Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 3 (16.1.1914)
- Article
- Die XI. Landeskonferenz der Zionisten Galiziens
- Date
- 1914-01-16
- Page
- 71 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 3 71 PIEl|gELT' - ■ Überweisen Sie Auf dem Gebiete der Palästina-Arbeit ist der galizische Zionismus nicht mehr passiv. Er liefert Geld und tüchtige Menschen für Palästina. Für die „Gymnasiah Ibrith" in Jeruschalaim wurden 100 000 Frcs. als Baufonds gesammelt. Es wurde ein Dr. Heinrich G a b e 1 - S t i p e nd i u in von 110 Kronen jährlich für einen Bezalel-Scbüler geschaffen. Die Nationalfondsspenden betragen in Galizien im Jahre 1912 46 471 Kronen, im Krisenjahre 1913 bei 36 000 Kr. Kulturarbeit haben besondere Organisationen, der Verein der hebräischen Schulen Galiziens und der Bukowina, der Verband der hebräischen Lehrer Österreichs, das hebräische Lehrerseminar in Lemberg, der Verband der jüdischen Toynbeehallen Galiziens geleistet. In der Generaldebatte sprachen: I>r. Rappaport- Lemberg, Dr. Bikeles-Lemberg, Kreitzer-Zölkiew, Roller-Kopyczynce, Neiger-Tarnow, Friedmann-Neu-Sandez, Dr. Feldblum- Krakau, Frostig-Lemberg, Tropp-Stanislau, Wang-Rzeszow, Dr. Geyer-Lemberg, Haußmann-Lemberg, Dr. Stand-Lemberg. Auf Antrag Dr. Feldblum-Krakau wird dem abtretenden Z. K. das Absolutorium erteilt, auf Antrag Dr. Landesberg-Zloczow der Redaktion des Tagblatts die Anerkennung ausgesprochen. Während der Sonntag-Nachmittag-Sitzung referiert Dr. Gerschon Zipper eingehend über die Palästina - und Kulturarbeit. Er beweist die Notwendigkeit einer besonderen Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Galizien, legt einen genauen Plan zur Schaffung einer galizischen Achusa dar, die das Entstehen einer galizischen Ackerbaukolonie zur Folge hätte, wünscht die Begründung einer galizischen Immobiliengesellschaft, die die städtische Kolonisation in Palästina zur Aufgabe hätte. Auf dem Gebiete der jüdischen Erziehung hat der hebräische Schulverein hebräische Schulen ins Leben gerufen. Die Landes- und Staatsschule ist fremdnational, hat nichts Jüdisches. Die hebräische Schule will dem jüdischen Kinde wenigstens die hebräische Sprache und die jüdische Geschichte näherbringen. Dies ist jedoch noch weit davon, unter Galuthbedingungen Volljuden zu erziehen. Dafür muß vor allem die Zeit in Anspruch genommen werden, bevor sich die fremde Schule des Kindes bemächtigt. Ing. J. M. Ussischkin, der auf der Reise nach Berlin zur Sitzung der Universitätskommission war, wurde eingeladen, einige Stunden in der Mitte der galizischen Zionisten zu verweilen. Delegierte und Gäste erheben sich, als er erscheint und bereiten dem Führer der russischen Zionisten eine große Ovation. Nachdem Präsident Stand Herrn Ussischkin begrüßt hat, ergreift dieser das Wort und spricht über die Bedeutung des Schulwesens für die nationale Erlösung. Nach ihm sprach Dr. Schreiber-Lemberg und Dr. Stein-Wien. Montag vormittags legte Nathan Groß-Köln, Generalsekretär des Direktoriums des jüdischen Nationalfonds, in ausführlicher Rede die Entwicklung des J. N.-F. und seine jetzigen Aufgaben dar und schildert genau die gegenwärtigen Arbeiten des J. N.-F. in Palästina. Die Palästina- und Kulturdebatte wurde Montag nachmittag mit der einstimmigen Annahme folgender Anträge geschlossen: Antrag des Referenten Dr. Zipper: Die Konferenz beschließt die Errichtung hebräisch-polnischer Kindergärten in ganz Galizien. Diese sollen die Grundlage zur Schaffung hebräisch-polnischer Volksschulen bilden. Das Z. K. hat die Pflicht, hierfür einen Schulfonds zu sammeln, überall Kindergärten zu gründen und eine besondere Kommission für Kindergärten einzusetzen. Antrag des Permanenzausschusses, eingebracht durch Dr. Feldmann (Tamopol): Die Landeskonferenz fordert die Errichtung einer Sammelstelle des J. N.-F. für Galizien in Lemberg. Die Leitung soll einer von der Konferenz gewählten galizischen j. N.-F.