Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Article
- Der Augenblick
- Date
- 1914-01-09
- Page
- 32 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Nr. 2 erfüllen, die anderen danach, sich durchzusetzen. Die einen wollen aus ihrer Wahrheit eine Wirklichkeit schaffen, die anderen aus ihrer Wirklichkeit eine Wahrheit zurechtmachen. Die einen sind eines Zieles gewiß, die anderen in viele Zwecke verstrickt. Wir — ich wage es, von den Juden, die zu den ersten gehören, „wir“ zu sagen — wir meinten den oder jenen unserm Lager oder doch dessen äußerem Ring zuzählen zu sollen, der sich nun mit Haut und Haaren den andern verschrieben hat. Was ficht uns das an? Es ist nicht an uns, über die reine Scheidung zu trauern, die das Halbe und Brüchige aus unserer Nähe bannt. Mit dem in sich Unsicheren frommt kein Pakt; alles Bündnis mit Schwankenden schwächt. Und daß die Schar unserer Gegner gewachsen ist — nun denn, um so größere Kraft müssen wir aufbieten, um so mehr ruhende Energie in wirkende Umsetzen; unser tätiges Wesen wächst mit der gegnerischen Schar, und wir danken dem Augenblick, der uns also vollendet. Aber wahrhafte Größe gewinnt der Kampf erst, wenn er schöpferisch wird: wenn Werke und Werte seine Waffen sind. Das ist das Stadium, in das wir in diesem Augenblick treten. Lange genug konnten wir gegen die Rede der andern nur unsere Widerrede schleudern; freilich war auch unsre Arbeit eine Antwort, aber die brauchte niemand zu hören, der sie nicht hören wollte, weil sie wohl Antwort, aber nicht Waffe war. Nun aber ist es anders geworden. Jene vermaßen sich, auf unserm Boden, in dem Bezirke unseres Werkes die schillernden Fahnen ihrer Anpassungen aufzupflanzen. Da genügt nicht Wort, nicht abseitige Weiterarbeit; es gilt, die Fahnen auszureißen und unsre alleinherrschend zu entfalten. Das ist nicht mehr Protest und Gegenprotest, Proklamation und Gegenproklamation, das sind nicht mehr Herausforderungen, die aus den Heeren hinüber und herüber schallen: das ist Nahkampf, das ist Handgemenge, das ist der entscheidende Augenblick. Position gegen Position'. Gegen falsche Werke und Werte echte Werke und Werte! Das heißt mit dem Kampf Ernst machen. Und denen von unseren Freunden, die uns mahnen, unserer programmatischen Hauptaufgabe, der Politik, eingedenk zu sein und unsere Kräfte nicht von ihr abzulenken, denen sei fürs erste gesagt, daß Erziehung der Anfang aller Volkspolitik ist. Und weiter, daß es in aller Welt nur eine gute Politik gibt: die auf uns elementar eindringende Frage des Augenblicks jeweilig alsogleich mit der ganzen, fertigen, geschlossenen Tat zu beantworten, „wie der Ballspieler den Ball, sich mit gerafften Gliedern entgegenwerfend, auffängt“. Wie das, fragt ihr: ohne zu überlegen? Ja, ohne zu überlegen; aber nicht ohne überlegt zu haben. Das ist die rechte Besonnenheit, die sich nicht mehr zu besinnen braucht, weil Wissen, Erfahrung, Uebung noch in ihrem Reflex lebendig sind. Das ist die rechte Politik, die kein Bedenken kennt, weil sie sich längst darauf bedacht hat, dem Augenblick gewachsen zu sein. Und das ist das rechte Judentum, in dem nicht, wenn es zu tun gilt, das Denken zu spielen beginnt, sondern in dem der Geist Wille und die Erkenntnis Instinkt geworden ist. Martin Buber. tminmmmnmnmummimmimmnmimimnmm FÜR UNSER SCHULWERK Von den überaus zahlreichen Kundgebungen zum Sprachenkampf in Palästina, die dem Zionistischen Zentralbureau auch in dieser Woche zugegangen sind, bringen wir nachstehend eine kleine Auslese: Karlsruhe. Nach einer sehr großen Versammlung, in der Herr Dr. Klee sprach, wurden 350 M. aut die Dauer von fünf Jahren gezeichnet. Die Zeichnung soll aut 500 M. erhöht werden. Es soll der Versuch gemacht werden, durch jährliche Veranstaltung eines