Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Article
- Kartelltag des K. Z. V.
- Date
- 1914-01-09
- Page
- 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 Nr. 2 Natürlich wird die Sammlung eifrig fortgesetzt, auch verpflichteten sich die K. Z. V. er zur intensivsten systematischen Propaganda in Deutschland und betrauten mit der gleichen Aufgabe in Wien die Kadimah. Im übrigen suchte der K. T. die finanzielle Leistungsfähigkeit zu stärken und die innere Organisation weiter auszubauen, um das Kartell zu weiterer Expansion zu befähigen. Auch das Verhältnis zu anderen Organisationen kam zur Sprache. Alle Beschlüsse wurden getragen von dem Gedanken, daß korporative Rücksichten dem Gesamtinteresse untergeordnet werden müssen, daß aber der offiziellen Vertretung der zionistischen Studenten die ihr gebührende Stellung unter allen Umständen gewahrt werden müsse. In das neue Präsidium wurden gewählt die A. H. A. H. Dr. Egon Rosenberg; als Vorsitzender, Parteisekretär Kurt Rosenbaum, Dr. Max Rosenzweig, Dr. Walter Fischer, Dr. Gustav Krojanker und die i. a. B. i. a. B. Walter Riese und Hans Bloch. Auch nach außen trat der K. T. durch einen glänzend verlaufenen Kommers vor die Oeffentlichkeit, der viele Hunderte von Gästen und Freunden des K. Z. V. vereinigte. Alle zionistischen und nationaljüdischen Organisationen und die Spitzen der zionistischen Behörden waren vertreten. Den Kommers leitete Dr. Egon Rosenberg; Hans Bloch (Hasmonäa) hielt die Tendenzrede und hieß gleichzeitig in warmen Worten die Kadimah im Kartell willkommen, cand. med. Felix Mandl hielt eine Rede für die Kadimah, die mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Prof. Warburg betonte, daß er es als Präsident der Bewegung für seine Pflicht gehalten habe, auf dem Kommerse der K. Z. V. er zu erscheinen, dessen Bedeutung für den Zionismus er nachdrücklich hervorhob. Dr. Schmarja Levin sprach ergreifende Worte von dem Kampfe um die hebräische Sprache.. Die Fuxenrede hielt Nahum Beermann, ein Abiturient des hebräischen Gymnasiums, auf hebräisch, ihm erwiderte ebenso A. H. Dr. Grünfelder. Es ist unmöglich, alle die anderen vorzüglichen Reden des offiziellen Teiles zu erwähnen. In der Fidulität hatte dann „Sauls Ende'*, eine historische Tragödie von Hans Bloch, einen lebhaften Lacherfolg. Fast eine Woehe währten die Veranstaltungen und Beratungen des K. T. Erst Sonntag gegen Mitternacht wurde er von Dr. Egon Rosenberg mit einem Hedad auf das K. Z. V. geschlossen. Alle Delegierten und Gäste verließen ihn mit der sicheren Hoffnung, daß das neue Kartelljahr dem K. Z. V. neuen Zuwachs an Macht und Größe bringen werde. Generalversammlung des Vereins „Misrachi“ Die am 21. Dezember im Turnsaale der Talmud-Thora abgehaltene erste Generalversammlung des Vereins „Misrachi“ nahm einen glänzenden Verlauf. Der Vorsitzende Herr Isidor Austerlitz eroffnete die Versammlung und begrüßte die überaus zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder. Er berichtete über die Tätigkeit des seit neun Monaten bestehenden Vereins und stellte mit Befriedigung fest, daß der Verein sehr beachtenswerte Erfolge erzielt habe und bereits einen angesehenen Faktor in der Wiener jüdischen Gesellschaft bilde. Der Kassaverwalter Herr Julius Leitner erstattete hierauf den Kassenbericht, den er in hebräischer Sprache einleitete. Gemeinderabbiner Dr. Grunwald hielt sodann einen glänzenden Vortrag über den gegenwärtigen Schulkampi in Palästina. Er kritisierte in scharfen Worten das gewalttätige, unjüdische Vorgehen des Hilfsvereins und dessen verhängnisvolle Schulpolitik in Palästina. Zum Schlüsse empfahl Herr Dr. Grunwald eine Resolution, welche nach kurzer Debatte, an der sich Rabbiner Kramer, Obmann Austerlitz, Goldschmied und Dr. B e n z i o n (Monastir) beteiligten, in nachstehender Form einstimmig angenommen wurde: Die Generalversammlung des Misrachi in Wien, am 21. Dezember 1913 beschließt einhellig: _ 1. Den löbl. Vorstand der isr. Kultusgemeinde um eine tatkräftige Unterstützung des hebräischen Unterrichtswerkes in Palästina zu ersuchen. 2. Alle Misrachivereine der Welt sind zum einmütigen geschlossenen Vorgehen zum Schutze des hebräischen Unterrichtswerkes aufzui'ordem.