Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 4 (23.1.1914)
- Article
- Beschränkungen ohne Ende
- Date
- 1914-01-23
- Page
- 96 (sequence 2)
- Language
- German
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96 Nr. 4 des Finanzministers sowie das Gutachten des Generalgouverneurs von Polen Vorlagen. Alle diese Berichte erklärten sich gegen die Annahme der polnischen Petition. Das Kabinett entschied demgemäß und wies die polnische Petition zurück, indem es gleichzeitig darauf hinwies, daß derartige Bestimmungen nicht nur vom Ministerrat, sondern auch vom Parlament bestätigt werden müssen. werden. Durch diese Entscheidung habe das jungtürkische Kabinett seine freundliche Gesinnung gegenüber den Juden deutlich bewiesen. Kleine Nachrichten lllllllllilllll ii| England Eine Rede des englischen Chief Rabbi Die Protestaktion in England. (Von unserem Londoner Berichterstatter.) Seit der letzten Woche haben sich die Verhältnisse in England bezüglich des Sprachenkonflikts in Palästina grundsätzlich geändert. Wenn man bisher auch in zionistischen Kreisen es für ratsam gehalten hatte, die Entwicklung der Dinge abzuwarten, und doch noch auf einen Ausgleich gehofft hatte, ist nun dieser Standpunkt endgültig aufgegeben worden. Es ist anerkannt worden, daß es sich um eine große, allgemein jüdische Frage handelt, bei der auch die englischen Juden nicht abseits stehen können. Auf einer Sitzung der Exekutive der English Zionist Federation, die am letzten Mittwoch stattfand, wurde beschlossen, die national gesinnten Elemente der englischen Judenheit zur Unterstützung des hebräischen Schulwerks in Palästina aufzufordern. Die ersten Schritte, die daraufhin unternommen wurden, eröffnen die besten Aussichten für die Aktion. Es steht zu erwarten, daß auch sonst abseits stehende Kreise in England bereit sein werden, das hebräische Schulwerk materiell zu unterstützen. Wenn darüber überhaupt noch irgendein Zweifel herrschen sollte, so wird er durch eine aufsehenerregende Rede beseitigt werden, die Dr. Hertz, der Chief Rabbi, soeben in Birmingham gehalten hat. In einem nicht mißzuverstehenden Ton hat der Chief Rabbi sich auf Seite der hebräischen Sache und der jüdischen Kultur gestellt. „Keine Bewegung im Judentum kann auf eine Zukunft ohne Hebräisch rechnen. Während der letzten 2000 Jahre ist die hebräische Sprache niemals so voll Leben gewesen, wie gerade jetzt.“ Nach einer längeren Darlegung der Lebensfähigkeit und Bedeutung der hebräischen Sprache wandte sich der Chief Rabbi gegen den Hilfsverein der deutschen Juden. Er verurteilte die „Dragonermethode“ die der Hilfsverein gegen die hebräische Sprache in seinen palästinensischen Schulen angewandt hatte, und erklärte, daß auch in technischer Hinsicht die hebräische Sprache allen Anforderungen genüge. Die Rede des Chief Rabbi hat eine große Wirkung auf die verschiedensten Kreise ausgeübt. Türkei Mr. Morgenthau beim Chacham Baschi Mr. Morgenthau, der neue Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika, hat am 26. Dezember dem Chacham Baschi der Türkei seinen ersten offiziellen Besuch gemacht, und wurde mit größter Auszeichnung empfangen. Die Unterhaltung zwischen ihm und dem Oberrabbiner bezog sich ausschließlich auf Dinge von jüdischem Interesse. Mr. Morgenthau versprach, seinen Einfluß zugunsten der Juden und jüdischen Institute des Landes geltend zu machen. Er wird demnächst beginnen, die jüdischen Institute persönlich in Augenschein zu nehmen. Ein jüdischer Gouverneur für Palästina? Der Konstantinopeler Korrespondent des „Jewish Chronicle“ teilt mit, daß Talaat Bey, der türkische Minister des Innern, sich auf Ersuchen des Chacham Baschi entschlossen haben soll, einen Juden zum Gouverneur einer palästinensischen Stadt mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung (entweder Haifa oder eine andere Stadt in Galiläa) zu. machen. Der Name des neuen Gouverneurs werde in kurzer Zeit bekannt gegeben Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien, die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag und die Jüdisch-akademische Lese- und Redehalle in Brünn haben sich zur Förderung gemeinsamer Interessen zum „Kartell der Jüdisch-akademischen Lese- und Redehallen Oesterreichs“ vereinigt. Der bekannte Philosoph Henri Bergson ist für das Jahr 1914 zum Präsidenten der Academie franpaise des Sciences morales et politiques ernannt worden. Der serbische Ministerrat hat in einer seiner letzten Sitzungen die Errichtung von drei neuen Synagogen in Monastir, Uesküb und Istip beschlossen. Die serbische Regierung will sich auf diese Weise den Juden ihres Landes dankbar erweisen, die sich während der beiden letzten Kriege durch Tapferkeit und Patriotismus ausgezeichnet haben. Mit dem Bau dieser Synagogen, dessen Kosten die Regierung selbst trägt, soll im nächsten Sommer begonnen werden. Im Alter von S2 Jahren ist vor wenigen Tagen ein hervorragender Vertreter der jüdischen Gemeinde zu Janina, Monsieur D. Lev y , gestorben. Monsieur Levy wurde im Jahre 1875 als Deputierter in die Erste türkische Kammer gewählt; lange Jahre hindurch war er Präsident der Handelskammer von janina. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer sehr würdigen Feier, an der eine Kompagnie Infanterie mit dem General D a n g 1 i s , hohe Vertreter der Zivil- und Militärbehörden und die gesamte jüdische Gemeinde teilnahmen. König Carol von Rumänien hat dem Führer einer jüdischer Deputation mitgeteilt, daß auch er die gegenwärtige Lage der Juden in Rumänien Als unhaltbar anerkenne. In Anbetracht der Tatsache, daß so viele jüdischen Soldaten an dem Ietzt.n Krieg teilgenommen haben, sei er entschlossen, die zurzeit geltenden Bestimmungen günstiger zu gestalten. Als konstitutioneller Monarch müsse er sich jedoch vorerst mit den anderen gesetzgebenden Faktoren verständigen. Er rate den Juden, ihre Wünsche einstweilen noch zurückzustellen. . . . Der Jerusalemer Gouverneur hat der Direktion des Jaffaer hebräischen Gymnasiums mitgeteilt, daß das Ministerium ihn von der Immatrikulation der Absolventen dieser Schule an der Konstantinopeler Universität offiziell in Kenntnis gesetzt In Jaffa geht man daran, für verschiedene kulturelle Institutionen (Eeth-Am, Bibliothek usw.) ein eigenes Heim zu bauen. Dieser Tage fand die Generalversammlung von Tel- A v i w statt. Wir werden darüber noch einen ausführlichen Bericht bringen. Die Wilna er Behörden haben an einem Abend der Esperantoanhänger die Verlesung von Gedichten in der Esperantosprache verboten. Motiv: der Schöpfer des Esperanto sei ein Jude. In der großen Synagoge in Kremenczug ^Rußland) brach vorige Woche Feuer aus. Siebenundzwanzig Thorarollen und der sehr wertvolle Thoraschrein wurden ein Raub der Flammen. | Jakob Konstant!nowsky | Nach Schluß des Blattes erhalten wir die Trauerkunde, daß in Odessa Herr Jakob Konstantinowsky, einer unser treuesten, tätigsten und opferwilligsten Gesinnungsgenossen, verschieden ist. Herr Konstantinowsky war einer der ersten in Rußland, die dem Rufe Theodor Herzls Folge leisteten und sich begeistert der von unserem verewigten Führer geschaffenen neuen zionistischen Organisation anschlossen. Der Verstorbene war jahrelang der Vertreter der „Welt" in Rußland, und wir verlieren in ihm einen warmherzigen und treuen Freund unseres Blattes. Ehre seinem Andenken! Vom Jüdischen Verlag Der Jüdische Verlag hat eine Reihe interessanter Bücher zu reduzierten Preisen abzugeben. Näheres darüber ist aus dem Anzeigenteil der dieswöchigen Nummer zu ersehen. 8644538215