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Die Welt · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · p. 77

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Article
Die Aktion
Date
1914-01-23
Page
77 (sequence 1)
Language
German
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DIEfflELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT IEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG BERLIN, 23. Januar 1914 umVaV rr'onn 'x mts r/'a ,^22 XVIII. JAHRG. DIE AKTION Der Ausgang des Kampfes gegen den Hilfsverein der Deutschen Juden wird über unsere nächste Zukunft entscheiden. Unterliegen wir, so vernichtet diese Niederlage das Ansehen der zionistischen Bewegung und alle jüdisch-nationale Entwicklung wird auf Jahre hinaus zerstört sein. Der Beginn des Kampfes gibt uns Hoffnungen für den Sieg. Wir wissen es heute: Erez Israel steht geschlossen hinter uns. Das nationale Judentum Palästinas ist mit der zionistischen Bewegung des Galuth zu einer zionistischen Einheit zusammengewachsen. Jetzt halten wir unsere Heerschau. In diesem Augenblick können wir zum ersten Male übersehen, wer wirklich zu uns gehört, und wer nur durch Zufall und Gelegenheit Beziehungen zu uns gefunden hat. Auch im Zionismus gab es Zeiten, in denen Müdigkeit uns überfiel. Wir fürchteten manchmal die Stagnation. In solchen Zeiten hoben sich nur die aktiven Naturen aus der großen Schar heraus, und die anderen entschuldigten sich mit ihrer Passivität. So geht es immer in Zeiten friedlicher Entwicklung. Da haben Menschen das Recht, nach ihren Stimmungen und Anlagen zu fragen. Da gibt es Entschuldigungen vielfacher Art für Faulheit und Feigheit. Heute stoßen wir in die Posaune und sprechen zum jüdischen Volk. Sammeln und sichten zugleich wollen wir. Auch wir wagen es nach altjüdischer Sitte unseren Scharen zuzurufen: Wer feige und mutlos ist, der kehre nach Hause zurück, und ohne Erregung und Bangigkeit werden wir die Unzuverlässigen aus den Reihen der Kämpfer scheiden sehen. Von denen, die bleiben, aber erwarten wir das Höchste. Es ist der Teil, der einmal alles sein wird! Diese lebendige Masse hoffnungsfreudiger, siegesgewisser nationaler Juden muß heute erkennen, daß wir in Reihe und Glied geschlossen vorwärts schreiten müssen. Im Kriege kann es keine passiven Naturen geben. Da ist man nur stark durch den gleichen Schritt aller aktiven Kämpfer. Von selbst steigern sich dann die Kräfte jedes einzelnen in ungeahntem Maße. Wer nie geredet hat, muß heute zu einem Agitator werden. Wer bisher die Oeffentlichkeit scheu gemieden hat, muß in diesem Augenblick hinaustreten und in stolzer Selbstsicherheit und Unbefangenheit die innerste Sehnsucht seiner Seele den anderen offenbaren, um sie mitzureißen — hinein in den Strom der neuen jüdischen Entwicklung. Die zionistische Begeisterung hat uns schon einmal die großen Mittel für ein Werk gegeben. Vor 15 Jahren, als Herzl zu den Sammlungen für die Jüdische Kolonialbank aufforderte, erhielten wir fünf Millionen, und damals war die Organisation unentwickelt, war der Zionismus noch in seinen Anfängen. Heute geht der Ruf an die große, wohl ausgebaute Zionistische Organi- Für die Durchführung unseres Schulwerkes werden wir eine halbe Million Mark brauchen. Unser Sieg ist davon abhängig, ob wir diese Summe schaffen können. An jeden einzelnen wenden wir uns. Von jedem verlangen wir leidenschaftliche Aktivität. Jedem wollen wir sagen, wie er die Arbeit zu leisten hat. Bessere Erfolge als in großen Versammlungen wird der erzielen, der es versteht, immer wieder in neue kleine gesellschaftlich geschlossene Kreise zu gehen und zu wenigen mit eindringlicher Deutlichkeit zu reden. Er muß den Versuch machen, die hervorragenden Juden seines Ortes zu bitten, ihm die Möglichkeit zu geben, zu dreien oder vieren von der Heiligkeit des nationalen Kampfes um die hebräische Sprache in Palästina sprechen zu können. Wenn er es ernst meint, wird er die anderen überzeugen können. Unsere Informationen, die wir an jedermann versenden, geben jedem genügend tatsächliches Material. Niemandem darf es zuviel sein, Besuche bei einzelnen Personen zu machen und Stunden und Tage daran zu setzen, einem einzelnen wertvollen Menschen vom Sinn unseres Judentums zu erzählen, um so die eigene Begeisterung auf den anderen zu übertragen. Es kommt darauf an, was in diesen Wochen und Monaten geschieht. Wir übertreiben nicht in großen Worten. Die Dinge, die heute geschehen, sind mächtiger, als daß wir Worte von gleicher Wucht zu finden vermöchten. Einen Augenblick zukunftsschwerer Entscheidung durchleben wir, und wir erwarten, daß heute jeder einzige seine Pflicht tun wird. Dann werden wir siegen, auch wenn der Hilfsverein der Deutschen Juden mit allen feindlichen Mächten im Bunde stünde, denn nicht die Gewalt der Arme ist es, welche Siege erkämpft, sondern die Kraft des Gemütes, und diese Begeisterung siegt immer und notwendig über den, der nicht begeistert ist.

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