Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Article
- Wehrmacht und "Waidhofener Prinzip"
- Date
- 1914-01-30
- Page
- 123 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 5 123 WELTCHRONIK iimitimiiiiimimiiMtiiiiiiiiiiiiiKWiiimitimimmiimtmmmmif? Wehrmacht und „Waidhofener Prinzip“ (Von unserem Wiener Korrespondenten) Der Landesverteidigungsminister Freiherr v. Georg i hat das von uns in der letzten Nummer gemeldete Versprechen gehalten und die Interpellation Reizes und Genossen betreffend die Zugehörigkeit von Kadetten, Fähnrichen und Offizieren der Reserve des k. und k. Heeres und der k. k. Landwehr zu studentischen Korporationen, die auf dem Standpunkte der prinzipiellen Satisfaktionsverweigerung den Juden gegenüber stehen, in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 23. Januar beantwortet. Der Minister wies darauf hin, daß der „Waidhofener Standpunkt“ den militärischen Ehrbegriffen widerspricht und daß es vom offiziersmäßigen Standpunkte aus sehr verurteilt werden müßte, wenn Offiziere oder Offiziersaspiranten irgend jemanden beleidigen, mit dem gleichzeitigen Vorsatze, dafür in keinerlei Form Genugtuung zu leisten. Die Vorschrift über das ehrenrätliche Verfahren spreche sich darüber deutlich aus. Auf den Beitritt zu politischen Vereinen könne die Kriegsverwaltung jedoch keinerlei Einfluß nehmen. Man sieht, die Interpellationsbeantwortung weicht der Kernfrage, ob die Heeresleitung gesonnen sei, auch weiterhin Offiziersaspiranten, welche den jüdischen Mitbürgern die Ehre abschneiden, die Qualifikation zum Reserveoffizier zuzuerkennen, sorglich aus. »«»»»mm«»» England liiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiii!i*iiii» Ein Beilisfilm in London verboten Am vorigen Sonntag sollte ein kinematographischer Film, der sich mit dem Beilisprozeß beschäftigt, in einem Londoner Theater vorgeführt werden. Im letzten Augenblick verlangte jedoch der London Gountv Council die Zurückziehung des Films und zwar, wie ein Vertreter der betreffenden Filmfirma einem Korrespondenten der „Daily News“ berichtete, auf Veranlassung des russischen Generalkonsuls, Baron H e y k i n g, welcher von dem London County Council das Verbot der betreffenden k inematographischen Vorführung verlangt hatte. Trotzdem wurde der betreffende Film am folgenden Tage vorgeführt. Einem englischen Journalisten erklärte der russische Generalkonsul, die Entscheidung des London County Council sei „weise und taktvoll**. Er wies auf die bestehende englisch-russische Entente hin und sprach seine Meinung aus, daß die Vorführung von Beilisbildern bei vielen Leuten Anstoß erregen könnte. Rußland Von der judenfeindlichen Presse Die „R u s s k o e Z n a m j a“ fordert, daß den Juden das Studium des Talmud verboten werden solle. Dieses Organ der echtrussischen Leute hat hiermit zweifellos den Beifall eines Polen in Warschau gefunden, der einen jüdischen Mieter exmittierte, weil er — den Namen T a 1 m u d führte. Der „Nowoje W r e m j a“ geht noch gründlicher auf die Angelegenheit ein und sagt offenherzig, daß selbst die Aufgabe ihrer Religion „die Juden nicht heilen könne.