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Die Welt · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. 119

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Article
Ein Brief an den "Jewish Chronicle"
Date
1914-01-30
Page
119 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5 119 DIE^KELT Ein Brief an den ,,Jewlsh Chronicle“ Der „Jewish Chronicle“ veröffentlicht folgenden Brief, den er von Herrn Moses Levene in Jaffa erhalten hat: „Sehr geehrter Herr! Mit Erstaunen lese ich in Ihrer Ausgabe vom 2. d. M. eine telegraphische Erklärung von Herrn Ephraim Cohn in Jerusalem, worin er angibt, das. Seminar des Hilfsvereins sei nicht von Polizei besucht .worden, die Lehrer seien nicht von den Polizisten angegriffen worden, .die öffentliche Meinung in Jerusalem habe sich für die Hilfsvereins-Schulen erklärt und verurteile die terroristische Agitation gegen diese. Der Zweck meines vorliegenden Briefes ist, die falschen Angaben, die Herr Cohn Ihnen telegraphiert hat, zu widerlegen. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß ein Polizeiaufgebot in das Seminar ein gedrungen ist. Es ist eine unleugbare Tatsache, daß verschiedene Lehrer von den Polizisten tätlich angegriffen wurden. Ferner hat der deutsche Konsul Herr v. Schmidt persönlich sein Bedauern über diesen Zwischenfall gegenüber Erl. Pinczowcr, der Leiterin der Hilfsvereins-Mädchenschule, welche infolge dieses Ereignisses ihre Stellung aufgegeben hatte, ausgesprochen. Er hat erklärt, daß, wenn ihm die wirklichen Tatsachen bekannt gewesen wären, er durchaus nicht persönlich eingegriffen "und die Lehrer der Schule gewaltsam entfernt hätte. Selbst verschiedene Leute, die früher mit dem Hilfsverein sympathisierten, verurteilen Dr. Nathan wegen seines Hineinziehens eines fremden Faktors in eine rein jüdische Angelegenheit. Der Hilfsverein erfreut sich jetzt keineswegs der öffentlichen Sympathie, und seine Schulen haben keinen Platz mehr im Lande, wenn nicht die deutsche Sprache an die zweite Stelle gerückt wird. Ich schreibe diesen Brief lediglich, um der Wahrheit ihr Recht zu verschaffen und bitte um freundliche Veröffentlichung.“ Protestversammlung in Paris Unser Pariser Berichterstatter schreibt uns: Der Sprachenkampf in Palästina hat begreiflicherweise auch in Paris ein lebhaftes Interesse erweckt. So lau man hier auch in den meisten jüdischen Fragen sein mag, die Entwicklung des Jüdischen Palästinas, das die französischen Juden infolge der Tätigkeit der Alliance und des Barons Edmund Rothschild ein wenig als ihr Werk ansehen, wird mit der größten Sympathie verfolgt. Eine Protestversammlung, die, nicht auf zionistische Initiative hin, am IS. Januar in der „Eco 1 e des Haute s Etüde s“ stattfand, erfreute sich eines zahlreichen Besuches, auch aus den Kreisen des offiziellen französischen Judentums. Sie gestaltete sich zu einer wirkungsvollen Demonstration zugunsten der hebräischen Sprache, ohne Mißklang und ohne im mindesten eine außerhalb des Judentums liegende Tendenz anzunehmen, wie manche bei der ausgesprochen patriotischen Gesinnung der französischen Juden befürchtet hatten. Herr R.-A. Mirtil, der im Namen der letzteren das Wort ergriff, wurde durch die Logik seines Themas dazu geführt, ein nationaljüdisches Bekenntnis abzulegen. Es wohnten der Versammlung u. a. einige einflußreiche Persönlichkeiten der A. J. U. bei, an welche die Macht der hebräischen Sprache wohl noch nie so nahe herangetreten war. Als einer der Redner, Herr B i 1 i s s , die Lebensfähigkeit des neuen Jischub und dessen Emanzipation von der Bevormundung des Hilfsvereins sowohl wie der Alliance hervorhob, b r a c h ein minutenlanger Beifallssturm aus, der den anwesenden Leitern der Alliance wohl klar gemacht haben .wird, welchen Weg fortab die jüdische Arbeit in Palästina beschreiten muß, um mit dem Volkswillen im Einklang zu bleiben! Dozent Dr. S 1 o u s c h , Lehrer am Seminar der „Alliance“, der die Versammlung mit einer Ansprache in französischer und hebräischer Sprache eroffnete, wies mit Entschiedenheit darauf hin, welche grundlegende Bedeutung die hebräische Sprache für die nationale Wiedergeburt in Palästina besitze. Das Unterfangen des Hilfsvereins setze die jung erstehende Sprache und damit dem ganzen Jischub, dem seit vierzig Jahren die Besten des Volkes ihre Kräfte widmen, in die größte Gefahr. Auf die Beteiligung der offiziellen Kreise an der Versammlung anspielend, sprach der Redner die Hoffnung aus, daß diese Kreise an der Pflege des Hebräischen in Palästina auch aktiven Anteil nehmen werden. Es sprachen in gleichem Sinne Herr H a r a r i, Lehrer am hebräischen Gymnasium in Jaffa, und B i 1 i s s , Präsident der Societe des Etudiant Juifs. Bemerkenswert sind die Ausführungen des R.