Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Article
- Zentralfonds-Jahresbeiträge für 1914
- Date
- 1914-01-30
- Page
- 115 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 5 DIE3&ELT: 115 Berichtigung. Der in Nr. 1 ausgewiesene Betrag von Kr. 50.— von Herrn Hurvvitz, Kossow, stellt eine Sammlung dar. Die in Nr. 3 ausgewiesenen kleinen Spenden aus Halberstadt für das hebräische Schulwerk in Palästina betragen JA 40.— und nicht JA 30.—. Die in Nr. 4 ausgewiesene 1. Rate des Herrn Dr. Maass, Berlin, beträgt JA 50.— und nicht JA 150.—. — In dem Ausweis aus Mannheim JA 1175.— jährliche Beiträge und JA 81.— einmalige Beiträge enthalten. Der in Nr. 4 ausgewiesene Beitrag von Frs. 1000.— von Ar je Leib Linz ist von Herrn Ar je Leib Münz, Rostow, gespendet worden. Eine Erklärung David Jellins Herr David J e 11 i n in Jerusalem ersucht uns um Veröffentlichung folgender Erklärung: In dem Bericht, den Herr Dr. Paul Nathan in der Sitzung des Hilfsvereins vom 4. Januar erstattet hat, findet sich folgender Passus: „. . . Herr Dr. Nathan folgerte aus der Aufstellung einer völlig unerfüllbaren Forderung, daß es den Herren nicht um einen Ausgleich zu tun sei, sondern darum, die Schüler in den nächsten Monaten noch weiter zu bearbeiten. Das trat besonders deutlich dadurch hervor, daß vier Tage nach der Ueberreichung des Memorandums Herr Jellin die Schüler der obersten Klasse der Lämelschule aufforderte, in die neu zu gründende Schule überzugehen. Nachdem dies bekannt wurde, blieb natürlich kein anderer Ausweg, als die Lehrer sofort zu suspendieren, und es erfolgte am nächsten Tage die Suspension.“ Als ich diese Worte las, ergriff mich tiefer Schmerz, da ich daraus ersah, wohin die Sucht, um jeden Preis Recht zu behalten, einen führen kann und wie wenig unsere prominenten Männer Bedenken tragen, unwahre Angaben zu veröffentlichen, wenn es gilt, sich auf Kosten anderer reinzuwaschen. Als ich Herrn Dr. Nathan bei seiner Anwesenheit in Jerusalem aufsuchte, um ihm meine Stellungnahme zur Frage der Einführung der hebräischen Sprache als ausschließlicher Unterrichtssprache in den Hilfsvereinsschulen auseinanderzusetzen, und ihm bei dieser Gelegenheit erklärte, daß ich, solange der Hilfsverein sich dieses Prinzip nicht zu eigen machen wird, im Hinblick auf die allgemeine Lage und die einmütige Stimmung im Lande gezwungen sein würde, alle aus meiner bisherigen Tätigkeit mir zustehenden Rechte und alle meine Zukunftshoffnungen fahren zu lassen, fügte ich dieser Erklärung folgendes hinzu: „Aber es gibt noch etwas, was mir wertvoller ist, als all dies, nämlich mein guter Name. Ich weiß, wie sehr meine Gegner sich bemühen werden, den guten Ruf, den ich mir durch meine Arbeit und durch mein reines Streben während meines ganzen Lebens erworben habe, in den Staub zu ziehen und mich in meiner persönlichen Ehre herabzusetzen. Aber auch meinen guten Namen will ich gern preisgeben, wenn es sich darum handelt, dem jüdischen Volke gegenüber meine Pflicht zu tun.“ Hierbei dachte ich an eine Aeußerung des Herrn Ephraim Cohn, der mir hatte sagen lassen, daß Dr. Nathan, den man in ganz Europa kennt, seinen Mund und seine Feder wohl zu gebrauchen wisse, um einen Mann zu vernichten! Ich wußte, daß mir derartiges bevorsteht, aber ich hatte doch nicht erwartet, daß ein angesehener und bekannter Mann, wie Dr. Nathan, den ich stets hochschätzte, sich nicht scheuen würde, mir Dinge anzudichten, an denen absolut nicht das geringste wahr ist, und dies als Grund anzugeben für meine in so kränkender Weise erfolgte Entlassung aus einer Anstalt, der ich 23 Jahre meines Lebens gewidmet habe, an der ich also schon zu einer Zeit tätig war, als Herr Dr. Nathan noch lange nicht angefangen hatte, sich für jüdische Dinge überhaupt zu interessieren. Vor der gesamten O e f f e n 11 i c h k e i t erkläre ich also mit aller Entschiedenheit, daß diese ganze Anschuldigung