“ Das Blatt kommentiert ein Schreiben, das kürzlich 72 jüdische Studenten an ihre Eltern gerichtet haben, und worin sie erklären, daß sie sich taufen lassen wollen, um durch eine Verschmelzung mit dem russischen Volke allen jüdischen Leiden ein Ende zu machen. Das genannte Blatt weist die Möglichkeit einer solchen Verschmelzung selbst im Falle der Taufe energisch zurück. Unter großen Förmlichkeiten ist im Beisein des Konsuls und anderer hoher Regierungsbeamter kürzlich In Kiew die Redaktion eines neuen antisemitischen Blattes eingeweiht worden. Das Blatt soll den Namen „Kiew“ führen und den „Kiewljanin“ in allen offiziellen Kreisen verdrängen. Diese Maßregel soll eine Bestrafung des „Kiewljanin“ für seine Haltung in der Beilisaffäre bedeuten. Die echtrussischen Leute der Provinz Kiew haben ferner eine Konferenz, einberufen, um zu beraten, welche Schritte sie in Zukunft gegen die Juden einleiten sollen. Bischof lnnokteni eröffn etc die Konferenz, die jedoch ziemlich erfolglos blieb, da eine große Anzahl ländlicher Delegierter mit dieser Aktion nichts zu tun haben wollte. Türkei Eine bemerkenswerte Rede Talaat Beys (Von unserem Konstantinopeler Berichterstatter.) Kürzlich fand hier das Jahresfest der „Amicale“ statt, des Vereins ehemaliger Allianceschüler. Diesem Verein gehören fast alle angesehenen Sephardim Konstantinopels an, denn sie alle sind ja durch die Schulen der Alliance gegangen. Dem diesjährigen Fest gab die Anwesenheit mehrerer Minister einen besonderen Glanz: Talaat Bey, der Minister des Innern, Djemal Bey, Minister der öffentlichen Arbeiten, Enver Pascha, der jugendliche Kriegsminister, El Bost a n i, der Landwirtschaftsminister, und viele andere offizielle Persönlichkeiten wohnten dem Konzert und dem darauf folgenden Ball bei. ln einem der Nebenräume hatte der Präsident der „Amicale“ die angesehensten Gäste zu einer Festtafel geladen, und hier erwiderte der Minister des Innern, Talaat Bey, auf eine Aussprache zu Ehren der Gäste mit einer bemerkenswerten Rede: Er sprach die Sympathie der türkischen Regierung für das jüdische Volk aus, das sich für die Türkei stets nützlich erwiesen habe. Die Türkei würde es nie vergessen, daß die ottomanischen Juden gemeinsam mit ihnen ihr Blut auf den Schlachtfeldern vergossen hätten. Es habe ihn auch sehr gerührt, daß man während des Festes der Amicale für die türkische Flotte gesammelt habe. Die Ansprache des Ministers machte durch die Wärme ihres Tones auf alle Anwesenden großen Eindruck. Die Palästinafahrt des amerikanischen Botschafters Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Mr. Henry Mergenthau, wird seine Palästinafahrt Ende März antreten. Saloniki. Wie uns unser Korrespondent berichtet, ist in Saloniki erfreulicherweise durch die Gesellschaft Bene Sion eine Verlagsgesellschaft ins Leben gerufen worden, die sich mit der Herausgabe nationaljüdischer Literatur befassen soll. Als erste Publikation wird die Gesellschaft demnächst eine spaniolische Uebersetzung von Herzls „Altneuland“ erscheinen lassen. Die Anzahl der Subskribenten beträgt schon jetzt 600, und es ist zu hoffen, daß die geplanten Veröffentlichungen zur Hebung des geistigen Lebens innerhalb der jüdischen Bevölkerung von Saloniki viel beitragen werden. lllllllllllllllllllllllllllllllilllillllllllllll Amerika Anerkennung des Jaffaer hebräischen Gymnasiums Im Hinblick auf den Sprachenstreit in Palästina, der durch den Hilfsverein der deutschen Juden hervorgerufen worden ist, dürfte es von Interesse sein, daß eine Hochschule vom Range der Universität New York das Reifezeugnis eines Absolventen des hebräischen Gymnasiums in Jaffa als vollgiltig anerkannt und den betreffenden Abiturienten, namens 528812848^626554887102876631 ^9906235287702064391 ^899472227728449835925128^^^