Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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1342 DIE3§KLT Nr. 43 Bemerkungen zur Statistik der vom 1 Januar bis 30. September 1912 eingegangenen Spenden Aus vorstehender Tabelle ergibt sich, daß die N.-F.- Eingänge der verflossenen drei Quartale die Höhe von nahezu einer halben Million Francs erreicht haben. Die Zunahme gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres beträgt ca. 61 000 M. gegen eine Steigerung von 51 000 M. im Vorjahre. Prüfen wir, wie die einzelnen Länder an diesem Ergebnis beteiligt sind, so ergibt sich aus Tabelle 2 folgendes: Die Reihenfolge der vier Länder, welche die stärksten Pfeiler unserer Sammelorganisation sind, wie aus ihrem Anteil an dem Gesamterträgnis per 297 641,78 M. hervorgeht, ist dieselbe wie im Vorjahre geblieben: Rußland, Oesterreich, Nordamerika, Deutschland. Das Erfreulichste ist wohl, daß Rußland nach wie vor an der Spitze aller Länder marschiert. Unter normalen Umständen wäre diese Tatsache bei einer jüdischen Bevölkerung von 6 Millionen nicht zu verwundern; ein Betrag von 8 Kopeken pro Kopf müßte aus Rußland allein eine Million Mark einbringen. Unter den jetzt bestehenden enormen Schwierigkeiten jedoch muß es mit besonderer Genugtuung erfüllen, daß die ersten drei Quartale dieses Jahres gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres eine Steigerung von 17 845,86 M. aufweisen, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, daß im Vorjahre eine Zuwendung von Frau Wodonosowa im Betrage von ca. 10000 M. erfolgl war. Oesterreich behauptet den zwreiten Platz, und entwickelt sich von Jahr zu Jahr in aufsteigender Höhe. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben gleichfalls einen Zuwachs zu verzeichnen, der aber immerhin hinter dem zurückbleibt, was man von diesem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten berechtigterweise erwarten kann. Eine beträchtliche Mehreinnahme gegenüber derselben Periode des Vorjahres hat diesmal Deutschland aufzuweisen, nämlich ca. 32 <y0. Nach unserer Kenntnis der Sachlage ist diese Zunahme nicht wie sonst oft einem Zufall zu verdanken, sondern in erster Linie der besonders in den letzten Monaten entwickelten, energischen und planmäßigen Tätigkeit der Berliner Zentrale. Wenn wir von der außerordentlichen Zuwendung „Anonymus" (54 000 Mark) im letzten Quartale 1911 absehen, so hat Deutschland in den drei Quartalen dieses Jahres nicht viel weniger als im ganzen Jahre 1911 abgeführt. Hoffen wir, daß der schöne Anlauf uns am Schlüsse des Jahres ein Ergebnis bringt, das dem des Vorjahres (inkl. Spende „Anonymus") gleichkommt. Bezüglich der Länder in'A geringerer jüdischer Bevölkerung verweisen wir aui: Tabelle Nr. 2; eine ausführliche Würdigung der Eingänge aus diesen Ländern behalten wir uns für die Besprechung der Jahresstatistik vor, die ein viel zuverlässigeres Bild geben wird, immerhin fällt auf, daß Ungarn, ein Land mit ca. $50 000 Juden, bei dem minimalen Ergebnis von 6813,38 M. einen Rückgang gegen die entsprechende Periode des Vorjahres von ca. 1000 M. zeigt. Verwunderlich ist auch der Rückgang in Rumänien und Belgien, wo die Ergebnisse bisher stets