Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Article
- Dr. Adolf Salvendi gestorben! [Nachricht]
- Date
- 1914-01-02
- Page
- 17 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 1 dies^Kelt 17 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiimi WELTCHRONIK iiiiiil! iiimmmmimmimiiiiimmimium iiiiiiiiiiiiiiimiinniiiHiiiiiiinij Deutschland jHiiiiiiiiinniiiiiuiiiiiinimiii[ Dr. Adolf Salvendi gestorben Am 23. Dezember verschied in Karlsruhe im 77. Lebensjahre der bekannte Palästinafreund Dr. Adolf Salvendi. Der Verblichene, der bis vor kurzem Rabbiner in Dürkheim (Pfalz) war, wirkte ein Menschenalter hindurch mit großer Hingebung für die verschiedensten Wohlfahrtsanstalten Palästinas. Er wälr u. a. Mitbegründer des Lemaan Zion- Vereins in Frankfurt a. M. und erwarb sich große Verdienste um dessen Augenklinik in Jerusalem sowie um das deutschisraelitische Waisenhaus, das vor kurzem von Jerusalem nach Ain-Ganim bei Pethach-Tikwah verlegt wurde. Die Schaffung von Armenwohnungen und anderer segensreicher Wohlfahrtseinrichtungen in Jerusalem entsprang seiner Initiative. Auch sonst hat sich der Heimgegangene auf verschiedenen Gebieten der jüdischen Wohlfahrtspflege große Verdienste erworben. Ehre seinem Andenken! j Oesterreich - Ungarn |iii»iiii«| Tod eines hervorragenden jüdischen Gelehrten Am 25. Dezember starb hier der Rektor der Landes- Rabbinerschule, Dr. Wilhelm Bacher, im Alter von 64 Jahren. Bacher gehörte zu den bedeutendsten semitischen Philologen der Gegenwart und war eine allseitig anerkannte Autorität auf dem Gesamtgebiete der Wissenschaft des Judentums. Sein großes sechsbändiges Agadawerk („Die Agada der babylonischen Amoräer■*', „Die Agada der palästinensischen Amoräer ‘ und „Die Agada der Tannaiten“ 1S7S—1890) bildet eine wahre Fundgrube für die Erforschung dieses wichtigen Teiles des altjüdischen Schrifttums. Bacher zählte auch zu den besten Kennern der arabisch-jüdischen und der persisch-jüdischen Literatur. Auf diesen und den verwandten Gebieten schrieb er u. a.: „Leben und Werke des AbuT-Walid Merwän Ibn Ganah“ (1585), „Die Bibelexegese Mose Maimuni’s“ (1896), „Die hebräische Sprachwissenschaft des 10. bis 16. Jahrhunderts“ (1893), „Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung“ (1899), „Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maimuni“ (1892), „Hebräisch-persisches Wörterbuch aus dem 14. Jahrhundert“ (1900), „Zwei jüdisch-persische Dichter: Schahin und Imrani“ (1907), „Les Juifs de Perse au 17. et 18. siecles“ (1907) und „Die hebräische und arabische Poesie der Juden Jemens“ (1910). Zum Tode Prof. Bachers wird uns von unserem Budapester Korrespondenten noch geschrieben: Der Verblichene wurde am 12. Januar 1850 in Liptö-Szentmiklös geboren. Seine Familie, welche bereits in früheren Jahrhunderten dem Judentum eine große Anzahl von Gelehrten schenkte, hieß ursprünglich Bacharach und stammte aus der gleichnamigen Stadt am Rhein. Wilhelm Bacher betätigte sich bereits in der Jugend literarisch. Er stand erst im 15. Lebensjahre, als seine erste Arbeit, die hebräische Liebersetzung des Schillerschen Gedichtes „Der Jüngling am Bach“, erschien. Die in der Festschrift anläßlich seines 60. Geburtstages zusammengestellte Bibliographie seiner Schriften umfaßt nicht weniger als 611 Arbeiten, darunter 45 größere selbständige Werke. Alle Gebiete der jüdischen Wissenschaft fanden in ihm ihren großen Meister, Bibelexegese, Religionsphilosophie und Philologie im weitesten Sinne des Wortes. Auch als Orientalist war er einer der Größten, wodurch er der Wissenschaft des Judentums neue Gebiete erschließen konnte. Er war der erste, der die Wechselbeziehungen der persischen und jüdischen Literatur und die wissenschaftliche und