Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 4 (23.1.1914)
- Article
- England und der Zionismus in Palästina
- Date
- 1914-01-23
- Page
- 92 (sequence 2)
- Language
- German
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92 Nr. 4 DIE^KELT Sonst führt Lorch noch als Belege für die englisch-zionistischen Beziehungen an, daH der Aufschwung des englischen Handels in Palästina ein Werk der Juden des Heiligen Landes sei. „Wie jeder Kenner des Landes weiß.“ Er zitiert hier aus einem Berichte unserer Banken den Satz: „Ein wichtiger Zweig des Geschäftes ist auch der Export von Manchester nach dem Orient.“ Dabei übersieht er aber, daß der Export von Manchesterwaren eine sehr allgemeine Angelegenheit ist. England hat hier noch fast keine Konkurrenz. Auf dem Wege solcher Argumentierung müßte Lorch zu der Lieberzeugung gelangen, daß fast die ganze Welt sich den Engländern verschrieben habe. Was übrigens „jeder Kenner des Landes weiß“, das steht auf einem ganz anderen Blatt als auf den Blättern des Lorchschen Buches: Der deutsche Konsularbericht führt z. B. das Wachstum des deutschen Handels in Palästina auf die jüdische Einwanderung und Kolonisation zurück, was mit der Deutschsprachigkeit der Juden zusammenhängt, und der englische Konsul beklagt die Schwierigkeiten, denen der englische Handel begegnet, auf Grund derselben Tatsachen! Auf ähnlicher Höhe steht ein zweites Argument des Verfassers. Er hält es nämlich für den Ausfluß zionistisch-englischer Sympathie (und fast für eine antideutsche Verschwörung), daß „die jüdische Orangenausfuhr aus Palästina sich fast ausschließlich nach englischen Häfen richtet“. — Ich fürchte, Lorch würde am Deutschtum der Deutschesten verzweifeln müssen, wenn er nachforscht, wohin die Orangenausfuhr der deutschen Kolonie Sarona geht. Oder von was für undeutschen Ländern Germanien seine Einfuhr herholt oder gar in was für Gebiete die deutsche Industrie ihren Export lenkt. Zudem kann ich Herrn Lorch das Ehrenwort sämtlicher jüdischer Orangenpflanzer Palästinas geben, daß sie ihre schönen Früchte gerade so gern nach Deutschland liefern würden wie nach England. (Bei gleichen Preisen natürlich, — bei besseren aber noch viel lieber!) Aber von diesen Einzelheiten abgesehen, singt Lorch wirklich das Hohe Lied vom Zionismus. Nicht nur werden Schilderungen aus zionistischer Quelle uneingeschränkt übernommen und verarbeitet: in vielen geht der antizionistische Autor weit über das zionistisch Liebliche hinaus. So wenn er in vollem Optimismus ausruft: „Die Eroberung des Landes durch Geld genügt nicht allein. Erst den wirklichen Bauern herbei! Das andere wird sich dann schon finden.“ Oder wenn er den B e z a 1 e 1 rühmt, das Werk des Professors Schatz, „eines ausgezeichneten Künstlers mit großem Können und starkem Willen.“ Bei einer näheren Schilderung des Unternehmens findet sich hier die Anmerkung: „Die Abteilung für Steinhauerei scheint eingegangen zu sein. Warum?“ Dieses erschütterte Warum — bei einem unserer Gegner -- ist klassisch. Ich möchte fragen, wie vielen Zionisten das Eingehen der Abteilung halb so nahe gegangen ist. Auch von der Bedeutung und Geltung des Zionismus in Palästina hat Lorch keine zu geringe Meinung. „Nimmt es Wunder,“ sagt er, „wenn die von Dt. Herzl in Mozah gepflanzte Palme *) von den Kolonisten wie ein Heiligtum gepflegt wird? Die Kolonisten müssen, im Gegensatz zu den Städtern, mehr oder minder Zionisten sein, haben Sie doch dem Zionismus die Heimat und das Brot zu verdanken.“ Interessant ist bei dem gegenwärtigen Durcheinander Lorchs Beurteilung der verschiedenen jüdischen Palästina-Bestrebungen in ihrer Stellung zum Deutschtum. Bekanntlich empfahl vor kurzem ein deutscher Konsularbericht aus Jaffa der deutschen Industrie die Verwendung der hebräischen Sprache zu Reklameplakaten und dergleichen. Andererseits ist eben ein Streit darüber entbrannt, daß von deutschjüdischer Seite beabsichtigt wird, im jüdischen Schulwerk des Landes, der deutschen Sprache mehr Gewicht beizulegen als der Bevölkerung billig erscheint. Nun finden sich bei Lorch über den Hilfsverein der Deutschen Juden, über das Technikum in Haifa und sogar über den Verein Esra bezüglich ihres Verhältnisses zum Deutschtum folgende Stellen: „Der Hilfsverein deutscher Juden ist eine Hilfstruppe des nationalen Zionismus, das Deutschtum hat von ihm nichts zu erwarten. Im Gegenteil: Durch seine Unterstützung des Nationaljudentums in Palästina trägt er ein gut Teil zur Gefährdung des Deutschtums im Heiligen Lande bei.