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Die Welt · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. 116

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Article
Eine Erklärung David Jellins
Date
1914-01-30
Page
116 (sequence 2)
Language
German
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116 Nr. 5 -> DIEI^ELT dieser Anstalt bloß drei Lehrer demissioniert hatten, von denen Lehrer sollten am Mittwoch nicht mehr unterzwei der Schule nur einen Teil ihrer Unterrichtstätigkeit widrichten, daß es ihnen vielmehr gerade darauf ankam, alle meten. Von der Gründung einer neuen Knaben- „revolutionären“ Lehrer vor ihren Schülern schule ließen wir uns also faktisch nichts und Schülerinnen bloßzustellen, ihnen einen geträumen. Daraus folgt doch, daß wir die Schüler nicht hörigen Denkzettel zu geben, damit die Schüler und überreden konnten, zu der damals noch gar nicht geplanten Schülerinnen sähen, wie es solchen widersetzlichen Lehrern neuen Knabenschule überzugehen. Ich muß gestehen, daß ergeht, und sich’s nicht einfallen ließen, ihren Lehrern zu dieses „Geschenk“, das uns durch das Vorgehen des Hilfsfolgen! Vereins ganz unerwartet in den Schoß fiel, uns alle in die größte Verlegenheit brachte, da wir nicht wußten, woher wir Lehrkräfte und Geldmittel für die neue Knabenschule nehmen sollten. Demnach möge die jüdische Oeffentlichkeit urteilen: 1. Ob der Hilfsverein oder dessen Vertreter recht daran getan hat, mich in den Augen meiner Schüler, die mich stets außerordentlich hochgeschätzt hatten und mich, wie ich glaube, noch heute hochschätzen (trotzdem man sie gelehrt hat, uns Lehrern das Wort „Revolutionäre“ auf der Straße nachzurufen), lächerlich zu machen, indem man mich unterrichten ließ, während man meinen Schülern schon mitgeteilt hatte, ich sei entlassen. 2. Ob der Leiter des Hilfsvereins recht daran getan hat, mich in so unfeiner Weise zu beleidigen, indem er an alle Seminarlehrer außer mir Einladungen zur Wiedereröffnung der Anstalt und zur Aufnahme des Unterrichts ergehen ließ, ohne mich auch nur wissen zu lassen, weshalb ich übergangen worden war — ein Vorgehen, worüber selbst die Lehrer, die vorläufig im Dienste des Hilfsvereins geblieben sind, ihre Empörung öffentlich kundgegeben haben. Hätte Herr Dr. Nathan mir den Brief, den er mir am Dienstag abend zusandte, nicht einen Tag früher schreiben können? 3. Wenn vielleicht andere Leute Herrn Dr. Nathan irregeführt und ihm derartige Dinge von mir erzählt haben, wäre es dann nicht seine Pflicht gewesen, mich zu befragen, ob diese Beschuldigung auch wahr ist? Glaubt er etwa, daß das jGebot „Audiatur et altera pars“ uns unglückseligen „Asiaten“ gegenüber nicht gilt? Herr Dr. Nathan erzählt in seinem Bericht weiter, daß die suspendierten Lehrer am folgenden Tage (am 10. Dezember) trotz ihrer Suspension in die Schulen des Hilfsvereins e i n - gedrungen wären, und man daher gezwungen gewesen sei, sie zu verjagen usw. Wenn die Absicht der Herren nicht von vornherein darauf gerichtet war, die demissionierenden Lehrer vor den Augen ihrer Schüler mit Schimpf und Schande zu verjagen und aller Welt zu zeigen, daß Skandale vorgefallen waren und die Leiter des Hilfs Vereins gezwungen waren, den Konsul und die Polizei herbeizurufen, — wenn die Herren nicht bewußt diese bestimmte Absicht verfolgt haben, dann frage ich: Warum ist mir das Schreiben, das unsere Suspension enthielt, in später Nachtstunde zugesandt worden, zu einer Zeit, wo es mir unmöglich war, alle meine Kollegen zu benachrichtigen? Warum hat ferner Herr Dr. Nathan mir in diesem Schreiben nicht mitgeteilt, daß wir schon am folgenden Tage nicht in die Schule zu kommen brauchten, da doch keiner von uns ahnen konnte, daß an unserer Stelle bereits Schüler, Diener und Dienstmädchen in aller Eile als Lehrer engagiert worden waren? Warum wurden die Lehrer zuerst aus der Lämelschule verjagt, und warum ging man erst dann in die Mädchenschule, um auch hier die Lehrer, nachdem sie bereits zwei Stunden unterrichtet hatten, davonzujagen? Wenn die Leitung verfügt hatte, daß die bisherigen Lehrer der Mädchenschule schon an jenem Tage ihre Lehrtätigkeit einstellen sollten, warum