Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 42 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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1304-- - D1E3 genossen waren angenehm enttäuscht, als der Redner, entgegen der sonst üblichen Art, Sombart als Menschen durchaus Gerechtigkeit widerfahren ließ. S. habe in vielen Punkten geirrt, aber in seiner Gesinnung stehe er hoch über den landläufigen Antisemiten. Jedoch die zionistische Lösung sei für die westeuropäischen Juden keine Lösung. Die moralische Not der deutschen Juden könne nur der Zentralverein durch das Ziel der Gleichberechtigung bekämpfen. Dann ging der Redner auf die Kunstwartartikel ein, die er, wie Sombart, zum Teil wörtlich zitierte. Er stellte sich auf den Standpunkt, wir brauchten uns den Deutschen nicht mehr zu assimilieren, denn wir unterschieden uns nur durch den Glauben. Mit einem Appell zur Einigkeit gegen den Abfall schloß der Redner. In der Diskussion vertraten die Herren Levigard, T ach au er und Dr. S c h w a r z s c h i 1 d den zionistischen Standpunkt. Zwar begrüßten sie die versöhnliche Haltung des Referenten, betonten aber den Gegensatz, der zwischen dem Zentralverein und dem Zionismus vorhanden sei, da jener für die deutschen Juden und nur für die Gegenwart sorgen wolle, während wir für die Gesamtjudenheit und für die Zukunft arbeiten. D. T. Samter. Sonntag, den 6. d. M., nachmittags 4 Uhr, wurde von der hiesigen Ortsgruppe eine Simchasthorafeier für Kinder veranstaltet. Am Abend desselben Tages lud die Zionistische Ortsgruppe alle Mitglieder zu einer Simchasthorafeier ein. Hannover. Vor einer gut besuchten Versammlung sprach am 5. Oktober Herr sttaL jur. Julius Katzenstein aus Bremen über Moses". Crossen a. O. Am 1. Oktober wurde unter Beteiligung der jüdischen Gemeinde ein jung-jüdischer Abend veranstaltet. Herr cand. med. Erich Dresel hielt ein Referat über „Das wirtschaftliche Problem44 und Herr Oberlehrer Calvary über „Das kulturelle Problem4'. Posen. Die national-jüdische Frauenvereinigung Posen veranstaltete am Sonntag, den 29. September, ein Simchasthorafest für Kinder. Das Fest war von 200 Personen besucht. Glogau. Am Sonntag, den 6. d. M., hielt hier Herr Kurt B 1 u m e n f e 1 d einen Vortrag über „Zionismus und Staatsbürgertum". Oesterreich Vertrauensmännerversammlung Wien. In einer überaus zahlreich besuchten zionistischen Vertrauensmännerversammlung wurde die Frage der bevorstehenden Neuwahlen in den Kultus vorstand besprochen und der Bericht über die bisherigen Vorarbeiten für den Wahlkampf genehmigend zur Kenntnis genommen. Allgemein wurde betont, daß es besondere Ehrenpflicht der Wiener Zionisten sei, in dem Jahre, in welchem der Zionistenkongreß zu Wien tagen werde, den Kampf gegen das herrschende System in der Wiener Kultusgemeinderepräsentanz mit verdoppelter Anstrengung zu führen. Das Wahlkomitee hat sich bereits konstituiert und alle Gesinnungsgenossen zu eifrigster Mitarbeit aufgerufen. * Drohobycz. Sonntag, den 20. Oktober a. c. findet die V. ordentliche Generalversammlung des Vereins „Theodor Herzl" mit der Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre; 2. Bericht der Verkaufsstelle des Jüdischen Verlages; 3. Bericht der Vertretung der „Welt4'; 4. Wahl eines neuen Ausschusses; 5. Eventualia statt. Ungarn Eine Aussprache über Zionismus und Territorialismus (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Unsere Winterkampagne wurde am 12. Oktober mit einem Debattierabend über das Thema ,,Zionismus und Territorialismus44' eröffnet. Die rührige Hochsehülervereinigung Makkabaea hatte das Arrangement übernommen. Der Sitzungssaal des alten Parlamentsgebäudes war von einem zahlreichen Publikum besucht, in dessen Reihen wir unter anderen den Rabbiner Dr. H e v e s i , einige namhafte Mitglieder der Kultusgemeinde-Repräsentanz und des Oberbeamtenstabes der Gemeinde bemerken konnten. Zahlreich war auch der Lehrkörper der Gemeinde schulen ver- [ELT Nr. 42 treten. Der größere Teil der Erschienenen bestand au*j Nichtzionisten. Nach einer kurzen Eröffnungsrede erhielt der Referent des Abends, der Präsident