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Die Welt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. 60

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Article
Ein Brief aus Palästina
Date
1914-01-16
Page
60 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 DIElggELT Eine Aktion der amerikanischen Zionisten Die Federation of American Zionists hat an die amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums für das Technische Institut in Haifa ein Schreiben folgenden Inhalts gesandt: „Die Unterzeichneten haben mit Bedauern vernommen, daß die europäischen Kuratoriumsmitglieder des Jüdischen Institutes für technische Erziehung in Haifa (Palästina) es abgelehnt haben, die hebräische Sprache zur hauptsächlichen Unterrichtssprache des Institutes zu machen. Wir halten einerseits diese Frage für so wichtig und anderseits Ihr Interesse an allen jüdischen Angelegenheiten für so lebhaft, daß wir uns gestatten, die Bitte an Sie zu richten, für eine Abänderung der Beschlüsse durch die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder zu sorgen, und zwar in der Weise, daß Hebräisch, wenigstens innerhalb eines entsprechenden Zeitraumes, zur Hauptsprache des Institutes gemacht wird. Hebräisch ist die Sprache, welche die palästinensischen Juden in ihren Schulen, ihren Häusern und ihrem Geschäftsleben anwenden. Die heilige Sprache verbindet die Juden der ganzen Welt. Da das Technische Institut ein internationaljüdisches Institut ist, so darf es nicht der Sprache irgend eines bestimmten europäischen Landes den Vorzug geben. Das Hebräische ermöglicht die gewünschte Neutralität für ein jüdisches Institut, das im heiligen Lande auf dem Karmel errichtet ist, und so ist Hebräisch von jedem Gesichtspunkt aus die gegebene Sprache. Wir ersuchen daher die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder, ihren Einfluß bei ihren europäischen Kollegen geltend zu machen und den Beschluß durchzusetzen, daß die hebräische Sprache innerhalb eines angemessenen Zeitraumes, d. h. in drei oder fünf oder sieben Jahren — was wir dem Ermessen der Kuratoriumsmitglieder überlassen — zur Hauptsprache des Instituts gemacht werde. Sollten die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder dem Einwand begegnen, daß nach Annahme einer derartigen Resolution der Sitz der Verwaltung aus irgendwelchen Gründen verlegt werden müsse, so ersuchen wir die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder und alle mit ihnen im Einverständnis stehenden, dafür Sorge zu tragen, daß der Sitz der Verwaltung nach Amerika verlegt werde, wo sicherlich das Institut in zufriedenstellender Weise verwaltet werden kann. Unsere christlichen Mitbürger haben eine Reihe christlicher Unternehmungen im türkischen Reiche geschaffen, deren Administration in Amerika domiziliert. Ebensogut können die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder des Jüdischen Institutes für technische Erziehung die Administration dieses Internationalen Institutes leiten, umsomehr als unser Land glücklicherweise keinen politischen Verwicklungen mit andren Mächten im Orient ausgesetzt ist. Indem wir den amerikanischen Kuratoriumsmitgliedem diese Petition unterbreiten, versichern wir, im Falle ihre Verhandlungen von Erfolg gekrönt sein sollten, unsrer vollen Unterstützung. Wir nehmen es auf uns, Beiträge für den Unterhalt des Institutes zu sammeln und ihnen bei ihrem ehrenvollen und bedeutsamen Werk in jeder Weise zu helfen." Ein Brief aus Palästina . Der Herausgeber des „Jewish Chronicle" erhielt aus der Kolonie Sichron Jakob ein Schreiben, worin es heißt: Sehr geehrter Herr! Ich lebe jetzt in einer ziemlich entlegenen Kolonie in Palästina und weiß daher wenig von dem, was in London vorgeht. Ich bin jedoch überzeugt, daß die englische Judenheit ausreichend über den Kampf informiert ist, der gegenwärtig hier zwischen den Verfechtern des Hebräischen als der eigentlichen Sprache der palästinensischen Juden und denen, die ihm nur als Gebetssprache einen Platz einräumen wollen, tobt. Ich wünsche herzlich, daß die Aufforderungen zu einer Sammlung im Interesse der neuen hebräischen Institute, die