schickte sie die neuen Lehrer nicht schon am Morgen hin? Wie sollten die Lehrer — auch diejenigen, die ich noch in derselben Nacht von ihrer Suspension in Kenntnis setzen konnte — im entferntesten denken, daß sie tags darauf nicht mehr in die Schule zu kommen hätten, wo 400 Schüler sie erwarteten, um deren Schicksal sich die Leitung des Hilfsvereins erst kümmerte, nachdem die suspendierten Lehrer ihnen zwei Stunden lang Unterricht erteilt hatten? Ich glaube, daß jeder vernünftig Denkende, der die Dinge objektiv betrachtet, hiernach eins eben muß, daß Dr. Nathan und die Leitung gar nicht wollten, die Nur so lassen sich die Vorgänge des „historischen Mittwoch“ psychologisch erklären. Und wenn die Dinge zum Mißvergnügen der Urheber dieses schlauen Plans ganz anders ausfielen; wenn trotz der Heranziehung aller möglichen fremden Machtfaktoren das Gegenteil von dem erreicht wurde, was die Herren anstrebten; wenn die Verjagung der Lehrer aus der Lämelschule zur Folge hatte, daß an jenem Tage ganz unerwartet hundert Schüler die Schule verließen, daß in der Mädchenschule beim Erscheinen der Polizisten eine Panik ausbrach und sämtliche Schülerinnen aus der Schule entflohen; wenn all dies zur Folge hatte, daß die Zahl der Schüler und Schülerinnen in unseren neuen Schulen bedeutend stieg, so haben die Hilfsvereinsleute die Schuld daran sich selber und ihrer mißglückten „Politik“ zuzuschreiben. Es geht aber nicht an, daß sie andere dafür verantwortlich machen! Es tut mir herzlich leid, daß ich mich jetzt mit derlei Dingen abgeben muß, wo ich fürwahr viel Wichtigeres zu tun hätte, wo unser neues nationales Schulwerk seiner Einrichtung und Ausgestaltung harrt. Allein es gibt Momente, wo man gezwungen ist, gegen seinen Willen zu handeln. Möchten mir doch künftig nicht viele solche Momente beschießen sein! Jerusalem, 20. Tebeth 5674. David Jellin. Max Nordaus Stellungnahme Ein Briefwechsel mit Nahum Sokolow Hochgeehrter Kollege und Freund! In der Frage der Unterrichtssprache an den von uns zu gründenden oder zu unterhaltenden Schulen Palästinas kann es unter Zionisten keine zwei Meinungen geben. Erziehung und Bildung unserer Jugend müssen dort .hebräisch sein und dürfen nichts anderes sein. Wenn wir nicht dafür sorgen, daß uns in Palästina ein Geschlecht von reinen und echten Hebräern heranwächst, dann hat unser Zionismus keinen Sinn. Sollen die Juden, die nach Palästina zurückgekehrt sind, dort fortfahren, einander äußerlich und innerlich fremd, durch Vielsprachigkeit zerrissen zu bleiben, in den verschiedenen Kulturen ihrer Geburtsländer zu wurzeln, so hätten sie ebensogut bleiben können, wo sie waren. Denn um sprachlich und kulturell bei Fremdvölkern zu hospitieren, brauchen sie nicht erst unter Mühsal, mit Kosten und starken Erregungen in das Land der Väter zurückzuwandem. Das können sie billiger und bequemer in ihren Geburtsländern haben. Man muß Hebräisch zur Umgangssprache und zum Werkzeug aller höheren geistigen Betätigungen der Palästinajuden machen, um sie in ein einheitliches Volk zu verschmelzen und ihnen eine jüdischnationale Kollektivseele einzuhauchen. Es war also sehr richtig, daß die drei Vertreter des national-jüdischen Gedankens' im Kuratorium des Technikums von Haifa austraten, als diese Körperschaft beschloß, das Technikum als eine deutsche Lehranstalt einzurichten. Hätten sie zu diesem Werk ihre Mitwirkung geliehen, so würden sie einen Verrat an unserer Sache begangen haben. Meine vorbehaltlose Zustimmung gilt aber nur diesem Schritt der drei Herren sowie dem Beschluß unseres Engeren und Großen Actions-Gomites, neue hebräische Mittelschulen und eine hebräische Lehrerbildungsanstalt in Palästina zu errichten, vorausgesetzt, daß wir die Mittel zu ihrer Erhaltung aufbringen können, was, wie ich fürchte, nicht leicht sein wird. Dagegen bedaure ich, daß wir uns mit dem Hilfsverein der deutschen Juden verfeindet und uns auf dem Kriegspfad gegen ihn begeben haben. Was werfen wir dem Hilfsverein vor? Daß er nicht national-jüdisch ist? Er hat nie behauptet, es zu sein. De Gedanken, die ihn ins Dasein gerufen haben und die sein

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