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Die Welt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. 61

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Article
Protestkundgebung der jüdischen Studenten in Toulouse
Date
1914-01-16
Page
61 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 3 61 DIESqEELT Tiefste Entrüstung rief bei allen Anwesenden die Nachricht hervor, daß die Lehrer in Palästina mit Polizeigewalt aus den Schulen entfernt worden sind. Wir drücken der jüdischen Bevölkerung Palästinas, den Verteidigern unserer nationalen Kultur unser herzliches Mitgefühl aus und versprechen ihnen unsere Unterstützung in ihrem Kampfe mit dem Hilfsverein.“ Als erste Rate sandten wir dem „M e r k a s Hamorim“ 100 Francs. Ein Kommunique des Hilfsvereins Der Hilfsverein hat am 6. Januar ein Communique versandt, dem wir folgende Ausführungen entnehmen: Ohne auf diese pädagogische Frage an dieser Stelle näher einzugehen, sei hervorgehoben, daß Dr. T s c h 1 e n o w, also der heutige Präsident in der ausführenden Behörde des Zionismus, über die Schulen des Hilfsvereins, und zwar in einer Broschüre vom Jahre 1913 mit dem Titel „Fünf Jahre Arbeit in Palästina“, das Folgende geschrieben hat: „Ich habe schon auf die große Ausbreitung des Schulnetzes des Hilfsvereins hingewiesen. Heute schließt es in sich Volks- und Mittelschulen für Mädchen und für Knaben (getrennt), ein Lehrerseminar, eine Handels- und eine Kindergärtnerinnenschule, ln letzter Zeit machte der Hilfsverein einen interessanten Versuch, indem er eine Schule errichtete, die eine Art von modernisiertem Cheder vorstellt. Diese Schule wird hoffentlich den Kulturarbeitern die Möglichkeit gewähren, in noch unberührte, dunkle, fanatische Schichten einzudringen, deren es in palästinensischen Städten leider noch viele gibt. Rechnet man noch hinzu die Rabbinerschule, welche in Kürze mit den von Dr. P. Nathan und Herrn R. Gotz gespendeten Mitteln errichtet werden soll, so bekommen wir in der Tat eine ansehnliche Reihe von Lehranstalten, in denen eine eifrige und zielbewußte nationale Arbeit geleistet wird. Ich betone absichtlich den nationalen Charakter der Schulanstalten in Jerusalem, weil man bisweilen in die Lage kommt, Bemerkungen über ihre „germanisierenden Tendenzen“ hören zu müssen. Worauf sich diese Rekriminationen gründen, weiß ich allerdings nicht. Wenn etwa auf einige bedeutungslose Aeußerlichkeiten sowie auf die Notwendigkeit, die deutsche Zugehörigkeit des Hilfsvereins manchmal zu respektieren, so kennen solche Nebensächlichkeiten natürlich nicht ernsten Einfluß auf die lernende Jugend haben. In der ganzen sie umgebenden Atmosphäre und im Lehrkörper besitzt sie eine genügend starke nationalisierende Wirkung, ln derlei Kleinigkeiten die „Germanisation“ erblicken zu wollen, ist doch nur ein phantastisches Mißtrauen, welches jenen Grad von Chauvinismus überbietet, der bei den Pionieren einer neu erstehenden Nation gewöhnlich und auch zulässig ist.