Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Article
- Die Polizei in der Schule
- Date
- 1914-01-02
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 1 9 DIE^TELT zu bleiben; die Mädchen aber weigern sich, in die alte Schule mit schlechten Lehrern und wenig Schülern und ohne das „Rak Ibrith“ („Nur Hebräisch“) zurückzugehen. Dr. Nathan war gestern stundenlang dort, um sie zu überreden — ohne Erfolg. Frau Direktor Cohn ist Tag und Nacht dort, hält.die Kinder eingeschlossen und läßt niemand hinein. Als heute nach einer Versammlung das Publikum singend dort vorbeizog, jubelten die Kinder vom Balkon aus ihnen zu und riefen, daß sie aushielten. Wie entsetzlich müssen die Vorgänge des Mittwoch auf sie gewirkt haben, daß sie alles hingeben, und wie lieb müssen sie ihre hebräische Sprache und ihre Lehrer haben, um gegen alle Vorstellungen nur die eine Antwort „Rak Ibrith“ zu haben. Der Schluß ergibt aber das eine: Der Mann, der solchen Schrecken in die Seelen der Kinder trieb, er ist ferner nicht fähig, Leiter junger Herzen zu sein. Daher geht meine dringende Bitte dahin, veranlassen Sie das Zionistische Actions-Comite, die Kinder, für die man hier zahlt, sofort herauszunehmen! Diese Herausnahme ist eine notwendige Konsequenz, die die Zionisten ziehen müssen. Das Actions-Comite muß doch bald für seine Schützlinge sorgen, denn Direktor Cohn ist hier fertig, wie es auch werden mag . . . .“ Ein Appell von David Jellin Der Leiter der neuen hebräischen Schulanstalten in Jerusalem und frühere Prorektor des Hilfsvereins-Seminars veröffentlicht im „Hacheruth“ den nachstehenden Aufruf an die Schüler und deren Eltern, sowie an die übrige jüdische Bevölkerung Jerusalems: Nicht mit Schwertgeklirr und Säbelrasseln eröffnen wir unsere hebräischen Schulen. Wir brüsten uns nicht mit reichen Geldmitteln und locken unsere Schüler nicht durch glänzende Versprechungen heran. Im Namen der heiligen Sprache unseres Volkes, im Namen unserer hehren Bestrebungen wenden sich unsere Schüler uns zu, strömen sie alle herbei, Groß und Klein. Geleitet von dem sehnlichen Wunsch, ihre Kinder als ganze Juden und nicht als haltlose Zwittergeschöpfe erzogen zu sehen, schicken die Eltern ihre Söhne und Töchter zu uns. Nicht mit roher Gewalt bemächtigen wir uns armer verlassener Waisenmädchen und schleppen sie wie eine Schar kleiner Sträflinge in die Schule. Aus Liebe zu ihren Lehrern, aus Treue zu ihrem Volke wenden sich diese tapferen kleinen Mädchen von denen ab, die bisher für ihren Lebensunterhalt gesorgt haben und strecken hinter den Eisengittern, die sie einschließen, die Hände flehend nach unserer Schule hin aus. Nicht um schnöden Lohn oder um irgend einen materiellen Vorteil, nicht aus eitler Ehrsucht haben wir unsere guten lohnenden Stellungen preisgegeben. Um des hohen Ideals willen, das in uns glüht, solange wir für die Wiedergeburt unseres Volkes tätig sind, um des Ideals willen, das die mächtigste Triebkraft unseres Wirkens auf dem Gebiete des Erziehungswesens war, haben wir die gesamte Arbeit der Vergangenheit, unsere ganzen Hoffnungen für die Zukunft geopfert, haben unseren guten Namen allen denen preisgegeben, die sich nicht scheuen, uns zu schmähen und unsere Ehre in den Staub zu ziehen. Nicht um unsertwillen, sondern um euretwillen, ihr lieben Schüler, die den auf eurem Herzen und auf eurem Geiste lastenden Druck nicht mehr ertragen konnten; um euretwillen, werte Eltern, die die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder bedrückt, um eurer Kinder willen, die wir wie die unseren geliebt haben, taten wir dies. Wir schicken keine Mittelsleute zu euch, von denen jeder seine besonderen Interessen und Vorteile wahrnimmt; wir errichten keine neuen Gebäude, beschäftigen keine Handwerker, Unternehmer und Baumaterialienhändler; wir unterstützen keine Wohltätigkeitsanstalten und verteilen keine Chalukah an Leute, die sich Rabbiner und Chachamim neunen. Wir stützen uns nur auf euer eigenes gesundes Urteil, auf euer redliches Streben, eure Kinder zu nützlichen Gliedern der jüdischen Gesellschaft heranreifen zu sehen, und wir wissen wohl, daß ihr Urteilskraft genug besitzt, um zu erkennen, was die Ehre eures Volkes und das Interesse eurer Kinder von euch fordert. Wenn es eine jüdische Organisation gibt, deren Anstalten hier im Lande sich des besten Rufes erfreut haben, so verdankt sie dies ja nur ihren Lehrern, die ein Menschenalter lang hier im Lande vor euren Augen gearbeitet haben und die nunmehr aus den Anstalten vertrieben worden sind — die einen schon jetzt, die anderen zum Schluß des Schuljahres. Die Lage ist vollständig geklärt. Die Stunde ernster Arbeit ist jetzt für uns gekommen. Unsere Tätigkeit auf dem Gebiete des so heiligen Erziehungswerkes erhebt uns über alle Kleinlichkeiten des Augenblicks und alle flüchtigen Ereignisse des Tages. Und wenn es uns, wie wir zuversichtlich hoffen, glücken wird, ein gesundes, lebensfrisches Geschlecht für das jüdische Volk, seine Religion, seine Lehre und Wissenschaft großzuziehen, so wird dies unser nachdrücklichster Protest sein. Kommt, liebe Schüler, kehret in Ruhe zu euren Büchern zurück! Unser Platz ist in unseren Lehrhäusern! „Nicht durch Kraft, nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr!“ (Secharja, 4, 6) David Jellin. Die Kampfmittel des Hiifsvereins (Von unserem Jaffaer Korrespondenten) Obwohl der Kampf, den die Beschlüsse des Kuratoriums in Jerusalem und Jaffa heraufbeschworen haben, im wesentlichen vorüber ist, so steht er doch noch immer im Mittelpunkt des Interesses. Die Spannung hält an, obwohl kaum neue Ereignisse zu erwarten sind. Es handelt sich jetzt zunächst um das Technikum. Wenn die Herren vom Kuratorium sich nicht eines Besseren belehren lassen wollen, so bleibt nur ein Weg übrig: die Eröffnung des Technikums auf Jahre hinauszuschieben. Gewiß war es ein unsinniges Märchen, wenn die palästinensischen Manager des Hilfsvereins von uns faselten, wir wollten in dem Kampfe für die hebräische Sprache in den Hilfsvereins- Schulen Gewaltmittel anwenden. In unserer Leichtgläubigkeit ließen wir uns von einem von diesen Leuten abgefaßten Drohbrief (nach Art der russischen Ochrana) derart düpieren, daß wir allen Ernstes durch eine Erklärung unsere Freunde vor unbesonnenen Schritten warnten — worüber wir jetzt lachen müssen, da kein Mensch in Jaffa oder Jerusalem so töricht war, die Herren des Hilfsvereins, die ja glänzend unterlegen sind, noch auf andere Weise zu kränken. Ganz anders in Haifa! Die Eröffnung eines nichthebräischen Technikums in Haifa würde als eine dauernde Provo-