-A. Mirtil, der als französischer Jude begeistert von dem neu erstehenden jüdischen Leben in Palästina sprach, das die Juden der ganzen Welt mit Stolz erfülle. Um so entschiedener müsse jeder willkürliche Eingriff in die naturgemäße Entwicklung zurückgewiesen werden. Folgende Tagesordnung wurde einstimmig angenommen: „Die Freunde der hebräischen Sprache, in der Zahl von 500 in der „Ecole des Hautes Etudes Sociales“ versammelt, protestieren entschieden gegen die Einführung einer fremden Sprache als vorherrschende Unterrichtssprache am Technikum in Haifa. Sie senden denen, die in Palästina tapfer für die hebräische Sprache kämpfen, ihre Sympathien, und beglückwünschen die Lehrer in Palästina zu ihrer edlen Selbstlosigkeit.“ Die Ortsgruppe Paris der Organisation für hebräische Sprache und Kultur (Histadruth Ibrith) hat eine Sammlung für das hebräische Schulwerk in Palästina eingeleitet, die vorläufig den Betrag von 300 Frcs. ergab. An der Sammlung hat sich auch der bekannte jüdische Schriftsteller S. Rabbinowitz (Scholem Aleichem) mit 50 Frcs. beteiligt. Protestversammlung in Basel Am 25. Januar 1914 fand in Basel unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Arnstein eine allgemeine jüdische Versammlung zur Besprechung des Sprachenkampfes in Palästina statt. Nach einem eingehenden, vorzüglichen Referat von Herrn Julius Simon aus Mannheim und anschließender Diskussion wurde mit allen gegen die Stimme eines einzigen Opponenten folgende Resolution unter großer Begeisterung angenommen: „Die am 25. Januar 1914 in Basel tagende, von 200 Personen besuchte allgemeine jüdische Versammlung spricht dem palästinensischen Judentum und der zionistischen Organisation in ihrem Kampfe um die hebräische Sprache in Palästina ihre ganze Sympathie aus. Sie hofft, daß es gelingen werde, die neue jüdische Kultur in Palästina unverfälscht und unabhängig zur Blüte emporwachsen zu Sie beglückwünscht die tapfem Lehrer der neuen nationalen Schulen zu ihrer hingebungsvollen Haltung und erhofft, daß diese Schulen zum Mittelpunkt der Renaissance unseres Volkes in seinem Lande werden.“ Während der Versammlung wurden 500 Frcs. für das hebräische Schulwerk gezeichnet. Die Sammlung wird fort- Gegenwartsaufgaben der jüdischen Frau Vortrag, gehalten in Wien anläßlich des XI. Kongresses, von Johanna Simon-Friedberg (Heidelberg) (Schluß.) Soziale Arbeit kann man in großen Städten theoretisch und praktisch erlernen. Theoretisch z. B. durch einen Kursus in Berlin, der dort jährlich veranstaltet wird. Wer dazu keine Gelegenheit hat, stürze sich sofort auf eine praktische soziale Aufgabe, selbst wenn sie nicht von einer jüdischen Organisation geschaffen ist, sondern ganz allgemeiner Art ist. Ich werde vielleicht mit diesem Satz zunächst Widerspruch erregen. Man wird mich ungeduldig fragen, was haben Säuglingsheime, Kinderkrippen, Rechtsauskunftsstellen mit speziellen Aufgaben der jüdischen Frau zu tun. Da antworte ich: Gerade die Jüdin, die die Not ihres Volkes begriffen hat und entschlossen ist, yon Grund auf an der Heilung mitzuarbeiten, darf sich nicht von ihrer Umwelt abschließen. Vor allem weil wir von unserer Umgebung, in die wir hingestellt sind, erst die Kenntnisse, die Anregungen erlernen, die uns zu unserer speziellen Aufgabe befähigen. Hier wird unser Organisationstalent geweckt und geschult, unser Blick für soziale Tätigkeit geschärft. Wenn wir in allgemeinen sozialen Verbänden mitarbeiten, dann lernen wir erst den vielfachen

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