Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 3 (16.1.1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-01-16
- Page
- 56 (sequence 2)
- Language
- German
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56 Nr. 3 Dl£3jgELT.r, ■■ ... Die Aktion für das hebräische Schulwerk Vägujhely (Ungarn): Wir gefertigten Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde in Vägujhely protestieren gegen den Beschluß, der in unserem heiligen Lande eine fremde Sprache zur Kultursprache erheben will, wo doch unsere heilige hebräische Sprache die einzige Kultursprache in Palästina sein darf. Es geht nicht an, daß unser heiliges Land und unsere Opfer für dessen Neubelebung fremden Interessen dienen. Wir begrüßen die Jugend und die Lehrer des heiligen Landes, die die Schulen des germanisierenden deutschen Hilfsvereins verlassen haben und mannhaft für das Hebräische als einzige Unterrichtssprache eintreten. Zur Unterstützung des hebräischen Schulwerks übermitteln wir von den unten angeführten Mitgliedern unserer Gemeinde vorläufig 70 K. (Folgen 23 Unterschriften.) Biel (Schweiz): Der Vorstand der hiesigen jüdischen Lesehalle veranstaltete am 2. Januar eine Versammlung, in der einstimmig gegen den Beschluß des Kuratoriums des jüdischen Technikums in Haifa Einspruch erhoben wurde. Wir sind durchaus keine zionistische Organisation, aber wir betrachten den Beschluß des Kuratoriums als überaus schädlich für die jüdische Sache. Der Kampf der jüdischen Lehrer in Palästina findet durchaus unsere Billigung und Anerkennung. Mit gleicher Post senden wir Ihnen 53 Eres., die wir in der ^Versammlung für das hebräische Schulwerk in Palästina gesammelt haben. L i b a u: Eine Massenversammlung der hiesigen jüdischen Bevölkerung protestiert energisch gegen die beschämenden Beschlüsse des Kuratoriums und sendet den mutigen Streitern für unsere nationale Sprache Dank und Gruß. Wir billigen durchaus die von der Leitung getroffenen Maßnahmen. Wir übersenden demnächst die gesammelten Beträge. Smolensk: Mit großer Freude erhielten wir Ihren Aufruf und haben in einer Versammlung ausführlich über die Schandtaten, die gegen unsere Lehrer vonseiten des Hilfsvereins verübt wurden, gesprochen. Die Tatsache, daß Juden Polizei und Soldaten gegen jüdische Lehrer anrufen, beweist, daß die Assimilation nicht nur vom jüdischen, sondern auch vom allgemein menschlichen Standpunkt zu bekämpfen ist. Wir haben bereits 1200 Francs nach Palästina abgeschickt. Wir setzen unsere Arbeit fort und werden Ihnen monatlich einen größeren Betrag zusenden. S 1 o b o d k a (G o u v. Kowno): Empfangen Sie unseren ersten Beitrag von 100 Francs für unser Schulwerk in Palästina. Wenn man gegen unsere nationalen Forderungen nur noch mit Hilfe von Polizei Vorgehen und unsere Lehrer durch Soldaten aus der Schule jagen muß, so handelt es sich für unsere Gegner offenbar um eine verlorene Sache. Etwas ähnliches ist schon einmal unter Titus geschehen; das Hebräische ist dennoch am Leben geblieben. — Unsere Gemeinde wird alle Kräfte anspannen, um unser Schulwerk dauernd zu unterstützen. Jaltuschkew (W o 1 h y n i e n). Wir bitten Sie, versichert zu sein, daß auch wir mit ganzem Herzen an Ihrem Kampf teilnehmen. Unsere kleine Gemeinde begrüßt es mit Freude, daß die Leitung unserer nationalen Organisation es verstanden hat, in einer Sache des Volkes an das Volk zu appellieren. Dschankoi (Gouy. Taurien). Die Sammlung, die wir zugunsten unserer Schulen in Palästina eingeleitet haben, begegnet überall dem größten Verständnis. Das jüdische Volk wird nie müde werden, für die hebräische Sprache tätig zu sein. Wir senden Ihnen demnächst die erste Rate ein. Reni (Bessarabien): Die Ereignisse in Palästina haben uns auf das schmerzlichste berührt. Wir protestieren energisch gegen die Angriffe auf die hebräische Sprache und auf unsere