Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. 69

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Article
[Kommentar]
Date
1914-01-16
Page
69 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316625-3316628-3351282--58701-3351355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

69 DIE^TELT |Nr. 3 *- Ihaben, die infolge des überraschenden und unmotivierten Beschlusses der führenden Männer des Hilfsvereins der deutschen juden entstanden ist, der in allen seinen Schulen in Palästina das Hebräische als Unterrichtssprache gepflegt hatte und erst vor kurzem seinen Kurs zu ändern begann. Die Bewegung unter den Juden Palästinas, durchaus nicht nur unter den Zionisten, ist ganz spontan entstanden aus der Erregung über die Beschlüsse des Kuratoriums, in denen man den Versuch zur Verdrängung der hebräischen Sprache sah. Unwahr ist ferner die als Tatsache hingestellte Behauptung, „daß sich im zionistischen Lager slawische Einsprüche [(Einflüsse?) geltend machen“. Wahr ist vielmehr, daß die Zionisten in ihrer ganzen Tätigkeit bloß von rein jüdischen [Rücksichten geleitet sind, und auch den Kampf mit dem Hilfs- Iverein als eine rein innerjüdische Angelegenheit ansahen. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß das Bestreben der Zionisten, die hebräische Sprache in Palästina in ihrer Entwicklung nicht zurückdrängen zu lassen, „bei den christlichen und mohammedanischen Eingeborenen eine Abneigung erzeuge“. Wahr ist vielmehr, daß die große Mehrheit der einheimischen Bevölkerung es durchaus versteht und billigt, daß in den jüdischen Anstalten die hebräische Unterrichtssprache herrscht. Wenn die Schuld an dem Sprachenkonflikt in Palästina den Leitern der zionistischen Bewegung zugeschoben wird, so muß ich das als genauer Kenner der palästinensischen Verhältnisse entschieden zurückweisen. Hochachtungsvoll gez. Dr. Schmarja Levin. ZIONISTENHETZE IN DEUTSCHLAND Friedrich Naumann haben wir wohl mit Recht immer zu den nichtjüdischen Freunden des Zionismus gewählt. Wir schätzen ihn als den Verfasser der farbenprächtigen Schilderungen von Erez Israel, die wir einst in seinem Buche „Asia“ mit Entzücken gelesen haben. Auf die Frage nach der Zukunft Palästinas antwortet dort Naumann: „Judenland“. Und jetzt finden wir in seiner Zeitschrift. „Die Hilfe“ ius jüdischer Feder einen auffallend gehässigen Artikel gegen en Zionismus. In der Art der antizionistischen Broschüre reift man uns an, und dieser Angriff ist so typisch, daß es ich verlohnt, die Einzelheiten Revue passieren zu lassen. )er Verfasser ist, wie gesagt, natürlich ein Jude, Herr Eugen Catz. Wie immer, weiß man bei dieser Sorte von antizionisti- Igcher Literatur nicht genau, was der Hauptzweck der Darlegungen sein soll: Kommt es mehr darauf an, die Zionisten ||ei den Nichtjuden zu denunzieren, oder liegt die eigentliche pbsicht darin, der nichtsahnenden christlichen Welt mitzusjeilen, daß „für den deutschen Juden — trotz aller Zurücksetzungen — das Deutschtum Träger seiner nationalen Kultur siei“. In immer neuen Variationen kehrt diese Beteuerung deutscher Gesinnung wieder. Da heißt es z. B.: „Mit seltener Opferwilligkeit haben sich seit Jahrzehnten die deutschen Juden ihrer bedrängten russischen Glaubensenossen angenommen. Sie lassen sich aber dadurch nicht estimmen, ihren Zusammenhang mit der deutschen Kultur nur im mindesten zu lockern, sie lassen sich in keiner -Weise verführen, von ihrer staatsbürgerlichen, nationalen, ^deutschen Gesinnung auch nur ein Jota preiszugeben.“ [ Diese Empfehlungen an die Adresse der deutschen pjeffentlichkeit, zu denen jetzt der Kampf des jüdischen Volkes Ign Palästina gegen den Hilfsverein die erwünschte Gelegenheit f^Ebt, sollen sich auf dem dunkeln Untergrund der zionistischen Mefahr wirkungsvoll abheben. Das Material für die Bekam ptfnng des Zionismus liefert Herrn Katz ein Zionist. Einmal |Äennt er ihn einen angesehenen, einmal einen abseits stehen- .