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Die Welt · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · p. 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Article
Hotelwesen in Palästina
Date
1914-01-23
Page
89 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 4 89 Gewinnaussichten, weil sich Tel-Awiw in nächster Zeit bis zum Meeresstrand erstrecken wird und das Hotel also nicht nur von der Touristensaison im Frühjahr, sondern auch von der Badesaison im Sommer profitieren könnte. Nähere Auskünfte können vom Palästina-Industrie-Syndikat, Berlin W15, Bleibtreustraße 34/35, oder von Herrn Dr. Arthur Ruppin in Jaffa eingeholt werden. Die Gesundheitsverhältnisse Jerusalems Am 14. Februar findet im Herrenhause in Berlin die Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem statt, in deren öffentlicher Sitzung die ersten Autoritäten über die sanitären Verhältnisse in Palästina Bericht erstatten werden. Die Gesellschaft, deren Vorsitz die Herren Ministerialdirektor Kirchner, Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach, Gesandter Graf Lerchenfeld und Generaldirektor B a 11 i n übernommen haben, hat sich die Verbesserung der Jerusalemer Gesundheitsverhältnisse zur Aufgabe gemacht. Auf Grund einer besonderen Vereinbarung ist bekanntlich eine Arbeitsgemeinschaft mit der Stiftung unseres ausgezeichneten Gesinnungsgenossen Nathan Straus und der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler zustande gekommen. Die drei Gesellschaften haben ein „Internationales Gesundheitsamt in Jerusale m" ins Leben gerufen, das gegenwärtig Abteilungen für Malariaforschung, Bakteriologie und Tollwutbehandlung besitzt und demnächst durch eine Abteilung für Tuberkulose erweitert werden soll. Für die Jahresversammlung der deutschen Gesellschaft gibt sich lebhaftes Interesse kund. Zulassungskarten sind durch den Schatzmeister Dr. James Simon, Berlin W, Tiergartenstraße 15a, und den Schriftführer Geheimrat Prof. Dr. Pannwitz, Berlin, Schöneberger Ufer 13, erhältlich. GEGENWARTSAUFGABEN DER JÜDISCHEN FRAU Vortrag, gehalten in Wien anläßlich des XI. Kongresses, von Johanna Simon-Friedberg (Heidelberg) Größtes Glück der Menschenkinder ist doch die Persönlichkeit! Das sagt Wolfgang Goethe, Deutschlands größter Dichter. Wir Frauen empfinden die Tiefe dieses Wortes durch unsere spezifische, weibliche Veranlagung. Wir werden leichter durch eine starke Persönlichkeit für eine Idee gewonnen, als durch die abstrakte Idee selbst. Dieser spezifischen Frauenart braudien wir uns aber nicht zu schämen; denn wir sehen in der Geschichte der Menschheitsbewegungen immer wieder: Größtes Glück der Menschenkinder ist doch die Persönlichkeit! Auch in der Geschichte des Zionismus sehen wir, wie die Idee erst dann begeisternde Zugkraft erhielt, als sie eine starke Persönlichkeit, Theodor Herzl, in sein Leben übersetzte, sein Leben in die Idee gab, sich selbst mit der Bewegung identifizierte. Größtes Glück der Menschenkinder! Dies Empfinden durchschauerte uns auch Dienstagabend, da wir das grandiose Schauspiel, die Eröffnungstagung unseres Parlaments, miterlebten, da wir die ungeheure Menschenmenge sahen, die arbeitsfreudig, bekenntnisstolz, opferwillig zusammenströmte. Ja, in diesem Augenblick vermißten wir nicht den überragenden einzelnen, der, wie einst Herzl, wundervoll vor uns stehen sollte, als herrlicher Repräsentant der Idee — wir Frauen sahen im Moment der Hingerissenheit die ganz von einheitlichem Willen getragene Masse zu einer mystischen Persönlichkeit gewandelt, die Fülle von Einzelindividuen und Einzelwillen zu einer Einheit gebannt: und das packte uns. Gewiß ist es auch die Schönheit, die in der stolzen, feierlichen Linie der Bewegung liegt, die uns Frauen fesselt. Theodor