Festes für das hebräische Schulwerk den Beitrag wesentlich zu erhöhen. Konstanz. Am 4. Januar sprach Herr Dr. Klee in einer kleinen Versammlung, die 300 M. Jahresbeiträge für 5 Jahre zeichnete und beschloß, durch jährliche Veranstaltung eines Festes zugunsten des hebräischen Schulwerks und durch Einbeziehung der benachbarten Gruppe G a i 1 i n g e n diesen Betrag noch wesentlich zu erhöhen. Misrachi-Gruppe Hamburg. Wir haben bereits eine lebhafte Sammeltätigkeit für die hebräischen Schulen eingeleitet. Gelegentlich einer gestern von uns veranstalteten öffentlichen Versammlung haben wir annähernd 300 M. für diesen Zweck erhalten. Gollub, Westpr. Die hiesige kleine Gruppe gibt als erste Rate 95 M. Troppau. Der zionistische Verein „Jeschurun“ hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, in Anbetracht der wichtigen Aufgaben des Zentralfonds für das Jahr 1914 einen Betrag von 1500 Kr. zu zeichnen. Da aber ein so großer Betrag für unsere kleine Gemeinde und deren nicht sehr bemittelte Mitglieder auf einmal zu leisten zu hoch wäre, haben wir den einzelnen die Zahlung in zehn Monatsraten gestattet. Die vorjährigen Beiträge hat jeder Beitragende auf das Doppelte, mancher auch aut das Dreifache erhöht. Czernowitz. Der jüdischnationale akademische Verein „Emunah“ protestiert gegen den Beschluß des Kuratoriums des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina und spendet zugleich 50 Kr. für den Zentralfonds. Drohobycz (Galizien). Mit der Uebersendung von 500 K. haben wir Ihnen gleichzeitig unseren glühenden Protest gegen die beleidigenden Beschlüsse des Kuratoriums unterbreitet. Wir setzen unsere Sammlung fort und hoffen zuversichtlich, daß im Kampfe für unsere nationale Sprache der Sieg uns gehört. Nagytapolcsäny. Ihr Aufruf hat auch bei uns lebhaften Widerhall gefunden. Wir haben in Nyitra-Zsambokret einen zionistischen Abend veranstaltet, dessen Reinerträgnis von zirka 100 Kr. wir beschlossen haben, dem palästinensischen Schulwerk zu widmen. Banjaluka (Bosnien). Tief empört über das Vorgehen des Hilfsvereins hat der hiesige Verein „Kadimah“ eine Protestresolution beschlossen. Eine Sammlung ist in die Wege geleitet. Z a r i z y n. Nach Anhörung der Berichte über den Sprachenkampf in Palästina beschlossen wir einmütig, unseren Brüdern Dank und Gruß zu entbieten. Wir glauben an den Sieg der gerechten Sache. Wir beschlossen, monatlich 100 Frs. für das Schulwerk in Palästina zu senden. Anbei senden wir den Betrag von 100 Frs. für den ersten Monat. Es ist unsere heiligste Pflicht, unsere Jugend in Palästina zu erlösen. G r o d n o. Die hiesigen „Chowewe Sphath Ewer“ protestieren energisch gegen den unverantwortlichen und gewissenlosen Versuch, unsere nationale Sprache aus den Schulen Erez-Israels zu verdrängen. Als vor einigen Jahren die Vertreter des Hilfsvereins unsere Gemeinde besuchten, um Beiträge für das geplante Technikum zu sammeln, da waren es Zionisten, die die Ziele dieser Vertreter auf das energischste unterstützten. Wir rufen euch an, mutig für die > Ehre unserer nationalen Sprache einzutreten. Keine Schwierigkeit darf uns abschrecken, wo es sich um die nationale Erziehung unserer Jugend handelt. Als Ergebnis unserer ersten Sammlung senden wir Ihnen 300 Rbl. Tomaschow. Empfangen Sie von den hiesigen „Chowewe Sphath Ewer“, Zionisten und Nichtzionisten, den ersten gesammelten Betrag von 100 M. Möge uns dieses treulose Vorgehen des Hilfsvereins als Warnung dienen. Nur mit unseren eigenen Händen und unserem eigenen geistigen Rüstzeug wird die Burg Zion errichtet werden. Kein assimilatorischer Kreis verdient Vertrauen, wo es sich um die nationale Zukunft handelt. An nationalen Werken kann man nur mit ganzem Herzen arbeiten. Die palästinensischen 99999999999999999 0682021508