Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 3 (16.1.1914)
- Article
- Auf gütlichem Wege
- Date
- 1914-01-16
- Page
- 65 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 3 LT 65 z i n g e r herangezogen. So wie Cohn sich von den christlichen Lehrern oft grobe antisemitische Aeußerungen in der Schule gefallen ließ (.Riwlin gibt Proben davon), so mußte er mit den hebräischen Tendenzen der angesehenen jüdischen Lehrer rechnen. Dies war ihm um so leichter, als ihm persönlich ja jedes pädagogische Bekenntnis fernliegt Falles Prinzipielle ist ihm in der Seele zuwider) und er nur zwischen Berlin und Jerusalem zu lavieren hatte. Das Verdienst an der bisherigen Stellung der hebräischen Sprache in den Hilfsvereinsschulen gebührt daher weder Ephraim Cohn noch der Berliner Leitung des Hilfsvereins, sondern den nationalen Lehrern. Im Seminar haben auch die Schüler all die Jahre für den jüdischen Charakter der Anstalt mit Erfolg gekämpft. Die Opferbereitschaft Palästinas (Von unserem Jaffaer Korrespondenten) Nach den stürmischen Protestversammlungen und Resolutionen, nach den unzähligen Zeitungsartikeln und Telegrammen tritt jetzt ein weit bedeutsameres Ausdrucksmittel der öffentlichen Meinung Palästinas in die Erscheinung - die Spendensammlung für das neue hebräische Schulwerk. Diese „Schnorrer und Verschwörer“, auf die die „Führer“ aus Mitteleuropa so hochmütig herabsehen, gehen hin und zeichnen sehr namhafte Beträge für die Ueberzeugung, die ihnen heilig ist. Erst wenn uns die angeblichen palästinensischen Anhänger des „Hilfsvereins“ dies nachmachen werden, werden wir wissen, daß wir es mit prinzipienfesten, ideal gesinnten Männern zu tun haben. Einstweilen hören wir nur, daß der Hilfsverein seinen neuen Lehrern ein Vielfaches der landesüblichen Gehälter versprechen mußte. Ist übrigens ganz in Ordnung. Denn wer möchte sonst, nach einem drastischen, aber zutreffenden jüdischen Sprichwort, sich mit einem gesunden Kopf in ein Krankenbett legen? .... Die weiter folgenden Spenden sind bereits bei der A. P. C. in Jaffa eingezahlt worden. Weitere Listen sind sowohl in Jaffa als auch in anderen Städten und in den Kolonien im Umlauf. Es spendeten also bis jetzt, zum Teil als erste Rate: S. Gluskin, Brüder S c h I u s c h, Brüder Schert o k und Ismosik je 500 Frcs., Karmel, New York 400 Frcs., Dr. Kellner, Karmel, Odessa, Karmel, Warschau je 300 Frcs., A. Kaplan, A. Lew, H. Israelit an, Dr. Mossinsohn, Dr. Bogratschow, Dr. L u r i e , Z. Vogelsohn, Dr. T uro ff, A. Berlin je 250 Frcs., M. Disengoff, J. G o 1 d f a r b, B. J a f f e, Dr. Chissin, J. Dänin, S. Goldberg, A. Eisenstein, Dr. Metman-Kohan, J. Moschensohn, A. ltin, D. Mojal, Ing. Treidel, J. Kunin, Makkabim Kadmonim, Karmel Misrachi je 200 Frcs.; Dr. J. Thon, Dr. Z i froni je 150 Frcs.; A. und R. Papp er, Ch. Karrensky, Sch. S e g a 1, A. Lipawsky, J. Grascwsky je 120 Frcs.; B. Aaronovvitz, M. C h a n k i n, G o r a I s k y, Scheink i n, Friedmann, A. S. R a b i n o w i t z, Ben-Israel. Ben-Josef, D. Meller, Ch. Margalith, N. Jerusch a 1 i m, J. Mutig in, Sch. Oserkowskv, A. Sch. W a 1 d s t e i n, Sch. Epstein, Ch. Lewi n, Dr. Rosenstein, D. C h a i m, J. C h a n o c h, R o s o w, L u d v i p o 1, Tolkowsky, N. N. durch Dr. Turoff je 100 Frcs.; N. N. durch S. Hoffen 1000 Frcs.; gesammelt in R echobot h durch Schulian 535 Frcs. kleinere Spenden zirka 4000 Frcs. Der gute Ton Der Warschauer „Haint“ veröffentlicht in seiner Nr. 297 ein Interview seines Berliner Korrespondenten mit Herrn Dr. Paul Nathan über den Sprachenkampf. Dr. Nathan entwickelte auch bei dieser Gelegenheit seine bekannten Anschauungen über die Grundlosigkeit des ganzen Kampfes, über die allgemein anerkannte Vortrefflichkeit der Hilfsvereinsschulen in Palästina, über den kleinen zionistischen Kreis in Palästina, dem die auf den Hilfsverein schwörenden streng religiösen Massen geschlossen gegenüberstehen, über den Terrorismus und Chauvinismus der national denkenden palästinensischen Juden usw. Eine genaue Wiedergabe dieser oft wiederholten Ausführungen und