“ *) In Wirklichkeit ist’s eine Zypresse. Dann zitiert er aus der Zeitschrift „Palästina“ (von 1908): „Die Befürchtungen eines überwiegend deutschen Einflusses, die der Wali auch vom Technikum zu hegen scheint, wird Herr Dr. Nathan sicher durch Hinweise auf die Zweckbestimmung der Schule entkräften können.“ (!) Dann heißt es vom Verein Esra: „Auch der Esra-Verein bedeutet keine Stärkung des Deutschtums in Palästina, da er sich bei seinen Unternehmungen stets zionistischer Einrichtungen bedient und ausschließlich in jüdisch-nationalem Geiste tätig ist.“ . . . Man sieht, so einfach ist die Sache nicht. Das Judenproblem ist eben kompliziert genug, um den Außenstehenden (und auch die Juden stehen in dieser Hinsicht fast ausnahmslos „außen“) rätselhaft zu bleiben. In Verbindung mit dem ebenfalls recht komplizierten Palästina-Problem wird die Sache fast ganz unentwirrbar; — besonders für den, der mit irgend welcher Voreingenommenheit an die Dinge herantritt. Immerhin zeigt Lorchs mühevolle Arbeit, wie unmöglich es ist, seine eigene These von der Deutschfeindlichkeit und Engländerei der Zionisten zu belegen, wobei es mir wertvoll erscheint, daß der Autor durch dieses eben erschienene Buch sich in Erinnerung bringt als einen, der seit Jahren bemüht ist, Gegensätze zwischen Deutschen und Juden im Heiligen Lande nachzuweisen oder zu konstruieren. Mir scheint, das Beste, was über die wirklichen Beziehungen zwischen Deutschen und Juden hinsichtlich der Palästinainteressen gesagt werden kann, hat der deutsche Konsul in Jaffa kurz vor Ausbruch des gegenwärtigen Streites in dem bereits zitierten Bericht (im Oktoberheft des deutschen Handelsarchivs) niedergelegt. Er stellt sich durchaus auf den Boden der Tatsachen, wenn er dort sagt: „Sind die Zionisten auch in erster Linie nationalgesinnte Juden, so haben doch viele von ihnen rege Beziehungen zu Deutschland. Die Zahl der aus Deutschland eingewanderten Juden ist zwar nicht erheblich, aber unter den vielen aus Rußland, Oesterreich Ungarn und Rumänien gekommenen Juden befindet sich mancher, der von früher her Geschäftsverbindungen mit deutschen Häusern hat und diese in Palästina weiterpflegt.“ In der Tat ist der Zionismus auf Grund der „Deutschsprachigkeit“ der Majorität des Einwandererelements unmöglich als ein Faktor anzusprechen, von dem eine Schwächung irgend welcher deutscher Interessen in Palästina zu erwarten wäre. Sache der wirklich für die deutschen Positionen besorgten verantwortlichen Faktoren wird es sein, Mißhelligkeiten zwischen den deutschen und jüdischen Elementen und Bestrebungen nicht aufkommen zu lassen, auch wenn solche Differenzen durch ein übertrieben deutsches Vorgehen von jüdischer Seite hervorgerufen sein sollten. Für Palästina-Reisende Im Hinblick auf die bevorstehende Reisesaison sendet uns die Anglo-Palestine Company ein Verzeichnis aller derjenigen deutschen Banken, die Kreditbriefe auf die A. P. C. und alle ihre Filialen ausstellen. Wir veröffentlichen aus dieser Liste die Namen der für unsere Gesinnungsgenossen in Betracht kommenden wichtigsten Bankinstitute. iN — für Rechnung der Nationalbank für Deutschland, Berlin; H — für Rechnung der Bank für Handel und Industrie, Berlin.) Berlin: Nationalbank für Deutschland; Bank für Handel und Industrie; Deutsche Orientbank A.-G.; A. H. Heymann & Co. — Aachen: Rheinisch-Westfälische Diskontogesellschaft A.-G. H. — Barmen: Hermann Ganz N; Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fischer & Co. H. — Beuthen: Heintze 8- Co. H. — Bochum: Stern 8- Archenhold N; Hermann Schüler H. — Bonn: Louis David N; Barmer Bankverein Hinsberg, Fischer & Co. H. — Bremen: Deutsche Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien N H; Bernh. Loose 8: Co. N. — Breslau: Eichhorn 6- Co. N; Breslauer Diskonto-Bank H. — Cassel: Damms & Streit N; Fiorino & Sichel H. — Chemnitz: Mitteldeutsche Privat-Bank A.-G. N; Chemnitzer Bank-Verein N; F. Metzner H. — Cöln: A. Levy N. — Crefeld: J. Frank 6- Co. N. — Danzig: Danziger Privat-Aktien-Bank N; Ostbank für Handel und Gewerbe H. — Darmstadt: Darmstädter Volksbank e. G. m. b. H. N; Bank für Handel und Industrie H. — Dessau: Magdeburger Bank-Verein H. — Dortmund: Gebrüder Stern N; Rheinisch-Westfälische Diskonto-Gesellschaft N; Deutsche Nationalbank Kommanditgesellschaft aut Aktien H.