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Die Welt · 1912-12-13 · 50 (13.12.1912) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 50 1568 dies|kelt Vormittags fand in der Turnhalle des I. Wiener jüdischen Turnvereines ein interessanter Wettkampf statt, bei welchem prächtige leichtathletische Leistungen erzielt wurden. Nachmittags tagte die Delegiertensitzung und beriet Organisationsfragen. Den Höhepunkt des Turntages bildete ein glänzendes S c h a u t u r n e n im Sophiensaale. Nach dem imposanten Aufmärsche der Männerabteilungen, Frauenabteilungen, der Zöglinge und der Kinderriegen hielt Ob.-Ing. Robert Stricker eine kernige Ansprache. Die Vorführungen brachten selbst gewiegten Kennern viele De herrasch ungen. Ganz ausgezeichnet waren die Geräteübungen der Damen am Barren, Tisch, Pferd und Bock und ihre anmutigen Freiübungen nach schwedischem System. Das Turnen der Männer war erstklassig, und als die Kinder sich aufs Doppelreck schwangen und dann kühne Gewehrsprünge ausfiihrten, erscholl stürmischer Beifall. Aus dem reichen Programm sei noch der wunderschöne Reigen, verbunden mit Keulenschwingen, besonders erwähnt, mit welchem Mitglieder des Brünn er jüdischen Turnvereines (() Damen und b Herren) das Publikum erfreuten. Vor Beginn des Tanzkränzchens rief der Präsident des I. Wiener jüdischen Turnvereines, Herr I)r. Beer, die Sieger im Fünfkampfe vor und überreichte ihnen Diplome. Auszeichnung eines zionistischen Akademikers (Von unserem Berichterstatter.) Czcrnowitz. Der jüd.-nat. akad. Verein ,,E m u n a h“ beging Samstag, den 23. v. M„ eine seltene Feier, da der Obmann seines Altherren-Verbandes, Gymnasiallehrer Hermann Sternberg, zum Doktor der Philosophie sub a u s p i c i i s imperatoris (eine selten verliehene besondere Auszeichnung) promoviert wurde. An dem feierlichen Akte nahm in Vertretung des Kaisers der Landespräsident der Bukowina Graf v. Meran teil, der dem Kandidaten nach einer längeren Beglückwünschungsansprache einen prächtigen Diamantring mit den Initialen des Kaisers Franz Joseph überreichte. Der Vortrag „Ueber den Bildungswert der Antike“, den Herr Sternberg bei der Promotion hielt, erntete seitens der Universitätsprofessoren sowohl wie auch seitens der vielen Hunderte von Gästen, lebhaften Beifall; und der Ausgezeichnete wurde wiederholt mit stürmischen Fl ed ad-Rufen begrüßt. — Dem Verein „Emunah“ kamen aus Anlaß dieser Promotion seines Mitgliedes von allen Seiten herzliche Gratulations-Kundgebungen zu, darunter ein Glückwunschschreiben vom Mitglied des A.-C. Adolf Stand (Lemberg). Diese Promotion beweist - wie Herr Stand in seiner Gratulation ausführte „daß diejenigen, die sich stolz zu ihrer alten Nation bekennen, auch ihre besten, leistungsfähigsten Söhne sind“. — Misrachi-Agitation in Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Der Generalsekretär der Misrachi-Föderation, Herr M. Berlin, befindet sich seit einigen Tagen in Ungarn, um dem Misrachi hier neue Mitglieder zu werben. Unser Landeskomitee mißbilligte die Agitation für eine Sonderföderation, und zwar lediglich aus taktischen Gründen. Die allgemeine zionistische Landesorganisation ist nämlich verhältnismäßig noch sehr schwach und durch die Sonderstellung der Misrachi würde sie noch mehr geschwächt werden. Das Landeskomitee erinnerte daran, daß vor einigen Jahren der Misrachi sich in Ungarn von der allgemeinen Organisation trennte. Dies hatte zur Folge, daß die misrachistisch gesinnten Zionisten aus der Landesorganisation austraten und diese ungemein schwächten. Sie selbst wurden aber auch nicht stärker, da sie neue Mitglieder trotz ihres Austrittes nicht werben konnten. Die Misrachi-Organisation konnte sich nicht einmal erhalten. Diese traurigen Erfahrungen bewogen das Landeskomitee, sich gegen die Agitation für eine Sonderföderation zu äußern. Eine Verständigung konnte bisher nicht erzielt werden. Herr Berlin hielt am 27. November in Szatmär vor einem zahlreichen Publikum einen Vortrag. Am 30. November sprach er in Budapest über das Thema: „Das Judentum, was es ist und wie es sein soll“. In der regen Diskussion, welche sich nachher entwickelte, sprachen die Herren Geyer, Horvath, Schlesinger und Redakteur Großberg. Die beiden letzteren griffen die Misrachi an und forderten die Anwesenden zum Beitritt zur Moria und zur Agudath Jisrael auf. Ihnen traten die Herren Berlin und Lebowitsch entgegen. Viele der Anwesenden meldeten ihren Beitritt zum Misrachi an. Czernowitz. Am 23. d. M. sprach im „Zionistischen Sem inar“ der „E muna