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Die Welt · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · p. 98

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Article
Generalversammlung des niederländischen Zionistenbundes
Date
1914-01-23
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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98 Nr 4 DIESqKELT amten und Propagandaredner. Dem Präsidium erscheint diese Maßnahme noch nicht erwünscht. Es wurde ferner die Gründung eines Holländischen Zionistischen Zentralbureaus beantragt. Dem Bundesschatzmeister Alfred Polak wird Decharge erteilt. In der Fortsetzung der Generaldebatte sprach S. Lissauer (Amsterdam) dem Präsidium Anerkennung für seine Arbeit aus; jedoch bemängelte er manche Einzelheiten. Ihm erwiderte Bundessekretär Dr. v. Vriesland. Geber die Beziehungen zu den anderen Organisationen wollte Dr. Franzie Berenstein referieren, leider war er durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Auch der Vorsitzende des N. Z. B. erwiderte auf die kritischen Ausführungen der einzelnen Redner. Er berichtete u. a., daß die Kommission für das Neu-Hebräische die Aufgabe der Herausgabe eines guten Lehrbuches übernommen habe. Ein Pflichtabonnement des Parteiorgans kann das Präsidium nicht empfehlen. Das Präsidium wird zu erreichen suchen, daß jeder Zionist das Parteiorgan liest. Es wird hierauf zur Abstimmung geschritten. Der Antrag des Präsidiums in bezug auf das Parteiorgan wird angenommen. Der Vorschlag, von kleineren Ortsgruppen einen niedrigeren Beitrag zu erheben, wird abgelehnt. Es wird weiter der Vorschlag des Präsidiums zur Gründung eines Niederländischen Palästina-Vereins angenommen. Zum Mitglied des Zentral-Komitees wird Dr. L. S. Ornsfein gewählt. Die nächste Jahresversammlung wird in Nijmegen stattfinden. Hierauf erhält Dr. Ornstein das Wort zu seinem Referat über die Gegen vv artsarbeit im G o 1 u s. Unter Absingung der Hatikwah wurde die sehr ergebnisreiche und anregende Tagung geschlossen. Von der zionistischen Studenten Organisation , Hechawer“ Im Anschluß an den Bericht von der Sitzung des Zentralkomitees der jüdisch-russischen Studentenorganisation „Hechawer“ wird uns mitgeteilt, daß das Zentralkomitee beschlossen hat, für das Schulwerk in Palästina unter den Vereinen der Organisation einen Jahresbeitrag in der Höhe von 2300 Mark zu sammeln. Deutschland Hamburg. Am Montag, den 5. Januar, veranstaltete die Hamburger Misrachigruppe eine Versammlung, in der Herr Nachum Gold mann aus Frankfurt a. M. über „Die geistigen Strömungen im heutigen Palästina“ sprach. Der Redner schilderte die beiden jüdischen Weltanschauungen, deren Träger sich in Palästina als der alte und der neue Jischub gegenüberstehen. Der Kern des, den bei weitem überwiegenden Teil der jüdischen Bevölkerung Palästinas umfassenden alten Jischub ist das Ghettojudentum, gebildet von den seit langem eingewanderten gleichzeitig frömmsten aber auch ärmsten Juden aus allen Ländern der Diaspora. In ihrem grenzenlosen Elend haben sie sich einen Glauben von unerhörter Tiefe und Hingabe geschaffen, dessen Geschlossenheit ebenso grandios wie starr ist. Alle Schulen mit europäischem Sprachunterricht sind von ihren Rabbinern mit dem Bann belegt; denn Bildung ist ihnen gleichbedeutend mit Abfall. Ihre Kinder erhalten einzig in den rein hebräischen Chadarim Unterricht. Ihnen kann nicht durch Schulgründungen, sondern nur durch Eröffnung von Erwerbsmöglichkeiten geholfen werden. Dem alten Jischub steht — an Umfang bei weitem kleiner der neue Jischub gegenüber. Er umfaßt alle die Elemente Palästinas, die durch den nationalen Gedanken vereint werden. Sie bildeten bisher das Schüler- und zum Teil auch das l.ehrermaterial der Hilfsvereinsschulen und des Gymnasiums. Ihr höchstes Ideal ist die Neuschaffung jüdischer Kultur in Palästina, zu dessen Verwirklichung sie die Wiederbelebung der hebräischen Sprache als Volks- und Umgangssprache erstreben, und zum großen Teil bereits verwirklicht haben. Aus diesen Zielen des neuen Jischub heraus entstand der Kampf gegen den Hilfsverein. Der neue Jischub sowie die meisten Zionisten stehen dem alten Jischub ziemlich verständnislos ge;enüber. Mit einem Achselzucken und dem wegwerfenden Namen „Chalukahschnorrer“ wird diese große Masse der Juden Palästinas erledigt. Hier Wandel zu schaffen, ist eine unserer wichtigsten Arbeiten in Palästina, eine Arbeit, zu der gerade der Misrachi, als gesetzestreue Organisation, ganz besonders berufen ist. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Dr. Fink, W. Möller, Dr. Blau und Dr. Franck. Der Ertrag einer sofort veranstalteten Sammlung von ca. 300 M. wurde dem neuen Schulwerk in Palästina zugeführt. Karlsruhe. Am 8. Januar veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe eine Makkabäerfeier, bei der Herr Dr. Klee aus Berlin eine glänzende Rede hielt. Kattowitz. Der Zionistische Gruppen verband Oberschlesien veranstaltet am Sonntag, dem 1. Februar, nachmittags 4 Uhr, in Kattowitz, Saal der Reichshalle, eine große öffentliche Volksversammlung mit einem Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Thon aus Krakau: „Der hebräische Sprachenkampf in Palästin a“. Die oberschlesischen Gesinnungsgenossen, sowie die Zionisten aus den russischen und österreichischen Grenzdistrikten werden zur Teilnahme aufgefordert. Gäste haben freien Zutritt. Oesterreich Mähr.-schles. Distriktstag Am Sonntag, dem 1. Februar 1914, findet im Bräuhaussaale zu I g 1 a u der mährisch-schlesische zionistische Distriktstag statt. Die Tagung beginnt um 9 Uhr früh mit folgender Tagesordnung: 1. Wahl des Bureaus, 2. Rechenschaftsberichte, 3. Organisation (Referent Dr. Leopold Leschner, Troppau), 4. Budget, 5. Neuwahlen, 6. Jugenderziehung im Galuth (Referent Dr. Sig. Werner, Iglau), 7. Der Schulkampf in Erez Israel (Referent Dr. S. Friedmann, Troppau). Wegen Wohnungsbestellungen wolle man sich an den Verein „Theodor HerzI“ in Iglau wenden. Am 1. Februar, S Uhr abends, findet im Bräuhaussaal eine große jüdische Volksversammlung statt. Kreisturntag der Jüdischen Turnerschaft. 2. Kreis (Westösterreich). Am 7. und 8. Dezember v. J. tagte in Wien der II. ordentliche Kreisturntag der Jüdischen Tum erschaff, 2. Kreis (Westösterreich), zu welchem 20 Kreisvereine ihre Delegierten entsandt hatten. Aus dem Bericht des Kreisvorstandes ging hervor, daß die jüdische Tumidee im letzten Jahre in Westösterreich einen ganz besonderen Aufschwung genommen hat. Die Zahl der dem westösterreichischen Kreise angehörigen jüdischen Turnvereine beträgt gegenwärtig 23 gegenüber 16 im Vorjahre. Außer diesen bestehen bereits 6 Vereine, in denen der regelmäßige Tumbetrieb begonnen hat und die ihren Eintritt in den Verband und in den Kreis angekündigt haben. In ausführlicher Weise wurde sodann auf das Kongreß- Schauturnen hingewiesen, an welchem gegen 1200 jüdische Turner und Turnerinnen teilnahmen. Das exakte Turnen hat bewiesen, daß jüdische Turner den Turnern keiner anderen Nation nachstehend Dieses Kongreß-Schauturnen war ein Hauptwerk des westösterreichischen Kreises, der auch das Verdienst an dem guten Gelingen für sich in Anspruch nehmen darf. Die wichtigsten der an den beiden Verhandlungstagen gefaßten allgemeinen Beschlüsse, die dem kommenden Verbandsturntage vorgele't werden sollen, sind: 1. Einführung der hebräischen Kommandosprache: 2. die einheitliche Benennung sämtlicher Kreisvereine resp. sämtlicher jüdischen Turnvereine mit dem vollständigen hebräischen Titel und dem Namen „Makkabi“: 3. Schaffung einer einheitlichen Turnkleidung für sämtliche Kreisvereine resp. sämtliche jüdischen Turnvereine. Montag nachmittags fand im Jüdischen Turnverein Fünfhaus eine Vorturnerstunde statt, deren Leitung dem Turnwart des I. Wiener Jüdischen Turnvereins, Horowitz, oblag. Hierbei referierte Ingenieur Philipp Pollak überdas Thema: „Was können wir vom deutschen Turnfest in Leipzig lernen?“ Allgemeines Interesse erregte das Meeting, bei welchem folgende Themata behandelt wurden: „Die Aufgaben der Jüdischen Turnerschaft in Westösterreich“ (Dr. Karl Sonnenfeld); „Turnen und Sport“ (jur. Wilhelm Ullmann); „Die hebräische Kommandosprache'“ (Dr. Gottlieb Stern); „Die uden in der Leichtathletik“ (Erich Friedmann); „Jüdischer "an derb und und Jüdische Turnerschaft“ (med. Isidor Klaber); „Die nationalen und turnerischen Aufgaben des jüdischen Turners“ (med. Ad. Taglicht). Eine Veröffentlichung sämtlicher Referate wird demnächst in unseren „Monatsheften für Turnen und Sport“ erfolgen.

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