Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Article
- Protest der ungarischen Misrachisten
- Date
- 1914-01-02
- Page
- 15 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 1 15 DIE^ELT Resolution angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die osteuropäische jüdische Studentenschaft die Einführung einer anderen als der hebräischen Unterrichtssprache am Haifaer Technikum aufs schärfste verurteilt und sich mit dem hebräischen Lehrerverband und der übrigen jüdischen Bevölkerung Palästinas in ihrem Kampfe gegen die verderbliche Schulpolitik des Hilfsvereins solidarisch erklärt. Protest der ungarischen Misrachisten Namens der ungarländischen Misrachi-Organisation protestiert deren Leitung gegen den Beschluß des Deutschen Hilfsvereins, an dem Technikum in Haifa an Stelle der allein berechtigten hebräischen Sprache, die deutsche Sprache als obligate Vortragssprache einzuführen. Die Misrachi-Organisation in Ungarn erklärt sich mit dem Standpunkte und dem bisherigen Vorgehen des zionistischen Actions-Comites vollkommen einverstanden und solidarisch und hofft, daß dasselbe nichts unterlassen werde, um dieses Attentat gegen die hebräische Sprache und gegen die Ehre des jüdischen Volkes zu paralisieren. Die Stimmung in Deutschland Der Berliner Korrespondent des „Jewish Chronicle“ entwirft von der Stimmung in Deutschland folgendes Bild, das man nicht wird als unzutreffend bezeichnen können: „Das Vorgehen des Hilfsvereins in Jerusalem hat in allen jüdischen Kreisen Deutschlands, soweit sie nicht auf Dr. Paul Nathan eingeschworen sind, einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Selbst in extrem liberalen Kreisen hält man es für lächerlich, den russischen Juden in Palästina mit Hilfe der türkischen Polizei deutschen Geist aufzwingen zu wollen. Das Eingreifen des deutschen offiziellen Nachrichtenbureaus ist besonders bedauerlich. Das Wolffsche Telegraphen-Bureau hat sich bisher niemals um jüdische Angelegenheiten gekümmert und erteilt jetzt zum ersten Male der deutschen Presse über die Vorgänge in Palästina Informationen, die natürlich von ganz bestimmter Seite herkommen. Das deutsche Publikum wird plötzlich auf einen Konflikt zwischen Zionismus und „deutschen Interessen“ hingewiesen, nachdem es annehmen mußte, daß die deutsche Regierung dem Zionismus Sympathie entgegenbringe. Natürlich wird durch diese Politik des Hilfs Vereins der Antisemitismus in Deutschland nicht gerade geringer werden. Der Hilfsverein will die Sache so darstellen, als ob der ganze Streit nur dem ungünstigen Einfluß der russischjüdischen Jugend in Palästina zuzuschreiben sei, die angeblich Deutschland feindlich gegenüberstehen soll. Das ist jedoch eine schwere Verleumdung und lediglich geeignet, den Antisemiten eine starke Waffe in die Hand zu geben. Wenn wirklich die russischen Juden Deutschland feindlich gesinnt wären, so könnte man ja von der deutschen Regierung auch nicht verlangen, daß sie den russischen Studenten die Aufnahme an deutschen Universitäten erleichtern solle. Es erklärt sich daher, daß diejenigen jüdischen Kreise in Deutschland, die gern die deutschen Juden an der Spitze der-gesamten Judenheit sehen möchten, empört über die Politik Dr. Nathans und seiner Freunde sind, da aus ihr eine Katastrophe entstehen muß, unter der die deutschen Juden in erster Linie schwer leiden werden. Die deutschen Zionisten, die vom Hilfsverein der Anstiftung der jetzigen Unruhen in Palästina beschuldigt werden, haben nur ihre Pflicht getan, indem sie die allgemeine Presse über die wirkliche Lage der