gänzlich erdichtet ist. Der beste Beweis dafür ist der Umstand, daß in der hiesigen Zeitung „Moriah“, in der gegen jeden einzelnen von uns hebräischen Lehrern alle möglichen Beschuldigungen erhoben worden sind, noch keiner den Mut gefunden hat, mir derartiges vorzuwerfen, während diese Anklage für die Beurteilung des Schulkampfes doch sehr wesentlich ist, da sie als Grund für unser aller Entlassung hingestellt wird. Sämtliche Schüler der ersten Klasse der Lämelschule, von denen ein großer Teil in der Anstalt verblieben ist und keinen Grund hat, mich in Schutz zu nehmen, — sie alle können bezeugen, daß ich bis zum letzten Tage meiner Lehrtätigkeit ihnen nicht ein Sterbenswörtchen von der Eröffnung einer neuen Schule oder von der Frage der Unterrichtssprache oder von sonst etwas ähnlichem gesagt habe, daß ich mich vielmehr pflichtgemäß ausschließlich mit den gewöhnlichen Gegenständen des Unterrichts befaßt habe. Noch mehr: Dienstag, am 9. Dezember v. Js., dem Tage der Wiedereröffnung des Hilfsvereins-Seminars (wie erinnerlich, erfolgte diese Wiedereröffnung, ohne daß ich als Prorektor und Lehrer der Anstalt davon in Kenntnis gesetzt worden wäre und ohne daß mir mitgeteilt wurde, ich hätte an diesem Tage meine Unterrichtsstunde zu erteilen), als ich mich in einer Stimmung befand, wie man sie einem Manne nachfühlen kann, der sich um die Entwicklung und das Aufblühen einer Lehranstalt vom Tage ihrer Begründung an alle erdenkliche Mühe gegeben hat und den man nach zehnjähriger erfolgreicher Tätigkeit beiseite schiebt, ohne ihm seine Entlassung auch nur mitzuteilen (den Brief, in dem wir von unserer Suspension benachrichtigt wurden, schickte uns Dr. Nathan erst am Dienstag abend zu), an diesem Tage also erteilte ich noch Unterricht an der Lämelschule. Ich nahm das übliche Pensum durch, und als ein Schüler eine halbe Stunde nach Beginn des Vortrages den Klassenraum betrat, fragte ich ihn, warum er so spät komme. Er war sehr verlegen und antwortete schließlich, der Schüler Soundso aus der Klasse habe ihm gesagt, ich würde heute an der Lämelschule nicht unterrichten. Hierbei sahen die Schüler einander bedeutungsvoll an, und ich erkannte daran, daß den Schülern schon mitgeteilt worden sein müsse, ich sei aus der Lämelschule entlassen. Trotzdem ließ ich die Schüler nichts merken und sagte dem zu spät gekommenen Knaben: „Du weißt doch, wenn ein Lehrer einmal fehlt, vertritt ihn ein anderer.“ Nach diesem Zwischenfall setzte ich den Unterricht ruhig fort. Nach Schluß der Stunde, als ich die Klasse verlassen wollte, traten die Schüler plötzlich auf mich zu und sagten: „Herr Lehrer, wir haben noch Bücher bei Ihnen.“ Auch jetzt, als ich merkte, daß die Sache allen Schülern mitgeteilt worden war, beschränkte ich mich darauf, ganz gleichmütig zu sagen, „Ich werde Euch Eure Bücher wiedergeben.“ Dies ist der wirkliche Sachverhalt. Ueberhaupt sehe ich mich genötigt, auf folgenden allgemein bekannten Umstand hinzuweisen: Bis zum Mittwoch, den 10. Dezember v. Js., dem Tage, an dem die Lehrer aus der Lämelschule verjagt wurden, wobei ein Lehrer, als Herr Ephraim Cohn ihm nicht einmal gestatten wollte, sich von seinen Schülern zu verabschieden, den Schülern zurief: „Mir nach, Kinder!“ — bis zu diesem Tage also fiel es keinem von uns ein, daß wir überhaupt eine neue Knabenschule zu eröffnen haben würden. Wir wußten, daß die Seminaristen streikten und daß es notwendig sein würde, falls der Hilfsverein nicht nachgibt, ein neues Seminar zu gründen. Wir wußten ferner, daß in der Mädchenschule sämtliche Lehrer und Lehrerinnen entschlossen waren, ihre Stellen niederzulegen, wenn der Hilfsverein auf die Forderung der hebräischen Unterrichtssprache nicht einging, daß also die Notwendigkeit entstehen könnte, auch eine neue Mädchenschule ins Leben zu rufen. Allein an die Möglichkeit der Eröffnung einer neuen Knabenschule dachte keiner von uns, da ja an