anstelle der Hilfsvereins-Schulen errichtet werden sollen, in England den gewünschten Erfolg haben mögen, und daß überhaupt die ganze Bewegung von der englisch-jüdischen Gemeinschaft sympathisch aufgenommen werde. Ich betrachte die jüdische Religion als den eigentlichen Zweck der Existenz der Juden, und glaube daher, daß die Bewegung, die das Hebräische zu einer lebendigen Sprache machen will, eines der stärksten Mittel zur Erhaltung der Religion sein wird. Wenn wir die Sprache der Bibel und unserer wertvollsten religiösen Literatur zu unserer Muttersprache machen, wird die Wirkung der heiligen Bücher bedeutend größer werden. Der spontane Charakter der hiesigen Bewegung, der Enthusiasmus ihrer Anhänger und das materielle Risiko, das die ihr angehörigen Lehrer auf sich genommen haben, beweisen, daß sie wirklich aus tiefem Idealismus entstanden ist. (gez.) M. E. Lange, Kolonie Sichron Jakob. Protest des Klubs ,Judeaw ln Agram Der jüdisch-akademische Klub „Jude a" in Agram (Kroatien) hat an das Kuratorium des jüdischen Instituts für technische Erziehung in Haifa folgendes Schreiben gesandt: „Der jüdisch-akademische Kulturklub „Judea“ in Agram (Kroatien) betrachtet es als seine heiligste Pflicht, gegen den Beschluß des Kuratoriums auf das schärfste zu protestieren. Es ist uns einfach unbegreiflich, daß bei einer Institution, für welche die Gelder aus aller Welt und unter tatkräftiger Mitwirkung der jüdisch-nationalen Organisationen und Persönlichkeiten gesammelt wurden, nur deutsche Interessen berücksichtigt und gefördert werden sollen. Durch diesen gewaltsamen Streich würden diese Anstalten jede Existenzberechtigung und insbesondere das Recht verlieren, den Namen einer jüdischen Hochschule zu tragen. Indem wir die Haltung und den Austritt unserer hochgeschätzten Kämpfer für die hebräische Unterrichtssprache an den Schulen zu Haifa vollkommen billigen, geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß das hochgeehrte Kuratorium dem allgemeinen Wunsche nachgeben und seinen Beschluß einer Revision zugunsten der hebräischen Sprache unterziehen wird" jüdisch-akademischer Kulturklub, Agram (gez.) Julius Wiener. (gez.) Otto Braun. Proteste der jüdischen Jugend Oesterreichs So wie in anderen Ländern, haben auch in West-Oesterreich die Beschlüsse des Kuratoriums der Haifa er Technischen Hochschule die tiefste Empörung der jüdischen Jugend ausgelöst. Ein Zeichen dieser Stimmung sind die bei uns eingelaufenen Schreiben aus den Orten: Graz, Lundenbürg, Prag, Bielitz, Mähr. - Schönberg, Brünn, Göding, Troppau, Linz und P r o ß n i t z. Sie drücken den Kollegen in den palästinensischen Schulen die herzlichsten Sympathien aus und versprechen, dieselben in ihrem Kampfe zu unterstützen. Kundgebungen in England Obwohl man es im Interesse des Friedens und in der Hoffnung auf einen Ausgleich zwischen den beteiligten Kreisen unterlassen hat, in London öffentlich in der Sache des Technikums Stellung zu nehmen, sind eine Anzahl bemerkenswerter Kundgebungen, besonders in den großen Provinzstädten, nicht ausgeblieben. So wurde letztens diese Frage auf großen Versammlungen in Manchester und Glasgow besprochen und das Kuratorium des Technikums zur Aenderung seiner Stellung aufgefordert. Eine imposante Protestversammlung hat diesen Sonntag in Leeds stattgefunden, und ein einflußreiches Komitee zur Unterstützung des zionistischen Schulwerks ist gebildet worden. Protestkundgebung der jüdischen Studenten in Toulouse Am 25. Dezember fand im Vereinslokal der „Association des Etudiants Juifs“ in Toulouse eine Protestversammlung gegen den Beschluß des Kuratoriums statt, an der etwa 80 Studenten teilnahmen. Es wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Wir protestieren auf das schärfste gegen den Beschluß des Kuratoriums, eine fremde Sprache als herrschende Unterrichtssprache in die palästinensischen Schulen einzuführen und bezeichnen den Versuch, mit Hilfe von Geldmitteln, die unter den Juden der ganzen Welt gesammelt worden sind, eine uns fremde Kultur in Palästina zu verbreiten, als einen Verrat an dem jüdischen Volke.

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