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Die Welt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. 55

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Article
Vom Wesen der Nation
Date
1914-01-16
Page
55 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 LT 55 Vom Wesen der Nation Nation ist, was eine Nation sein will. „L'existence cPune nation est un plebiscite de tous les jours." E. Renan, Qu’est-ce qu’une nation? (1882), S. 27. Das Ideal ist allenthalben: ungebrochene nationale Lebensgemeinschaft in allen wesentlichen Zielen des Daseins. Die Aufgabe ist unendlich, denn gleichzeitig mit den Mitteln sie zu lösen, wachsen auch ihre Schwierigkeiten. Gleichzeitig indem die Nation erstarkt, erstarken auch alle Lebenskreise innerhalb der Nation. So graben sich nun auch die schon vorhandenen geistigen, politischen und gesellschaftlichen Gegensätze innerhalb der Nation tiefer in sie ein und neue treten hinzu, denn alle Parteien und Gruppen ziehen jetzt Nutzen von den regeren individuellen Kräften im Schoße der Nation. Ja, innerhalb der Nation selbst treten sich verschiedene Nationalbegriffe einander gegenüber, verschiedene Richtungen, deren jede behauptet, die Nation allein echt und recht zu vertreten. Und diese Erscheinung, daß ein Teil der Nation sich unbefangen und gutgläubig als den Kern und die Essenz der gesamten Nation ansieht, liegt sogar im Wesen des Nationallebens selbst begründet, weil es doch immer in erster Linie von den regeren und mächtigeren Elementen, niemals von der ganzen trägen Masse gleichmäßig bestimmt wird, und weil das Idealbild der Nation zugleich auch immer der Spiegel dessen ist, was in den Einzelseelen sich regt. Nation ist also in gewissem Sinne von Natur immer pars pro toto, wobei freilich das Ganze ebensowenig entbehrt werden kann, wie der Kopf den Körper entbehren kann. Friedrich Meinecke, Weltbürgertum und Nationalstaat, 1911, S. 9, 10. „Das eine Motiv kann mich zu diesem, das andere zu jenem Kreise hinziehen; der Glaube kann mich einer Gruppe zuweisen, von der mich der Verband der Gemeinde, des Staats, der Sprache, der Abstammung trennt. Aber unser Gemüt wird jede solche Teilung und Gebrochenheit seiner Stimmung als eine Störung empfinden und beklagen; es wird stets von einer stillen Sehnsucht begleitet sein nach einer vollen, einheitlichen Lebensgemeinschaft. Es wird ihm als ein ideales Ziel die zentrale, alle Lebensziele umschließende Gruppe vorschweben." G. Rümelin (Aufsätze I, 103). j llllllliBiiiilii| FÜR UNSER SCHULWERK |—ÜÜ RttU»IIUIlU»:iNII»UIUMlUIIttUIIUI»IIIIIIIIIIIII>IIIIIIIIIIII»IUIIIIIIIII»IIIIIIIIIIINIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII»IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU>IIIIIIIII>I»IINII»»IIIIIIIIIIIIIIII>>>UIUIII>IIIIIII>II>UIII>IUI>>IIIIIIIIIIIII>»IIIIIIIIII!III>>III> Von den überseeischen Ländern liegen bisher nur Nachrichten aus Südafrika vor. Dort haben die ersten telegraphischen Berichte direkt alarmierend gewirkt. Es hat sich sofort unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Alexander in Kapstadt ein Komitee gebildet, dem die ersten Juden der Stadt angehören und das eine großzügige Aktion in die Wege leiten wird. Das Komitee hat bereits aus vielen Städten des Landes begeisterte Zustimmungskundgebungen er- Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat die Aktion mit ganz besonderer Energie eingeleitet. Und schon jetzt steht fest, daß das Ergebnis der Sammlung in Deutschland alles übertreffen wird, was bisher an zionistischen Sammlungen in Deutschland durchgeführt wurde. Bis jetzt haben in den meisten größeren Städten bereits Versammlungen und interne Besprechungen stattgefunden, und an den ausstehenden Plätzen wie z. B. Hamburg usw. sind Veranstaltungen für die nächsten Tage angesetzt. Die Versammlungspropaganda wird in großzügiger Weise durchgeführt und ganz neuerdings sind noch einige Redner für diese Aktion gewonnen worden, die den Ortsgruppen zur Verfügung stehen. Es