-Konunission anvertraut werden, die aus einem Präsidenten, dessen Stellvertreter und fünf Mitgliedern zu bestehen hat. Gegen das Vorgehen des H i I f s verein es in der Sprachenfrage erhebt die Konferenz Protest und drückt ihre Solidarität mit dem A. C. und dem Schulkampfe in Palästina aus. In der Nachmittagssitzung vom Montag erstattet Moses Frostig das Referat über die p o I i t i s c b - wirtschaftliche Arbeit im Lande. Es gilt, mit Hilfe der Politik die Juden wirtschaftlich zu schützen und die kulturelle Tätigkeit zu ermöglichen. Organisation des jüdischen Mittelstandes, der Kaufleute, Handwerker, des Kreditwesens, sind die wichtigen Arbeiten, Die politische Betätigung kann ihrem Wesen nach nur Abwehrpolitik einer Minorität sein. Sie ist aber eine Notwendigkeit und Pflicht der zionistischen Organisation. Eine kurze Debatte fand in der Annahme zweier Resolutionen im Sinne des Referates ihren Abschluß. Der Permanenzausschuß stellte durch Dr. L a n d e s b e r g (Zlatow) noch folgende Anträge: Die Distriktskomitees werden abgeschafft. Die Landesparteiden Abonnementsbetrag sofort (aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn) kostenlos mittels Postscheck, aus allen übrigen Ländern per Postanweisung, Schecks auf europäische Banken oder in Briefmarken. Bestellen Sie die Einbanddecke für 1913 sofort, da nur eine beschränkte Anzahl angefertigt werden. — Preis einer Einbanddecke inkl. Porto M. 2.50. Verlag „Die Welt“ 8£2J£2£25. Steuer, die jeder Zionist zu zahlen verpflichtet ist, beträgt mindestens 1,20 Kr. jährlich. Gruppen von. 50 Parteisteuerzahiern wählen einen Delegierten. Diese Vorschläge wurden nach längerer Diskussion zum Beschluß erhoben. ln der Schlußsitzung wurden die Neuwahlen vorgenommen. Es wurden gewählt: Ins Zentralkomitee der Zionisten Galiziens: Adolf Stand, Präsident, Heinrich Bard, Moses Frostig, Dr. Meier Geyer, Dr. Josef Loewenherz, Dr. Leon Reich als Referent für Palästinaarbeit, Dr. Michael Ringel, Löbel Taubes, Dr. Efraim Fischei W a s c h i t z , Dr. Gerschon Zipper. Kraft ihres Amtes gehören dem Z.-K. Jakobsohn Philipp als Vizepräsident der galizischen J. N.-F.-Kommission, Dr. David Schreiber als Präsident des hebr. Schulvereines an. In die galizische J.-N.-F.-Kommission: Dr Zipper, Präsident, Philipp, Stellvertreter, B o d e k, Buchstab, Melzer, Dr. Rosmarin, Schönfeld. In das Zentralkomitee der Gesamtorganisation: Dr. Alexander Hausmann (Lemberg), Dr. Michael Ringel (Lemberg), Dr. Osias Thon Krakau), Hermann Tropp (Stanislaii), Dr. Israel W a 1 d m a n n (Tar- In den Parteirat 29 Mitglieder. In den Legitimationsausschuß: Dukor (Lemberg), Fett (Lemberg), Dr. Leser (Krakau), Tropp (Stanislau). Ins Parteigericht: Dr. Jakob D o g i 1 e w s k i, Dr. Abraham K o r k i s, Dr. Heinrich Loewenherz, alle in Lemberg. Mit den Schlußreden von Dr. Zipper, Dr. Waldm a n n, Roller, Dr. Reich und des Präsidenten Stand war die Konferenz zu Ende. Das neugewählte Zentralkomitee hielt am S. d. M. seine erste Sitzung ab; die Konstituierung hatte folgende Einteilung der Referate zum Ergebnis: Adolf Stand, Präsident, Politik; Dr. Leon Reich, I. Vizepräsident, Palästina-Arbeit; Dr. Michael Ringel. II. Vizepräsident, Wirtschaftliche Tätigkeit, Presse; Heinrich Bard, Schatzmeister; Dr. Meier Geyer, Schriftführer für die Z.-K.-Sitzungen; Dr. Josef Loewenherz Organisation; Dr. Efraim Fischei Waschitz, Kindergärten, Jugenderziehung, Turnbewegung. Zentralkomitee des „Hechawer“ Am 2S. und 2". Dezember v. [. fand in München eine Plenarsitzung des Zentralkomitees der zionistischen Studenleiiorganisation ,.Hechawer‘‘ statt. Anwesend waren sämtliche Mitglieder des Z.-K. (5 aus München und 2 aus Berlin). Es wurde der Bericht über die Tätigkeit der Organisation seit der Wiener Konferenz verlesen. Aus dem Berichte geht hervor, daß die Organisation, die gegenwärtig aus 24 Vereinen und 10 kleineren Gruppen besteht, einen dauernden Aufschwung aufzuweisen hat. Ein nicht geringerer Erfolg ist auch in der Verbreitung des „Jewrejskij Student“ zu verzeichnen, der sich die Sympathien weiter Kreise der jüdischen akademischen Jugend erobert hat. Nachdem eine Reihe lautender Fragen behandelt und der Plan für die zukünftige Arbeit festgesetzt worden war, faßte das Z.-K. u. a. folgende Beschlüsse: Das Z.-K. beschließt, unverzüglich an die Gründung eines besonderen „Organisationsfond s“ zu schreiten, der für die Propagandaarbeit unter der jüdischen akademischen Jugend verwendet werden soll. Sämtliche Summen, die von den Vereinen des ,,Hechawer‘* zugunsten zionistischer Institutionen gesammelt werden, sollen