literarische Tätigkeit der persischen Juden erforschte. Seine Arbeiten auf diesem Gebiete sind bahnbrechend. Auch eine wertvolle Monographie über die Dichtkunst der Juden des Jemen verdanken wir ihm. Bacher war der Mitbegründer der einzigen in ungarischer Sprache erscheinenden jüdisch-wissenschaftlichen Zeitschrift „M a g y a r - Z s i d 6 S z e m 1 e“, einer der Gründer des Ungarisch-Israelitischen Literatur Vereins und Redakteur und Hauptmitarbeiter der von diesem Verein herausgegebenen Bibelübersetzung, der ersten und bisher einzigen Bibelübersetzung in ungarischer Sprache, die aus dem hebräischen Originaltexte erfolgte und vornehmlich wissenschaftlichen Zwecken dienen wollte. Der Verblichene war aber in erster Reihe Lehrer. Er gehörte dem Professorenkollegium des Landes-Rabbinerseminars seit dessen Gründung an und wurde nach dem Tode von Moses Bloch vor einigen Jahren Rektor dieser Anstalt. Er blieb dem Trubel des öffentlichen Lebens fern, der jungjüdischen Bewegung stand er jedoch verständnisvoll gegenüber, und es bereitete ihm sichtlich Freude, wenn er gewesene Schüler als mutige Kämpfer für das lebendige Judentum und den Hebraismus sah. So bedeutet das Hinscheiden des trefflichen Mannes auch für das gesamte jüdische Volk einen herben Verlust. — Das Leichenbegängnis fand am 28. Dezember unter überaus großer Teilnahme statt. Viele Freunde und Verehrer des Verstorbenen waren auch aus dem Auslande (Wien, Berlin, Breslau usw.) herbeigeeilt, um dem großen Gelehrten die letzte Ehre zu erweisen. Hugc Salus und der deutsch-böhmische Ausgleich Unser Wiener Korrespondent schreibt uns : Der Prager jüdische Dichter Hugo Salus, der heute „die Stimme des Blutes“ vernimmt, morgen aber — unerforschlich sind die Wege der Poesie — ein deutschnationales Gedicht für den „Georg-Hirth-Schrein“ widmet, äußerte sich in der Weihnachtsnummer der „Neuen Freuen Presse“ über den deutsch-böhmischen Ausgleich. Er tritt diesmal als bewußter Sohn des deutschen Volkes auf. Das ist seine Sache. Daß er aber, wohl aus einem dunkeln Drange heraus, in den Kampf zwischen Deutschen und Tschechen den Zionismus hineinzerrt, ist unsere Sache. Der Zionismus ist weder „eine Politik der Stunde“, noch läßt er sich mit landläufigen politischen Begriffen derart zusammenspannen, wie es Herrn Salus beliebt: „Jeder achtzehnjährige Jüngling ist schon Antisemit oder Zionist, Arier oder Nichtarier, Deutschnationaler oder Tschechischradikaler, spricht großartig über Volkstum und Stammesgemeinschaft, weil diese Art von Politik so viel bequemer ist, als die kulturelle Arbeit an der eigenen Vervollkommnung und der Verbesserung der Brüder.“ Wer in solchem Zusammenhänge unsere Bewegung nennt, sie in das Schubfach wirft, in welchem der Hurrahnationalismus unreifer Jungen, der Rassenantisemitismus und der parteimäßige Rassendünkel liegen, dem ist nicht zu helfen. Vorläufig ersuchen wir Herrn Salus, seine tschechischen Freunde, auf die er sich beruft, zu fragen, ob es nicht am klügsten wäre, wenn sich die Juden überhaupt nicht an dem Kampfe der beiden Nationen in Böhmen beteiligten. Weder als drapierte Deutsche, noch als vermummte Tschechen, weder als Politiker noch als — Experten in der Tagespresse. Sie mögen es ihm nur ehrlich sagen, um welch gutes Stück der auch von Salus so heiß ersehnte Ausgleich vorwärts käme, wenn die böhmischen Juden sich nicht fremdnational engagierten und wenn sie, statt die böhmische Nationalitätenfrage zu komplizieren und sich in zwei Lagern als „Deutsche“ und „Tschechen“ gegenüberstehen — neutral blieben, die beiden Völker ihre Differenzen unter sich austragen ließen und Geist und Gut dazu nützten, „die kulturelle Arbeit an der 7^286043879510 5769 ^7769869931174^^91^94510147^ 4743602721247768