ist beabsichtigt, keinen Platz auszulassen, und man kann wohl heute schon sagen, daß auch an den kleinsten Orten bei genügender Information Verständnis für die Bedeutung dieser Aufgabe zu finden und .Begeisterung dafür zu erwecken ist. Berlin: Hier wird die Aktion mit besonderem Eifer geführt. Es liegen bis heute mindestens für 20 000 Mark Zeichnungen vor, von denen die Hälfte bereits eingegangen ist. Mannheim: In einer am 8. Januar stattgehabten internen Versammlung, in der Herr Julius Simon über die allgemeine Lage referierte, wurden über 1100 M. Jahres beitrage gezeichnet. Wir glauben bestimmt, daß wir auf mindestens 2000 M. jährliche Beiträge kommen werden. Magdeburg: Hier, wo erst vor einigen Wochen eine Ortsgruppe gegründet worden ist, sind für das Schulwerk bisher 130 M. Jahresbeiträge und 210 M. einmalige Beiträge gezeichnet worden. Dresden: Nach einem Vortrage von Dr. G o 1 d b e r g sind 200 M. gezeichnet worden. Breslau: Am Sonntag sprach hier vor etwa 10C0 Personen Dr. Schmarja Levin über „Unsere Aufgaben im neuen Orient". Reicher, immer wieder einsetzender Beifall lohnte die geistvollen Ausführungen des Redners. Eine im Anschluß daran für unser hebräisches Schulwerk in Palästina eingeleitete Sammlung ergab zunächst 2500 M. Jahresbeiträge. Die Sammlung wird fortgesetzt. Budweis: In einer Ausschußsitzung des jüdischen Volksvereines „Zion" wurde eine Resolution gegen die Schulpolitik des Hilfsvereines Deutscher Juden und eine Sammlung für das Schulwerk in Palästina beschlossen und bei den Ausschußmitgliedem sofort eingeleitet, mit dem Ergebnisse von ca. 100 K. Weitere Sammlungen folgen. Lemberg: Die XI. Landeskonferenz der galizischen Zionisten, welche am 4. und 5. Januar d. J. in Lemberg tagte, faßte einstimmig folgende Resolution: „Die XI. Landeskonferenz der galizischen Zionisten protestiert gegen den Beschluß der Mehrheit im Kuratorium des Polytechnikums in Haifa bezüglich der Unterrichtssprache in der Schule und erklärt sich einverstanden mit den Mitgliedern der Zionistischen Organisation, welche deswegen aus dem Kuratorium ausgetreten sind. Sie überweist zugleich 100 Kr. für den Schulfonds in Palästina.“ In Stanislau hat die Verbindung Bar Kochba eine Protestversammlung einberufen, die überaus stark besucht war. Das Referat erstattete Gg. Auerbach. Es gelangte zur einstimmigen Annahme eine entschiedene Protestresolution. Für das hebräische Schulwerkwurde gespendet und monatliche Zuschüsse gezeichnet. R o h a t y n (Galizien). Die hiesige jüdische Bevölkerung ist über das Vorgehen des Hilfsvereins in Palästina empört. In einer großen Volksversammlung, die am 21. Dezember stattfand, wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der gegen die Beschlüsse des Kuratoriums protestiert und der hebräischen Lehrerschaft sowie der übrigen nationalgesinnten Bevölkerung Palästinas die wärmste Sympathie ausgesprochen wurde. Für das hebräische Schulwerk haben wir 146 Kr. an das Lemberger Zentralkomitee gesandt. In Rohaty n wurde die Protestversammlung in der hebräischen Schule unter Vorsitz des Gg. Vater abgehalten. Vom Ertrage des Makkabäer-Abends wurden 25 °o für das Schulwerk bestimmt. Die Schulkinder haben als Zeichen des Protestes einen Tag gestreikt. Der „schulfreie" Tag wurde zur Schulfondssammlung benützt, die 65 Kr. ergab. In P r z e w o r s k hat der Verein „Tikwat-Zion" die Protestversammlung einberufen. Gg. L. Rosmarin besprach die Frage. Eine Sammlung für das Schulwerk wurde eingeleitet. In La n c u t hat die Protestversammlung der Verein „Zion" veranstaltet. Außer dem Proteste wurde eine Sammlung für den Schulfonds beschlossen. Neusandez (Galizien): „Bnei Zion", die hiesigen jüdischen Gymnasialschüler, protestieren gegen die Beschlüsse des Kuratoriums am Haifaer Technikum, drücken der jüdischen Jugend Palästinas, den Vorkämpfern unserer heiligen Sprache, ihre lebhafteste Sympathie aus, und senden für das Schulwerk zunächst 20 K.

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