unserer Landesorganisation, Herr Ingenieur Benjamin Beregi, das Wort. Ausgehend von den Grundsätzen der zionistischen Bewegung, schildert er die Wirkung, welche der zionistische Gedanke auf das Gesamtjudentum übte und befaßte sich dann eingehend mit den Einwendungen, welche gegen den Zionismus bisher erhoben wurden. Im zweiten Teil des Vortrages gab der Vortragende eine pragmatische Darstellung des Territorialismus von seinen Anfängen bis heute. Auf Grund des Kongreßprotokolls entrollte er das bewegte Treiben des VII. Kongresses, welcher die Trennung herbeiführte, beleuchtete dann auf Grund der offiziellen Erklärungen Zangwills die bisherige ,,Tätigkeit" der Ito und verweilte länger beim Angolaprojekt. In meisterhafter Antithese wurde dann die Bilanz gezogen: Die Ito sucht ein Territorium, der Zionismus hat ein Territorium gefunden, die Ito hat keine Institutionen und keine Organisation, der Zionismus hat Institutionen, welche erfreulich gedeihen und eine mächtig anschwellende Organisation, die Ito vergeudete ihre Zeit und ihr Geld, um ergebnislos Länder zu suchen, der Zionismus ging schrittweise ans Werk und kann heute Taten vorweisem Wir können uns ruhig auf das Urteil der Außenstehenden verlassen, ob wir Träumer oder Realisten sind. Herr Beregi wandte sich schließlich gegen diejenigen, welche jetzt erst, nach Tjähriger unfruchtbarer Tatlosigkeit, den territorialistischen Gedanken aufgreifen und gegen diejenigen, welche früher den Zionismus wegen seiner politischen Aspirationen verpönten, jetzt aber, nachdem sich der Zionismus auch der praktischen und kulturellen Tätigkeit zuwandte, die politischen Aspirationen behufs Erlangung eines Territoriums selber betätigen, den Zionismus aber nach wie vor bekämpfen. Die formvollendeten Ausführungen wurden öfters durch großen Beifall unterbrochen. Von der gegnerischen Seite erhob sich Herr Max L e i t - ncr, der in kurzer Rede seinen Befürchtungen Ausdruck gab, daß die Nationalitätenverhältnisse in der Türkei die Bildung eines jüdischen Gemeinwesens nicht zulassen würden. Die Versammelten wollten nun Dr. Ludwig Szabolcsi hören, den Sohn des Regisseurs der ungarländischen Itobewegung, Max Szabolcsi, der selbst nicht erschienen; war. Nach vielen Zurufen erklärte Dr. Ludwig Szabolcsi, nicht debattieren und keine Gegenbeweisführung antreten zu wollen, da dies keine öffentliche Diskussion, sondern eine geschlossene Versammlung der Zionisten sei. (Dabei waren viele Hunderte von Einladungen erlassen, viele Persönlichkeiten durch Deputationen eingeladen, endlich durch die Tagespresse die Abhaltung des Diskussionsabends bekanntgegeben.) Gg. Dr. Kahan, der jetzt das Wort ergriff, verwies in temperamentvollen Worten darauf, daß der Zionismus niemals eine solche Kampfesweise befolge, wie seine Gegner. Wir Zionisten wünschen der Ito vom Standpunkt der Humanität, daß sie möglichst bald unseren unglücklichen Brüdern etwas zu bieten in der Lage sei. Das müssen wir uns aber entschieden verbitten, daß die Itobewegung als Trumpf gegen den Zionismus ausgespielt werde. Holland Niederländische Zionistische Studentenorganisation Rotterdam. Am Sonntag, den 6. Oktober, fand in Utrecht die Jahresversammlung der Niederländischen Zionistischen Studenten-Organisation (N. Z. S. O.) statt. Die Versammlung, geleitet von Herrn Dr. jur. B. A. Kohn, war von zahlreichen Studenten aller Universitäten Hollands besucht. Aus der gehobenen Stimmung und dem regen Interesse aller Anwesenden ergab sich, welch großen Enthusiasmus der Zionismus unter den holländischen Studenten erregt. Die von der Organisation in diesem Jahre veranstalteten Versammlungen, in denen Herr Prof. Steinerth und Herr Prof. Sombart als Redner auftraten, hatten eine kräftige propagandistische Wirkung nicht nur für die studentische Organisation, sondern für die ganze holländische zionistische Bewegung. Die studentische Organisation wächst ständig. Für dieses Jahr konnte eine Zunahme von 70o/o der Mitglieder konstatiert werden. In den Vorstand wurden Herr L. T. Loeb als Vorsitzender, Frl. S. van Cleeff (Coolsingel 25, Rotterdam) als Schriftführerin gewäht.