h" Sekretär des E. A. C. Dr. Philipp Korngrün über die „Strömungen im heutigen Zionismus“. Der Vortrag wurde vor einem zahlreichen Publikum gehalten und erntete lebhaften Beifall. Przemysl. Die hiesige „Zionistische Vereinigung“ beklagt den Tod ihres langjährigen, verdienstvollen Obmannes, des Herrn Post-Oberkontrolleurs Salomon Auerbach. Der Verblichene hat sich durch seine Seelengüte und erfolgreiches zionistisches Wirken ausgezeichnet. Ein Zögling der Haskalah- Epoche, vereinigte er in sich gründliches jüdisches Wissen mit europäischer Bildung. An der zionistischen Arbeit hatte er einen hervorragenden Anteil und stellte ihr oft seine Kraft, vor allem seine Rednergabe zur Verfügung. Seinem Einflüsse verdankt die Gemeinde viel gutes. Ehre seinem Andenken! Wiznitz (Bukowina). Am 24. November 1912 veranstaltete das zionistische Arbeitskomitee einen zionistischen Vortrag, bei dem Herr Prof. Dr. Leon Kellner über das Thema: „Was ist und was will der Zionismus“ sprach. Lange vor der anberaumten Stunde war der geräumige Saal des Hotel Central von einem distinguierten Publikum bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Nach einer kurzen, von Dr. Buchsbaum, dem Obmanne des zionistischen Arbeitskomitees, gehaltenen Eröffnungsansprache, betrat Prof. Dr. Kellner das Podium. Er führte den moralischen und politischen Inhalt des Zionismus in glänzender Weise den Zuhörern vor und ließ ein Stück jener schönen großen Zeit erstehen, da unser Herzl auf dem Höhepunkte seines Schaffens stand. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, stark und treu zu sein und die kleinen Opfer nicht zu unterschätzen und nicht zu scheuen, schloß der Vortragende seine Rede. Der Beifall wollte kein Ende nehmen. Danach fand zu Ehren des Gastes ein Festkommers statt. Olmütz. Am 12. d. M. sprach Herr Kurt Blumenf e 1 d im Saale des Deutschen Casinos über das Thema „Die Juden und das Wirtschaftsleben“. Tags darauf sprach Herr Kurt Blumenfeld im Klubzimmer des Grand-Cafes zu den Vertrauensmännern der Ortsgruppen von Olmütz und Proßnitz. — Er machte sie mit den allgemeinen Richtlinien der gegenwärtigen zionistischen Politik bekannt und berichtete über die positiven Leistungen des Zionismus in Palästina. Am Abend desselben Tages, 13. November 1912, fand im Klubzimmer des Hotel „Lauer“ eine Versammlung der Olmützer Schekelzahler statt, wo Herr Blumenfeld darlegte, wie wichtig es gerade jetzt sei, daß jeder Zionist seine Pflichten gegen das jüdische Volk voll erfasse und ganz erfülle. Sodann gab Herr Kurt Blumenfeld dem Vereine „Zion“ sowie der zahlreich vertretenen Mittelschuljugend Direktiven für die eigene zionistische Fortbildung und für die Betätigung nach außen. Es ist ein glücklicher Zug unserer Zentralleitung, daß sie in unmittelbare Fühlung mit den einzelnen Ortsgruppen und Vertrauensmännern tritt. Denn auch ein überzeugter Zionist kann bisweilen in seinem Wirkungsgebiete entmutigt werden; da ist es nun von nicht zu unterschätzender Tragweite, wenn die Zionisten ab und zu von der berufensten Seite über die Zwecke und Ziele des Zionismus und ihre Pflichten ihm gegenüber belehrt bezw. aufgeklärt werden. Sereth. (Bukowina.) Auf Einladung des hiesigen zionistischen Arbeitskomitees sprach am 21. v. M. Herr Dr. Philipp Korn grün vor einem zahlreich erschienenen Publikum über „Zionistische Kulturarbeit“. Korczyna. Vor kurzem wurde hier vom Distrikts-Komitee in Krakau eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission gewählt, in der Herr B, Fischei als Nationalfonds-Kommissär fungiert. Es gelang der neugewählten Kommission in kurzer Zeit, den Betrag von ca. 100 Kr. zu sammeln, von dem die größere Hälfte für den Jüdischen Nationalfonds und der Rest für andere zionistische Zwecke bestimmt ist. Bald darauf haben wir auch zwölf Schekel gesammelt. Um auch für unsere — leider noch sehr fanatische — Jugend etwas zu tun, haben wir eine kleine Bibliothek gegründet, doch erschwert der Mangel an Büchern unsere Arbeit sehr wesentlich. Wir wenden uns auf diesem Wege an die geehrten Gesinnungsgenossen bezw. an die Bibliotheken und Vereine mit der höflichen Bitte, sie möchten uns mit benutzten Büchern in hebräischer, jüdischer, deutscher und polnischer Sprache unterstützen. Büchersendungen erbitten wir an die Adresse Chaim Hirsch Weißmann in Korczyna. Radautz. Der Verein Dorsche Zion, Radautz, hielt am 24. November die ordentliche Generalversammlung ab. Für den Jüdischen Nationai-Fonds wurden im verflossenen Se-

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