«fen Zionisten. Wir begnügen uns mit der Feststellung, daß «Leser Gewährsmann Herr M e 1 a m e d ist! Den Ausführungen dieses Zionisten entnimmt er folgendes: „Von den zweihundert russisch-jüdischen Studenten an , den schweizerischen Universitäten, die mit mir zugleich studiert haben, sind 150 vor oder nach ihrem Examen körperlich oder geistig so verkommen, daß sie für ein Armenasyl reif waren, und von den anderen 50 sind 30 zu anderen, nichtakademischen Berufen übergegangen. Nur zwanzig ist es gelungen, ihre Studien im Leben zu verwerten und sich eine menschenwürdige Existenz zu verschaffen.“ (Woher mag Herr Melamed nur diese Statistik haben?) äWit Unterstützung von Herrn Melamed wird dann die Idee Der hebräischen Universität ad absurdum geführt. „Es wäre Aoch schon lächerlich, eine lateinische Universität zu gründen, trotzdem mehr Menschen lateinisch als hebräisch verstünden“, j^uid außerdem: „Bedürfen aber wirklich die russischen Juden einer neuen Universität im Auslande? Es steht fest, daß die wenigsten von ihnen, die studieren, bei einem akademischen Berufe bleiben. Aus den meisten worden unglückselige Wesen, nämlich Proletarier ohne Möglichkeit, von ihrer Hände Arbeit ordentlich zu leben: verbildete Existenzen, denen besser zu Mute wäre, ihre geistigen Ansprüche wären geringer, und sie hätten ein ordentliches Handwerk erlernt.“ Herr Katz bekommt es fertig, diese wahnwitzigen Behauptungen in dem Augenblick aufzustellen, in dem die deutschen Universitäten sich der Aufnahme russischer Juden verschließen. — Daß Herr Katz nicht vergißt, den Zionismus als eine besondere Form des Antisemitismus zu brandmarken, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Die Bestrebungen des Zionismus in Deutschland malen sich in seinem Kopfe folgendermaßen: „Anstatt die Ost juden ihrer in langer Unterdrückung erworbenen Besonderheiten zu entkleiden und sie zu europäischer Kultur und Arbeitsweise zu erheben: hat der Zionismus die Tendenz, die deutschen Juden auf östliches Niveau herabzuziehen.“ Nach diesen Vorbereitungen wird die ganze Gemeinheit der zionistischen Gesinnung im Kampf gegen den Hilfsverein aufgezeigt: Herr Katz erzählt kein Wort davon, daß in den Schulen des Hilfsvereins hebräisch gelehrt worden ist, er berichtet seinem Publikum nur, daß in dem mustergültigen Schul werk des „Hilfsvereins der deutschen Juden“ die deutsche Sprache als Kultursprache gelehrt wird. Und von den Zionisten erklärt er: „Das in deutscher Sprache — warum wohl? — geschriebene Zentralblatt der Zionisten hetzt durch Abdruck der Ausführungen eines Fanatikers dazu auf, die Eröffnung des Technikums eventuell mit „Blutvergießen“ zu verhindern. Es ist uns gesagt worden, daß Herr Katz sich hierbei auf Nr. 50 der „Welt“ beruft. In dieser Nummer haben wir den Brief abgedruckt, den Elieser Ben-Jehuda an Paul Nathan geschrieben hat. Dort ist vom Blutvergießen die Rede. Wir zitieren die Stelle: „Sehr geehrter Herr Doktor, es erscheint mir als meine Pflicht, Sie über diesen Punkt aufzuklären, über den Ihnen andere vielleicht nicht die volle Wahrheit sagen werden. Die durch Ihren Beschluß hervorgerufene Verwirrung ist groß und tief; man fühlt sich hier verletzt und des einzigen Heiligtums beraubt, auf dessen baldigen Besitz man gehofft hatte, und im ganzen Lande herrscht eine gewaltige Aufregung, die zu beruhigen absolut unmöglich erscheint. Man ist zum Aeußersten, zu allem und jedem entschlossen, und keine menschliche Kraft würde das verhindern können. Die Eröffnung des Technikums wird nicht ohne Vergießen jüdischen Blutes abgehen, nicht ohne daß Dutzende junger Leute ins Gefängnis wandern werden.“ So hat „D i e Welt“ durch Abdruck der Ausführungen des „Fanatikers“ Ben Jehuda die Palästinenser zum Blutvergießen aufgehetzt. Herr Eugen Katz würde übrigens die , Lacunen der Erziehung“, die ihm von der deutschen Schule her anhaften, in sehr nützlicher Weise verringern, wenn er sich von einem, der es weiß, sagen ließe, wer der „Fanatiker Elieser Ben jehuda, der Autor des Thesaurus t . > f : u s Hebraitatis, ist. Das ist die Art, wie die Helfershelfer des 1 iili'svereins in Deutschland gegen den Zionismus auftreten. Der Artikel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.