“ Seitdem dies geschrieben worden ist, hat sich in dem Programm der Schulen des Hilfsvereins nichts zuungunsten des Hebräischen geändert. Im Gegenteil. Wenn wahrheitswidrig etwas anderes von zionistischer Seite behauptet wird, so geschieht das, um für die sinnlose Hetze, die gegen das Schulwerk des Hilfsvereins unternommen wird, der Öffentlichkeit gegenüber einen Vorwand anzuführen. Ebenso verwerflich ist es, die Abstimmung in der Frage der Unterrichtssprache des Technikums anzuführen, denn allen Beteiligten war es wohl bekannt, daß auch im Technikum das Hebräische in so ausgiebiger Weise vorgesehen war wie in den Schulen des Hilfsvereins, die mit diesem Ausmaß des Hebräischen das begeisterte Lob der Zionisten bisher erhalten haben. Es mutet nicht weniger seltsam an, daß man es in der zionistischen Presse wagen darf, den Hilfsverein terroristischer oder sonstiger Akte zu beschuldigen, obwohl er nichts weiter tut, als sich gegen einen plötzlichen, gewalttätigen und unmotivierten Ueberfall zur Wehr zu setzen. Wie weit die Verhetzung getrieben wird, ist vor allem auch daraus zu entnehmen, daß die zionistischen Blätter auch die russische Judenheit, für die die zehnjährige Tätigkeit des Hilfsvereins am meisten vollbracht hat, aufzureizen sucht unter Berufung darauf, daß ein Sonderabdruck eines Blattes versandt worden sei — mit dem sich der Hilfsverein natürlich nicht in jeder Einzelheit identifiziert. Die Worte des Herrn Dr. Tschlenow, die oben angeführt worden sind, und die vor kürzester Zeit noch für die Gesamtheit der Zionisten eine Wahrheit gewesen, entsprechen auch heute noch den Anschauungen weitester Kreise, und es ist auch seitens der Zionisten oft genug hervorgehoben worden, daß die Kenntnisse des Hebräischen in den Schulen des Hilfsvereins durchaus befriedigend seien. Das zeigt, welche sachliche Bedeutung dem heutigen Schulstreit beizumessen ist. Noch weit entscheidender zur Beurteilung der Sachlage ist aber eine Betrachtung der Mittel, mit denen die Zionisten in Palästina ihre Pläne in bezug auf den Unterricht in den Schulen des Hilfsvereins durchzusetzen suchen. Ohne jede vorherige offizielle Ankündigung und ehe Herr Dr. Nathan noch Palästina erreicht hatte, verließ mitten im Semester unter Bruch der Verträge ein Teil der Lehrer der Jaffaer Knabenschule seine Stellungen und suchte die Gesamtheit der Schüler ohne vorherige Benachrichtigung der Eltern zu veranlassen, mit ihnen in eine neue Schule auszuwandern; nur mit einem teilweisen Erfolge. Die der Hilfsvereinsschule treu gebliebenen Lehrer wurden, nachdem dieses Mißglücken offenbar geworden, bedroht, geschlagen; die Schüler und deren Eltern wurden gleichfalls bedroht. Die Fenster des Schulgebäudes wurden eingeschlagen, kurz, durch empörende Akte der Gewalttätigkeit verschiedenster Art wurde versucht, die Schule des Hilfsvereins vollständig zu sprengen, was gleichwohl dank der Anhänglichkeit eines Teiles der Schüler und Lehrer nicht gelang, ln Haifa änderte gleichfalls vor Ankunft des Herrn Dr. Nathan der dortige Hauptlehrer unter Bruch von Treu und Glauben selbständig den Lehrplan und führte den zionistischen Lehrplan an Stelle des bestehenden ein, so daß bei Herrn Dr. Nathan die Absicht vorlag, die Schule zu suspendieren. Durch den Treubruch eines Teiles der Lehrer war der Unterricht nicht weiter möglich. Auch dort wurden die Eltern durch nachträgliche Beeinflussungen dahin zu bringen gesucht, ihre Kinder den Hilfsvereinsschulen nicht ferner anzuvertrauen. Als Herr Dr. Nathan kam, streikten dort bereits die Schüler des Lehrerseminars, ohne daß die führenden Lehrer der Anstalt auch nur den Versuch gemacht hätten, die Schüler zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Ein Teil der Lehrer überreichte vielmehr nach vorhergegangenen Unterhandlungen mit Herrn Dr. Nathan