progressiv waren. Der bedauerliche Rückgang in Argentinien ist auf Schwierigkeiten innerhalb der dortigen Organisation zurückzuführen. England, das auch diesmal leider zurückbleibt, wird, wie wir hoffen, in nächster Zeit eine aufsteigende Richtung einschlagen. Diese Erwartimg stützt sidi auf die neu gebildete Kommission, die sich aus Vertretern der beiden dort vorhandenen Organisationen zusammensetzt. Länder 1. Rußland 2. Oesterreich 3. Nordamerika 4. Deutschland 5. Südafrika 6. Canada 7. Rumänien 8. Holland 9. Ungarn 10. England 11. Südslav. Länder 12. Belgien 13. Bulgarien 14. Argentinien 15. Türkei 16. Ostasien 17. Frankreich 18. Schweiz 19. Italien 20. Australien 21. Serbien 22. Brasilien 23. Schweden 24. Griechenland 25. Aegypten 26. Dänemark Tabelle II. l. Jan. bis! 30. Sept.! 1912! 1. Jan. bis 30. Sept. 1911 Fortschritt Rückschritt Ji. | JC Jt. JC _ 90 719.25 72 873.39 17 845.86 85 524.54 69 441.82 16 082.72 — 70 616.06 62 978.60 7 637.46 — 50 781 93; 38 657.80 12 124 13 — 19 677.12 15 381.50 4 295.62 — 14 700 60 12 014.39 2 686.21 — 12 105.— 13 685.88 — 1 580,88 8 485.03 5 583.67 2 901.36 — 6 815.38 7 804.78 — 989.40 5 456 65; 5 897.37 — 440.72 4 742.05; 4 143.42 598.63 — 4 309 11 l 5 868.86 — 1 559.75 3 332.12 2 432 80 899 32 — 3 127.61 i 4 861 23 — 1 733.62 3 027.16; 1 909 17 1 117.99 — 1 921.86! 947.40 974.46 — 1 578.19! 1 31735 260 84 1 258.18 I 2 586 64 — 1 328.46 1 006.12; 996.29 983 — 840.17 674.72 165.45 — 588.90 62. - 526.90 — 558 — 347.- 211.— — 547 33 171.18 376.15 — 382 34 i 16.25 366.09 — 272 64 j 244 39 28.25 — 100. | 100 — ~ 392 473.34;330 897.90 : 69 208.27; 7 632.83 Die Resultate der einzelnen Sammelmittel sind, wenn man die Stetigkeit ihrer Entwicklung berücksichtigt, befriedigend, und sie illustrieren, daß unsere Vertrauensmänner sich der Propaganda und Organisierung aller Sammelmittel mit gleicher Hingebung gewidmet haben. Nichtsdestoweniger muß das Gesamtergebnis als ungünstig bezeichnet werden. Wenn das Tempo der Eingänge in den Schlußmonaten dieses Jahres nidit wesentlich beschleunigt wird, so fürchten wir, daß die eine Million Francs, die bei Aufstellung des Ausgaben-Etats vorgesehen wurde, nicht hereingebracht werden wird. Bekanntlich hat das Direktorium gemeinsam mit unserer Vertretung in Palästina ein Minimalprogramm für die nächsten Jahre aufgestellt, wonach die unerläßlichen Arbeiten des J. N.-F. in Palästina in diesem Jahre eine Million und in den nächsten Jahren ebenfalls je eine Million Francs erfordern. In dem von Herrn Dr. Boden heimer unseren Vertrauensmännern unterbreiteten Reisebericht ist dies Minimalprogramm im einzelnen dargelegt und begründet. Wir glauben, daß kein Gesinnungsgenosse, der das Programm studiert hat, wünschen wird, daß auch nur eine der darin geplanten Arbeiten infolge Mangels an Mitteln unterlassen bleibt. Wollen unsere Freunde aber dieses Programm ausgeführt sehen, dann dürften sie unserem Appell anläßlich der bevorstehenden Propaganda-Saison — insbesondere in den letzten Monaten dieses Jahres — dem Nationalfonds die notwendigen Mittel für seine jetzt mit gebieterischer Notwendigkeit an ihn herantretenden Aufgaben zur Verfügung zu stellen, mit aller Kraft zu entsprechen suchen.