Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Article
- Bericht des Merkas Hamorim
- Date
- 1914-02-06
- Page
- 136 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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13b DIEXXELT Nr. 6 denen HUfsvereinslehrern befinden sich Davitf J e 11 i n, Ch. Sutta, Frl. Pinczower, J. Mejohas, A. M. L i p s c h i t z, Dt. Braver, Dr. Sonne, Dr. Hebroni, Dr. Masie und Dr. Marschak. In Jaffa hatte der Hilfsverein 10 Lehrer, von denen 9 demissionierten. Nur der Direktor, ein Verwandter Ephraim Cohns, blieb. In Haifa hatte der Hilfsverein 5 Lehrer, von denen nur einer blieb: der Lehrer für Deutsch. Wenn wir sehen, daß eine so große Anzahl von Lehrern die ihnen liebgewordene Lehrtätigkeit in den Schulen des Hilfsvereins aufgegeben hat, so müssen wir uns doch sagen, daß diese Demission nicht plötzlich einzig und allein infolge der bekannten Beschlüsse des Kuratoriums erfolgt sein kann. Die Lehrer des Hilfsvereins beklagten sich schon längst über die in den Anstalten dieser Organisation immer mehr zutage tretende Tendenz, die hebräische Sprache zurückzudrängen. Vor zwei Jahren unterrichtete Dr. Braver Geographie, Geschichte und Pädagogik am Seminar in hebräischer Sprache. Man forderte von ihm, daß er diese Fächer deutsch unterrichten sollte, und als er sich nicht dazu verstehen wollte, übertrug man den Unterricht in Pädagogik Herrn Dr. Weinberg und den Unterricht in Geographie Herrn Press, die diese Disziplinen deutsch vortrugen. Vor zwei Jahren war Oberlehrer Hammerstein aus Deutschland der Lehrer für Mathematik am Seminar. Er erteilte den Unterricht in Mathematik in mehreren Klassen in hebräischer Sprache. Sein Nachfolger, Herr Dr. Hebroni, der im vorigen Jahre sein Amt antrat, ein geborener Palästinenser, der das Seminar in Jerusalem absolviert hat, wurde jedoch von der Leitung gezwungen, Mathematik lediglich in deutscher Sprache vorzutragen, trotzdem er diese Sprache nur mangelhaft beherrscht und ihm jedenfalls die hebräische Sprache vertrauter und geläufiger ist. In der Lämelschule lehrte man in der 5. und 6. Klasse nur Rechnen in deutscher Sprache, in der 7. und 8. Klasse aber sämtliche wissenschaftlichen Fächer mit Ausnahme der Naturwissenschaften, die ein halbes Jahr hebräisch, und ein halbes Jahr deutsch vorgetragen wurden. Auch der Turnunterricht war in allen Klassen deutsch. In Jaffa gab es bis zum vorigen Jahre zwei Direktoren, von denen der eine für die hebräischen Unterrichtsfächer verantwortlich war, während der zweite der Lehrer für Deutsch war. In diesem Jahre aber wurde die Leitung ganz dem deutschen Lehrer übertragen." „Blutvergiessen“ Eine Erklärung Elieser Ben-Jehudas Herr Elieser Ben-Jehudah in Jerusalem, der ausgezeichnete hebräische Lexikograph, bittet uns um Veröffentlichung folgender Erklärung: In Nr. 3 der „Welt“ lese ich, daß Herr Eugen K a t z mich unglückseligen „Fanatiker" als Kronzeugen für seine Anklage gegen die Zionisten anführt, indem er behauptet, ich hätte in meinem Briefe an Paul Nathan die nationalen Juden Palästinas aufgefordert, bei der Eröffnung des Technikums Blut zu vergießen. Ich schäme mich der Bezeichnung „Fanatiker" gar nicht, denn ich bin allerdings ein Eiferer für unsere nationale Sprache. Was aber die Beschuldigung der Aufreizung zum Blutvergießen betrifft, so ist dies einfach böswillige Erdichtung oder beruht auf grobem Unverstand. Meinen Brief an Herrn Dr. Paul Nathan schrieb ich französisch. Die fragliche Stelle lautet im Original: „On ne pourra ouvrir le technicum sans verser du sang juif et sans jeter des dizaines de jeunes gens dans les pri- Jedermann, der auch nur ganz elementare französische Sprachkenntnisse hat, wird erkennen, daß der Sinn der Worte „On ne pourra ouvrir . . . sans verser" etc. nur sein kann, daß die Leute, die das Technikum eröffnen werden, das Blut derer vergießen würden, die die Rechte der hebräischen Sprache verteidigen, nicht aber umgekehrt. Herr Dr. Paul Nathan, der offenbar besser französisch versteht, als Herr Eugen Katz, war sich über den Sinn meiner Worte vollkommen klar, und in der Unterredung, um die er mich nach Empfang meines Briefes bat, deutete er meine Ausführungen