heldenmütigen Lehrer. Wir haben soeben eine Sammlung eingeleitet, und werden unser Möglichstes tun. Domatschewo (Gouv. Grodno): Die Arbeit für unsere Schulen in Palästina ist eine heilige Arbeit, die wir mit Freude auf uns nehmen. Diesmal ist der Kampf um so schmerzlicher, als er uns von Juden aufgezwungen worden ist. Mögen aber unsere Gegner wissen, daß wir auf unserem Posten ausharren werden. Unser Verein hat die Sammlung bereits begonnen, und wir hoffen bestimmt auf sehr günstige Resultate. Der neue palästinensische Schulverein Wie uns unser Jaffaer Berichterstatter mitteilt, wurde am Montag, dem 5. Januar, in einer Beratung in Jaffa das Statut für den zu gründenden palästinensischen Schulverein endgiltig festgesetzt. Mit einer großen Aktion wehrt Palästina, verbündet mit der Zionistischen Organisation, den Angriff ab, der die Zukunft der hebräischen Kultur in Palästina bedrohte. Bewundernswürdig sind die Anstrengungen, die die Zionisten und viele Freunde des hebräischen Schulwerks in Palästina auf sich genommen haben, um im entscheidenden Augenblick für den Zionistischen Zentralfonds, durch den die Zionistische Organisation diese große neue Aufgabe in Palästina zu erfüllen hat, die notwendigen bedeutenden Mittel zu schaffen. Wenn alle unsere Freunde weiter ihre Pflicht tun, werden wir alle Angriffe auf unser nationales Werk, auch die indirekten politischen Schädigungsversuche unserer Gegner, abzuwehren vermögen. Noch fehlen aber viele Namen in den Listen derer, die sich opferwillig beweisen. Notwendig aber ist nicht nur die einmalige Hilfsaktion. Wir haben eine dauernde Verpflichtung auf uns genommen. Und deshalb verlangen wir von allen unseren Gesinnungsgenossen und Freunden die Zeichnung jährlicher Beiträge für den Zionistischen Zentralfonds und für das hebräische Schulwerk. Nur wenn diese unsere Aufforderung befolgt wird, wird der Sieg des hebräischen Gedankens ein dauernder. Die Aktion für den Zentralfonds und das hebräische Schulwerk in Palästina zieht immer weitere Kreise. Bis jetzt sind beim Zionistischen Zentralbureau rund 70 000 Mark baar eingegangen. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß die Arbeit bis jetzt eigentlich erst in Deutschland, Rußland und einem Teile von Oesterreich energisch einsetzen konnte, und daß die Ergebnisse aus einem sehr großen Teile der zionistischen Organisation noch fehlen. Dies wird auch aus nachfolgender Aufstellung ersichtlich: Es gingen bis jetzt ein aus Rußland.Mk. 37 200 Deutschland.,, 19 000 Oesterreich Böhmen 4150 Innerösterreich 1650 5 800 Canada.„ 3 300 Galizien.„ 2100 Türkei .„ 1 600 England ....... ,, 500 Besonderes Interesse verdient der Umstand, daß die Sammlung für das Schulwerk speziell in der Türkei einen besonders günstigen Boden findet. Wer die Verhältnisse kennt, weiß, wie schwierig es bisher war, die spaniolischen Juden zu gemeinnützigen Ausgaben für jüdische Zwecke in größerem Umfange zu begeistern, und es ist erfreulich zu sehen, daß es gerade die Aktion für das hebräische Schulwerk in Palästina ist, die hier einen so lebhaften Widerhall findet. Speziell in Konstantinopel haben sich sehr angesehene Sephardim an der Sammlung beteiligt und es ist wohl anzunehmen, daß allein in Konstantinopel mehr als 5000 Frs. für das Schulwerk aufgebracht werden. Unser Informationsmaterial über den Sprachenkampf in Palästina wird aus allen Ländern verlangt. Von der Information Nr. 2 sind bisher ca. 15 000 Exemplare in deutscher Sprache und ca. 2000 englischer Sprache verschickt worden. Eine hebräische Uebersetzung kommt demnächst heraus. In Deutschland wird die Information Nr. 2 mit gutem Erfolg auch zu Propaganda in den nichtzionistischen Kreisen verwandt. Eine Reihe von Ortsgruppen hat die kleine Broschüre an sämtliche Gemeinde-Mitglieder verschickt. Wir können nur raten, dies Beispiel nachzuahmen.