diesem ein Memorandum, in dem mitten im Semester die Bewilligung des zionistischen Lehrplans verlangt wurde, und zwar sollte die Entscheidung binnen vier Tagen" erfolgen, widrigenfalls die Lehrer nach zwei Monaten, also auch noch im Laufe des Semesters, die Anstalt verlassen würden. Herr Dr. Nathan ließ den Lehrern sagen, daß in der gesetzten Frist eine Entscheidung des Geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins, der einzig zuständigen Instanz, überhaupt nicht herbeizuführen sei, und Herr Dr. Nathan folgerte aus der Aufstellung einer völlig unerfüllbarer? Forderung, daß es den Herren nicht um einen Auszwei Monaten für eine Abwendung von den Anstalten des gleich zu tun sei, sondern darum, die Schüler in den nächsten Monaten noch weiter zu bearbeiten. Das trat besonders deutlich dadurch hervor, daß vier Tage nach der Ueberreichung des Memorandums Herr J eil in die Schüler der obersten Klasse der Lämelschule aufforderte, in die neu zu gründende Schule überzugehen. Nachdem dies bekannt wurde, blieb natürlich kein anderer Ausweg, als die Lehrer sofort zu suspendieren, und es erfolgte am nächsten Tage die Suspension. Trotz dieser Suspension drangen die betreffenden Lehrer am folgenden Tage in die Schulen des Hilfsvereins ein und suchten durch aufreizende Ansprachen die Schüler und Schülerinnen zum Verlassen der Anstalten zu bewegen; ein Akt, der nach deutschem Recht als Hausfriedensbruch betrachtet werden müßte. Da es nicht möglich war, die Lehrer zum friedlichen Verlassen der Anstalten zu bewegen, so wurde, um der unhaltbaren Situation ein Ende zu machen, der deutsche Generalkonsul um seine Intervention ersucht, und auch ihm gelang es erst unter Anwendung seiner ganzen Autorität, die suspendierten Lehrer und Lehrerinnen zum Fortgehen aus den Anstalten zu bewegen, wäs Anstand und Takt von selbst geboten hätten. Da auch ein kleiner Kreis von Personen auf der Straße weiter randalierte, so fand sich auch die türkische Polizei ein und sorgte für Ordnung. Daß bei dieser Gelegenheit Lehrer vergewaltigt worden seien, obgleich die Polizei zum Einschreiten Anlaß gehabt hätte, ist eine Erfindung. Die Vorgänge führten aber alsdann freilich dazu, daß der Gouverneur von Jerusalem, die höchste türkische Zivilautorität, in öffentlicher Proklamation die unruhigen Elemente verwarnte, sich zu Tätlichkeiten durch die zionistische Agitation hinreißen zu lassen, da es jedermann freistehen müsse, seine Kinder in die gesetzlich erlaubten Schulen des Hilfsvereins zu senden. An dem folgenden Tage beschimpften alsdann streikende Schüler Dr. Nathan auf öffentlicher Straße und diese Schüler und ein Teil der suspendierten Lehrer suchten Kinder, die sich in die Schulen des Hilfsvereins begeben wollten, abzufangen und am Schulbesuch zu hindern. Es wurde den Kindern gesagt, man wolle sie zu Deutschen machen, man wolle sie taufen, man wolle ihnen ihr jüdisches Herz aus dem Leibe reißen, und den Mädchen überdies, man wolle ihnen die Zöpfe abschneiden. Das sind Mitteilungen, die die Kinder direkt Dr. Nathan alsdann gemacht haben. Es wurden überdies auch im Lehrerseminar in Jerusalem die Fenster eingeschlagen und Stinkbomben in die Klassenzimmer geworfen, so daß der Unterricht in ein anderes Gebäude verlegt werden mußte. Ferner suchte man gleichfalls in Jerusalem die Eltern zu terrorisieren: der Erfolg

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