keineswegs in dem falschen Sinne, den ihnen Herr Katz zuschreibt. Er verstand sehr wohl, was ich hatte sagen wollen: daß wir alle, Jung und Alt, wie eine eiserne Phalanx vor dem Technikum stehen und dessen Eröffnung nicht zulassen würden, solange die Herren das Prinzip der hebräischen Unterrichtssprache nicht anerkennen. Da ich nun leider annehmen muß, daß die Herren vom Hilfsverein, nach ihrer Art, die bewaffnete Macht zu Hilfe rufen werden, sprach ich die Befürchtung aus, daß unser Blut vergossen werden wird. Herr Dr. Nathan verstand sehr wohl, daß ich ihm begreiflich machen wollte, wir würden auch vor dieser Gefahr nicht zurückschrecken, denn das junge jüdische Geschlecht in Palästina, dessen höchstes Ideal die Neubelebung der hebräischen Sprache ist, würde jeden Moment, ohne zu zaudern, bereit sein, sein Leben auf dem Altar der hebräischen Sprache zu opfern. All dies setzte ich Herrn Dr. Nathan klar und unzweideutig auseinander, und ich muß gestehen, daß er in den ersten Tagen, als er durch die Einflüsterungen der bekannten Kreise noch nicht in so außerordentliche Erregung geraten war, durchaus einsah, daß der Hilfsverein und er selbst es nicht so weit kommen lassen durften. Ich hatte den bestimmten Eindruck, daß Herr Dr. Nathan einsah, der Hilfsverein dürfte es nicht dazu bringen, daß die Eröffnung des Technikums, zu der wir uns wie zu einem großen nationalen Fest auf palästinensischem Boden gerüstet hatten, sich in ein trauriges Ereignis für die ganze jüdische Welt verwandelte. Ob die Auffassung des Herrn Dr. Nathan in bezug auf diese Sache sich seither geändert hat, weiß ich nicht; unsere Auffassung hat sich jedenfalls nicht geändert. Wir werden das Blut der Hilfsvereinsleute nicht vergießen, aber wir werden freudig unser Leben für die Herrschaft der hebräischen Sprache hingeben. Das Technikum als nichthebräische Anstalt wird nicht eröffnet werden, ohne daß der geheiligte Boden Palästinas, der diese Anstalt trägt, mit unserem Blut getränkt wird. Elieser Ben-Jehud a.“ Die Lage in Haifa Aus Haifa wird uns unter dem 18. Januar geschrieben: Die hiesige Mittelschule des Hilfsvereins hat weder Lehrer noch Schüler. Herr Dr. Finkeistein und seine Helfer machen die verzweifeltsten Anstrengungen, Schüler zu bekommen. Er entzieht den jüdischen Lieferanten für das Technikum die Lieferungen und übergibt sie Nichtjuden, sogar Antisemiten, auch wenn er mehr dafür bezahlen muß (wenn nötig, können Einzelfälle genannt werden). Arbeiter, die ihre Kinder in die neue Schule schickten, wurden entlassen. Nun versuchte Herr Dr. Finkeistein Zwietracht zu säen zwischen Sephardim und Aschkanasim. Er lud Repräsentanten der sephardischen Gemeinde zu einer Art Soiree ein, um sie für sich zu gewinnen. Der Erfolg war in allem negativ. Besser schien ein anderes Mittel zu wirken, von dem freilich nicht festgestellt ist, daß Herr Dr. Finkeistein direkt dieses veranlaßt hat. Einer seiner Angestellten verbreitete unter den Sephardim das Gerücht, Dr. Nathan werde der sephardischen Gemeinde eine große Summe Geld schenken, wenn sie ihre Kinder in die Hilfsvereinsschule schickten. Die Folge davon war eine unglaubliche Erregung der Sephardim, und fast wäre es zu Gewalttätigkeiten unter den Sephardim gekommen, wenn nicht der Gemeindevorstand Bankdirektor Kaisermann durch einen Brief die Versöhnung und Ruhe wieder hergestellt hätte. Die Folge dieses Briefes war ein offener Brief, unterzeichnet von 120 Sephardim, worin sie sich gegen jeden Verdacht wehren, als wollten sie ihre Seele um Geld verkaufen. Seit einigen Tagen erbittert Herr Dr. Finkeistein die hiesige jüdische Bevölkerung dadurch, daß er die Arbeiter unter Aufsicht von Gendarmen arbeiten läßt. Dabei ist mit Ausnahme eines persönlichen Streites zwischen einem Arbeiter und einem Aufseher noch nicht die geringste Ausschreitung vorgekommen. Die Bevölkerung hat e i n Kampfmittel bis jetzt angewandt, das ist: Unermüdliche Arbeit für die hebräische Schule. Nachdem in ganz unzulänglichen Räumen ohne Lehrmittel der Unterricht begonnen wurde, hat man jetzt eine anständige Wohnung gemietet. Aus Kisten wurden Stühle und Tische gezimmert. Jetzt sind Bänke und Lehrmittel bereits unterwegs.