes“, gezeichnet E. G., abgedruckt war. Indem die ganze Schuld an dem heftigen Kampf um das Hebräische auf die russisch-jüdische Jugend geschoben wird, wird diese als Feindin von allem Deutschen usw. bezeichnet. Wenn dieser Artikel nur in dem genannten Blatte erschienen wäre, hätte er natürlich unsere Aufmerksamkeit nicht verdient. Dadurch aber, daß er von dem „Hilfsverein" verbreitet wird, bekommt die Sache den Charakter einer sehr traurigen gesellschaftlichen Erscheinung, an der man nicht stillschweigend vorübergehen kann. Wir halten es für überflüssig, all den lügenhaften Beschuldigungen entgegenzutreten und zu beweisen, daß sie der Wahrheit nicht entsprechen. Wir erachten es aber als unsere Pflicht als Vertreter eines großen Teiles der russisch-jüdischen Studentenschaft, mit aller Energie gegen den Hilfsverein zu protestieren, der solche unzulässigen Mittel zur Er- 137 reichung seiner Zwecke benützt und damit eine hetzerische Politik gegen die russisch-jüdische Jugend führt. In diesem Momente, wo in Deutschland ein Kampf gegen die russisch-jüdische akademische Jugend geführt wird, — ein Kampf, der zu der Schließung des größten Teiles der deutschen Hochschulen für die russisch-jüdische Jugend geführt hat, — in diesem Momente erscheint uns diese Tat des Hilfsvereins nicht nur als ein Verstoß gegen die elementarsten Prinzipien der Ehrenhaftigkeit, sondern auch als eine direkte Unterstützung der feindlichen Bestrebungen gegen die russisch-jüdische Jugend in Deutschland. Wir geben diesem unserem Proteste Ausdruck und hoffen, daß die jüdische Gesellschaft wohl wissen wird, wie sic eine derartige Tat des Hilfsvereins zu schätzen hat. Das Zentralbureau des Verbandes ost jüdischerStudenten vereinein Westeuropa. Protestkundgebung der jüdischen Jugend in Rostow In einer Versammlung der jüdischen Jugend in Rostow a. Don wurde folgende Protestresolution einstimmig angenommen : „Durch den Beschluß des Kuratoriums des jüdischen Technikums in Haifa, daß als Unterrichtssprache im Technikum nicht die hebräische — wie allgemein erwartet wurde — sondern die deutsche Sprache gelten soll, ist die erste jüdische Hochschule in Palästina, auf die man so große Hoffnungen gesetzt hatte, in eine deutsche Lehranstalt verwandelt worden. Wir verlangen, daß das Technikum, an dessen Zustandekommen das gesamte jüdische Volk mitgewirkt hat, in jüdischem Rahmen gehalten wird und so den Zielen unserer Nation dienlich ist. Wir schließen uns vollkommen dem Vorgehen unserer Brüder in Palästina an und sprechen Herrn Ginsberg (Achad-Haam) und den Mitgliedern des Zionistischen Actions-Comites. den Herren Sch. Levin und E. T s c h 1 e n o w unsere aufrichtige Dankbarkeit aus. Wir fordern das ganze jüdische Volk auf, dem Technikum solange jede Förderung zu entziehen, bis das Kuratorium seinen Beschluß ändert und als Unterrichtssprache im Technikum die hebräische einführen wird." Lehrer- und Schülerstreiks in England Die Leitung des Hilfsvereins spricht von dem Streik, der in ihren palästinensischen Schulen ausgebrochen war, als von einem unerhörten „revolutionären" Beginnen, das von zuchtlosen, ordnungsfeindlichen „russischen Nihilisten" angezettelt worden sei und das Gemüt eines jeden gebildeten Westeuropäers mit Entsetzen erfüllen müsse. Es dürfte nun interessieren, daß in England, in der Grafschaft Hcrefordshire, gegenwärtig überd ie Hälfte aller Volksschulen wegen des allgemeinen Lehrer- und Schülerstreiks geschlossen ist. Hierbei handelt es sich nicht einmal um ideale Motive, sondern um die — Ablehnung der Gehaltsforderungen der Lehrer. Dem „Berliner Tageblatt" wird über die Unruhen in den Schulen der Grafschaft Herefordshire telegraphisch gemeldet: London, 3. Februar. Ueber die Hälfte aller Volksschulen in der Grafschaft Herefordshire ist wegen des Lehrerstreiks geschlossen. Die Behörde versuchte, in einigen Distrikten die Streikenden durch Aushilfskräfte zu ersetzen, was aber auf den heftigen Widerstand der Schüler und Schülerinnen stieß, ln Ledbury spielten sich eigenartige Szenen ab. Dorthin war eine neue Lehrerin geschickt worden. Im Vormittagsunterricht gab es bereits lärmende Sympathiekundgebungen der Schülerinnen für die streikende Lehrerin. Als der Nachmittagsunterricht aufgenommen werden sollte, versammelten sich zweihundert der älteren Schülerinnen im Hof und drängten die neue Lehrerin zum Tore hinaus. Die arbeitswilligen Kinder wurden aus den Klassenzimmern hinausgejagt, die Eltern waren Zuschauer der Vorgänge, griffen jedoch nicht ein. Aehnliche Zustände herrschen in der Knabenschule in Ross, nur mit dem Unterschied, daß hier die beiden A u s h i 1 f s 1 e h r e r mit Lehm und Rasenstücken bombardiert wurden. DIE^ELT

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