ein nochmaliges Eingehen auf sie halten wir für überflüssig. Auf einen Umstand möchten wir jedoch die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit lenken. Die „Führer“ des Hilfsvereins suchen uns Zionisten in den Augen des gebildeten „mitteleuropäischen“ Publikums durch den Hinweis auf den überscharfen Ton unserer Polemik zu diskreditieren. Es ist nun interessant zu beobachten, welche Tonart die Herren selber anschlagen, wenn sie sich gewissermaßen unkontrolliert an einen ostjüdischen Kreis wenden, dem gegenüber sie glauben, sich getrost gehen lassen zu dürfen. Herr Dr. Nathan sagte z. B. dem Korrespondenten des „Haint“ mit bezug auf den Vorwurf, gewisse Hilfsvereinskreise sähen auf die russischen Juden hochmütig herab, wörtlich folgendes: „Auf eine derartige Beschuldigung können wir nur mit einem „Pfui" antworten.“ Von den Zionisten sagte er: „Um ihre Meinungsänderung vor der jüdischen Oeffentlichkeit zu maskieren, schrecken sie von direkten Lügen nicht zurück.“ „Die Nachrichten, die man jetzt verbreitet, um den Hilfsverein zu schädigen, sind Lug und Trug. Ich gebrauche dieses scharfe Wort, weil man diese Nachrichten bewußt das kann doch nur heißen: im Bewußtsein ihrer Unrichtigkeit. Die Redaktion.) verbreitet.“ Auf die Bemerkung des Korrespondeten, er wisse aus dem Munde l>r. Lev ins, daß man in den letzten zwei Jahren in den palästinensischen Schulen des Hilfsvereins deutlich das System wahrnehmen konnte, die hebräische Unterrichtssprache allmählich zurückzudrängen, erwiderte Dr. Nathan u. a.: „Schreiben Sie in Ihrer Zeitung, daß alle diese Nachrichten Lügen sind.“ Herr Dr. Nathan warf dem Zionismus ferner „blinden Chauvinismus“. „das Bestreben, Zwietracht und Spaltungen im Judentum hervorzurufen" und ähnliche schöne Dinge vor. Wenn die Herren vom Hilfsverein sich wieder einmal als die Paladine der westeuropäischen Gesittung und der vornehmen Kampfesweise aufspielen werden, wird man hiernach wissen, was davon zu halten ist. Ein Dokument zum Sprachenkampf Der Hilfsverein sucht bekanntlich in seinen verschiedenen Communiques die Sachlage so darzustellen, als ob über sein palästinensisches Schulwerk „bis in die allerneuestc Zeit hinein", d. h. bis die bekannten Beschlüsse bezüglich des Haifaer Technikums gefaßt wurden, nur eine Stimme der Anerkennung geherrscht hätte und der ganze böse Schulstreit gewissermaßen nur ein Racheakt „zionistischer Agitatoren" wäre, die über den Beschluß des Kuratoriums vom 2b. Oktober erbost, die Lehrerschaft Palästinas und die dortige Bevölkerung gegen den Hilfsverein aufgehetzt haben. Demgegenüber dürfte es von Interesse sein festzustellen, daß die Generalversammlung des palästinensischen Lehrerverbandes schon im August vorigen Jahres an der Schulpolitik des Hilfsvereins in schärfster Weise Kritik geübt hat. Die von mehr als hundert Lehrern aus allen Gegenden Palästinas besuchte Generalversammlung, in der jedoch viele der führenden Lehrer wie Jellin, Mossinsohn, Schiller, Bogratschow u. a. — also gerade die jetzigen „Hauptagitatoren“ — fehlten (sie waren zum Zionistenkongreß und zur Konferenz der Histadruth Ibrith nach Wien gereist), beschäftigte sich sehr eingehend mit den Verhältnissen in den palästinensischen Hilfsvereinsschulen und wies auf die in den einzelnen Schulen deutlich hervortretende Tendenz hin, das Hebräische zugunsten des Deutschen zu verdrängen. ln Nr. 39 der „Welt“ vom 26. September v. J„ S. 1339 bis 1340, brachten wir einen Bericht über die betreffende Generalversammlung, aus dem wir hier folgende Stellen an- „In der folgenden Generaldebatte kritisierten Dr. Rosenstein und K. L. Silmann scharf die Schulen des „H i 1 f s v e r e i n s“, in denen das Hebräische jetzt immer mehr der deutschen Sprache weichen müsse. Dr. Rosenstein schlug die Gründung eines großen Kulturvereines vor, der alle kulturellen Angelegenheiten Palästinas umfassen soll.“ „. . . Weniger erfreulich war der Bericht über Safed. Dort wird bereits in den untersten zwei Klassen der Volksschule des Hilfs Vereines eine europäische Sprache (deutsch) gelehrt.“