Dinge aufgeklärt Streik der Alliance-Schüler in Beirut Zu der von uns unter dieser Ueberschrift in Nr. 50 gebrachten Nachricht bittet uns das Pariser Bureau der A. I. U. zu berichtigen, daß diese Meldung nach seinen Informationen unzutreffend ist Auch eine „Kundgebung“ Damit in dem Ernst unseres Kampfes auch der Humor zu seinem Recht komme, wollen wir unseren Lesern die Nachricht nicht vorenthalten, mit der die Pariser Zeitung „Le Soleil“ ihren Lesern von dieser Sache Kunde gibt. Das Blatt schreibt unter dem 21. Dezember wörtlich (in getreuer Uebersetzung des Originals): Juden. Die Zionisten haben in Berlin ihren Kongreß abgehalten, den ersten nach dem berühmten Wiener Kongreß. Die Debatten waren streng vertraulich, selbst die zionistische Presse war nicht zugelassen worden. Indessen haben sich doch einige Gerüchte verbreitet. Man beriet über die Frage des „R o j t e r C e 11 e 1“ t feuille rouge) und über die Kolonisation von „Are Israel“ (Terre dMsrael). Man hat auch beschlossen, daß an dem Jüdischen Polytechnisehen Institut in Palästina in deutscher Sprache unterrichtet werden soll, trotz der Proteste der palästinensischen Zionisten, ein Beschluß, für den der Kaiser dem jüdischen Komitee in einem besonderen Briefe gedankt hat. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese „Nachricht“ nicht nur auf .... Uninformiertheit, sondern ein klein wenig auch auf Böswilligkeit zurückzuführen ist. Aber diesmal trifft es die Zionisten leider nicht! Die Wahrheit marschiert! Glossen von Hillel ben Elijahu I. Im Jahre 1900 hatte Max Nordau geschrieben, daß es eine Lüge, eine freche Geschichtsfälschung sei zu behaupten, die Juden hätten die politische Gleichberechtigung erkämpft. Ein Sturm raste damals durch den deutsch-jüdischen Blätterwald, der wegen dieser Aeußerung des Zionisten Nordau den ganzen Zionismus hinwegfegen wollte. Nur ein so von allen guten Geistern verlassenes Menschenkind wie ein Zionist, konnte so etwas behaupten, und noch dazu in aller Oeffentlichkeit und damit die „mit schweren Opfern erkämpfte Gleichberechtigung gefährden“. Hinaus aus dem Tempel — so und ähnlich tönte es lieblich von allen jüdischen Skribenten, die sich billige Triumphe und Besseres zu holen gedachten . . . 1913. Fünfte Hauptversammlung des „Verbandes der deutschen Juden“ in Hamburg. Stadtrat Dr. Ludwig Haas aus Karlsruhe, Mitglied des Reichstags, Deutscher Sans phrase, eifrigster Bekämpfer des Zionismus, hält eine hochoffizielle Rede in aller Oeffentlichkeit und verkündet darin: . . . „Es ist uns vielleicht am Anfang des vorigen Jahrhunderts zu gut gegangen ... Wir hatten unsere Rechte nicht erkämpft, sondern man hatte sie uns als ein Geschenk gewährt, als ein Geschenk aus philosophischen und staatspolitischen Erwägungen heraus ...“ Der Mann wurde nicht gesteinigt, sondern mit dem größten Beifall von seiten der „maßgeblichen“ Kreise der deutschen Juden belohnt. II. Werner Sombart sagte in seiner bekannten Rede und in der späteren Broschüre „Die Zukunft der Juden“, wie er sich das zukünftige Zusammenleben der Juden und Nichtjuden in den europäischen Staaten denke: „Die Staaten geben ihren jüdischen Mitbürgern die volle Gleichberechtigung, und die Juden werden die Klugheit und den Takt besitzen, diese Gleichberechtigung nicht überall und in vollem Umfange a u s z u n ü t z e n.“ Folge: Die sich „Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens“ nennen, fallen über Sombart speziell wegen dieser Aeußerung her, schimpfen ihn gerade mit Berufung darauf „Antisemit“ und höhnen die Zionisten, die ihn deswegen