Herzl sagte einmal, es gäbe nur einen Weg, das Herz der Frauen der zionistischen Idee zu öffnen, den Weg der Poesie, der Kunst, mit einem Wort der Schönheit. Goethe betont das Verständnis der Frauen für ästhetische Dinge ja auch mit den bekannten Worten: „. . . denn das Naturell der Frauen ist so nahe mit Kunst verwandt." Gewiß, wir Frauen fühlen im tiefsten Innern die innige Verwandtschaft mit der Schönheit, eine heilige Gemeinschaft, die uns adelt, die uns nicht befreit vom Alltag, sondern fähig macht, in den Alltag hinein ein Stückchen Schönheit zu tragen, und trotz seelischer und sozialer Revolutionen des Frauenlebens mit Schönheit suchenden und erkennenden Augen alle menschlichen Dinge zu betrachten. Dies aber ist die seelische Disposition aller Frauen. Ich glaube nicht, daß die Poesie des jüdischen Nationalgedankens genügt, um jüdische Frauen zu Zionisten zu machen. Im allgemeinen haben Frauen mit oder ohne Poesie keine große Fähigkeit, sich für politische Dinge zu interessieren, aber zur Zeit der Not eines Volkes werden die Frauen immer Helden, gleich den Männern. Wir Frauen sind ja meist Individualisten. Wie wir heute das Recht der Individualität erkämpfen und verteidigen, wird uns auch sofort ein Volk als Individuum verständlich, sobald es um sein individuelles Recht als Volk kämpft. Herzl sagt in einer seiner Kongreßreden: „Aufschwingen wollen wir uns zu einer höheren Stufe der Gesittung, Wohlfahrt verbreiten, dem Verkehr der Völker neue Straßen bauen und für die soziale Gerechtigkeit einen Durchbruch suchen." Wenn er dann fragt: „Was sind die Frauen dem Zionismus", und antwortet: „nichts", und was könnten sie sein: „vielleicht alles", so wollen wir uns dies „Vielleicht alles" als Ansporn im Herzen weiter klingen lassen und versuchen, es in die Tat umzusetzen. Aber dazu genügt nicht eine poetische Versunkenheit in die Schönheit des Gedankens; ist er einmal erkannt, so muß man wirken und schaffen, nicht schön schwärmen oder schön reden. Wie können wir das? Mein Referat ist betitelt: Gegenwartsaufgaben der jüdischen Frau. Ich habe also von Arbeiten zu sprechen, die nicht nur die Zionistin angehen, sondern jede jüdische Frau und zu der die Zionistin, die ich quasi als potenzierte Jüdin betrachte, jede jüdische Frau gewinnen sollte. Denn wir Frauen sollten niemals den Blick für das Ganze verlieren. Für die „Nur-Zionistin", die von der Mitarbeit an allgemeinem jüdischen Wirken nur ungern hört, sei kurz folgendes gesagt: Der Zionismus ist eine Bewegung, die klugerweise den Frauen gleiche Rechte wie den Männern gegeben hat, und die deshalb von den Frauen verlangen darf, daß wir diese Rechte nutzen, sie in die Tat umzusetzen, um Seite an Seite mit dem Manne zu kämpfen und zu arbeiten. Schleiermachers Wort: „Laß dich gelüsten nach der Männer Weisheit, Ehr und Ruhm" kann ich hier ohne Gefahr zitieren. Denn die Männer würden Frauen gerne in ihren Arbeitsreihen sehen. Ein bekannter Zionist erklärte mir, daß die zionistischen Frauen für politische Tätigkeit wohl noch kein genügend entwickeltes Organ hätten, sonst müßten Frauen, wenn nicht im Actions-Comite, so doch zum mindesten im Zentral-Komitee zu finden sein. Frauen sind aber in keiner leitenden zionistischen Körperschaft vertreten — also fehlt es offenbar an den Leistungen, und ich möchte den Ehrgeiz der Zionistinnen wecken, solche organisatorische oder agitatorische oder journalistische Leistungen zustande zu bringen, daß wir bald auch Frauen in den Reihen der Parteiausschüsse wirken sehen. Niemand würde sich darüber mehr freuen wie wir zionistische Frauen, die stolz auf eine solche Vertreterin sein würden. Dann dürften wir sagen: unsere Rechte stehen nicht nur auf

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