“ Es wurde ferner beschlossen, eine Deputation an den Präsidenten der Kultusgemeinde zu entsenden, um den in der Resolution sub 1) ausgesprochenen Wunsch persönlich vorzutragen und durch weitere Argumente zu unterstützen. Als Mitglieder dieser Deputation wurden gewählt die Vereinsmitglieder Rabbiner Dr. Grunwald, Rabbiner Kramer, Obmann Austerlitz, k. k. Inspektor i. P. Isidor Fischer, Jakob Wärkäny Goldschmied und Leopold Neumann. Im weiteren Verlauf der Sitzung werden verschiedene Gedankens gegeben, zu denen sich die Herren cand. phil. B r o n n e r, Julius Freude r, J. Grube r, Donath, städt. Armenrat Salo Lemberger, Bezirksrat Dr. Koloman Freud e r und O. Goldschmied äußerten. Als Ergebnis dieser Diskussion wurde der Beschluß gefaßt, eine vielgelesene jüdische Zeitung als Organ des hiesigen Misrachi zu bestimmen, in der periodisch misrachistische und Palästinaberichte veröffentlicht werden sollen. Die Wahlen der statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder und der Revisoren ergaben deren Wiederwahl wie auch die Neuwahl der Herren J. P i n k a s, Elias Weiß und Samson L e e m a n n. Die Fortschritte des JüdischenNationalfonds Der Jüdische Nationalfonds hat im vergangenen Jahre 1913 die Jahreseinnahme von 1 Million Francs erreicht. Wenn man die Beiträge und Spenden berücksichtigt, die aus fernen Ländern angekündigt sind und bei Jahresabschluß erst unterwegs waren, so hat der diesjährige Eingang des Nationalfonds die erste Million sogar überschritten. Dieses Ergebnis ist deshalb so bemerkenswert, weil der Jüdische Nationalfonds ein Volksfonds im wahren Sinne des Wortes ist, der in erster Reihe durch die freiwilligen Beiträge der Armen und Aermsten geschaffen wurde. Durch dieses Jahresergebnis ist der Nationalfonds in die Reihe der leistungsfähigsten jüdischen Institutionen gerückt, denn die größten jüdischen Organisationen können sich nicht rühmen, Mitgliedsbeiträge in dieser Höhe zu erhalten. Die Steigerung der Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds ist auf das wachsende Verständnis für seine fruchtbare Wirksamkeit zurückzuführen und auf die Liebe der breiten Schichten des jüdischen Volkes zu einem Fonds, der berufen ist, den nationalen Besitz in Palästina zu mehren und vor allem den besitzlosen einwandemden Massen die Verbindung mit der heimatlichen Scholle zu erleichtern. Die Erfahrungen des letzten Jahres beweisen auch, daß der Nationalfonds auf die Sympathien und die werktätige Förderung nicht nur der zionistischen Kreise der Judenheit rechnen darf. Die Aktion zugunsten der Arbeiter- und Jemenitenhäuser, die dem Natkxnalfonds mehr als 300 000 Frcs. zugeführt hat, wurde in der groß herzigsten Weise von jüdischen Gemeinden, Logen, Körperschaften und Kolonisations-Vereinen ohne Rücksicht auf ihre politische Gesinnung unterstützt, die sich in den Dienst des Jüdischen Nationalfonds gestellt und für ihn in den wohl habenden Kreisen der Judenheit geworben haben. So darf angenommen werden, daß der Jüdische National fonds dank der Mitarbeit aller Schichten des jüdischen Volkes sich zu einem machtvollen Instrument der Kolonisation Pa lästinas gestalten wird. Schon gibt es Länder, die dem Natio nalfonds eine regelmäßige Einnahme zuführen, die den Bei trag von 1 Frcs. pro Kopf der jüdischen Bevölkerung über steigt. Es ist deshalb keine Uebertreibung, wenn wir au Grund der einzigartigen Stellung, die der Jüdische National fonds im Bewußtsein des jüdischen Volkes einnimmt, uns des Ausbaues seiner Organisation annehmen, daß sich sein- Jahreseinnahme in nicht ferner Zukunft entsprechend der Zati der Juden in der ganzen Welt vervielfachen wird. Mit diese Hoffnungen gehen alle Freunde des Jüdischen Nationalfond an die Arbeit im nächsten Jahre. Vom Jüdischen Verlag Wir möchten die Aufmerksamkeit unserer Leser aut da im Jüdischen Verlag erschienene Werk „Die Sprachen d< Juden“ von Heinrich Loewe lenken. Durch den Sprache! streit in Palästina gewinnen die gründlichen und sachkundige Ausführungen an besonderem Interesse. Im übrigen verweise wir auf den Inseratenteil, in welchem der Jüdische Verla einige maßgebende Urteile über das Buch mitteilt. Erklärung. Gegenüber einer in einem gegnerischen jüdischen Blatt verbreiteten Meldung, daß die „S e I b s t w e h r“ ihr E scheinen eingestellt habe, erklären wir hiermit, daß die« Meldung auf Unwahrheit beruht und böswillig erfunden is die „Selbstwehr" konnte zwar infolge des Gehilfenstreikes i Buchdruckergewerbe — wie fast alle österreichischen Blatt« selbst Tageszeitungen — in den letzten zwei Wochen nie regelmäßig erscheinen, doch beruht dies nur auf dem erwähnt» technischen Grund und ab 9. Januar wird das Blatt wied regelmäßig wie bisher herausgegeben. Prag, 2 Januar 1914. Verlag der „Selbstwehr“.